Oliver Rückemann

Oliver Rückemann

Geboren wurde ich 1975 unter dem Namen Peuthert in Frankfurt am Main. Aus armen Verhältnissen kommend, die von einer sehr schwierigen Kindheit flankiert wurden, habe ich mich zunächst mit meiner enormen Motiva-tionslosigkeit abgefunden, in diesem Leben irgendetwas erreichen zu wollen. Dank – mir damals noch nicht einsichtiger – extremer Um-stände kam jedoch zu Beginn meines dritten Lebensjahrzehnts ein entscheidender Wende-punkt. Endlich fähig, mich für mich selbst zu entscheiden, startete ich nicht nur meine berufliche Karriere, sondern konnte auch eine echte persönliche Entwicklung beginnen. Die Hoffnung, auf den Bruch-stücken eines ursprünglich kargen Persönlichkeitsfundamentes tatsächlich so etwas wie Selbst-Integration aufzubauen, hat mich von da an verstärkt nach Antworten suchen lassen. Es wurde fast zu einer Manie, meine Fragen quer durch die Disziplinen der Natur- und Geisteswissenschaften zu jagen. Sobald ich Antworten fand, kamen neue Fragen auf. Ein paar Jahre lang befriedigte mich diese Form der Autodidaktik, doch eines Tages verdichteten sich für mein Verständnis die Zusammenhänge dahin gehend, dass unsere technokratisch-zivilisierte Lebensweise eine Sackgasse sein musste sowie das Streben nach materiellem Erfolg und Wissen nirgendwo hinführt. Wie also weiterleben? Zunächst machte ich die Erfahrung, dass Menschen, die viel fragen und sich nicht mit Binsenweisheiten abspeisen lassen, anderen sehr unbequem er-scheinen. Ich gestehe, ich bin so ein Mensch. Mir sind sehr viele Antworten zu Ohren gekommen, die meinen Fragen auswichen. Und wie oft meine Gegen-über mit aller Kraft zu vertuschen suchten, überhaupt keine Antwort parat zu haben, ließ sich nicht zählen. In Akademikerkreisen erhielt ich zwar eine Menge Informationen, die jedoch mit echtem Wissen – weisem Verständnis – nicht die geringste Berührung hatten. Die menschliche Fähigkeit, tragende Lösungen für die zeitgenössischen globalen Probleme zu ersinnen, scheint wenig verbreitet zu sein. Die Wenigen, die heute empfindliche Fragen stellen und sich nicht mit den Ausflüchten konservativer „Realisten“ zufrieden geben, werden belächelt, denunziert oder auf unkreative Weise aus dem Weg geräumt. In den elf Jahren meiner Tätigkeit als freiberuflicher Berater mit den Schwer-punkten Projektleitung und Business Analyse (vorwiegend in IT-Projekten) sammelte ich nicht nur fachliches Wissen, sondern vor allem erstaunliche Erkenntnisse über die Menschen und deren Zwanghaftigkeit, ein fremd-bestimmtes, sie selbst und ihr natürliches Umfeld zerstörendes Leben zu führen. Dieser unglaubliche Fatalismus bewog mich dazu, nach wirklich tragenden Lösungen für eine humane und ökologische Lebensweise zu suchen, die eine Zukunft nicht fürchten muss. Im Formulieren meiner Antworten erkannte ich, dass diese Überlegungen Fragen bedienten, die sich die meisten Spezialisten bislang noch nicht einmal gestellt hatten. Meine Affinität zum Thema Nachhaltigkeit wuchs im selben Maße, wie ich meiner eigenen Person gegenüber aufrichtige Wertschätzung empfinden konnte. Allerdings blieb dieser Nachhaltigkeitsgedanke noch eine Weile bloße, abstrakte Idee, die ich erst mit zunehmender persönlicher Reife zu einem individuellen Lebenskonzept auszubauen wusste. Warum ich mich darin zunächst schwer tat lag am Mangel guter Vorbilder. Ich war über lange Zeit ein konventionell Handelnder unter Vielen, der seine kognitive Dissonanz pflegte wie andere ihren Vorgarten. Es hatte fast etwas Gewaltsames zu begreifen, dass ich die Steine aus meinem Weg räumen musste, denen ich zuvor immer auswich und die von den Herden postindustrieller Konsumgesellschaften immer höher aufgetürmt werden. Diese Entwicklung brachte eine grundlegende Wandlung: Ich konnte endlich das reine Stadium des Theoretikers verlassen. Durch das Verlegen der Hör-buchversion des Titels EXIT - Wohlstand ohne Wachstum von Meinhard Miegel und der Begegnung mit diesem außergewöhnlichen Denker erlangte ich spürbar mehr Handlungsfähigkeit. Seither ist das Thema Nachhaltigkeit in meinem Leben meine alltägliche Realität. Ich besitze kein Auto mehr. Meine Wandlung zum Vegetarier sowie die konsequente Einsparung von Ressourcen und Energie sind nur wenige Beispiele für diesen Lebenswandel. Viele der im vorliegenden Buch beschriebenen Probleme und Lösungs-ansätze sind keine von der Wirklichkeit abgewandten Konstruktionen, sondern Erkenntnisse, die ich in fachlichen und beruflichen Auseinander-setzungen sowie in persönlichen und naturbezogenen Begegnungen gewinnen konnte. Für die Unkonventionalität meines Weges bin ich heute dankbar – ich hätte anders sicher nicht bis an den Punkt finden können, an dem ich Menschen, die nach Antworten suchen, und der Natur, die ich lange genug ausgebeutet habe, so viel zurückgeben kann. Frankfurt, im Oktober 2011

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