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    Inhaltsangabe

    Dieses Buch wurde im Juli 1914 vollendet. Der Inhalt? Schnell erzählt: Der Fabrikantensohn Diederich Heßling wird begeisterter Burschenschaftler, drückt sich vorm Militär, schwängert ein Mädchen, heiratet eine andere und arbeitet sich nach und nach zum wichtigsten Bürger der deutschen Kleinstadt Netzig hoch. Ein obrigkeitshöriger Drückeberger, ein kaisertreuer Stammtisch-Agitator, ein intriganter, feiger Kumpan - und ein exemplarischer Menschentypus.

    Tatsächlich ist "Der Untertan" einer der ganz großen Romane des letzten Jahrhunderts. Hans Korte spricht das Ganze mit einer Mischung aus so schneidiger Bösartigkeit und hündischer Feigheit, dass es eine schauerliche Freude ist, ihm zuzuhören.
    ©1965 / 1995 Aufbau-Verlag / S. Fischer Verlag (P)1989 Norddeutscher Rundfunk

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    Das sagen andere Hörer zu Der Untertan

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    • 4.5 out of 5 stars
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      5 out of 5 stars
    • Sprecher
      5 out of 5 stars
    • Geschichte
      4 out of 5 stars

    Heinrich Manns Hauptwerk perfekt gelesen

    Bevor ihr jetzt alle über die erste Rezension herfallt, die in eigenwilligem barockem Deutsch das Buch als "langweiliges Geplenkel" bezeichnet - so ganz falsch ist das gar nicht aus Sicht heutigen Romanverständnisses. Mir ist beim Hören wieder mal klar geworden, wie sehr sich der Romanbegriff seit 4 Generationen verändert hat. Ein "Großer Roman" war auch um 1900 noch ein Panorama, mehr extensiv als intensiv, mglichst einen weiten Zeitraum umfassend. Heute ist fast jede Form von Roman von Krimi-Ästhetik infiltriert, sprich, heute erwarten wir, dass ein Roman uns unablässig fesselt, die Handlung einigermaßen linear geführt wird.
    Manns große Kritik am Kaiserreich ist zwar herrlich frech und schnoddrig - Tucholsky hat das Buch geliebt - aber bei aller gedanklichen Kühnheit spürt man doch noch die eher dröge Romantradition von Raabe und Spielhagen, es plätschert wirklich ein bißchen. Vor allem die letzten drei Stunden habe ich als schrecklich dünn empfunden, bevor es am Schluß nochmal richtig amüsant wird.
    Tucholskys berühmte Rezension entzündet sich am Politischen. Und wirklich -für die anständigen Zeitgenossen muss es erlösend gewesen sein ,dass einmal einer einen Romen um einen typischen Mitläufer schreibt, einen "Untertan", einen Kaisertreuen. Auch wenn Deuschlehrer hier die Hände ringen und von "ewigen Werten" sprechen - diesen Typus gibt es nicht mehr. Der monarchische, hurraschreiende Nationalist - so wie bei Mann ist er nicht mehr zu finden. Klar, es gibt heute auch Wendehälse, eklige politische Hasardeure, aber die ticken anders. Diederich Hessling müsste heute von Demokratie reden und hintenrum trotzdem ein Mistkerl sein. sinclair Lewis "babbitt" wäre eher der Typ Untertan, der uns heute plagt.
    Und doch - hört man Manns Roman, der 1914 abgeschlossen wurde, versteht man die Deutschen besser, versteht, warum sie 1939 wieder abmarschiert sind in den Krieg.
    Und eines ist immer noch hochamüsant und aktuell - Tucholsky schreibt in seiner Besprechung: "Kleine und kleinste Züge belustigen, böse Blink-feuer der Erotik blitzen auf, der Kampf der Geschlechter in Flanell und möblierten Zimmern ist hier ein Guerillakrieg, es wird mit vergifteten Pfeilen geschossen, und es ist bitterlich spaßig, wie Liebe schließlich zum legitimen Geschlechtsgenuß wird."
    Das ist immer noch schön - und zuweilen extrem lustig.
    Heinrich Mann - der verwelkte Klassiker? Nicht im entferntesten. Sein Spätwerk ist erfreulich spannend und zeitlos. Die beiden großen historischen Romane um Heinrich den Vierten - beispielweise von Reinhard Kuhnert oder Erich Räuker gelesen, wären immer noch ein Kracher.
    Aber auch hier ist an der Leseleistung nichts zu mäkeln- die Aufnahme stammt von 1989, da hatte Korte noch kein Altmännerknarzen in der Stimme, ist auf der Höhe seiner Kunst, liest lakonische Sätze Manns so herrlich trocken, dass es eine Freude ist. Alles, was sich aus diesem wichtigen, aber nicht mehr ganz taufrischen Klassiker herausholen lässt - Korte hat es herausgeholt.

