Robert van Gulik
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Robert van Gulik

Die vier Künste des traditionellen chinesischen Gelehrtenbeamten sind Malerei, Dichtung oder Kalligraphie, Weiqi, in Japan Go genannt, und das Qin, ein Instrument, das musikwissenschaftlich der Zither nahesteht, kulturell aber der Laute. Sie waren die lebenslange Beschäftigung Robert van Guliks (1910 bis 1967), der bei seinem Tod niederländischer Botschafter in Japan und Korea war. Von jenen Literaten unterschied er sich in einem Punkt: Er scheute sich nicht, sich die Hände schmutzig zu machen. Chinesische Bildrollen zu rahmen und Kalligraphien aufzuziehen war ihm eine Freude. In jungen Jahren bereitete ihm das Aufführen javanischer Schattenspiele, des Wayang, großes Vergnügen. In Malaya tat er sich mit einem chinesischen Drucker zusammen und brachte dort die ersten Bände seiner neuen Richter-Di-Romane heraus. Er hielt Gibbons, und er sammelte unermüdlich, ohne auf Preis oder Zustand zu achten: Was zählte, war der historische, kulturelle oder wissenschaftliche Wert.

Noch als Gymnasiast knüpfte der unternehmungslustige junge van Gulik eine Verbindung, die alles Weitere bestimmen sollte, nämlich zu dem eben emeritierten Professor C. C. Uhlenbeck, dem führenden Sprachwissenschaftler jener Jahre. Uhlenbeck lehrte ihn Sanskrit und Russisch und machte ihn zum Mitverfasser zweier sprachwissenschaftlicher Nachschlagewerke zum Englischen und zum Blackfoot, der Sprache eines nordamerikanischen Volkes aus der Algonkin-Familie. Er zeigte ihm außerdem, wie Grammatiken gebaut sind. Sein Leben lang nutzte van Gulik die Leichtigkeit, mit der er Sprachen lernte, für die wissenschaftliche Arbeit und als Zugang zu fremden Kulturen.

Viele Richter-Di-Geschichten erschienen als Bildergeschichten in niederländischen und skandinavischen Zeitungen, gezeichnet von einem Zeichner, den er selbst angelernt hatte. Er liebte das Kino. Hätte er länger gelebt, wären seine Richter-Di-Romane ohne Zweifel für die Leinwand bearbeitet und verfilmt worden.

Van Gulik besaß eine große Begabung zur Freundschaft. In seinen Richter-Di-Romanen ist die tiefe Zuneigung, die der Richter für seine Gehilfen Hoong Liang und Chiao Tai empfindet, auf bewegende Weise geschildert. Mit Professor Uhlenbeck stand er bis zu dessen Tod im Jahr 1951 im Briefwechsel. Im Umgang mit China und der chinesischen Kultur handelte er stets in deren Sinn. Als The Chinese Maze Murders zum ersten Mal erschien, bestand der japanische Verleger auf einer chinesischen Aktdarstellung für den Umschlag. Van Gulik sträubte sich dagegen, bis er erfuhr, dass China sehr wohl eine Tradition erotischer Kunst besaß. Mit seinen Verlegern vereinbarte er fortan eine Klausel, die ihm das letzte Wort über die Umschlaggestaltung sicherte, damit chinesische Darstellungen nicht verzerrt würden.

Am treffendsten hat ihn vielleicht Pater Roggendorf im Nachruf beschrieben: „Er war ein uomo universale, ein wahrer Universalgelehrter, wie man ihn eher in der Renaissance oder im Barock suchen würde als in unserem grauen Jahrhundert."
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