Chlorgesänge Titelbild

Chlorgesänge

Chlorgesänge

Von: Ute Zill Martina Schrey
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Wir sind Schwimmerinnen. Wir waren beide mal im Schwimmverein, aber das ist lange her. Bis vor kurzem schwammen wir so wie die meisten – ab und zu, wenn es gerade passt. Doch dann entdeckten wir die Jahreskarte der Berliner Bäderbetriebe – und stellten fest: Berlin hat ja über 60 Schwimmbäder! Schnell stand fest: Die durchschwimmen wir alle! Und zwar in einem Jahr. Gesagt, getan. Was uns beim Bahnen ziehen durch den Kopf geht und warum wir meinen, dass schwimmen nicht nur überlebenswichtig, sondern ein großartiges Abenteuer ist – darum geht es hier!Ute Zill, Martina Schrey Wassersport
  • Folge 171: Nur Luftanhalten ist langweilig
    Sep 16 2026

    Sie wird dafür gefeiert, dass sie über 6 Minuten die Luft anhalten kann - das allein findet Anna von Boetticher allerdings ziemlich öde. Dass ihr diese Fähigkeit allerdings den Zugang zu spannenden neuen Welten verschafft, ist für sie sie immer wieder Herausforderung und Faszination zugleich.

    Wir treffen Anna von Boetticher in einem Café in Kreuzberg und spüren von Anfang an die Energie, die sie ausstrahlt. Bereits im Alter von 17 machte sie ihren ersten Tauchschein. Zum Freitauchen - also ohne Gasflaschen - kam sie allerdings erst 20 Jahre später. Innerhalb weniger Monate entwickelte sie sich seit 2007 zur Spitzenathletin und stellte im so genannten Apnoetauchen bereits im ersten Jahr mehrere Rekorde auf. Mittlerweile ist sie Deutschlands erfolgreichste Apnoetaucherin und taucht mit nur einem Atemzug weit über 100 Meter tief.

    Und das, obwohl die auch als Waterwoman bekannte gebürtige Münchnerin dafür körperlich keineswegs ideale Voraussetzung mitbringt. Ihre Lunge ist rund 25 Prozent kleiner als bei den meisten anderen Menschen, zudem lebt sie mit einer Autoimmunerkrankung.

    Aber auch im Gespräch ist immer wieder spürbar - Anna hat nicht nur jede Menge Energie, sondern auch einen sehr starken Willen. Sie ist so fasziniert von der Welt unter Wasser, vom Tauchen, von den Begegnungen mit den Lebewesen im Meer, dass sie einfach immer wieder hin muss. Für sie ist klar: Erfolg ist weniger eine Frage außergewöhnlicher Talente. Vielmehr brauche es Neugierde, Training, Konzentration - und den bewussten Umgang mit Angst.

    Den braucht sie auch, denn was Anna wagt, ist außergewöhnlich. Wenn sie beispielsweise durch Schiffwracks taucht und sehr genau aufpassen muss, dass sie auch den Ausgang wieder findet. Beim Eistauchen hat sie tatsächlich mal kurz die Orientierung verloren, fand unter der geschlossenen Eisdecke nicht auf Anhieb den Ausstieg.

    Solche Momente sind es, die wohl definieren, was Anna ausmacht: „Nicht die Angst bestimmt, was ich dann tue“, sagt sie. „Sondern ich bestimme!“. Nicht, dass ihr in solchen Momenten nicht auch das Adrenalin durch die Adern schießt. Aber selbst dann behält sie die Übersicht. Und hat auch keine Angst vor Krokodilen, Blauhaien, Schwefelwolken oder verlassenen Bergwerken.

    Neben ihrer Karriere als Leistungssportlerin hält Anna Vorträge über Stressbewältigung, Konzentration und mentale Stärke. Sie hat Kampfschwimmer, Minentaucher und Polizeitaucher trainiert. Und bereits 2019 ein Buch über ihre Erfahrungen geschrieben: „In die Tiefe“ ist eine Mischung aus Autobiografie, Extremsport-Erzählung und Motivation. Sie beschreibt darin aber auch ihre Rückschläge, Ängste und die Bedeutung mentaler Stärke. Wer sie in Aktion erleben will, sollte sich unbedingt Waterwoman anschauen - in zwei Staffeln hat die ARD Anna von Boetticher bei ihren Aktionen begleitet.

    Am 16. September 2026 erscheint ihr zweites Buch: „Es ist nie nichts“ - Gedanken aus der Tiefe über Resilienz und Entdeckerfreude. Man kann es kaum glauben - aber eine Sache hat Waterwoman bislang noch nicht gelernt: Kraulschwimmen. Aber wir sind sicher - das wird noch!

