Folgen

  • 14. König der Kulturbetriebs – Professor Peter Raue letzte Folge der 1. Staffel
    Apr 20 2026

    In dieserFolge sprechen wir mit Peter Raue, dem der Berliner Tagesspiegel diesenEhrentitel verlieh. Ein Anwalt, der nie ein politisches Amt innehatte und dochwie kaum ein anderer die Kulturlandschaft mitgestaltet hat. Seine Geschichtebeginnt mit einer Entscheidung: 1961, kurz nach dem Mauerbau, kommt er alsjunger Student nach Berlin – nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. EineStadt, die er „nicht allein lassen“ wollte.

    Von dort ausentfaltet sich ein Leben zwischen Recht und Kunst, Raue kämpft für enteigneteKunstwerke oder bringt Meisterwerke aus New York nach Berlin.

    Preußen istfür ihn kein Ort, sondern ein Spannungsfeld: zwischen Aufklärung und Autorität,zwischen kultureller Blüte und menschlicher Härte. Geschichten wie die desKronprinzen und Katte stehen für eine Kälte, die ebenso prägt wie die großenIdeen von Toleranz und Bildung.

    Auch in derheutigen Hauptstadt sieht er diese Ambivalenz: eine Stadt voller Möglichkeiten,aber auch voller Versäumnisse. Große kulturelle Leistungen treffen auf leereMuseumssäle, visionäre Projekte auf fehlende Mittel. Sein Plädoyer ist klar:Kultur braucht Mut, Beweglichkeit – und bürgerliches Engagement.

    In dieserletzten Folge der 1. Staffel blicken die Gastgeber Julia Theek und Gert Streidtauch zurück auf die Gespräche - und nachvorn.

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    31 Min.
  • 13. Star & Sprünge – die skandalumwitterte Barbarina neu gesehen mit Dr. Christiane Theobald Folge 13
    Apr 11 2026

    Eine Frau, die Europa in Atem hielt. Eine Tänzerin, für die ein KönigGrenzen überschritt. Und eine Geschichte, die klingt wie ein Historienkrimi –aber im preussischen Berlin ihr Drama entfaltet.

    Gemeinsam mit der Expertin Dr. Christiane Theobald begeben wir uns aufSpurensuche: von den Bühnen Europas bis zu den Intrigen der preußischenPolitik. Dabei entsteht ein überraschend modernes Bild einer Frau, die nicht nurmit Talent und Training, sondern auch mit klugen Entscheidungen und einemstarken Willen ihren eigenen Weg ging.

    Barbarina liebte, riskierte, widersetzte sich – und schrieb damitGeschichte. Ihre Karriere endete mit einem Knall: Skandale, eine heimlicheHochzeit und ein radikaler Bruch mit dem Theaterleben. Und doch bleibt sie bisheute eine Schlüsselfigur für die Entwicklung des Tanzes – eine Brücke zwischenhöfischer Tradition und künstlerischer Erneuerung.

    Was macht eine Künstlerin zur Ikone? War es ihre Virtuosität auf der Bühne,ihre Ausdruckskraft – oder die Tatsache, dass sie sich nicht vereinnahmen ließ?La Barbarina war ihrer Zeit voraus: eine Art „It-Girl“ des 18. Jahrhunderts,bewundert, begehrt und gleichzeitig ein Marketingfaktor. Friedrich der Großewollte sie unbedingt an seinen Hof holen – und scheute dabei nicht vordrastischen Maßnahmen zurück. Eine Tänzerin als Staatsaffäre?

    In dieser Podcast-Folge tauchen wir ein in das faszinierende Leben derlegendären Barbarina – geboren als Barbara Campanini. Sie war nicht nur eineder gefeiertsten Tänzerinnen des 18. Jahrhunderts, sondern auch eine Frau, diesich den Regeln ihrer Zeit widersetzte. Zwischen höfischem Glanz, politischemKalkül und leidenschaftlicher Selbstbestimmung entfaltet sich ein Leben vollerDrama, Mut und überraschender Wendungen.

    Mit der Gründerin des Staatsballetts blicken wir zurück ins Rokoko: Wie sahder Tanz damals eigentlich aus – lange vor Spitzenschuhen und klassischemBallett? Welche Rolle spielten Künstlerinnen am Hof? Und wie viel Freiheitkonnte sich eine Frau wirklich nehmen?

    Diese Folge ist für alle, die Geschichten lieben, in denen Kunst auf Machttrifft, in denen Menschen größer sind als die Rollen, die man ihnen zuschreibt.

