Sie gelten als Oscars für die Bereiche Literatur und Journalismus: die Pulitzer-Preise. Seit 110 Jahren werden sie jährlich durch eine Fachjury der New Yorker Columbia University vergeben, um herausragende Reportagen, Bücher und Medienbeiträge zu würdigen. Besondere Aufmerksamkeit bekommt dabei traditionell der mit 15.000 Dollar dotierte Preis für „Fiction“, also für den besten Roman.
And the Pulitzer Price 2026 goes to .... Angel Down von Daniel Kraus
Am 4. Mai 2026 war es wieder so weit. Für insgesamt 23 Kategorien verkündete die Leiterin des Pulitzer-Komitees Marjorie Miller die Gewinnerinnen und Gewinner des Jahres via Video-Livestream. Die Bekanntgabe des besten Romans bildete den Schluss- und Höhepunkt der knapp einstündigen Zeremonie. Dabei machte Angel Down von Daniel Kraus das Rennen.
Angel Down ist ein wilder Mix aus Historienerzählung, Fiebertraum und literarischem Experiment. Eine deutsche Fassung liegt bislang nicht vor. In dem Roman erzählt Daniel Kraus in nur einem, in Abschnitte unterteilten Satz die Geschichte der US-Soldaten Bagger, Arno, Popkin, Veck und Godspeed. Die fünf Männer sind im Ersten Weltkrieg an der sogenannten Maas-Argonnen-Offensive in Frankreich beteiligt. Inmitten der blutigen Kriegswirren spüren sie die Quelle eines mysteriösen Kreischens auf, das die Truppe in den Wahnsinn zu treiben droht. Dabei stoßen sie auf einen strahlenden, aber gefesselten Engel. Um die Lichtgestalt zu retten, desertieren sie.
Die Pulitzer-Jury über Angel Down:
„Eine stilistische Tour-de-Force, die die Genres Allegorie, Magischen Realismus und Science-Fiction zu einem stimmigen Ganzen verschmilzt, erzählt in nur einem Satz.“
Über den Autor: Der 1975 in Michigan geborene Daniel Kraus hat über zwanzig Romane verschiedener Genres geschrieben. In den USA erhielt er bereits mehrere Preise, darunter den Odyssey Award und den Bram Stoker Award. International ist Kraus vor allem für seine Zusammenarbeit mit Hollywood-Regisseur Guillermo del Toro bekannt. Mit ihm schrieb er unter anderem die Romane zum Kinoerfolg The Shape of Water und zur Netflix-Serie Trollhunters.
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Pulitzer-Preis 2026: Welche Romane waren noch nominiert?
Neben Angel Down waren zwei weitere Romane in der Endrunde für den Pulitzer-Preis 2026: Audition von Katie Kitamura und Stag Dance von Torrey Peters. Ersterer ist auch als deutsches Hörbuch erhältlich.
Die Probe ist ein kunstvoller Balanceakt zwischen Dichtung und Wahrheit. Katie Kitamura erzählt darin vom Date einer Schauspielerin mit einem jungen Mann, der rein altersmäßig ihr Sohn sein könnte. Dieses Szenario nutzt die Autorin, um sowohl ihre Figuren als auch uns Lesende mit unseren eigenen Stereotypen zu konfrontieren.
Die Pulitzer-Jury über Die Probe:
„Die Unsicherheiten, Widersprüche und Übereinstimmungen der zwei konkurrierenden, doch unabhängigen Erzählstränge hinterfragen unsere Rollen im Leben und unser Verständnis von uns selbst.“
Nach dem Erfolgsdebüt Detransition, Baby vereint Torrey Peters in Stag Dance einen gleichnamigen Roman und drei Kurzgeschichten. Jeder Text bricht auf seine Weise mit gängigen Klischees, Geschlechterrollen und Leseerwartungen. Da verwandelt sich der kerligste aller Holzfäller beim abendlichen Tanz in eine Frau, wir erleben eine Gender-Apokalypse und ziehen mit einem jungen Crossdresser über den Strip in Las Vegas.
Die Pulitzer-Jury über Stag Dance:
„Die Sammlung erforscht verschiedene Ausprägungen des Transgender-Bewusstseins in literarischen Formen, die vertraut erscheinen, deren Wirkung aber fremd, herausfordernd und letztlich neuartig ist.“
Pulitzer-Preis 2026: Höre weitere ausgezeichnete Titel!
