43.000 Mitarbeitende. Leere Kassen. Und 30 Prozent der Belegschaft gehen in den nächsten fünf Jahren in Rente. In dieser Folge von Follow the White Rabbit spricht Dr. Nina Böhm, Digitalisierungsstrategin bei der Landeshauptstadt München, über eine unbequeme Wahrheit: Im Jahr 2025 muss man in der öffentlichen Verwaltung immer noch erklären, warum Digitalisierung überhaupt stattfinden sollte. Nicht das Budget ist das größte Problem. Nicht die Technik. Sondern der Moment, in dem ein IT-Referat sagt: „Wir müssen digitalisieren”, und alle anderen sagen: „Nö.”
Nina Böhm kommt aus der freien Wirtschaft und bringt genau den Blick von außen mit, den viele Behörden nicht mehr haben. Sie erklärt, warum die Digitalisierung kein IT-Projekt ist, sondern eine Transformation von 43.000 Menschen. Sie zeigt auf, wie Gesetze wie das Schriftformerfordernis Bürgerinnen und Bürger dazu zwingen, dieselben Daten immer wieder neu einzugeben. Und warum eine Personalausweisverlängerung längst vollautomatisiert ablaufen könnte – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche –, während die freigewordene Zeit in echte Beratung fließt, die KI noch nicht leisten kann. Auch die Themen Datenschutz, Bias und der Berliner Senatshack kommen zur Sprache, denn wer die Daten aller Münchnerinnen und Münchner verwaltet, trägt eine andere Verantwortung als ein Start-up.
Am Ende bleibt die schlichte, aber ernste Frage: Wann ist es endlich Zeit, die Nutzerinnen und Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen – nicht den Prozess, nicht die Hierarchie, nicht das Gesetz von 1980? Nina wünscht sich keine Digitaloffensive von oben. Sie wünscht sich, dass einmal jemand von vorne anfängt und fragt, wie ein Bürgerbüro heute aussehen würde, wenn es neu gebaut würde.
Takeaways:- Die Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern ein Gemeinschaftsprojekt. Wer sie ins IT-Referat abschiebt, hat bereits verloren. Eine Transformation kann nur gelingen, wenn alle 43.000 Mitarbeitenden beteiligt sind – nicht als Empfänger einer Lösung, sondern als Teil des Prozesses.
- Fachkräftemangel und Haushaltskrise machen Automatisierung zur einzigen echten Option. 30 Prozent der Belegschaft gehen bald in Rente. Die Stellen werden nicht nachbesetzt. Wer jetzt nicht automatisiert, wird in fünf Jahren gar nichts mehr regeln können.
- Datenschutz ist kein Feind der Digitalisierung – er ist ein Schutzschild. Die DSGVO und der AI Act als Ausrede zu nutzen, ist falsch. Wer kreativ und kooperativ mit dem Datenschutz arbeitet, findet Lösungen. Wer das Fingerpointing betreibt, bleibt stehen.
- Ein Gesetz namens Schriftformerfordernis bremst die digitale Kommunikation zwischen Stadt und Bürger. Und kaum jemand kennt es. Bevor man digitalisiert, muss man wissen, welche Regeln das verhindern. KI könnte dabei helfen, genau das sichtbar zu machen.
- „Fast-Follower” statt „Early Adopter” ist eine legitime Strategie für die öffentliche Hand. Wenn ein Fehler jedoch bedeutet, dass die Daten aller Münchnerinnen und Münchner im Darknet landen, ist Vorsicht keine Schwäche. Andere machen die Fehler, aus denen man lernt.
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Diese Folge ist für alle, die sich fragen, warum der Staat so langsam ist, sowie für alle, die daran arbeiten, dies zu ändern. Abonniere „Follow the White Rabbit”, hinterlasse eine Bewertung und schicke die Folge an Kolleginnen und Kollegen, die in Verwaltungen, Kommunen oder der öffentlichen Hand tätig sind. Oder an alle, die einfach verstehen wollen, warum die Beantragung eines Personalausweises immer noch sechs Wochen dauert.
Links:Dr. Nina Böhm – Digitalisierungsstrategin, Landeshauptstadt München | Dr. Nina Böhm | LinkedIn
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