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    49 Min.
  • Folge 170: Ein Euro pro Bein
    Sep 9 2026
    In der Schwimmgemeinde geht die Trauer um: Nach und nach schließt ein Freibad nach dem anderen, die Sommersaison neigt sich dem Ende zu. Ausgerechnet jetzt bieten Bäder in Deutschland Hundeschwimmen an. Doch worauf sich die einen schon das ganze Jahr freuen, sorgt bei anderen für großen Missmut: Hunde? Euer Ernst? Lasst doch lieber die Menschen länger schwimmen! Wir sind für diese Folge ins Sommerbad Staaken-West gefahren, denn zum zweiten Mal überhaupt bieten auch die Berliner Bäderbetriebe Hundeschwimmen an. Doch während eine von uns sich bereits am Eingang vor Begeisterung kaum einkriegt, bleibt die andere erstmal skeptisch. Was nicht nur, aber auch mit ihrer latenten Angst vor Hunden zu tun hat.Zurück zum Eingang - hier wird erstmal kontrolliert, ob für den mitgebrachten Hund ein aktueller Impfausweis und eine gültige Haftpflichtversicherung vorliegt, sonst kommt der Vierbeiner gar nicht erst rein. Der Eintritt wird nach der Anzahl der Beine berechnet: Hunde kosten vier, Menschen zwei Euro. Auf der großen Liegewiese dann ein einziges Gerenne und Gejage - aber alles total spielerisch, kein Hund bellt, alle tollen munter umeinander herum. Was sicher auch daran liegt, dass hier kein Hund an die Leine muss. Freie Bahn!Die beiden Schwimmbecken dahinter sind ebenfalls ungeleint, hier passt kein Rettungsschwimmer drauf auf, dass niemand untergeht. Dafür müssen Frauchen und Herrchen schon selber sorgen. Die Hunde reagieren sehr unterschiedlich auf dieses ungewohnte Event: Während sich die eine mit gewagtem Sprung direkt ins Wasser stürzen, umrunden andere erstmal skeptisch mehrfach das Becken und halten allenfalls eine Pfote ins Wasser. Vizsla-Besitzerin Moni hat sich schon lange auf das Hundeschwimmen gefreut. Sie geht mit ihrem Hund Kalle zwar auch sonst regelmäßg in den See, aber hier habe er einfach noch sehr viel mehr Spaß, vor allem wegen der vielen anderen Hunde. Und in der Tat: Während sie erzählt, stürzt sich Kalle zusammen mit seinem Hundefreund Balou ein ums andere Mal ins Wasser, apportiert Spielzeug oder Bälle und man hat fast den Eindruck, er würde vor Freude strahlen.Hundeschwimmen-Organisatorin und Meisterin für Bäderbetriebe Jennifer Heide freut sich darüber, dass das Event so großen Anklang findet. Sie versteht aber auch die Skeptiker. Umso wichtiger ist es ihr, klarzustellen, dass niemand wegen des Hundeschwimmens auf einen Freibadbesuch verzichten muss. Das Badpersonal sei schon längst mit der so genannten Auswinterung beschäftigt und stünde als Aufsicht gar nicht mehr zur Verfügung. Das Wasser ist zudem nicht mehr gechlort, sonst wäre es auch für die Hunde gar nicht verträglich. Auch sei es überhaupt nicht eklig, wenn Hunde ins Beckenwasser gehen: Das wird nämlich nach dem Hundeschwimmen komplett abgelassen und die Fliesen gründlich gereinigt - ein Vorgang, der am Ende der Saison ohnehin fällig wird. Außerdem: „Auch Hundebesitzer:innen sind unsere Kunden. Und wir freuen uns, dass wir ihnen einmal im Jahr ein ganz spezielles Angebot machen können.“ In Berlin dieses Jahr übrigens noch dreimal: am 12., 13. und 19. September.In deutschlandweit über 70 Orten wird mittlerweile Hundeschwimmen am Ende des Sommers angeboten, Berlin ist da absolut kein Vorreiter. Oft wird in den Bädern dann die Gelegenheit genutzt, Spenden für das regionale Tierheim zu sammeln. Auch in Ländern wie der Schweiz oder in Großbritannien findet am Ende der Sommersaison Hundeschwimmen in öffentlichen Bädern statt. Spanien, Italien oder Belgien gehen noch ein Stück weiter: Hier gibt es sogar spezialisierte Hunde-Wasserparks oder ganzjährige Doggy-Pools.Die Skeptikerin von uns beiden findet das Hundeschwimmen im Sommerbad Staaken-West am Ende auch ganz amüsant. Ja, sicher - den Geruch von nassem Hund muss man mögen. Aber die Toiletten sind beim Hundeschwimmen deutlich sauberer, als wenn Menschen im Bad ihre Bahnen ziehen!
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    31 Min.
  • Folge 169: Zu tun gibts immer was!
    Sep 2 2026
