• 045 - Dr. Thomas Cordes: Bewegung und Pflegebedürftigkeit - kann KI alte Menschen trainieren?
    Jan 18 2026

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    In dieser Folge des Digital Public Health Podcasts spricht Host Rasmus Cloes mit Dr. Thomas Cordes, Sportwissenschaftler an der Universität Bremen, über ein Thema, das für die Zukunft der Altenpflege zentral ist: Wie kann gezieltes Training den Abbau bei pflegebedürftigen älteren Menschen bremsen – und welche Rolle kann Künstliche Intelligenz dabei spielen?

    Thomas erklärt, dass seine Promotion zeigt, wie selbst hochaltrige, multimorbide Bewohner:innen in stationären Pflegeeinrichtungen von strukturierten Trainingsprogrammen profitieren. Zwar entstehen keine großen Leistungssprünge, doch Motorik, Kognition und psychosoziales Wohlbefinden bleiben stabil – während Menschen ohne Training im gleichen Zeitraum deutlich abbauen.

    Im Projekt KI-aktiv untersucht Thomas nun, wie ein Chatbot als digitaler Trainingsassistent eingesetzt werden kann. Die KI soll Pflege- und Betreuungskräfte bei der Planung und Anpassung von Übungen unterstützen – nicht als Ersatz für menschliche Kompetenz, sondern als Assistenzsystem, das Vorschläge macht, die anschließend fachlich geprüft werden.

    Gleichzeitig wird deutlich, wo heutige Systeme noch an ihre Grenzen stoßen. Besonders problematisch ist das fehlende Erinnerungsvermögen über längere Zeiträume hinweg. Ein individuelles Training lebt davon, dass frühere Belastungen, Fortschritte oder Rückschritte präsent bleiben – genau hier zeigt sich aktuell die größte Schwäche.

    Überraschend offen reagieren Pflegekräfte auf diese neue Technologie. Obwohl viele bislang kaum mit Tablets oder Chatbots gearbeitet haben, berichten sie in Interviews von Neugier und Interesse. Sie sehen die KI weniger als zusätzliche Belastung, sondern als Chance, ihr eigenes Handeln trainingswissenschaftlich zu verbessern.

    Am Ende zeichnet Thomas eine Vision, in der Pflegekräfte per KI in Sekunden Übungsvideos abrufen, Alternativen für gestürzte oder mobilitätseingeschränkte Bewohner:innen erhalten und perspektivisch sogar direktes audiovisuelles Feedback zur Übungsausführung bekommen. Prävention wird so skalierbar – und Bewegung rückt endlich dorthin, wo sie hingehört: in den Alltag der Altenpflege.

    Timestamps

    Training wirkt auch bei Pflegebedürftigkeit: 02:19–04:20

    KI als Assistenz, nicht als Ersatz: 04:27–07:48

    Grenzen heutiger Systeme: 08:00–10:21

    Offenheit in der Pflegepraxis: 13:13–14:09

    Vision: Videos, Feedback, Prävention: 23:02–25:34

    Staff:
    Host: Rasmus Cloes
    Redaktion: Maren Emde
    Regie: Sebastian Budde
    Kamera: Thomas Leleko
    Audio: Tristan Vogel
    Social Media: Leonie Hammen

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    32 Min.
  • 044 - Dr. Jan Demmerle: Digitalisierung in der Zahnmedizin: Was in der Praxis wirklich hilft
    Jan 4 2026

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    In dieser Folge des Digital Public Health Podcast spricht Rasmus Cloes mit Dr. Jan Demmerle, Oralchirurg in Bremen, über den Stand der Digitalisierung in der Zahnmedizin. Jan schildert, wie digitale Prozesse heute vom Empfang bis zum Behandlungsstuhl Einzug halten und welche Veränderungen im Alltag einer Zahnarzt- und oralchirurgischen Praxis tatsächlich spürbar sind.

    Ein Schwerpunkt liegt auf digitaler Anamnese und Aufklärung. Patientinnen und Patienten erfassen ihre Angaben zunehmend digital, Aufklärungsgespräche werden visuell unterstützt und direkt dokumentiert. Jan beschreibt, dass dies nicht nur Abläufe vereinfacht, sondern auch das Verständnis für Behandlungen verbessert und die Kommunikation auf Augenhöhe stärkt.

    Auch diagnostisch zeigt sich der Wandel: 3D-Röntgen, digitale Abformung und bildgestützte Planung ermöglichen präzisere Entscheidungen und helfen, Eingriffe besser zu erklären. Gleichzeitig macht Jan deutlich, dass Digitalisierung in der Zahnmedizin nur dann funktioniert, wenn sie flexibel bleibt und unterschiedliche Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten berücksichtigt.