    43 Leute fanden das hilfreich

    • Gesamt
      5 out of 5 stars
    • Sprecher
      5 out of 5 stars
    • Geschichte
      4 out of 5 stars

    100 Jahre alt und immer noch aktuell!

    Würden Sie Der Untertan noch mal anhören? Warum?

    Habe den "Untertan" seit meinem 17. Lebensjahr zwei- bis dreimal gelesen und mit zunehmender geistiger Reife immer besser verstanden. Habe immer aufs Neue Parallelen mit Personen aus der Welt, die mich umgab und umgibt, entdecken dürfen/müssen. Vor diesem Hintergrund ist es ein nochmals erhöhter Genuss, ihn sich auch einmal vorlesen zu lassen, zumal von einem derart begnadeten Erzähler wie Hans Korte

    Welcher Moment von Der Untertan ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

    Wie schon bei der allerersten Lektüre: Weniger der buckelnde, stürzende Diederich vor dem Kaiser auf dem Pferd, vielmehr der Diederich, der seinem Fast-Schwiegervater mit innerer Überzeugung kundtut, eine Frau die (dank Diederich) nicht mehr Jungfrau ist, könne er selbstredend nicht ehelichen.

    Welche Figur hat Hans Korte Ihrer Meinung nach am besten interpretiert?

    Na wen schon: Diederich Heßling!

    Hat dieses Hörbuch Sie emotional stark bewegt? Mussten Sie laut z.B. lachen, weinen, zweifeln, etc.?

    Lachen (und dabei insgeheim traurig werden) kann man hier nahezu fortlaufend.

    Was wäre für andere Hörer sonst noch hilfreich zu wissen, um das Hörbuch richtig einschätzen zu können?

    Trotz aller ungebrochenen Aktualität sollte man sich schon ein wenig mit der Geschichte Deutschlands von 1848 bis zum Ersten Weltkrieg auskennen. Anderenfalls versteht man (wie ich weiland mit 17) nicht jede Bemerkung.

    5 Leute fanden das hilfreich

    • Gesamt
      5 out of 5 stars
    • Sprecher
      5 out of 5 stars
    • Geschichte
      5 out of 5 stars

    Geradezu visionär

    Mein kaum 18jähriger Neffe geht mit Engelsgeduld zu den AFD-Wahlständen und versucht die dortigen Wahlwerber mit freundlicher Logik mit ihren eigenen Parolen zu konfrontieren … im Allgemeinen kommt er einige Stunden später unverrichteter Dinge zurück - er habe es zumindest versucht, sagt er sanft … Heinrich Manns Untertan, schon vor mehr als einhundert Jahren geschrieben und publiziert, wäre ein gutes Studienobjekt für ihn! Dass die Nationalsozialisten eigentlich nichts mehr erfinden mussten, wird einem erschreckend klar beim Zuhören - von Herrenmenschentum, dem deutschen Volk, dem die Verehrung der Macht im Blute liege, Antisemitismus bis zur Schlammflut der Demokratie - alles schon da. Dass H. Mann die Träger dieser Überzeugungen aus seiner Perspektive noch genüsslich karikieren kann, macht dieses eigentlich bedrückende Buch sehr amüsant, man merkt ihm den Spaß des Autors beim Schreiben direkt an. Hans Korte legt in die inneren Dialoge Heßlings eine herrlich plastische bierbäuchige Kurzatmigkeit - sehr zu empfehlen!