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    36 Min.
  • 12. Kunst, Kapital und Klassenkampf - Archivfolge mit Joachim Mückenberger Folge 12
    Apr 3 2026

    Diese Folge führt uns in das Spannungsfeld von Kunst, Politik und Preußen. Julias Interview von 2006 mit Joachim Mückenberger wirdvon Gert kommentiert, der gegen Ende der 24 -jährigen Amtszeit von Mückenberger dessen Pressesprecher war.

    Schloss und Park von Sanssouci – hier sind auch die anderen preußischen Schlösser und Gärten mit gemeint – waren auch eine internationale Bühne. Wie ging die DDR mit dem preußischen Erbe um? Anfangs galt Preußen als Symbol für Militarismus und Reaktion – etwas, das so gar nicht zum sozialistischen Selbstbild passte. Doch mit der Zeit änderte sich diese Sicht. Die DDR begann, Geschichte differenzierter zu betrachten und suchte nach einer eigenen nationalen Identität. Und plötzlich wurde auch Friedrich der Zweite sogar wieder der „Große“ – nicht als Held, aber als ambivalente Figur zwischen Aufklärung und Machtpolitik.

    Hier kommt Mückenberger ins Spiel. Er war eine spannende Figur der DDR-Kulturpolitik, eng mit dem Zentralkomitee der SED, aber als DEFA-Chef entlassen, 12 unter seiner Leitung produzierte Filme wurden 1965verboten.1965 – 91 Generaldirektor der Schlösser und Gärten in Potsdam-Sanssouci war er nicht nur Verwalter historischer Orte, sondern auch ein geschickter Navigator im politischenSystem. Er wusste, was erlaubt war – und wo man Spielräume nutzen konnte. Seine Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie Kultur selbst in unter starker ideologischer Kontrolle nicht nur Propaganda war, sondern auch echte Begeisterung und Fachkompetenz möglich machte.

    Besonders spannend wird es bei der legendären Friedrich-Ausstellung von 1986. Sie war ein kulturelles Großereignis – mit riesigem Besucherandrang, internationalen Leihgaben und politischer Brisanz. Menschen standen stundenlang an, um einen König zu sehen, der wenige Jahre zuvor noch ideologisch abgelehnt wurde. Und wie schafft man es, ein solches Projekt durch ein politisch sensibles Umfeld zu manövrieren?

    Andererseits: die DDR brauchte Devisen, und der Handel mitKunst und Antiquitäten war ein heikles, oft umstrittenes Mittel, um an harte Währung zu kommen. Mückenberger selbst geriet in diese Maschinerie – und reflektiert später kritisch darüber. Hier öffnet sich ein brisantes Spannungsfeld zwischen kulturellem Erbe und wirtschaftlichem Druck.

    Der Podcast wirft auch einen Blick hinter die Kulissen: auf absurde bürokratische Hürden, auf improvisierte Lösungen und auf die Herausforderungen einer Planwirtschaft, in der selbst ein Ausstellungskatalog zum Problem werden konnte. Gleichzeitig zeigt sich, wie viel Idealismus und Engagement in den beteiligten Fachleuten steckte – von Kunsthistorikern bis zu Gärtnern.

    Auch die internationale Dimension kommt nicht zu kurz. Ob sowjetische Soldaten, die Sanssouci als Teil ihres Bildungsprogramms besuchten, oder polnische Restauratoren, die maßgeblich an der Wiederherstellung derAnlagen beteiligt waren – der Podcast zeigt, wie vernetzt selbst ein scheinbar nationales Kulturerbe war. Und immer wieder blitzt Humor auf: in kleinen Anekdoten, in ironischen Kommentaren und in Momenten, in denen die Ernsthaftigkeit des Systems für einen Augenblick ins Absurde kippt. Am Ende bleibt die Frage: Wie unabhängig kann Kultur wirklich sein? Dieser Podcast liefert Stoff zum Nachdenken. Und er macht Lust darauf, tiefer einzutauchen in die DDR- Geschichte, die viel komplexer ist, als oft dargestellt.

