10.01.2026 - Kohle-Comeback und Stromfresser-Kläranlagen Titelbild

10.01.2026 - Kohle-Comeback und Stromfresser-Kläranlagen

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Über diesen Titel

Die „Energiewende“ ist ein Dauerthema in den Nachrichten. Doch hinter den großen Schlagzeilen über Windkraftrekorde und Solarausbau verbergen sich überraschende und oft widersprüchlich erscheinende Entwicklungen, die die wahre Komplexität dieses nationalen Projekts offenbaren. Dieser Artikel deckt vier der folgenreichsten und unerwartetsten Geschichten auf. Sie zeigen, wie die Energiewende in der Praxis geräuschlos, aber mit enormer Wucht die Grundpfeiler unserer Infrastruktur neu justiert – von der Stabilität unserer Stromnetze über die Kosten für sauberes Wasser bis hin zu den stillen, aber wirkungsvollen Entscheidungen der Regulierungsbehörden. Das überraschende Comeback der Kohle: Ein Weckruf für das Stromnetz Die Energiewende erreichte 2025 einen widersprüchlichen Meilenstein: Nie war der Anteil der Kohle im deutschen Strommix auf das Gesamtjahr bezogen geringer. Gleichzeitig erlebte die Kohleverstromung im ersten Quartal 2025 einen massiven Anstieg, der das System einem Stresstest unterzog. Die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen ein klares Bild für diesen Zeitraum: Die Verstromung aus Braunkohle stieg um 7,2 % und aus Steinkohle sogar um 36,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Gleichzeitig brach die Windstromerzeugung an Land um 31,2 % ein. Der Grund für diesen kurzfristigen Peak ist eine direkte Folge der Wetterabhängigkeit der Erneuerbaren. Als die Windstromerzeugung nachließ, mussten konventionelle Kraftwerke als „Lückenfüller“ einspringen, um die Stromversorgung zu sichern. Dieses Ereignis ist ein Weckruf: Es demonstriert schonungslos die zunehmende Volatilität des Energiesystems. Trotz langfristiger Fortschritte zeigt diese Momentaufnahme, dass sich die Energiewende von einer reinen Erzeugungsfrage zu einer hochkomplexen Herausforderung für das Netzmanagement entwickelt hat.Die Kläranlage wird zum Strom-Hub: Warum sauberes Wasser bald massiv mehr Energie braucht Eine neue EU-Richtlinie (KARL) verpflichtet Kläranlagen bald, eine sogenannte „vierte Reinigungsstufe“ einzuführen. Ihr Zweck ist es, Mikroschadstoffe wie Arzneimittelrückstände und Pestizide aus dem Abwasser zu eliminieren – ein wichtiger Schritt für den Gewässerschutz. Die überraschende Nebenwirkung: Diese neue Reinigungsstufe ist extrem energieintensiv. Eine Studie des Umweltbundesamtes ergab, dass sie den Stromverbrauch einer Anlage um 20 % bis 50 % erhöhen kann. Damit wird eine wasserwirtschaftliche Aufgabe zu einer großen Herausforderung für das lokale Stromnetz, denn Kläranlagen sind bereits heute für 20-40 % des kommunalen Stromverbrauchs verantwortlich. Die gute Nachricht ist jedoch, dass diese Anlagen das Potenzial haben, sich von reinen Energieverbrauchern in flexible „Energie-Hubs“ zu verwandeln. Durch Klärschlammfaulung zur Biogaserzeugung, die Nutzung großer Flächen für Photovoltaik-Anlagen und die Fähigkeit, ihre energieintensiven Prozesse flexibel zu steuern (Demand-Side-Management), können sie das Stromnetz stabilisieren. So wird eine Belastung in einen wertvollen Beitrag zur Energiewende umgewandelt, mit Potenzial zur Anbindung an lokale Wärmenetze oder zukünftige Wasserstoffstrategien.Zuckerbrot und Peitsche: Wie der Staat den Netzausbau beschleunigt Ausgelöst durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2021, das eine größere Unabhängigkeit der Regulierungsbehörden forderte, hat die Bundesnetzagentur (BNetzA) die Spielregeln für den Netzausbau neu justiert. Um die milliardenschweren, für die Energiewende notwendigen Netzinvestitionen anzukurbeln und gleichzeitig die Kosteneffizienz zu erzwingen, verfolgt sie mit dem sogenannten „NEST-Prozess“ eine Strategie aus Zuckerbrot und Peitsche. Das „Zuckerbrot“ soll Investitionen anlocken: Die BNetzA hat die finanziellen Rahmenbedingungen verbessert, indem sie die genehmigten Eigenkapitalzinssätze für Netzinvestitionen (nach der WACC-Methode) anhebt, was diese attraktiver macht. Die „Peitsche“ trifft ineffiziente Netzbetreiber umso härter. Hier wurden zwei zentrale Schrauben angezogen: • Der Zeitraum zum Abbau festgestellter Ineffizienzen wird von fünf auf nur noch drei Jahre verkürzt. • Das Vergleichsverfahren zur Effizienzmessung wird von einem toleranteren „Best-of-Four“-Ansatz auf eine strengere „Best-of-Two“-Methode verschärft. Diese Neuregelung zeigt die doppelgleisige Strategie des Staates: Investoren werden belohnt, während der Druck auf ineffiziente Akteure massiv erhöht wird, um die Energiewende kostengünstig voranzutreiben.Eine Krisen-Umlage verschwindet leise vom Zettel Viele erinnern sich an die „Gasspeicherumlage“, die 2022 auf dem Höhepunkt der Energiekrise eingeführt wurde, um die Befüllung der deutschen Gasspeicher zu finanzieren. Diese Kosten wurden über die Gasrechnung direkt an die Verbraucher weitergegeben. Die entscheidende Nachricht ist nun, dass diese Umlage in einem zweistufigen Prozess ausläuft. Zunächst wird für das ...
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