Seit mehr als zwanzig Jahren werden mit dem Preis der Leipziger Buchmesse Werke ausgezeichnet, die literarisch neue Wege gehen, die Diskussionen anstoßen und Perspektiven erweitern. 2026 hat sich die Jury durch 485 eingereichte Titel von 177 verschiedenen Verlagen gelesen. Am Ende nominierte sie 15 Werke – jeweils fünf in den drei Preiskategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung. Jetzt stehen die Gewinnerinnen und Gewinner fest. Verliehen wurde die mit insgesamt 60.000 Euro dotierte Auszeichnung wie jedes Jahr zum Auftakt der Buchmesse, dieses Jahr am 19. März in der Glashalle der Leipziger Messe.
In der Jury saßen 2026 unter anderem Tilman Spreckelsen, Feuilletonredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, und Judith von Sternburg, Literaturkritikerin bei der Frankfurter Rundschau. Gemeinsam mit Katharina Herrmann, Kais Harrabi, Zita Bereuter und Thomas Hummitzsch wählen sie die nominierten Werke und schließlich die Gewinnerinnen und Gewinner aus. Den Juryvorsitz hat auch dieses Jahr Katrin Schumacher, bekannt aus MDR Kultur und Deutschlandfunk Kultur, inne.
2025 ging der Preis in der Kategorie Belletristik an Kristine Bilkau für Halbinsel und an Irina Rastorgueva für Pop-up-Propaganda. Epikrise der russischen Selbstvergiftung in der Kategorie Sachbuch/Essayistik. Thomas Weiler wurde für seine Übersetzung von Ales Adamowitschs, Janka Bryls und Uladsimir Kalesniks
Feuerdörfer. Wehrmachtsverbrechen in Belarus - Zeitzeugen berichten aus dem Belarussischen ausgezeichnet. Hier liest du mehr über den Preis der Leipziger Buchmesse 2025.
Preis der Leipziger Buchmesse: ausgezeichnete und nominierte Werke
Bei Audible entdeckst du ausgewählte, mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnete und für den Preis nominierte Werke.
Wir sind schon gespannt darauf, wer 2026 den renommierten Literaturpreis bekommen wird. Bis dahin bleibt Zeit zum Entdecken. Hier erfährst du, welche Bücher dieses Jahr nominiert sind und lernst außerdem ausgewählte Werke kennen.
Preis der Leipziger Buchmesse 2026: Die Gewinnerinnen und Gewinner
Die 15 dieses Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Werke zeigen verschiedene Facetten der Gegenwartsliteratur, ob als Roman, Sachbuch oder Essay. Die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten je 15.000 Euro sowie die Nominierten je 1.000 Euro Preisgeld. Hier liest du mehr über die Romane, die dieses Jahr ausgezeichnet wurden
Preiskategorie „Belletristik“: Goldstrand von Katerina Poladjan
Die in Moskau geborene Autorin Katerina Poladjan, die schon 2022 mit Zukunftsmusik auf der Shortlist des Preises der Leipziger Buchmesse stand, wurde 2026 für ihren Roman Goldstrand in der Preiskateorie Belletristik mit dem Preis der Leipziger Buchmesse geehrt.
Im Zentrum des erzählerisch dichten Romans steht Eli. Der Regisseur lebt heute in einer bröckelnden Villa in Rom. Auf dem Sofa seiner Dottoressa beginnt er, seine Lebensgeschichte zu erzählen. Szene für Szene reiht er Erinnerungen aneinander, fast wie Einstellungen in einem Film.
Geboren in den 1950er-Jahren an der bulgarischen Küste, führt Elis Weg durch Städte und Zeiten: von Warna nach Odessa, von Konstantinopel bis nach Rom. Menschen tauchen auf und verschwinden wieder. Orte verändern ihre Bedeutung. Und immer wieder kreist Eli um eine Leerstelle in seiner Biografie – eine Erfahrung, die sich nicht greifen lässt und doch alles bestimmt.
Goldstrand ist ein Roman über Herkunft und Bewegung, über Migration, Einsamkeit und Erinnerung. Elis Lebensgeschichte entfaltet sich in diesem Werk eine Lebensgeschichte, bestehend aus Fragmenten, die erst im Rückblick Gewicht bekommen.
Das sagt die Jury über Goldstrand:
Katerina Poladjans Roman ist ein Abgesang auf Europa als Kontinent der glamourösen Dichter und Denker – und erzählt uns mit einer leichten wie abgründigen Sprache von einem Mann, der sich auf einen Abschied vorbereitet und selbst noch nicht weiß, wohin ihn die Reise führt.