    4 Leute fanden das hilfreich

    • Gesamt
      5 out of 5 stars
    • Sprecher
      4 out of 5 stars
    • Geschichte
      5 out of 5 stars

    Unglaublich bissige Satiere, ein Genuß!

    Zugegeben, das Buch ist 100 Jahre alt. Aber es ist erstaunlich, mit welcher Verve Heinrich Mann hier "vom Leder zieht". Nach der intensiven Beschäftigung mit Wilhelm II in historischer Hinsicht war neugierig auf dieses Buch - und perplex: So unglaublich ist diese Satire, dass man nur staunen kann: Mann hat hier ein Sittengemälde hingezaubert, das bis heut seinesgleichen sucht! Die Zitate Wilhelm II eingefügt in Alltagsreden ist grandios! Da wird "zerschmettert", da wird "die Zukunft auf dem Wasser" gesucht und es wird "geblitzt"!
    Ich habe mich keine Minute gelangweilt, die Handlung ist stringent und flüssig, interessant und gut zu hören. Was mich sehr beruhigt hat: Heinrich Mann versteht zu unterhalten, das was sein Bruder leider nicht schafft. Er erzählt und versteht sein Handwerk.
    Dieses Buch ist eine großartige Ergänzung zur Beschäftigung mit dem 1. Weltkrieg, es liefert einen starken Eindruck in das Denken der damaligen Zeit hinein.
    Korte ließ sehr, sehr schön, auch das rundet das Bild ab.

    3 Leute fanden das hilfreich

    • Gesamt
      4 out of 5 stars
    • Sprecher
      5 out of 5 stars
    • Geschichte
      3 out of 5 stars

    Anstrengendes Hörbuch

    Als Hörbuch zur Unterhaltung würde ich dieses Hörbuch bestimmt nicht empfehlen. Vielmehr ist es als Zeitdokument über die gesellschaftlichen Verhältnisse im deutschen Kaiserreich der Vorkriegszeit zu betrachten. Erzählt wird die Lebensgeschichte des Diederich Heßling, dem Sohnes eines Papierfabrikanten aus einer fiktiven Kleinstadt im süddeutschen Raum in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg.

    Im einzelnen werden die Lebensabschnitte des kaisertreuen Untertans Heßling wiedergegeben. Begonnen wird mit seiner Schulzeit im Gymnasium, dann folgt sein Chemiestudium in Berlin mit Burschenschaften und ersten Affären. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er dessen Papierfabrik und wird Familienoberhaupt. Als glühender Verehrer des Kaisers Wilhelm II beginnt er in der provinziellen Kleinstadt politisch als strammer kaisertreuer Nationalist tätig zu werden. In den Handlungsabläufen kommt er dabei nicht allzu gut weg. Seine Handlungsweisen sind zwar insgesamt intrigant, autoritär und egoistisch, also nicht sehr schön, bewegen sich aber durchaus im Rahmen des gesellschaftlich Akzeptierten. Vergleichbares kann vereinzelt durchaus in der heutigen Zeit beobachtet werden bei Karrieristen in der Politik oder bei Managern.

    Die dargestellten Handlungsabläufe sind aber nicht immer schlüssig und teilweise auch schwierig nachzuvollziehen. Ein fesselnder Funke springt während des ganzen Buches nicht über. Eine Generalisierung der gesellschaftlichen Verhältnisse des deutschen Kaiserreiches im Vorfeld des 1. Weltkrieges vermag ich aus dem Roman ebenfalls nicht zwingend herzuleiten.

