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Postels Stimmen

Postels Stimmen

Von: Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel
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Der SMMP-Podcast© 2026 Schwestern der heiligen Maria Magdalena Postel Sozialwissenschaften Spiritualität
  • „Kinder wollen ihre Eltern anders"
    Jul 11 2026

    Warum ein weinendes Baby beim Abendbrot manchmal weinen darf

    Im Julie-Postel-Haus in Bestwig leben Mütter und Väter mit ihren Kindern – meist nicht freiwillig, oft in einer akuten Krise. Leiterin Carina Schröer erklärt, warum ihr Team ein weinendes Kind häufig nicht selbst beruhigt, was „Entlastung durch Befähigung" im Alltag bedeutet und wann eine Hilfe für sie gelungen ist. Ein Gespräch über Nähe und Grenzen, über Erfolg, der sich schwer messen lässt – und über einen Satz, der Schröer geblieben ist: „Kinder wollen keine anderen Eltern. Die wollen ihre Eltern anders."

    „Kinder wollen ihre Eltern anders"

    Im Julie-Postel-Haus in Bestwig leben Mütter und Väter mit ihren Kindern – meist nicht freiwillig. Carina Schröer über eine Hilfe, die befähigt statt bevormundet.

    Beim gemeinsamen Abendbrot wacht ein Baby auf und weint. Maja ist drei Monate alt, ihre Mutter wollte gerade in Ruhe essen. Der erste Impuls bei allen am Tisch: aufstehen, das Kind beruhigen, der Mutter den Abend retten. Im Julie-Postel-Haus geschieht das nicht.

    So schildert Carina Schröer, Leiterin des Julie-Postel-Hauses, eine typische Szene aus ihrem Alltag. „Wir tun das nicht […], weil wir die Mama in ihrer Mutterrolle stärken wollen", sagt sie. Die Mutter soll lernen, die Zeichen ihres Kindes zu erkennen und selbst darauf zu reagieren. Ihr Prinzip fasst Schröer in drei Worten: „Entlastung durch Befähigung".

    Eine Einrichtung für Eltern und Kinder

    Das Julie-Postel-Haus in Bestwig ist die einzige Jugendhilfeeinrichtung von SMMP. Ihr Schwerpunkt ist die Elternarbeit. Hier leben Mütter und Väter mit ihren Kindern, bis zu 30 Menschen gleichzeitig. Jede Familie hat eine kleine Wohneinheit mit Elternschlafzimmer, Kinderzimmer und Bad. Dazu kommen Gemeinschaftsküchen und Aufenthaltsräume.

    Die meisten Familien kommen über das Jugendamt – oft in einer akuten Krise. „Also die wenigsten schreien Juhu, wenn sie bei uns einziehen", sagt Schröer. Die Gründe sind unterschiedlich: eine desolate Wohnung, psychische Erkrankungen, manchmal eine Sucht. Akut konsumierende Eltern nimmt das Haus nicht auf. Nach einer Entgiftung oder in der Substitution ist eine Aufnahme möglich.

    Manchmal kommt der Anruf direkt aus dem Krankenhaus, wenn eine Mutter entbunden hat und die Versorgung des Kindes unsicher erscheint. Solche frühen Aufnahmen sind Schröer am liebsten, weil sich dann vieles gemeinsam erarbeiten lasse. Nicht jede Anfrage nimmt das Haus an. Eine Familie mit sechs Kindern könne sie räumlich nicht unterbringen. Dann lehnt sie ab. „Auch das hat was mit Qualität zu tun, Hilfen dann abzulehnen."

    Anleiten statt übernehmen

    Jede Alltagssituation ist für Schröer eine Lernsituation. Das Team leitet an, fragt nach, coacht. Es übernimmt erst, wenn eine Mutter darum bittet – oder wenn das Wohl des Kindes anders nicht zu sichern ist.

    Das Ziel ist, sich selbst überflüssig zu machen. Das größte Kompliment sei deshalb ein scheinbar paradoxer Satz: Eltern, die sagen, „boah, ich habe gar keine Hilfe gekriegt". Dann, sagt Schröer, habe die Idee von Hilfestellung funktioniert.

    Bei den Mahlzeiten sitzen alle Eltern zusammen, ob 15 oder 45 Jahre alt. So sollen sie sich in ihrer Elternrolle wahrgenommen fühlen, nicht über ihr Alter. Ein Gefälle bleibe trotzdem, räumt Schröer ein. Am Ende trägt die Einrichtung die Verantwortung für das Kind.

    Was Erfolg bedeutet

    „Ich glaube, dass Erfolg relativ i...

