Georg Vetten

Georg Vetten

Georg Vetten ist geschäftsführender Gesellschafter der Public Relations-Agentur FOOLPROOFED GmbH in Köln und setzt mit dieser bundesweite PR-Kampagnen für Fernsehsender und Künstler um. Zuvor war er unter anderem Leiter der Pressestellen und Pressesprecher von RTL Television und VIVA TV. Georg Vetten arbeitet parallel als Dozent an der "Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft" sowie im Bereich Medien- und Kamera-Coaching. Zum Ausgleich hat der diplomierte Medienpädagoge und Musiker vor Jahren mit dem Schreiben begonnen und bislang sieben Romane veröffentlicht: Die Trilogie: "EINS. ZWEI ... EINS. ZWEI, DREI VIER - Die Achtziger" (auch als Hörbuch vertont: Random House) "SIGNALE - Die Scheinwelt und der Fluss" (auch als Hörbuch vertont: Random House) "PROPAGANDA - Der Verrat" (auch als Hörbuch vertont: Random House) Weitere Veröffentlichungen: "VICI - Auf der Flucht" (auch als Hörbuch vertont: Random House) mit der Fortsetzung "DIEZ HERMANAZ - Das Jetzt ist nicht genug" "DREI LEBEN" "SCRATCHES" (als Hörbuch vertont) Leseprobe aus "PROPAGANDA - Der Verrat": Der Medientreff war einer der angesagtesten der Republik. Für das Auge wurde einiges geboten. Es schien als wolle die Branche mit aller Kraft junges Blut in die Szene pumpen. Hippe Nachwuchsschreibtischtäter, blauäugige Praktikantinnen und gestriegelte Volontäre, durften zum ersten Mal die Luft des großen Entertainments schnuppern.... Wir standen ungefähr zehn Meter entfernt von der sogenannten VIP-Area eines angesagten Modelabels. Drei Treppenstufen separierten hier das einfache Fußvolk (besagte Praktikanten) von ihren Stars, Vorbildern und Helden. Drei Stufen, stiernackige Securitys und das falsche Partybändchen am Handgelenk trennten Welten. So einfach ist das! Und dort oben tummelten sie sich - Top-, Super-, Pop-, Model- und Star-Madenschlampen irgendwelcher hirnlosen TV-Shows, die den schnellen Ruhm versprachen. Sie grinsten spöttisch auf das Fußvolk herab und zogen dabei hörbar die Nasen hoch. Wie die Hühner auf der Stange, murmelte ich, als ich einen letzten Blick auf die Bändchenlosen warf. Nur drei Stufen auf der Hühnerleiter trennten sie von ihrem Traum. Denn dort bedienten sich besagte Prollhühner auf hochhakigen Pumps an Wodka-Redbull. Bis unter die Haarwurzeln zugekokst und mit toten Augen, rieben sie ihre Schenkel aneinander. Sie hatten die Massen elektrisiert, waren TV-Stars, Schulhof-, Kneipen- und Bürothema - damals, vor einem halben Jahr. Mittlerweile waren die Brüste aus Silicon, die Lippen gebotoxt und die Haare mit platinblonden Extensions bis zum Arsch verlängert - der Ruhm hingegen war bereits verblasst. Die Jungs aus der Halbwelt brachten sich schon in Stellung - coole Rapper, harte Kerle. Demnächst würden diese Hühner an Stangen tanzen oder dämliche Fragen bei Quizsendern stellen! Sicher! Die Bandlosen am Fuß der Hühnerleiter machten sich unterdessen mit emporgereckten Armen und voller Begeisterung daran, mit ihren Handys Exklusivfotos von ihren Stars zu schießen. Morgen vielleicht schon auf Facebook, Instagram, Twitter oder als 0815-Foto gedruckt. Auch so ist die Welt! Der Deutsche Fernsehpreis: Schaulaufen der Erfolgreichen, Schönen und Verzweifelten. Das Zusammentreffen der Stars vor der Kamera mit den Machern hinter den Kulissen. Die Fragen an diesem Abend lagen auf der Hand: Wer erhält welchen Preis, welche der Damen trägt das gewagteste Outfit und wer sorgt für die Skandale an diesem