    Zum Schluss des Hörbuchs jedoch wird eine Rede des Diederich Heßling anlässlich der Einweihung eines Kaiserstandbildes wiedergegeben, die fatal das Gedankengut des späteren Nationalsozialismus vorweg nehmen. Es fallen Ausdrücke wie Herrenmenschen und Weltherrschaft, die Deutschland selbstverständlich zusteht. Insofern ist Heinrich Mann zum Schluss seines Romans schon im Jahr 1914 ein erstaunlich treffsicherer Blick in die nähere Zukunft gelungen.

    6 Leute fanden das hilfreich

    • Gesamt
      5 out of 5 stars
    • Sprecher
      5 out of 5 stars
    • Geschichte
      5 out of 5 stars

    Großartig

    Der Untertan war Pflichtlektüre zu Zeiten meines Abiturs. Folglich habe ich das Buch vor 25 Jahren gelesen. An der DDR - Verfilmung (aus der auch das Titelbild des Hörbuchs entnommen ist) kommt man nicht vorbei. Dies alles gepaart mit der wunderbaren Erzählstimme des Hans Korte macht das Hörbuch für mich zu einem einzigartigen Erlebnis und sorgt zugleich für Bilder im Kopf. Großartiges Hörbuch, keineswegs langweilig, sehr pointiert vorgetragen. 5 Sterne!

    1 Person fand das hilfreich

    • Gesamt
      5 out of 5 stars
    • Sprecher
      5 out of 5 stars
    • Geschichte
      5 out of 5 stars

    Toll, einfach nur toll!

    Die Stimme von Hans Korte trifft die Seele des Romans von Heinrich Mann - ein großartiges Hörerlebnis. Sehr, sehr empfehlenswert!

    • Gesamt
      3 out of 5 stars
    • Sprecher
      5 out of 5 stars
    • Geschichte
      3 out of 5 stars

    Ein Buch voller beisendem Sarkasmus

    Hans Korte liest dieses Buch meisterhaft. Er beherrscht es, der Handlung und den Personen Schwung zu geben. Leider reichte es nicht, der Erzählung Spannung zu geben. Es ist ein Buch voller Niedertracht und Missgunst. Manns prophetische Weitsicht besticht. Dennoch konnte mich die Handlung nicht fesseln.

    • Gesamt
      4 out of 5 stars
    • Sprecher
      5 out of 5 stars
    • Geschichte
      3 out of 5 stars

    Die Satire wird durch den Leser wieder lebendig

    Genial gelesen, der Humor des Textes wird lebendig. Heßling ist eine herrliche Lachnummer! Wie er sich immer wieder aufplustert und mit seinem "Seine Majestät, der Kaiser, Hurra!" sogar den Latrinenbau zum Nationalen Akt erhebt, treibt einem die Tränen in die Augen. Natürlich ist der Text lang und es wiederholt sich manches, dennoch: Heßling als Groupie des Kaisers in Italien, seine überhebliche Art, pepaart mit seiner Feigheit, machen ihn zum Musteruntertan seiner Zeit. Hans Korte leiht diesem kaisertreuen Untertan seine Stimme, wodurch Manns Satire revitalisiert wird.

    • Gesamt
      5 out of 5 stars
    • Sprecher
      5 out of 5 stars
    • Geschichte
      5 out of 5 stars

    immer gültige Gesellschaftssatire

    Der Untertan ist ein Klassiker, der herrlich in seinen Personen Beschreibungen und Schilderungen der Seilschaften in Gesellschaft und Poöitil ist. Der Untertan als nach oben buckelnder, nach unten tretender Schwächling ohne Rückgrat, einzig auf seinen eigenen Vorteil bedacht, ist - leider - zeitlos. Die Sprache Heinrich Manns ist ein Genuss und Hans Korte liest einmalig gut und ausdrucksvoll.