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    30 Min.
  • Nachhaltigkeit ist nicht nur Mülltrennen
    Jun 13 2026

    Meike Frömmer ist stellvertretende Nachhaltigkeitsbeauftragte für den gesamten SMMP-Verbund – und hat bei ihrem Start eine Überraschung erlebt: Vieles war schon da. In der neuen Folge von „Postels Stimmen" erzählt die gelernte Ernährungsberaterin, warum Nachhaltigkeit bei SMMP drei Farben hat, was das Wiegen von Speiseresten bringt und weshalb faire Bezahlung genauso dazugehört wie Bienenhotels. Außerdem: Warum ein Zertifizierungspartner kurz vor dem Ziel absprang – und was das Team daraus gemacht hat.

    Nachhaltigkeit ist mehr als Mülltrennung. Das macht Meike Frömmer im SMMP-Podcast „Postels Stimmen" deutlich. Sie ist stellvertretende Nachhaltigkeitsbeauftragte für den gesamten Verbund. Moderatorin Irena Oberwald fragt nach dem Alltag hinter dem Begriff.

    Frömmer kam über Umwege zum Thema. Gelernt hat sie Ernährungsberaterin. Geschäftsführer Stephan Schink, der zugleich Nachhaltigkeitsbeauftragter ist, fragte sie nach der Stellvertretung. Sie sagte zu. „Es ist halt super, super vielseitig und es beinhaltet so viel mehr Themen, wie man eigentlich am Anfang immer gedacht hat", sagt sie.

    Drei Säulen, drei Farben

    Bei SMMP steht Nachhaltigkeit auf drei Säulen: Umwelt, Wirtschaft und Soziales. Jede hat eine Farbe – Umwelt grün, Wirtschaft blau, Soziales gelb. Unter Soziales fallen Themen wie Arbeitssicherheit, faire Bezahlung und ein attraktiver Arbeitgeber. „Oft verbindet man Nachhaltigkeit ja auch immer mit der Farbe grün", sagt Frömmer. Das greife zu kurz.

    Ein Beispiel sind die Bienenhotels. Einige Einrichtungen stellen sie auf. Gebaut werden sie von einer Behindertenwerkstatt, der SMMP sie abkauft. Umwelt und Soziales greifen hier ineinander.

    Klimabilanz und Nachhaltigkeitsmanager

    2022 erstellte SMMP erstmals eine Klimabilanz. Sie erfasst, wie viel CO2 der Verbund ausstößt: Arbeitswege, Papierverbrauch, Mülltrennung. Jetzt folgt die Bilanz für 2025. Erstmals erstellt jeder Geschäftsbereich sie selbst. „Das ist schon ein immenser Aufwand", sagt Frömmer. Daten kommen aus Buchhaltung, Personalabteilung und Mitarbeiterbefragungen.

    Tragen sollen das die Nachhaltigkeitsmanagerinnen und Nachhaltigkeitsmanager in den Häusern. Im Februar bildete SMMP neue aus. Das Ziel: In mindestens 75 Prozent aller Einrichtungen soll je einer arbeiten. Wer das übernimmt, ist offen. „Es ist ein ganz bunter Blumenstrauß", sagt Frömmer. Fachkräfte gehören dazu, Geschäftsführer, auch Betreuungskräfte aus dem Altenheim.

    Kleine Schritte, klare Grenzen

    Im Alltag zählen kleine Dinge. Doppelseitig drucken zum Beispiel. Auf den ganzen Verbund gerechnet, mache das viel aus. In der Küche wiegen Einrichtungen den Nassmüll. So sehen sie, welche Speisereste zurückkommen – und wo sich sparen lässt.

    Manches stößt an Grenzen. Im Pflegebereich fällt bei Hygieneartikeln viel Müll an. „Das ist gerade bei Hygieneartikeln einfach nicht machbar", sagt Frömmer über Mehrwegmodelle. Auch das Lieferkettengesetz brachte Mühe: Nachweise an Lieferanten verschicken, auf Unterschriften warten. Und einmal sagte ein Zertifizierungspartner eine Woche vor dem Termin ab. „Theorie und Praxis unterscheiden sich da doch immer noch mal ganz immens", sagt sie.

    Teurer muss Nachhaltigkeit nicht sein. Vieles war schon da, etwa die Leitlinien und Werte des Ordens. „Es muss nicht immer unbedingt was kosten und teurer sein", sagt Frömmer. Software und Klimabilanzierung kosten Geld – andere Schritte nicht.

    „Nachhaltiger werden"

    Ein Ziel formuliert Frömmer vorsichtig. „Wir werden es nie schaffen, nachhaltig komplett zu sein", sagt sie. „Das ist einfach nicht machbar, sondern wir reden immer davon, nachhaltiger zu werden." Jeder solle sich heraussuchen, was für ihn machbar ist. Wer drei Straßen entfernt wohnt, fährt mit dem Rad. Wer 20 Kilometer pendelt...