    Beim Thema elektronische Patientenakte ordnet Jan ein, welchen Nutzen strukturierte Informationen über Medikamente und Vorbehandlungen im Praxisalltag haben können. Gerade in der Zahnmedizin, wo Wechselwirkungen und Vorerkrankungen relevant sind, kann die ePA helfen, Risiken zu reduzieren – sofern Technik, Einwilligungen und Prozesse zusammenspielen.

    Zum Abschluss richtet sich der Blick nach vorn: Künstliche Intelligenz unterstützt bereits heute bei Recherche, Dokumentation und administrativen Aufgaben. Jan betont jedoch, dass KI in der Zahnmedizin vor allem entlasten soll – während die eigentliche Behandlung weiterhin Erfahrung, handwerkliches Können und ärztliche Entscheidung erfordert.

    Timestamps

    00:01:02:18 – Wie digital sind Zahnarzt- und oralchirurgische Praxen?

    00:04:12:09 – Diagnostik, Bildgebung und digitale Planung

    00:09:12:07 – Elektronische Patientenakte in der Zahnmedizin

    00:18:35:12 – Künstliche Intelligenz im Praxisalltag

    00:20:22:17 – Fazit und Ausblick

    Staff:
    Host: Rasmus Cloes
    Redaktion: Maren Emde
    Regie: Sebastian Budde
    Kamera: Thomas Leleko
    Audio: Tristan Vogel
    Social Media: Leonie Hammen

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    20 Min.
  • 043.5 - Keine klassische Folge – dafür Weihnachtsgrüße und ein kleiner Wunsch
    Dec 21 2025

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    persönliche Worte. 2025 war kein leichtes Jahr – global nicht, und für viele auch ganz persönlich nicht. Umso wichtiger ist es, jetzt kurz auf Pause zu drücken.

    Genießt die Zeit mit Familie und Freund:innen, lasst euch beschenken, schenkt selbst – und freut euch über die kleinen Momente, die ein Lächeln auslösen.

    Und falls ihr zwischen den Jahren doch nicht ganz ohne Digitalisierung & Gesundheit könnt: Schreibt gern in die Kommentare, welche Themen, Perspektiven oder Veränderungen ihr euch für den Podcast wünscht.

    Danke fürs Zuhören, fürs Mitdenken und fürs Feedback.

    Frohe Feiertage – und auf ein gemeinsames Weiterdenken im neuen Jahr.

    Staff:
    Host: Rasmus Cloes
    Redaktion: Maren Emde
    Regie: Sebastian Budde
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    2 Min.
  • 043 - Prof. Dr. Hajo Zeeb: Digital Public Health erklärt: Das erste große Handbuch zur Zukunft unserer Gesundheit
    Dec 7 2025

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    In der aktuellen Folge des Digital Public Health Podcast spricht Host Rasmus Cloes mit Professor Dr. Hajo Zeeb über das erste umfassende Handbuch zu Digital Public Health. Das Buch trifft den Zeitgeist, behandelt aber ein wichtiges Thema nur am Rande.

    Im Gespräch erklärt Hajo, wie das Handbuch aufgebaut ist: Es beginnt mit übergreifenden Themen wie Gleichheit, Ungleichheit und Gerechtigkeit, führt dann in zentrale Herausforderungen wie Datenschutz und Ethik ein und widmet sich schließlich technologischen Perspektiven. Digitalisierung bietet Chancen, aber auch Risiken. Hajo beschreibt ein Verhältnis von „55:45 zugunsten der Chancen“ – aber nur, wenn Risiken aktiv adressiert werden.

    Auch die Grenzen digitaler Tools sind Thema. Hajo betont, dass Gesundheit ein Vertrauensbereich ist, in dem persönliche Interaktion weiterhin eine große Rolle spielt. Digitalisierung kann unterstützen, ersetzt aber nicht alle analogen Formen. Gleichzeitig zeigt das Handbuch, wie wichtig gemeinsame Sprache in interdisziplinären Teams ist – vom Glossar des Campus bis zur Frage, was ein Data Lake eigentlich bedeutet.

    Zentral im Gespräch ist zudem, was im Handbuch fehlt: Cybersecurity und Evaluation. Beides sind Bereiche, die Hajo als entscheidend für die Zukunft bezeichnet, aber die im Buch nur angerissen werden. Evaluation wird immer wichtiger – nicht nur Wirksamkeit, sondern vor allem Nutzung, Alltagstauglichkeit und echte Effekte auf Gesundheit. Digitalisierung entwickelt sich schnell, und klassische Studiendesigns reichen dafür oft nicht mehr aus.