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    38 Min.
  • 11. Skandal! in Königsberg – mit Sir Christopher Clark Folge 11 von "Amor, Psyche und Preußen"
    Mar 28 2026

    In dieser Folge ist der Starhistoriker Christopher Clark zuGast. Im Mittelpunkt seines letzten Buchs steht ein überraschender Archivfund aus Clarks Forschung: der Fall des charismatischen Predigers Johannes Ebel.Seine Predigten ziehen immer größere Menschenmengen an, besonders Frauen fühlen sich von ihm angezogen und verstanden. Doch dann kursieren schockierende Gerüchte: von einer geheimen religiösen Gemeinschaft, angeblichen sexuellen Ausschweifungen und spirituellen Experimenten. Die Vorwürfe eskalieren zu einem öffentlichen Skandal, der die preußische Regierung beschäftigt. ChristopherClark zeigt, wie sich aus einer lokalen Geschichte ein faszinierender Blick auf die großen Konflikte der Zeit entwickeln lässt. Gleichzeitig räumt er mit vielen Klischees über Preußen auf – einem Staat, der oft zu militärisch dargestellt wird, dessen Geschichte aber viel widersprüchlicher und vielfältiger ist.

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    34 Min.
  • 10. Kirschen im Januar – Gartengeschichten mit Marina Heilmeyer Folge 10 von Amor, Psyche und Preussen
    Mar 21 2026

    Preußische Kulturgeschichte riecht manchmal nach Orangenblüten, schmeckt nach Kirschen – und endet gelegentlich mit Kartoffeln auf einem Grab.

    Schon der junge Kronprinz Friedrich, der spätere II., schwärmt von seinem Weinberg, seinen Kirschen und Melonen. Obst war ein Pausensnack und die Krönung der Tafel, Prestigeobjekt, Ausdruck von Kultur, Sinnlichkeit und Wissen. König Salomon hatte einst gewünscht, dass jeder Mensch unter seinem Weinstock und Feigenbaum glücklich sein. Inspiration für die Terrassen von Sanssouci? Kirschen im Winter waren eine luxuriöse Meisterleistung. In Gewächshäusern wurden die Obstbäume so kultiviert, dass sie zu ungewöhnlichen Zeiten Früchte trugen. Exotische Pflanzen wie Ananas, Papaya oder Bananen zierten die Tafelrunde.

    In der Folge 8 mit Jörg Kirschstein wurde sie als preußischer Mythos hinterfragt. Die Kartoffeln auf König Friedrichs Grab in Sanssouci sind noch immer ein Ritual. Und es gibt kuriose Szenen: Kindergartenbasteleien - Kartoffeln mit kleinen goldenen Kronen, oder Kränze mit Kartoffeln. Das Interesse für Pflanzen hatte aber auch ganz praktische Folgen. Die Kartoffel wurde tatsächlich erst in Friedrichs Zeit zueinem entscheidenden Nahrungsmittel, weil sie die schlechten Sommer der „kleinen Eiszeit“ besser überstand als Getreide. Und die Stallfütterung verbesserte.

    Ein weiterer Protagonist der Folge ist Fürst Hermann von Pückler-Muskau – Gartenkünstler, Reisender, Ballonfahrer, Lebenskünstler. Für ihn war das eigene Leben ein Gesamtkunstwerk, seine Hauptqualität der Geschmack. Er dokumentierte, was auf seiner Tafel serviert wurde, wer zu Gast war und wie man stilvoll lebte. Diese „Tafelbücher“ geben Einblick in eine Welt, in der Mahlzeiten aus vielen Gängen bestanden – nur Fleisch oder nur Gemüse beispielsweise. Und jedes Detail ist Teil einer Inszenierung war. Dafür wurde geprobt. Das berühmte Pückler-Eis trägt zwar seinen Namen, tauchte in bei ihm aber kaum auf. Beliebter war eine besondere Kartoffelzubereitung – ein Hinweis darauf, dass im 19. Jahrhundert selbst fürstliche Küchen längst von der neuen Knolle geprägt waren.

    Neben Geschmack spielte auch derDuft eine wichtige Rolle. In den Schlössern standengroße Potpourri-Vasen, gefüllt mit getrockneten Blüten, Schalen und Blättern. Besonders Zitrusfrüchte lieferten eine ganze Palette von Duftnoten – aus Blüten, Blättern, Zweigen und Früchten ließ sich Parfum gewinnen.

    Am Ende führt das Gespräch aufs Land– zu den Erntefesten in Paretz, wo König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise gemeinsam mit Bauern tanzten und feierten. Fontane, dessen Großvater für Luise gearbeitet hat, hat auch weitere Quellen genutzt und beschreibt unterhaltsam echte Volksfeste.

    Geschmack, Gerüche, Gartenkunst und die Erkenntnis, dass Symbolgehalt manchmal auf dem Teller liegt.

