Energiewende zwischen Effizienz, Elektrifizierung und sozialer Innovation: Projekte und Erfahrungen aus FreiburgIm Smart Innovation Podcast spricht Dr. Klaus Reichert mit Dieter Seifried und Prof. Dr. Rainer Grießhammer (beide Freiburg, langjährig mit dem Öko-Institut verbunden) über die Entwicklung der Energiewende seit den 1970er/80er Jahren, zentrale Widerstände, die wachsende Systemkomplexität (Sektorkopplung von Strom, Wärme, Verkehr, Industrie) und die Bedeutung von Energieeffizienz, die gegenüber dem Ausbau Erneuerbarer zeitweise vernachlässigt wurde. Sie diskutieren Stromverbrauchstrends (seit 2000 nur mäßig gestiegen, zuletzt teils rückläufig) und die Erwartung, dass der Strombedarf durch Elektrifizierung von Wärmepumpen, E-Autos und Industrie in den nächsten 20 Jahren deutlich steigt und bei vollständiger Umstellung etwa doppelt so hoch wie heute sein kann, um Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. An Beispielen wie effizienteren Kühlschränken und dem Umstieg auf LED-Beleuchtung (bis zu 95% Einsparung gegenüber Glühlampen) wird Effizienzfortschritt erläutert, zugleich Rebound-Effekte und langsame Gebäudesanierung angesprochen; bei Autos seien Effizienzgewinne durch größere, stärkere Fahrzeuge teils kompensiert, Verbrenner prinzipiell ineffizient, weshalb Elektromobilität naheliegt.Die Gäste stellen ihre Hintergründe vor (Grießhammer: Chemie, Bundestagsberater, über 30 Jahre Geschäftsführung Öko-Institut, Fokus Produkte/nachhaltiger Konsum, Kolumnen und Bücher; Seifried: Maschinenbau/Energie- und Kraftwerkstechnik, später VWL, Öko-Institut bis 1999, danach selbstständig mit ÖQuadrat).Im Mittelpunkt stehen konkrete Projekte als Beispiele für soziale Innovationen: die Freiburger "Meister Lampe"-Aktion (Gutscheine für kostenlose Energiesparlampen, Einbindung von Handel und Stadtwerk FEW, volkswirtschaftlicher Gewinn ca. 3 Mio. DM, Tarifanpassung zur Aufteilung von Gewinnen und zur Kompensation entgangener Erlöse), Least-Cost-Planning-Ansätze und die frühe Studie für die Stadtwerke Hannover (um 1990) mit Werkzeugen zur Berechnung vermiedener Erzeugungskosten und kooperativer Umsetzung, die später von anderen Stadtwerken aufgegriffen wurde. Es wird erläutert, wie Liberalisierung und Fokus auf Strompreis statt Energiedienstleistung (Licht, Kühlung, Pumpenleistung) Effizienzprogramme erschwerten.Weiterhin werden Programme zur Stromreduktion in Haushalten beschrieben: Potenziale zur Senkung eines typischen Zwei-Personen-Verbrauchs von ca. 3400 kWh auf etwa 1500 kWh ohne Komfortverlust; ein aktuelles Beratungsprojekt mit Öko-Institut/ÖQuadrat/EWS Schönau, finanziert von der DBU, erzielte in einem Jahr rund 1500 kWh bzw. ca. 460 Euro Einsparung pro Haushalt. Als sozial-ökologisch-ökonomisches Vorzeigeprojekt wird der "Stromspar-Check" für einkommensschwache Haushalte (Pilot 2008 in Freiburg und Berlin, bundesweite Umsetzung ab November, Direktinstallation von LEDs, Perlatoren, Steckdosenleisten etc., Austausch ineffizienter Kühlgeräte mit Zuschuss/Kredit, Ausbildung von Langzeitarbeitslosen zu Stromsparhelfern) dargestellt; das Programm lief über vier Regierungen, erreichte bis Ende des Vorjahres 425.000 Haushalte, rund 700 Stromsparchecker und fast eine Million Tonnen CO2-Einsparung.Als weiteres Beispiel wird ein Bürgerbeteiligungs-Einsparcontracting an der Staudinger Gesamtschule Freiburg (Planung ab 1996, Start 1998) beschrieben: etwa 500.000 DM Investitionen, finanziert von knapp 100 Bürgern über eine GmbH, Refinanzierung über eingesparte Energiekosten über acht Jahre, Verzinsung 3–6%, Überschüsse für weitere Maßnahmen; das Projekt war erfolgreich, zeigte aber hohe administrative Hürden und interne Widerstände in der Stadtverwaltung. Abschließend wird ein Kuba-Projekt geschildert: Idee eines Contracting-Ansatzes zum Austausch ineffizienter Kühlschränke scheiterte an fehlender Unterschrift eines Ministeriums, später setzte Kuba landesweit den Austausch von 2,4 Mio. Kühlschränken mit chinesischen Geräten um (Bezahlung u.a. über Nickel).Zum Ende vergleichen die Gäste die Herausforderungen der Energie- mit der Verkehrswende (hohe politische Sensibilität, Infrastrukturdefizite, Tempolimit-Debatte, Rolle der Automobilindustrie, Förderung schwerer E-Fahrzeuge und Plug-in-Hybride) und betonen Hartnäckigkeit, Rahmenbedingungen, Beteiligung und verständliche, nachweisbare Nutzenargumente als zentrale Erfolgsfaktoren.--Weitere Informationen, Links und die Möglichkeit mitzureden sind in den Show Notes: https://www.klausreichert.de/vom-oeko-institut-zur-klimaneutralitaet-warum-hartnaeckigkeit-die-wichtigste-ressource-der-energiewende-ist/--Kapitel & Zeitmarken00:00 Warum der Strombedarf trotz Effizienz steigen wird (Sektorkopplung & Klimaziel 2050)02:45 Einstieg ins Gespräch: 50 Jahre Energiewende – was hat sich getan, was fehlt noch?05:33 Komplexität & Gegenwind: Erneuerbare ins System integrieren, Fake News und politische...
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