Auf einen Blick: Alle Nominierten in der Preiskategorie Belletristik
Autorin / Autor | Titel |
Anja Kampmann | |
Elli Unruh |
Preiskategorie „Sachbuch/Essayistik“: Balkan-Odyssee von Marie-Janine Calic
Die Historikerin Marie-Janine Calic, Professorin für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München, wurde 2026 für ihr Werk Balkan-Odyssee, 1933–1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa in der Preiskategorie Sachbuch/Essayistik mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.
Im Zentrum des aufwendig recherchierten Sachbuches steht eine kaum erzählte Geschichte des Exils: die Fluchtbewegungen über den Balkan in den Jahren von 1933 bis 1941. Calic folgt den Wegen von Verfolgten, die vor dem NS-Regime nicht nur in den Westen oder in die Sowjetunion flohen, sondern auch in den vermeintlich abgelegenen Südosten Europas. Anhand zahlreicher Einzelschicksale, darunter bekannte Namen ebenso wie bislang kaum dokumentierte Lebensgeschichten, entfaltet sich ein vielschichtiges Bild dieser vergessenen Fluchtroute.
Calic verbindet biografische Erzählungen mit politisch-historischen Zusammenhängen. So macht er sichtbar, wie eng individuelle Schicksale und Weltgeschichte miteinander verwoben sind. So entsteht ein Werk, das nicht nur eine Forschungslücke schließt, sondern auch die Perspektive auf europäische Exilgeschichte erweitert.
Das sagt die Jury über Balkan-Odyssee:
Südosteuropa ist bislang in der Exilforschung kaum beachtet – Marie-Janine Calic schließt eine Lücke mit diesem eindrucksvollen Werk. In ihrer breiten und akribischen Recherche erzählt sie die wechselvolle Geschichte der Balkanroute anhand vieler Einzelschicksale.
Auf einen Blick: Alle Nominierten in der Preiskategorie Sachbuch/Essayistik
Preiskategorie „Übersetzung“: Unten leben von Gustavo Faverón Patriau, übersetzt von Manfred Gmeiner
In der Kategorie Übersetzung wurde 2026 Manfred Gmeiner für seine Übersetzung von Unten leben von Gustavo Faverón Patriau aus dem Spanischen ausgezeichnet.
Der Roman beginnt in Peru mit einem Mord: Am Tag der Verhaftung des Anführers der Guerillagruppe Sendero Luminoso begeht der amerikanische Filmemacher George Bennett ein Verbrechen, dessen Vorgeschichte Jahrzehnte zurückreicht – und dessen Aufklärung ebenso lange auf sich warten lässt. Von diesem Ausgangspunkt aus entfaltet sich eine vielschichtige Erzählung, in der sich Stimmen, Zeiten und Wirklichkeitsebenen überlagern.
Unten Leben verbindet politische Geschichte mit beinahe surreal anmutenden Elementen. Realität und Imagination gehen dabei ineinander über, Figuren tauchen auf, verschwinden, verändern sich. So entsteht ein düsteres Panorama Lateinamerikas. Unten leben ist ein Roman, der sich bewusst jeder Eindeutigkeit entzieht – und gerade daraus seine erzählerische Kraft bezieht.
Dass dieser vielstimmige, sprachlich dichte Text im Deutschen seine Wirkung entfalten kann, ist maßgeblich der Übersetzung von Manfred Gmeiner zu verdanken. Präzise und mit einem feinen Gespür für Rhythmus und Tonlagen gelingt es ihm, die Komplexität des Originals zu bewahren und zugleich eine eigenständige literarische Sprache zu schaffen.
Das sagt die Jury über die Übersetzung von Unten leben:
Manfred Gmeiner übersetzt den Roman mit spielerischer Eleganz ins Deutsche und bewahrt dabei den Blick für eigensinnige Figuren und den Zauber der Poesie.
Auf einen Blick: Alle Nominierten in der Preiskategorie Übersetzung
ÜbersetzerIn | Titel |
Ulrich Faure | Das Lied von Storch und Dromedar (von Anjet Daanje) |
Tina Flecken | Eden (von Auður Ava Ólafsdóttir) |
Manfred Gmeiner | Unten leben (von Gustavo Faverón Patriau) |
Timea Tankó | Die Aussiedlung (von András Visky) |
Petra Zickmann | Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis (von Irene Solà) |
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Foto: Preisträgerinnen und Preisträger Preis der Leipziger Buchmesse 2026 (v.l.n.r.): Marie-Janine Calic, Katerina Poladjan, Manfred Gmeiner. Quelle: Leipziger Messe / Jens Schlüter













