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Matthias Zehnders Wochenkommentar

Matthias Zehnders Wochenkommentar

Von: Matthias Zehnder
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Über diesen Titel

Matthias Zehnder gibt Ihnen hier jede Woche zu denken. Das Thema: Medien und die Digitalisierung. Das Angebot: Konstruktive Kritik.© 2026 Matthias Zehnders Wochenkommentar Philosophie Sozialwissenschaften
  • Warum Ihr Gehirn Tiger erfindet und wie Sie sie loswerden
    Feb 20 2026

    Erinnern Sie sich an diese Szene? Professor Robert Langdon wird von der Pariser Polizei in den Louvre gerufen: Da liegt die Leiche eines Mannes, der rätselhafte Zeichen und Codes hinterlassen hat. Von der Pose des Toten bis zu den Anagrammen interpretiert Professor Langdon jedes Detail als Teil eines gigantischen, jahrhundertealten Musters. Das ist der Anfang des Romans «The Da Vinci Code» («Das Sakrileg») von Dan Brown. Er präsentiert dem Leser eine Mischung aus historischen Fakten, Bits and Pieces aus der Kunstgeschichte und Fiktion. Wir Leser (und die Figuren im Roman) werden dazu verleitet, in diesen eigentlich eher willkürlich zusammengetragenen Wissensfetzen eine zusammenhängende «Wahrheit» über den Heiligen Gral oder Geheimbünde wie die Prieuré de Sion zu sehen. Der Roman und der Film mit Tom Hanks sind beste Unterhaltung. Vor allem aber illustrieren sie sehr gut, wie wir Menschen darauf trainiert sind, Muster und Zusammenhänge zu erkennen. Unser Problem ist: Wir sind evolutionär darauf programmiert, Muster zu erkennen. Unser Gehirn erkennt lieber ein Muster zu viel als eins zu wenig. Das ist tief in uns verankert. Im Informationszeitalter macht genau das uns anfällig für Fehlurteile und Verschwörungstheorien. Doch es gibt einen Ausweg: https://www.matthiaszehnder.ch/wochenkommentar/tiger-im-gehirn/

    Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
    Website: https://www.matthiaszehnder.ch/
    Newsletter abonnieren: https://www.matthiaszehnder.ch/abo/
    Unterstützen: https://www.matthiaszehnder.ch/unterstuetzen/
    Biografie und Publikationen: https://www.matthiaszehnder.ch/about/

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    14 Min.
  • Warum Vergessen eine Superkraft ist
    Feb 13 2026

    Letzte Woche habe ich hier über den unendlichen Run im Online-Hamsterrad gesprochen. Dem Gefühl, dass alle anderen immer mehr wissen und der ständigen Angst, etwas zu verpassen. Wir alle sind permanent überfordert von all den Informationen, leiden unter Information-Overload, und fühlen uns doch schlechter informiert. Der Kopf ist voll, das Hirn ist leer. Was tun? Es gibt Dutzende Ratgeber über die «Hirnpower» und «richtiges», «besseres» oder «cleveres» Lernen. Aber eigentlich mache ich mir vor allem Sorgen darüber, was mein geplagtes Gehirn nicht behalten kann. Wie hiess jetzt nochmal die Nachbarin, die Französisch unterrichtet? Warum war Werther bei Lotte? An welche Länder grenzt Marokko? Hab ich die Kaffeemaschine ausgeschaltet? Und wo ist eigentlich mein Schlüssel? Von wegen Hirnpower: Ich glaube, mein Gehirn ist ein Versager. Wirklich gut ist es nur im Vergessen. Doch dann bin ich auf die Geschichte der Kalifornierin Jill Price gestossen. Sie suchte Hilfe beim Neurobiologen James McGaugh, weil sie nichts vergessen kann. Immer, wenn sie ein Datum sehe, kehre sie automatisch gedanklich zurück und erinnere sich daran, wo sie damals war und was sie tat. Ihr gehe jeder Tag ihres ganzen Lebens durch den Kopf. Sie bat den Neurobiologen um Hilfe und schrieb ihm: «Es macht mich verrückt!» Vielleicht meint es mein Hirn also gut mit mir, wenn es vergisst? Sollen wir also gegen das Vergessen gar nicht ankämpfen und es als Teil unseres Wesens akzeptieren? Vielleicht sogar als Geschenk?

    Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
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    Biografie und Publikationen: https://www.matthiaszehnder.ch/about/

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  • Warum wir trotz Internet schlechter informiert sind
    Feb 6 2026

    Fühlen Sie sich informiert? Wissen Sie Bescheid über wichtige Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur? Und vor allem: Haben Sie den Überblick? Ich empfinde die Situation als paradox: Es war noch nie so einfach, viele Informationen zu erhalten – und es war noch nie so anstrengend, informiert zu sein. Ich habe das Gefühl, dass ich immer mehr Aufwand betreiben muss, um à jour zu bleiben. Als ich Ende der 1980er-Jahre in den Journalismus einstieg, war das grosse Problem der Zugang zu Nachrichten und Informationen. Ende der 1990er-Jahre brach das World Wide Web die klassischen Strukturen auf. Plötzlich konnten wir alles wissen: Wir hatten weltweit Zugang zu Daten, Nachrichten und Informationen. Es machte sich eine richtige Euphorie breit. Damit ist es vorbei: Heute leiden wir alle unter einem Information Overload. Wir haben zu viele Informationen und fühlen uns doch schlecht informiert. Vor allem ist es viel anstrengender geworden, am Ball zu bleiben. Was ist da los? Warum hat das Internet die euphorischen Erwartungen nicht erfüllt? Verbessert oder verschlimmert die künstliche Intelligenz die Situation? Oder bietet sie vielleicht eine Lösung?

    Matthias Zehnder ist Autor und Medienwissenschaftler in Basel. Er ist bekannt für inspirierende Texte, Vorträge und Seminare über Medien, die Digitalisierung und KI.
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    15 Min.
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