Kirchengeschichtsseminar Kapitel 17, Teil 1: Der Aufstieg des Papsttums und die Christianisierung und Katholisierung der germanischen Völker im 5. bis 7. Jahrhundert, Teil 1: Leo der Große, Gelasius I, die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig
Was haben Bibelstellen, Hunnenkönig Attila und eine fränkische Weihnacht gemeinsam?
Ganz einfach: Sie alle spielen eine Rolle beim Aufstieg des Papsttums und der Christianisierung Europas.
In dieser Folge begegnen wir
⛪ Leo dem Großen, der den Machtanspruch des Papstes mit Petrus als dem „ersten Papst“ begründet,
⚖️ Gelasius I., der Kaiser und Kirche sauber trennen will (Spoiler: ganz so einfach war’s nicht),
👑 und König Chlodwig, der sich taufen lässt – mit enormen Folgen für Frankenreich, Kirche und Geschichte.
Dazu: Eigenkirchen, Machtpolitik, eine fromme Königin und die Frage, warum Religion plötzlich auch bei Verträgen eine Rolle spielt.
Kirchengeschichte, die zeigt, wie spannend das 5. Jahrhundert wirklich war. Also: rein in die Geschichte! 😉
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Kurzfassung:
In dieser Folge des Kirchengeschichtsseminars geht es um entscheidende Weichenstellungen zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert: den Aufstieg des Papsttums und die Christianisierung der germanischen Völker. Im Mittelpunkt stehen drei Entwicklungen, die für die weitere Geschichte Europas von grundlegender Bedeutung waren.
Zunächst wird Papst Leo I. (440–461), genannt „der Große“,vorgestellt. Er gilt als eigentlicher Begründer des römischenPrimatsanspruchs. Leo vertritt die Auffassung, dass die besondere Leitungsfunktion, die Jesus dem Apostel Petrus übertragen hat, in den Bischöfen von Rom fortlebt. Zur Begründung beruft er sich vor allem auf neutestamentliche Schlüsselstellen, insbesondere Matthäus 16 („Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“) sowie Lukas 22, wo Jesus Petrus den Auftrag gibt, seine Brüder im Glauben zu stärken. In einer Zeit politischer Instabilität nach dem Zerfall der weströmischen Ordnung tritt Leo nicht nur als Kirchenlehrer und Prediger auf, sondern auch als faktischer Staatsmann. Er verhandelt mit Hunnen und Vandalen, sorgtfür die Versorgung der Bevölkerung und setzt auf dem Konzil von Chalcedon 451 maßgeblich eine christologische Kompromissformel mit durch – auch wenn dort zugleich die Gleichrangigkeit der Bischöfe von Rom und Konstantinopel betont wird.
Der zweite Schwerpunkt liegt auf Papst Gelasius I. (492–496) und seiner berühmten Zwei-Gewalten-Lehre. Vor dem Hintergrund des Schismas zwischen Ost- und Westkircheversucht Gelasius, die Zuständigkeiten von Kaiser und Papstgrundsätzlich zu klären. In einem Schreiben an Kaiser Anastasius formuliert er, dass Gott durch zwei Gewalten in der Welt herrsche: durch die weltliche Gewalt der Herrscher, die für Ordnung und Gemeinwohl verantwortlich sind, und durch die geistliche Gewalt der Kirche, die für das Heil der Menschen sorgt. Während Priester weltlichen Gesetzen zu gehorchen haben, dürfen Kaiser nach Gelasius nicht in Glaubens- und Lehrfragen eingreifen.
Der dritte Teil der Folge behandelt die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig um 496/498. Anders als andere germanische Herrscher, die dem arianischen Christentum anhingen, entscheidet sich Chlodwig für die katholische Taufe. Politische Überlegungen spielen dabei ebenso eineRolle wie der Einfluss seiner Frau Chlodhilde und des BischofsRemigius von Reims. Die Taufe Chlodwigs wird zu einem Wendepunkt: Sie verbindet fränkische Königsmacht und katholische Kirche eng miteinander. Zugleich entsteht im Frankenreich ein besonderes Modell des Verhältnisses von Kirche und Staat, etwa durch das System der Eigenkirchen, das spätere Konflikte wie den Investiturstreit bereits vorzeichnet.
Die Folge zeigt anschaulich, wie eng Theologie, Machtpolitik und gesellschaftliche Ordnung in der Spätantike und im frühen Mittelalter miteinander verflochten waren – und warum diese Entwicklungen bis heute nachwirken.