Von den insgesamt 23 Pulitzer-Preiskategorien entfallen 15 auf journalistische Verdienste. Viele davon beleuchten prekäre Seiten der politischen und gesellschaftlichen Gegenwart in den USA unter Donald Trump. Somit setzten die Pulitzer-Preise einmal mehr ein Zeichen für freien, unabhängigen und kritischen Journalismus. Im Bereich „Books, Drama & Music“ sind neben Angel Down in der Kategorie „Fiction“ sieben weitere Werke ausgezeichnet worden, von denen vier als englische Hörbücher erhältlich sind.
Kategorie „Geschichte“: We the People von Jill Lepore
Die Pulitzer-Jury über We the People:
„Eine fesselnde Untersuchung darüber, warum die Verfassung so schwer zu ändern ist, samt einer Betrachtung gescheiterter Änderungsversuche, die marginalisierte Gruppen vorschlugen.“
Kategorie „Biografie“: Pride and Pleasure von Amanda Vaill
Die Pulitzer-Jury über Pride and Pleasure:
„Eine lebendige und detaillierte Biografie zweier Töchter wohlhabender und einflussreicher niederländischer Landbesitzer, die die Geschichte unseres Landes prägten.“
Kategorie „Memoir“: Things In Nature Merely Grow von Yiyun Li
Die Pulitzer-Jury über Things In Nature Merely Grow:
„Ein zutiefst bewegender und erhellender Bericht einer Schriftstellerin, die ihren jüngeren Sohn durch Selbstmord verlor, sechs Jahre nachdem ihr älterer Sohn auf die gleiche Weise starb.“
Kategorie „Sachbuch“: There Is No Place For Us von Brian Goldstone
Die Pulitzer-Jury über There Is No Place For Us:
„Eine herausragende Reportage und Analyse, die sich den Problemen stellt, die zur nationalen Krise der Obdachlosigkeit von Familien unter sogenannter Arbeitsarmut geführt haben.“
Die Hintergründe: Was ist der Pulitzer-Preis?
Der Pulitzer-Preis wurde nach dem Journalisten und Verleger Joseph Pulitzer (1847 bis 1911) benannt. Pulitzer gilt als Wegbereiter der heutigen amerikanischen Zeitungslandschaft. In seinem Testament verfügte er durch eine Hinterlassenschaft von 500.000 US-Dollar die jährliche Vergabe eines Preises.
Da er selbst ein Mann der Presse war, ging es ihm dabei vor allem um die Anerkennung von investigativem Qualitätsjournalismus. Im Laufe der Jahrzehnten bekamen die Pulitzer-Auszeichnungen für literarische Werke immer mehr Aufmerksamkeit – nicht nur in den USA, sondern auch international.
Das Pulitzer-Komitee von heute erklärt seine Aufgabe so: „Unsere Preise sind ein wichtiger Anreiz für hochwertigen Journalismus und sie lenken die Aufmerksamkeit der Welt auf die amerikanischen Verdienste in den Bereichen Literatur, Theater und Musik.“
Pulitzer-Preis: Warum ist er so renommiert?
Für jeden ausgezeichneten Titel ist beim Pulitzer-Preis eine Geldprämie in Höhe von 15.000 US-Dollar reserviert – das entspricht etwa 13.900 Euro. Im Vergleich zu anderen großen Literaturpreisen ist das nicht übermäßig viel. So ist der Literaturnobelpreis mit 10 Millionen Schwedischen Kronen dotiert, was etwa 856.000 Euro entspricht. Auch die Prämie beim Deutschen Buchpreis ist mit 25.000 Euro höher.
Aber ums Geld geht es beim Pulitzer nicht. Hier geht’s ums Renommee. Seinen überragenden Ruf verdankt der Preis zum einen seiner über hundertjährigen Tradition. Zum zweiten namhaften Preisträgerinnen und Preisträgern wie Edith Wharton, John Steinbeck und Tony Morrison.
Auch die Expertise des Jury-Komitees trägt zum Renommee bei. Es besteht aus einem 18-köpfigen Team und wird von der Journalistenschule der New Yorker Elite-Uni Columbia berufen. Die Gründung dieser Schule geht ebenfalls auf die Initiative von Joseph Pulitzer zurück.
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