Alexander Steffensmeier

Alexander Steffensmeier

Alexander Steffensmeier kam 1977 in Lippstadt zur Welt und wuchs mit seinen zwei Geschwistern in einem kleinen Dorf in Ostwestfalen auf. Ein paar Straßen weiter hatte dort sein Onkel einen Bauernhof mit über hundert Kühen. Das hat ihn vielleicht dazu beeinflusst, als Thema für seine Diplomarbeit am Fachbereich Design der FH Münster ein Bilderbuch über eine ungewöhnliche Kuh zu machen. Die Kuh Lieselotte hat nämlich ein ganz besonderes Hobby: Sie liebt es, sich zu verstecken und den Postboten zu erschrecken... Heute lebt und arbeitet Alexander Steffensmeier als Autor und Illustrator in Münster und hat mittlerweile viele weitere Bücher veröffentlicht. Die Abenteuer mit Lieselotte sind längst zu Bestsellern geworden und sind bereits in 21 Sprachen übersetzt. Interview mit Alexander Steffensmeier (Aktualisierte Version Februar 2017) Eigentlich sind es ja eher Hunde und Pferde, die in Büchern, Film und Fernsehen zu tierischen Helden werden. Was hat Sie an einer Kuh fasziniert? Ich selber finde ja, dass eine Kuh eine ideale Heldin für Bilderbücher ist. Natürlich sieht sie nicht so richtig heldenhaft aus, dafür hat sie aber viele Eigenschaften, die sie mit den meisten Kindern teilt: Neugierde, Gutmütigkeit und einen ziemlichen Dickkopf... Manchmal ist Lieselotte auch ein bisschen treudoof und nicht immer ganz Herr der Lage. Und sie kann bisweilen auch etwas träge oder egoistisch sein, aber das sind ja ebenfalls Dinge, die jeder kennt. Und auch optisch sind Kühe bestens fürs Bilderbuch geeignet: mit ihrem massigen Körper und den dünnen Beinen sehen sie recht amüsant aus. Und das prägnante schwarz-weiße Fellmuster ist natürlich ein Traum für jeden Grafiker. Dass ich als Hauptfigur für meine Bücher eine Kuh gewählt habe, hat bestimmt auch damit zu tun, dass ich in einem kleinen Dorf aufgewachsen bin, in dem mein Onkel Franz einen Bauernhof mit über hundert Milchkühen hatte … Lieselotte macht in ihren Geschichten Sachen, die Kühe eigentlich nicht tun. Zum Beispiel auf Bäume klettern und Postboten erschrecken. Wie sehr müssen Sie selbst grinsen, wenn Ihnen eine solche Idee in den Kopf kommt? Meistens muss ich weniger über die Idee grinsen, sondern eher über das Bild, das ich dabei gleich im Kopf habe. Und ich habe festgestellt, dass alles noch viel lustiger wird, wenn ich mich bemühe, Anatomie und Bewegungsmöglichkeiten einer Kuh möglichst korrekt darzustellen. Wie sähe es zum Beispiel aus, wenn eine Kuh tatsächlich einmal versuchen würde, in eine Hängematte zu klettern? Oder in einem winzigen Bushaltestellenhäuschen auf den Bus wartet, der nie kommt? Lieselotte ist der Star für Bücher, die für Kinder gemacht sind. Für die ist der fantasievolle Witz sicherlich anregend. Haben aber schon mal Eltern gemeckert: Das ist doch Blödsinn, das macht doch eine Kuh nicht!? Die meisten Eltern verstehen natürlich, dass das der eigentliche Witz der Bücher ist. Tiere, die sich recht menschlich benehmen oder auf andere Weise ungewöhnlich verhalten, haben in Kinderbüchern ja eine lange Tradition. Apropos Erwachsene: Es gibt viele Kinderbuchfiguren, an denen auch Erwachsene Spaß haben, weil in den Illustrationen irgendwie erwachsene Gags am Rande versteckt sind. Das ist bei Ihnen auch häufig so, man sollte sich zum Beispiel die Hühner immer genau anschauen. Gibt es für Sie eigentlich wirklich eine Zielgruppe oder fabulieren Sie schlichtweg drauflos? Bei der Arbeit denke ich eigentlich gar nicht so genau an die Zielgruppe und deren Alter, sondern schaue einfach, was ich selber spannend oder amüsant finde. Eine große Hilfe ist dabei aber, dass ich mich noch recht gut daran erinnern kann, was mir als Kind Freude oder Angst gemacht hat, was langweilig war und was interessant. Deswegen tauchen in den Büchern auch immer wieder Situationen aus dem Kinderalltag auf, die Lieselotte meistern muss: mal kann sie nicht einschlafen oder sie hat eine dicke Erkältung. Und an ihrem Geburtstag quält sie natürlich die große Sorge, dass den vielleicht alle vergessen haben... Ich denke, die Erwachsenen wissen dann auch zu schätzen, dass die Geschichten ein wenig verschroben und nicht übermäßig süßlich sind. Und ich höre immer wieder, dass sie Freude an den vielen Details in den Illustrationen haben. Da baue ich dann auch gerne ein paar Sachen ein, die nur für die erwachsenen (Vor-)Leser gedacht sind. Deswegen hängt dann schon einmal ein Strohhaufen-Gemälde von Monet im Hühnerstall an der Wand. Und auch an den eher für die Kinder gedachten Slapstick-Elementen in den Büchern haben die Erwachsenen ja heimlich ebenfalls Spaß. Ihre Motive entstehen ja mit klassischen Mitteln: Aquarellpapier, Skizzen, Reinzeichnungen, Pinsel und Farben. Und trotzdem betreiben Sie schon seit Oktober 2008 einen Blog, also zu einer Zeit, als Blogs im Internet noch gar nicht den Stellenwert wie heute hatten. Den Kontrast zwischen Papier und PC müssen Sie uns erklären! Als Illustrator freut man sich ja immer, wenn man möglichst vielen Leuten seine Bilder zeigen kann. Und das geht im Internet natürlich besonders einfach. Außerdem finde ich es selber immer ganz spannend, die einzelnen Schritte zu sehen, mit denen Sachen gemacht werden. Egal ob das Bilderbücher, Filme, Hochhäuser oder Nudelmaschinen sind... Und auf dem Blog kann ich dann auch selber Arbeiten zeigen, die noch unfertig und im Entstehen sind, und ein paar Einblicke in den Berufsalltag geben. Bei der zeichnerischen Arbeit selbst benutze ich den Computer dann aber eigentlich nur, um in den Vorzeichnungen noch Elemente hin- und her zu schieben und deren Größe zu verändern. Und es lässt sich natürlich viel entspannter Aquarellieren, wenn man ungeschickte Kleckser dann vorm Druck noch schnell am Rechner wegmachen kann. Viele Kollegen machen inzwischen auch tolle Illustrationen komplett am Rechner, aber ich glaube, mir würde das Arbeiten mit Papier, Bleistift und Aquarellfarben dann doch zu sehr fehlen.

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