    Zum Schluss sprechen sie über Zukunftsszenarien. Das Handbuch entwirft optimistische und pessimistische Bilder einer digitalen Gesundheitswelt. Die Wissenschaft sieht sich als Gestalterin und Begleiterin, die Entwicklungen testet, Missinformation bekämpft und gesellschaftliche Aufnahme beobachtet. Digitalisierung passiert – die Frage ist, wie wir sie formen. Genau dafür soll das neue Handbuch Orientierung geben.

    Timestamps

    00:58 – 03:33 Chancen, Risiken & Gerechtigkeit digitaler Gesundheit

    03:33 – 08:43 Analog vs. digital & gemeinsame Sprache im Campus

    08:43 – 16:05 Fehlende Themen: Cybersecurity & Evaluation

    16:05 – 21:32 Zukunftsszenarien & Rolle der Wissenschaft

    Staff:
    Host: Rasmus Cloes
    Redaktion: Maren Emde
    Regie: Sebastian Budde
    Kamera: Thomas Leleko
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    22 Min.
  • 042 - Malte Bornholdt: Wie wird aus einer Idee eine DiGA? – Malte Bornholdt über Erfolg, Regeln & Millionenbudgets
    Nov 23 2025

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    In der neuen Folge des Digital Public Health Podcast spricht Host Rasmus Cloes mit Malte Bornholdt über die wachsenden Kosten und die strengen Regulierungsschritte im DiGA-Markt. Doch was bedeutet das für Gründer, die heute mit einer neuen Idee starten – und welche Hürde entscheidet am Ende über Erfolg oder Scheitern?

    Malte zeigt, was es braucht, um eine funktionierende DiGA zu entwickeln: ein klares Konzept, eine stabile Software, die Zulassung als Medizinprodukt, eine sauber geplante Studie und Geduld. Viel Geduld. Denn aus kurzen Entwicklungszeiten entstehen heute komplexe Prozesse, die sich über Jahre ziehen und viel Fachwissen verlangen.

    Ein Schwerpunkt des Gesprächs ist die Schmerz-App HELP, bei der aus einem erfolgreichen analogen Verfahren eine digitale Lösung für viele Tausend Betroffene entsteht. Malte schildert, warum diese App das Potenzial hat, Millionen Menschen zu helfen – und welche wissenschaftlichen und regulatorischen Schritte sie auf dem Weg zur DiGA durchläuft.

    Rasmus und Malte sprechen offen über Finanzierung, Studiendesign, das BfArM, die Rolle von Ärzt:innen und die Herausforderungen der Vermarktung. Denn eine zugelassene App reicht nicht: Sie muss genutzt werden, wirken und langfristig überzeugen. Genau hier trennt sich gute Idee von nachhaltigem Produkt.

    Zum Schluss wirft Malte einen Blick nach vorn: KI, erfolgsabhängige Vergütung, neue Zertifikate und die wachsende Bedeutung digitaler Versorgung. Trotz steigender Anforderungen zeigt er sich optimistisch – denn die Ideenentwicklung bleibt dynamisch, und der Bedarf an digitalen Lösungen wächst schneller als die Branche hinterherkommt.

    Timestamps

    00:01:36 – Der Einstieg in die Gesundheitsbranche

    00:07:47 – Start-ups, HELP-App & der Weg zur DiGA

    00:16:24 – Warum manche Apps keine DiGA werden können

    00:25:38 – Die Zukunft von Digital Health: KI & neue Modelle

    Staff:
    Host: Rasmus Cloes
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    Kamera: Thomas Leleko
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    33 Min.
  • 041 - Kerstin Flohr: Digitale Gesundheitskompetenz in der Schule: Zwischen Handyverbot und Selbstkontrolle
    Nov 9 2025

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    Host Rasmus Cloes spricht mit Kerstin Flohr, Wissenschaftlerin am Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) derUniversität Bremen, über digitale Gesundheitskompetenz in Schulen, Berufsethos von Lehrkräften und warum Prävention oft erst beginnt, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Aus ihrer Forschung hat sie jedoch Ideen, wie sich das ändern ließe.

    Digitale Gesundheitskompetenz ist mehr als Technik: Informationen finden, verstehen, bewerten, anwenden – und das im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Kerstin Flohr zeigt, wie Lehrkräfte diese Kompetenz fördern wollen und warum das Thema ethisch ist: Verantwortung, Fürsorge, Wohlergehen – verankert vor allem im Berufsethos.