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    33 Min.
  • 9. Mätresse & Nachlässe mit Barbara Schneider-Kempf Folge 9 von Amor, Psyche und Preussen
    Mar 19 2026

    „ Bonjour!! Diepreußische Mätresse trifft auf die  international gefeierte Malerin Angelika Kaufmann…“ diese Folge beginnt mit Zitaten aus einer Hörstation im Marmorpalais, einem Spendenprojekt des Fördervereins, deren Vorsitzende Barbara ist. Sie ist beieindruckt von deren Protagonistin. Wilhelmine Encke, Gräfin Lichtenau ist weit mehr als Preußens bekanntesteMätresse. Sie bringt etwas Weltläufigkeit in die in der Spätzeit des AltenFritz etwas erstarrte preußische Kultur und gilt als Mäzenin.

    Was macht eine große Bibliothek eigentlich aus – und wer entscheidet, welche Schätze bewahrt werden? In dieser Folge von Amor, Psyche & Preußen geht es um Bücher, Sammlungen und den Förderverein der Preußischen Schlösser und Gärten. Zu Gast ist die Bibliothekswissenschaftlerin Barbara Schneider-Kempf, viele Jahre Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin. Das Gespräch beginnt mit einem Blick auf die lange Tradition der preußischenBibliothek – zurück bis in die Zeit des Großen Kurfürsten und zu Friedrich II. von Preußen, der nominell sogar als oberster Bibliothekar des Landes gelten konnte. Doch eine Bibliothek ist kein statischer Ort: Sie wächst ständig, verändert sich und spiegelt die Interessen und das Selbstverständnis ihrer Zeit.

    BarbaraSchneider-Kempf studierte sie Architektur, bevor sie sich der Bibliothekswissenschaft zuwandte. Über die Universitätsbibliothek Potsdam führte ihr Weg an die Staatsbibliothek in Berlin – mit Arbeitsorten sowohl im historischen Haus Unter den Linden als auch im modernen Kulturforum.

    Besonders spannend wird es, wenn es um spektakuläre Erwerbungen und Nachlässe geht. In ihre Amtszeit fielen bedeutende Zugänge wie die Reisetagebücher von Alexander von Humboldt und die sogenannte Prinzessinnenbibliothek – eine private Büchersammlung von Mutter, Schwester und Nichte Friedrichs des Großen, die über Generationen hinweg zusammengetragen wurde. Mit ihren mehr als tausend Bänden eröffnet sie einen seltenen Einblick in die Lektüre- und Bildungskultur preußischer Prinzessinnen.

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    36 Min.
  • 8. Thron, Tragik & ein Tresor Folge 8 von Amor, Psyche und Preussen mit Jörg Kirschstein
    Mar 14 2026

    Wie schlug sich die Kronprinzessin, als die Monarchie fielund aus Glanz Geschichte wurde? Jörg Kirschstein ist einer der profundesten Kenner der Hohenzollern-Dynastie und spezialisiert auf die Kaiserzeit. Der gebürtige Potsdamer, aufgewachsen am Park von Sanssouci, leitet das riesige Neue Palais im Park von Sanssouci, – jenes Schloss, das in der Kaiserzeit seine eigentliche Blüte erlebte. Seine besonders interessante historische Person ist die letzte Kronprinzessin des Deutschen Kaiserreiches: Cecilie von Preußen.Kirschstein zeichnet ihren Lebensbogen nach – von der glanzvollen Hochzeit 1905 über die Revolution 1918 bis hin zum bescheidenen Lebensabend in Bad Kissingen. Eine Frau zwischen höfischer Inszenierung und persönlicher Tragik, zwischen monarchistischer Hoffnungsträgerin und Privatperson im 20. Jahrhundert.

    Besonders eindrucksvoll berichtet Kirschstein von einem spektakulären Fund im Neuen Palais: 2018 wurde ein verschlossener Schrank der Kaiserin geöffnet – mit rund 1000 bislang unbekannten Briefen von Auguste Viktoria vonSchleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Ein Jahrhundert lang verborgen –und immer noch geheimnisvoll.

    Was bedeutet das strenge Hausgesetz der Ebenbürtigkeit für die angeblich Mächtigen? Es geht um gescheiterte underkämpfte Ehen innerhalb der Dynastie, um den langen Schatten von Wilhelm II., um Selbstmorde, Flucht und Systembruch 1945.

    Zwischen Archivfunden, Gartenbildern und persönlichen Erinnerungen wird deutlich: die prominenteste preußische Familie waren v.a. in der Kaiserzeit besonderen Erwartungen unterworfen. Triggerwarnung: in dieser Folge wird auch über Suizid gesprochen. Und ganz am Ende gibt es wieder ein Easteregg – Insiderinformationen über diesogenannten Prinzenspielplätze und Suren der Kaiserlichen Gärten.