    Liebesbriefe hat er in diesem Sommer jetzt nicht bekommen, der Betriebsleiter der Berliner Bäderbetriebe, Ricardo Haas. Aber nichts gesagt ist bekanntlich genug gelobt und so kann man davon ausgehen, dass die Mindesttemperaturen von 22 Grad in den Berliner Freibädern überall Anklang gefunden haben. Mit Schaudern erinnern wir uns noch an letztes Jahr: Damals lag die Wassertemperatur im Olympiabad um diese Zeit bei 17 (!) Grad. Dieses Jahr waren es auch zum Schluss noch wohlige 24 Grad. Wir haben die angenehmen Temperaturen genossen und tun das immer noch - denn sieben Freibäder sind mindestens bis Mitte September geöffnet. Mehr war nicht drin, sagt Ricardo Haas: Die Hallen müssen wieder in Betrieb genommen werden, das Schulschwimmen startet und die Vereine legen auch wieder richtig los. Dafür brauche es Personal, was bis jetzt in den Freibädern eingesetzt war. Insgesamt war die Sommersaison aber auch für die Bäderbetriebe zufriedenstellend, rund 1, 6 Millionen Menschen sind gekommen. Allein am letzten Juni-Wochenende tummelten sich bei rund 40 Grad Außentemperatur über 120.000 Menschen in den Berliner Freibädern. Und vor allem: Es gab den ganzen Sommer keine besonderen Vorkommnisse, keine Schlägereien, keine Übergriffe - allen anderslautenden Gerüchten zum Trotz.Ein bisschen enttäuscht sind wir allerdings davon, wie wenig die Berliner Bäderbetriebe aus ihrem 30jährigem Jubiläum dieses Jahr gemacht haben. Es gab ein paar Kinder- und Familienparties, eine Ticket-Verlosung - aber das war´s dann auch schon. Das eigentlich geplante 24-Stunden-Schwimmen Ende Oktober in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) muss auf nächstes Jahr verschoben werden, die electronic pool session im Neuköllner Columbiabad fand gar nicht erst statt. Die Gründe dafür sind vielfältig, wir hoffen aber, dass es nächstes Jahr dann umso schöner wird! Aber ein Ereignis in diesem Sommer wollen wir nicht unerwähnt lassen: Das Mittsommerschwimmen im Insulaner am 21. Juni. Bereits zum Start um 4:30 Uhr waren viele begeisterte Menschen da, bis 21:30 war das Bad geöffnet. Mehr davon!Ein paar gute Nachrichten hat Ricardo Haas auch noch im Gepäck: Das Paracelsusbad in Reinickendorf soll nun endlich im April 2027 wieder eröffnet werden! Und das Stadtbad Schöneberg macht hoffentlich auch in diesen Tagen wieder auf. Hier erwartet die Besucher:innen dann auch in absehbarer Zeit etwas berlinweit Einzigartiges: Der Einsatz von KI, zur Unterstützung des Bäderpersonals bei der Überwachung der Wasserflächen - im fachdeutsch: Anti-Ertrinkungssysteme. Allerdings noch nicht gleich, die Kameras hängen zwar schon, aber erst muss noch der Personalrat zustimmen.Die Sanierung der Neuen Halle in Charlottenburg nimmt ebenfalls Formen an, die Fertigstellung ist für 2031 geplant. Weniger gute Nachrichten leider aus Spandau Süd: Es gibt Komplikationen, mit der Sanierung des Freibads konnte noch gar nicht begonnen werden, das passiert erst 2027. Und dann muss dort auch noch eine zusätzliche Halle gebaut werden. Ist die fertig, können die Wassersport-Vereine vom Sachsendamm dahin umziehen - denn auch dort muss dringend saniert werden.Zu Mariendorf wagt Ricardo Haas heute noch gar keine Prognose, aber das Kreuzberger Spreewaldbad wird hoffentlich Anfang 2028 fertig sein. Und an der Holzmarktstraße hat gerade der Spatenstich stattgefunden. Haas ist froh, dass die Berliner Bäderbetriebe im Rahmen des Klima-Pakts bis 2023 rund 204 Millionen Euro zusätzlich bekommen: 170 Millionen sollen in die (energetische) Grund- und Teilsanierung von Hallenbädern gehen, 34 Millionen sind für spezifische Einzelmaßnahmen geplant. Solarbetriebene Heizsysteme beispielsweise oder der Austausch alter Pumpensysteme. Insgesamt wollen die Bäderbetriebe bis 2030 Bauvorhaben im Wert von mehr als 600 Millionen Euro umsetzen. Eins ist Ricardo Haas aber trotzdem klar: „Fertig werden wir nie werden. Bei über 60 Bädern gibt es auch danach noch viel zu tun!“ Und man sieht ihm an, dass er Spaß daran hat.
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    34 Min.
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