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UGHW: Wild-Life-Balance

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Über diesen Titel

Koala zu sein kann anstrengend sein. Hauptberuflich „sooooo süß“, nebenbei 20 Stunden täglich Eukalyptus kauen – nährstoffarm, giftig, aber konkurrenzfrei. Eine Art vegetarisches Stammessen der Evolution. Da Koalas außerdem viel schlafen, bleibt nur der Biss ins Blatt. Kann man machen, ist aber eine Nische. Wegen der wenigen Nährstoffe muss man viel essen. Wie beim Aperol: Eine Orangenscheibe macht noch keinen Vitaminhaushalt. Für die Verdauung des Krauts haben Koalas einen langen Blinddarm und ein Entgiftungsenzym. Ein USP, sagen die einen. Eine Sackgasse, die anderen. Immerhin missionieren sie nicht. Sie fressen. Rund um die Uhr. Ähnlich Pandas: anderes Land, anderes Kraut, gleiches Prinzip. Zehn bis zwanzig Kilo Bambus täglich, 14 Stunden Kauen. Elefanten: 150 Kilo Pflanzen, 18 Stunden Arbeit. Löwen hingegen verschlafen den Tag. Sandvipern liegen herum und warten auf tölpelhafte Beute. Zack – weg. Der Rest ist Verdauung. Ein Muster: Überzeugungen kosten Zeit und Energie. Tiere entscheiden das nicht bewusst, ihnen fehlen Foodtrends und Flexitarismus. Vieles ist darwinistisch eingemendelt. Wir Menschen hingegen haben Wahlmöglichkeiten. Und doch gilt als Grundmaxime, dass die nächste Generation faul ist. Was früher auf der Parkbank gemault wurde, sitzt heute im Bundestag. Gitta Connemann wettert gegen „Lifestyle‑Teilzeit“, Christoph Ahlhaus kontert mit „Kompetenzvermutung“. Klingt wie Tic Tac Toe: „Ich find dich scheiße.“ Auch der Kanzler warnt vor der Vier‑Tage‑Woche. Als hätte man das nicht schon 1960 gehört. Dabei können wir unseren Lebensstil wählen – theoretisch. Praktisch haben viele Kinder, Eltern, Miete. Arbeitszeit und Produktivität steigen. Was die Statistik trübt, sind Menschen, die vor der Rente aufhören. Ihr gutes Recht. Aber sicher nicht Gen Z. Die Lage wird gern in dunklen Farben gemalt. Rudi Völlers tieferer Tiefpunkt ist regierungsfähig geworden. Ralph Ruthe bringt’s auf den Punkt: „Alle bekloppt geworden. Das Wetter.“ Zeitgeist, aber nicht neu. Cicero klagte schon über Sittenverfall. Die Griechen strebten nach Eudaimonia, Cicero nach „Muße mit Würde“. Selbst Marx wollte morgens jagen, nachmittags fischen, abends kritisieren. Die Stechuhr ist eine Erfindung der Industrialisierung. Bei Chaplin in Modern Times wirkt „achtsamkeitsbasierte Resilienzstrategie“ eher fehl am Platz. Selbst Pandas hören auf, wenn sie genug Bambus haben. Die brauchen keine Time‑Tracking‑App. Apropos Muße: Das war anstrengend. Jetzt ein Happen – kein Eukalyptus. Und dann löwen wir unter den Baum. Gute Nacht, Frau Connemann. Gute Nacht, Herr Merz. Dies – und vieles mehr – in Folge 48 von Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.
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