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    33 Min.
  • 7. Sitzen Sie grade! Kabarett & Bürgerinitiative mit Barbara Kuster, Folge 7 von Amor, Psyche und Preussen
    Mar 12 2026

    Barbara Kuster, Potsdamer Kabarettistin, Autorin und streitbare Engagierte verbindet preußische Prägung mit satirischer Schärfe –und einem unerschütterlichen Engagement für die Potsdamer Architektur. Bekannt wurde sie bundesweit mit ihrer Bühnenfigur, einer preußisch grundierten Generalissima, die mit strenger Haltung, scharfem Witz und dem Motto „Griechisch, römisch, preußisch – da weiß man, was man hat!“ auftrat. Was alsPersiflage begann, war mehr als Nostalgie: Es war eine ironischer Gesang zu Tugenden wie Ordnung, Disziplin, und Toleranz. Eigenschaften, mit denen Kuster selbst aufgewachsen ist. „Preußen ist keine Geografie, Preußen ist eine Idee“, sagt sie sinngemäß. Das trug sie auf die Bühne und weiter - schon im Umfeld des Neuen Forums engagierte sich Kuster für eine kulturelle Neuorientierung. Nach der Wende wurde sie zur Stimme der Bürgerinitiative Mitteschön, die sich für die Wiedergewinnung der historischen Potsdamer Stadtmitte einsetzt. An den Abrissen zu DDR-Zeiten hatte sich die Opposition kristallisiert. Für Kuster geht es nicht um rückgewandte Rekonstruktion, sondern um Erinnerungskultur: Leitbauten, die historische Fassaden aufnehmen, kombiniert mit moderner Architektur. Ein Konzept, das international Beachtung findet – und in Potsdam auch Gegner hat. Begriffe wie „Barockfaschisten“ oder „Disneyland“ sind gefallen. Kuster nimmt das sportlich, aber nicht emotionslos. Sie versteht ihr Engagement als konstruktiv und überparteilich – nicht ideologisch, sondern stadtbürgerlich. Zuletzt ging es um das Steuben-Denkmal auf dem gleichnamigen Platz, aber hinter Parkplätzen „bei den Mülltonnen“. Friedrich Wilhelm vonSteuben, preußischer Offizier und General im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, gilt in den USA als Mitbegründer der dortigen Militärorganisation und wird mit jährlichen Paraden gefeiert. In Potsdam jedoch wird seine Rolle kontrovers diskutiert. Für Kuster ist die Auseinandersetzung symptomatisch: Geschichte werde je nach Zeitgeist zurechtgebogen. Dass Steuben in Amerika hochgeehrt wird, während man ihn in seiner Heimat skeptisch betrachtet, empfindet sie bemerkenswert. Überhaupt plädiert sie für eine differenzierte Sicht auf Preußen. Besonders missverstanden nennt sie Friedrich Wilhelm I., den „Soldatenkönig“. In ihm sieht sie nicht nur den gestrengen Vater Friedrichs des Großen, sondern auch einen Modernisierer: Verwaltungsreformer, Förderer der Schulpflicht, wirtschaftlich klug, militärisch abschreckend statt aggressiv. Die Diskussion um die Potsdamer Garnisonkirche zeigt exemplarisch, wie stark diese historische Architektur emotional aufgeladen ist, in Folge 4 kommt mit Rainer Ehrt ein Gegner zu Wort. Für Kuster ist sie mehr als der „Tag von Potsdam“ 1933 – sie ist ein bedeutendes barockes Bauwerk mitvielschichtiger Geschichte. Dass diese Mehrdimensionalität in öffentlichen Debatten oft verloren geht, bedauert sie. Neben Politik bleibt der persönliche Blick: In ihrem Roman Breite Straße verarbeitet Kuster Kindheitserinnerungen an ein Potsdam vor der sozialistischen Umgestaltung. Am Ende dieser Folge steht kein nostalgischer Rückblick, sondern ein leidenschaftliches Plädoyer für differenziertes Erinnern. Preußen erscheint hier nicht als Denkmal, sondern als Debatte. Und Barbara Kuster mittendrin: mit Humor, Haltung und einer ordentlichen Portion preußischem Eigensinn. Und als Zugabe findet sich ein Easteregg – ein denkwürdiger Auftritt der Superpreußin in der Volkskammer samt Rausschmiss und Kehrtwende.

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    32 Min.