    Tablets erleichtern Planung und Kommunikation, doch Algorithmen spülen Fehlinformation ins Klassenzimmer. Lehrkräfte werden Anlaufstelle, richten Sprechstunden ein, agieren als Mediencoaches. Gleichzeitig fehlt Zeit, Anerkennung und ein Rahmen, der den Unterricht nicht überlädt.

    Kerstins empirisch-ethischer Ansatz verknüpft normative Pflichten (z. B. Förderung von Selbstbestimmung) mit Interviews. Ergebnis: Viele Lehrkräfte leisten bereits viel – kreativ, pragmatisch, oft zusätzlich. Der Unterricht leidet jedoch, wenn Geräte parallel genutzt werden und vom Lernen ablenken. Es braucht klare Regeln: wann, wie, wofür; plus Pausen und Erholung.

    Geräte sind da, Kompetenzen fehlen. Nach Pandemie und Digitalpakt blieb das Training für gesunden Umgang vielfach Stückwerk. Ein Handyverbot hilft bei einheitlichen Regeln – ersetzt aber keine Selbstregulation. Gefordert ist eine Strategie, die Analoges (Schreiben, Lesen, Faktenprüfung) und Digitales intelligent kombiniert.

    Was jetzt hilft: iPads aktiv einbinden, zugleich analoges Können sichern. Informationskompetenz trainieren, Quellen prüfen, eigene Bildschirmzeiten beobachten. Schulen brauchen Freiräume und Anerkennung für Prävention – damit alle Kinder das gleiche Rüstzeug bekommen, nicht nur die mit engagierten Einzellehrkräften.

    Timestamps

    00:01:14 Warum Lehrkräfte & digitale Gesundheitskompetenz zusammengehören

    00:08:23 Lehrkräfte als Lernbegleiter:innen & Mediencoaches; Integrationshürden

    00:15:11 Prävention statt Feuerwehr – ins Curriculum damit

    00:22:15 Handyverbot: Einheitliche Linie hilft, ersetzt aber keine Erziehung

    00:26:17 – Was jetzt hilft: Duale Spur, klare Regeln, Kompetenzen üben

    Staff:
    Host: Rasmus Cloes
    Redaktion: Maren Emde
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    27 Min.
  • 040 - Prof. Dr. Tanja Schultz: Wie KI unseren Körper liest – die geheime Macht der Biosignale
    Oct 26 2025

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    Im Gespräch mit Host Rasmus Cloes erzählt Prof. Dr.-Ing. Tanja Schultz, wie sie am Cognitive Systems Lab der Universität Bremen an der Schnittstelle zwischen Körper und Künstlicher Intelligenz forscht. Ihr Team untersucht Biosignale – elektrische, akustische oder muskuläre Aktivitäten des Körpers – um daraus zu verstehen, wie wir uns verhalten und wie Maschinen daraus lernen können, uns besser zu verstehen.

    Besonders stolz ist sie auf die Forschung zur lautlosen Kommunikation, bei der Sensoren im Gesicht Muskelaktivität messen und daraus Sprache rekonstruieren. Eine Chance für Menschen, die nicht mehr sprechen können.

    Mit dem neuen Projekt Biosignals Hub will Tanja einen Ort schaffen, an dem Bürger:innen selbst erfahren, was es bedeutet, wenn Körperdaten gesammelt, geteilt und verarbeitet werden. Dafür entsteht in Bremen eine große Infrastruktur: Server mit 40 Petabyte Speicher, neue Sensorik und mobile Geräte, die Biosignale im Alltag aufzeichnen können. Die Teilnehmenden entscheiden selbst, wann und was sie aufzeichnen. Ein Gegenentwurf zu den undurchsichtigen Datensammlungen großer Tech-Konzerne.

    Das Ziel ist nicht nur Forschung, sondern Aufklärung: Der Biosignals Hub soll Transparenz schaffen, welche Daten wir preisgeben und welche Macht darin liegt. Tanja betont, dass Menschen bewusst entscheiden sollten, ob und wie sie ihre Daten teilen wollen. Nur wer versteht, was gesammelt wird, kann sich wirklich dafür oder dagegen entscheiden. Bremen, so Tanja, sei mit seiner Universitätskultur und der Forschungsfreiheit der ideale Ort für dieses Projekt.

    Parallel dazu arbeitet sie in der DFG-Forschungsgruppe Lifespan AI, die gemeinsam mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS Methoden entwickelt, um Gesundheit und Krankheit über die gesamte Lebensspanne vorherzusagen. Dabei werden Kohortendaten mit neuen Biosignal-Aufzeichnungen kombiniert, um langfristige Muster besser zu erkennen. So entstehen Brücken zwischen klassischer Epidemiologie und KI-basierter Sensorforschung.