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    19 Min.
  • „Ich hatte Lust auf etwas anderes"
    May 9 2026

    Schwester Theresita Maria ist seit 41 Jahren Ordensschwester – und erklärt das so: Sie hatte einfach Lust auf etwas anderes. Keine Erscheinung, kein Donnerschlag, nur ein Gefühl. Im Gespräch mit Dani Korsch erzählt die Theologin und Harfenspielerin, warum der durchgetaktete Klosteralltag sie befreit statt einengt, was die Ordenstracht mit Persönlichkeit zu tun hat – und warum man als Schwester bei Rot über die Ampel besser nicht erwischt werden sollte.

    Transkipt

    Dani Korsch: Als ich hörte, die Schwestern der Maria Magdalena Postel machen einen Podcast, hatte ich sofort den Gedanken, da muss eine Schwester her, mit der man mal ein bisschen ins Detail geht. Schön, dass ich dich heute hier sitzen habe. Schwester Teresita Maria. Magst du dich vielleicht einmal kurz vorstellen und uns vielleicht schon einen Einblick geben, wann hattest du das erste Mal das Gefühl, Ordensschwester, das wird mein Weg?

    Sr. Theresita Maria: Gerne. Also Schwester Theresita Maria. Ich bin seit 41 Jahren in diesem Verein, hier in der Ordensgemeinschaft der Schwestern der Heiligen Maria Magdalena Postel. Vorher habe ich nach dem Abi Theologie und Musik studiert, war als Lehrerin und Erzieherin tätig. Drei Jahre und in der Zeit habe ich tatsächlich gedacht, oder kam mir die Idee in den Kopf, ach nee, ich will nicht heiraten, sondern für Gott und viele Menschen leben. Das war so eine Idee. Ich habe vier Geschwister, die haben alle nacheinander geheiratet und Kinder bekommen, zumindest drei der vier. Aber ich dachte, ich habe Lust auf etwas anderes. Und dann habe ich mich auf die Suche begeben, dachte erst, ich lebe so alleine. Dann dachte ich, nö, so als eher rheinische Frohnatur ist es vielleicht schöner, in einer Gemeinschaft zu leben. Das würde besser zu mir passen. Und dann habe ich irgendwo anders Kloster auf Zeit gemacht und zwei Wochen und traf da eine, die ich gefragt habe, hey, willst du auch vielleicht ins Kloster gehen? Ja, vielleicht, aber wenn dann in Bestwig, guck doch da mal vorbei. Und dann kam ich hier hin und die Helle und Offenheit sprach mich einfach an. Ich kann jetzt nicht sagen, die und die theologische Richtung, das ist alles erstmal irrelevant. Ja, und dann bin ich in demselben Jahr noch, nach vielen Monaten des Zweifelns, Überlegens hin und her, hier habe ich an die Türen geklopft und gesagt, ich möchte gerne hier mit euch leben. Und was mich eben fasziniert hat, so war der Gedanke, mit anderen Frauen in Gemeinschaft zu leben, die so dieselbe Idee von Leben haben, von Leben für Gott und die Menschen. Und das habe ich hier gefunden. Und da ich immer noch da bin, denke ich, war es der richtige Weg für mich.

    Dani Korsch: Du sagtest eine, da gab es eine Frau, die auch die Idee hatte und die sagte, komm doch mal nach Bestwig. Das heißt, das war so der ausschlaggebende Punkt für dich, die Begegnung. Kannst du dich noch an die Frau erinnern? Ist die heute auch noch hier?

    Sr. Theresita Maria: Die ist jetzt unsere Provinzoberin. Tatsächlich, das war Schwester Johanna. Wir waren da zufällig gemeinsam in diesem anderen Orden, um die Kar- und Ostertage zu verbringen. Und da habe ich die einfach gefragt. Ich fand sie sympathisch natürlich. Und dann sagte die spontan, wenn dann in Bestwig. Die kannte den Orden schon, weil sie hier aus der Nähe kommt, im Gegensatz zu mir. Und ja, so war das. Und ich habe tatsächlich auch noch die ersten Schwestern vor Augen, denen ich hier begegnet bin. Das ist ja jetzt 42 Jahre her. Und ja, so Bilder, so Eindrücke prägen einen ja auch. Und besonders die Begegnung auch mit Schwester Aloisia, die damals Novizenmeisterin war und die mich dann herumgeführt hat und mir ganz viele Fragen beantwortet hat. Das war sicher auch so eine prägende Gestalt.

    Dani Korsch: Wenn man jetzt die 42 Jahre zurückgeht, ist man ja vielleicht gerade so in einem Lebensabschnitt, wo man sich jetzt beruflich orientiert. Jetzt ist das ja nicht so, dass ich als Jugendliche das...

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    22 Min.
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