Im Ozean der Augenblicke Titelbild

Im Ozean der Augenblicke

Im Ozean der Augenblicke

Jetzt kostenlos hören, ohne Abo

Details anzeigen

Nur 0,99 € pro Monat für die ersten 3 Monate

Danach 9.95 € pro Monat. Bedingungen gelten.

Über diesen Titel

«Einmal müssen zwei auseinandergehn; einmal will einer den andern nicht mehr verstehn – einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein – wer ist daran schuld? Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit. Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit. Jedes trägt den andern mit sich herum – etwas bleibt immer zurück. Einmal hat es euch zusammengespült, ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen und dann erkühlt – Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab –: ein neuer Mensch. Jeder geht seinem kleinen Schicksal zu. Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du. Jeder sucht seine Zukunft. Und geht mit stockendem Fuß, vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und ohne Gruß in ein fernes Land.» — Kurt TucholskySchau mir in die Augen und ich sag dir, wovon du träumst. In diesem Satz liegt alles, was mich anderen Menschen nahebringt. Und was mich von ihnen trennt.Nie waren es Gespräche, die mich einem Menschen auf Anhieb haben vertraut fühlen lassen. Immer waren es Blicke. Das gegenseitige Finden im Schatten oder Licht hinter des jeweils anderen Augen. Die Ahnung einer Art von Verbundenheit, die sich mit Worten nicht erklären lässt.Diese Wortlosigkeit ist, was ich immer geglaubt habe zu suchen. Einmal in meinem Leben nichts erklären zu müssen. Eine Form der Verbundenheit zu spüren, deren Sprache eine andere ist als die der Sprache.Diesen Wunsch des bedingungslosen Gesehenwerdens habe ich bislang immer romantisiert. Da war eine Form von sehnsuchtsvollem Warten. Ein Hoffen auf den einen Menschen, der mich versteht.Und gleich ich diese Sehnsucht wahrscheinlich nie ganz ablegen werden kann, noch will, realisiere ich so langsam, wie mich dieses «Suchen» mehr vom Leben abhält, als ihm näherbringt. Da ist eine Form von Realisation, dass der Mensch, den ich suche, niemand Geringeres ist, als ich selbst.Und um ehrlich zu sein, ist das aktuell eine sehr traurige Erkenntnis.ㅤ«Treffpunkt im Unendlichen» ist eine von Lesern unterstützte Publikation. Möchten Sie gerne neue Posts erhalten und meine Arbeit unterstützen? Dann wäre vielleicht ein Paid-Abonnement etwas für Sie.Mehr denn je realisiere ich die Auswegslosigkeit dessen, was ich meine zu suchen. Die ihr zugrunde liegende Verwechslung zwischen Sehnsucht und Ersehntem.Da ist dieses Gefühl, oder vielmehr die Erkenntnis, mein Leben lang auf etwas gewartet zu haben, dass ich zwar meine zu wollen, dass ich aber, wenn ich ehrlich mit mir bin, in dieser Form gar nicht will oder auch nur wollen kann. Eben weil es das Eigentliche nicht adressiert. Und mich außen vor lässt. Denn schlussendlich…Beginnt doch alles mit uns selbst. In uns selbst. Jede Beziehung, jedes Lachen, jede Berührung. Sind wir uns selbst jedoch nicht nahe, haben wir uns selbst nie mit uns vertraut gemacht, bleibt jede Beziehung einsam, jedes Lachen freudlos und jede Berührung … berührungslos. Die fehlende Nähe zu uns selbst hindert sowohl uns daran, anderen Menschen nahe zu kommen; wie auch diese, sich uns anzunähern.Um dem eigenen Wunsch nach Nähe und Verbundenheit wahrhaft gerecht werden zu können, wäre die «logische» Schlussfolgerung an dieser Stelle folglich, Innenschau und Individuation zu betreiben. Zu gut oder unseligerweise unterliegt Sehnsucht keinerlei Logik. Was also macht der oder die Sehnsüchtige? Er oder sie lernt, in Blicken zu schwimmen…… Überall, wohin du gehst, sucht du nach Augen, die nicht durch dich hindurchschauen, sondern die mittels ihrer Sehnsucht die in deinen finden. Du hoffst auf die eine Begegnung, durch die sich alles auflöst. Die Einsamkeit, die Entfremdung, die Leere. Irgendwann, so glaubst du, wird dieser eine Mensch in dein Leben treten, durch den plötzlich alles Sinn ergibt. Mit dem plötzlich alles einfach ist und deine verloren geglaubte Lebendigkeit zu dir zurückkehrt.Doch dieser Mensch wird nicht kommen. Oder besser gesagt: Selbst wenn dieser Mensch in dein Leben tritt, wird seine Aufgabe nicht darin bestehen, den Ballast deines Innenlebens für dich zu ordnen, geschweige denn für dich zu tragen. Alles Gewicht der Welt, das du in dir trägst, trägst du selbst. Es ist deine Aufgabe, es zu entpacken. Denn da wird niemand kommen, um dich zu retten.So sehr ich auch verstehen kann, warum du diesen Wunsch in dir trägst.ㅤVielen Dank, dass Sie «Treffpunkt im Unendlichen» lesen. Dieser Post ist öffentlich. Sie können ihn gerne teilen.ㅤRetten und gerettet werdenSo überlege ich aktuell mehr denn je, warum ich diese Tendenz in mir trage. Warum ich entweder durch die Welt gehe, als wäre niemand da, oder als würde – überspitzt gesagt – mein Leben davon abhängen, dass jemand da ist. Warum da immer dieses leise Hoffen bleibt, wo immer ich bin, in Augen zu blicken, die auch zurückblicken. Kurzum: Warum ich allzu oft mehr im Außen bin, denn bei mir.Meine Antworten dazu sind viele. Eine dreht sich um meine allgemeine Frustration über diese Zivilisation. In ...
Noch keine Rezensionen vorhanden