    Am Ende spricht Tanja über die gesellschaftliche Dimension ihrer Arbeit: Über Machtfragen, über die Verantwortung der Forschung und über neue Rechte, die wir brauchen – etwa das „Recht auf Vergessen“ in der KI. Sie fordert, dass Systeme lernen müssen, nicht nur Daten zu löschen, sondern auch das Gelernte wieder zu vergessen. Nur so könne Technologie menschlicher werden. Ihre Vision: eine digitale Zukunft, in der Aufklärung, Freiheit und Technologie nicht gegeneinander, sondern miteinander wirken.

    Timestamps

    00:00 – 00:03:30 · Einführung - was sind Biosignale

    00:03:30 – 00:08:50 · Biosignale, Sensorik und der Weg zum Biosignals Hub

    00:08:50 – 00:13:30 · Infrastruktur, Datenspende und Portal-Idee

    00:13:30 – 00:20:50 · Lifespan AI, Kooperation mit dem BIPS und neue Forschungsansätze

    00:20:50 – 00:32:00 · Ethik, Datensouveränität und das Recht auf Vergessen

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    32 Min.
  • 039 - Prof. Dr. Louisa Kulke: Eine Entwicklungspsychologin erklärt, was Bildschirme mit dem Gehirn machen
    Oct 12 2025

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    Im Gespräch mit Host Rasmus Cloes erzählte Louisa Kulke, Professorin für Entwicklungspsychologie an der Universität Bremen, wie digitale Technologien unsere Wahrnehmung, unser Lernen und die Entwicklung sozialer Fähigkeiten beeinflussen – von Babys vor dem Tablet bis hin zu Erwachsenen in der KI-Ära.

    Louisa Kulke erklärt, dass schon Babys den Unterschied zwischen realer und virtueller Welt erkennen. In Experimenten zeigte ihr Team: Selbst drei Monate alte Kinder merken, dass man mit Menschen am Bildschirm anders interagiert als mit echten Personen. Babys zeigen Interesse, halten aber soziale Regeln ein, sie starren zum Beispiel Fremde in der Realität nicht an, obwohl sie neugierig wären.

    Kleine Kinder lernen nicht über Bildschirme – auch nicht mit „Peppa Pig“ auf Englisch. Erst echte soziale Interaktion ermöglicht Spracherwerb und Lernen. Dieses „Medien-Defizit“ nimmt mit dem Alter ab. Gleichzeitig warnt Kulke: Digitale Medien können süchtig machen, vor allem, wenn das Gehirn – noch in der Entwicklung – die Selbstkontrolle nicht vollständig beherrscht.

    In ihrer Forschung vergleicht Louisa echte soziale Interaktionen mit Video-Calls und virtuellen Szenarien. Ergebnis: Selbst Video-Gespräche oder Virtual Reality erreichen nicht die emotionale Tiefe realer Begegnungen. Das Gehirn reagiert anders und soziale Regeln wie gegenseitiges Wegsehen oder nonverbale Signale funktionieren digital kaum.

    Louisa Kulke beschreibt, wie sich das Gehirn an digitale Reize anpasst. Wenn Kinder oder Erwachsene ständig 30-Sekunden-Videos sehen, gewöhnt sich das Gehirn an kurze Aufmerksamkeitszyklen – der „Dauerlauf“ langer Texte fällt schwerer. Trotzdem warnt sie vor Alarmismus: Jede neue Technik – vom Buchdruck bis zum Fernsehen – wurde zuerst verteufelt. Entscheidend sei, kritisch zu prüfen, was stimmt, ob bei TikTok, ChatGPT oder Tante Erna.

    Kinder sollten digitale Medien erst unter Begleitung nutzen. Sie plädiert für frühe Medienbildung: Kinder sollen lernen, digitale Inhalte zu hinterfragen und selbst kreativ zu nutzen. Ihr Ausblick: Künftig will sie untersuchen, wie soziale Interaktionen mit Robotern funktionieren und ob Maschinen irgendwann menschliche Regeln wirklich verstehen können.

    Timestamps

    00:00 – Echte Welt vs. Bildschirm

    04:10 – Lernen braucht Interaktion

    08:15 – Warum Zoom & VR keine echten Begegnungen ersetzen

    15:05 – TikTok, KI & das aufmerksame Gehirn

    21:12 – Wann Kinder Medien nutzen sollten – und was Babys schon wissen

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    Host: Rasmus Cloes
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