Abend? Doch beginnen wir am Roten Teppich: Ich schälte mich aus dem Sitz des gesponserten VIP-Shuttles und warf einen Blick gen Himmel. Dunkle Wolken türmten sich auf. Es stand zu fürchten, dass die gecasteten Zuschauer und Fans in Bälde im Regen stehen würden. Der Teppich hingegen stand bereits in Flammen. Die Damen zeigten sich von ihrer besten Seite. Ob A-, B- oder C-Promi, die Markengarderobe stimmte, und fiel in der Regel ziemlich spärlich aus. Hier und da blitzte ein Busen aus dem Dekolleté - unabsichtlich, versteht sich. Die bunten Blätter und People-Magazine würden sich in epischer Breite diesem Thema widmen und damit Seiten füllen. Und genau das war die Chance der schätzungsweise einhundert Fotografen, die begeistert immer wieder das gleiche Motiv aufs Korn nahmen. Die Meute war entfesselt. Das Rudel, das sich schneller als der Blitz bei einem geeigneten Motiv zusammenrottet, ist schwer zu kontrollieren. Es ist so, als ob du zehn Titane zeitgleich ins Tor stellst und eine Bananenflanke Richtung Strafraum schlägst. Und, wer fängt den Ball? Chaos und Rempelei, vorprogrammiert! Die Kameramänner sind übrigens keinen Deut besser. Ich befand mich in unmittelbarer Nähe, als einer betuchten Schauspielerin der halbe Oberkiefer ausgeschlagen wurde. Was war passiert? Sie stand ganz simpel zu dicht hinter einem EB-Team, als der Kameramann abrupt die Kamera herumriss, um das Dekolleté eines beliebten It-Girls in Szene zu setzen. Der schwere Akku schlug die Beißer der verwunderten Grand Dame mit einem widerlichen Krachen aus deren Kiefer. Der Aufschrei war entsetzlich! Well, there's no Business, like Showbusiness... Die Produktionsfirma hatte sich nicht lumpen lassen. Das Buffet war erste Sahne und ins Set von "Tankwart Kruse" (so der Arbeitstitel der Comedy) hatten sie eine Cocktailbar hinein gezimmert. Ich bestellte eine Runde Planters Punch und ließ den Blick durch die illustre Runde schweifen. Die Darsteller der Sitcom, der Regisseur und der Produzent standen im Mittelpunkt und ließen sich gerade von drei, vier Fotografen für die lokalen Klatschspalten ablichten. Natürlich durften die unnützen VIVA-VJs ebenso wenig fehlen, wie die IT-Girls, Luder und die längst vergessenen Kandidaten irgendwelcher Castingshows. Gestern Superstar und heute vergessen oder Moderator bei einem Quizsender. Der schmächtige, schwule Programmdirektor schmiss sich gerade an einen jungen, ebenso schwulen Maskenbildner heran. Ich beobachtete wie der Produzent im weißen Hemd, den gestärkten Kragen lässig über das Revers geschlagen, sich den beiden näherte. Es machte den Eindruck als wolle er mitspielen. Ich entdeckte den selbstverliebten Gockel der Teenie-Postille, der von Musik genau so viel verstand wie meine Großmutter von Corel Draw. Er hatte fünf milchgesichtige Bubis um sich versammelt. Eine Band. Ich beobachtete, wie er ihnen einen Vortrag hielt, und hoffte inständig, dass sie seinem abgedroschenen Boulevardgewäsch keinen Glauben schenken würden. Im Übrigen hatten sich an diesem Abend die üblichen Verdächtigen versammelt: Brave Senderredakteure ließen sich die eigene Serie von den Machern der Produktionsfirma erklären. Eine kahl geschorene Aufnahmeleiterin, als Hardcorelesbe verschrien, lief mit Aufnahmeheadset durch die Dekoration. Aufgewühlte Caster wurden von arbeitslosen Schauspielern umringt und umtriebige Boulevardredakteure geiferten nach einer Sensationsgeschichte...
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