Flurfunk Paulskirche Titelbild

Flurfunk Paulskirche

Flurfunk Paulskirche

Von: Daniel und Solveig
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Die Barrikaden der Märzrevolution sind abgeräumt aber ihre Forderungen werden im ersten deutschen Parlament verhandelt. Zum 175jährigen Jubiläum schauen Daniel und Solveig auf Reden und Debatten in der Frankfurter Nationalversammlung. Zu viele Fragen werden dort verhandelt, um sie alle im Podcast Flurfunk Geschichte zu klären. Daher gibt es hier ein Jahr lang in loser Folge Flurfunk Paulskirche zum Stand der Dinge im Parlament von 1848/1849. Dir gefällt Flurfunk Paulskirche? Wir freuen uns über eine nette Bewertung oder eine Nachricht von dir. Du kannst uns auch über ko-fi unterstützen: https://ko-fi.com/flurfunkgeschichte Links: https://flurfunk-geschichte.de/ https://www.instagram.com/flurfunk_geschichte/ https://www.facebook.com/flurfunkgeschichte/ https://twitter.com/flurgeschichte https://www.threads.net/@flurfunk_geschichte Email: kontakt@flurfunk-geschichte.deDaniel und Solveig (CC BY-SA 4.0) Welt
  • FP11 - Erwählter Kaiser der Deutschen
    Apr 30 2026
    Nach über einem Jahr Pause kehrt „Flurfunk Paulskirche" zurück in die Sitzungen der Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche – und landet mitten in einem der dramatischsten Momente der deutschen Geschichte: der Entscheidung über das Reichsoberhaupt, die Frage des Wahlrechts und am Ende die Kaiserwahl selbst.Die drei großen Streitfragen des Frühjahrs 18491. Republik oder Monarchie?Die Folge beginnt mit einer Rede des Abgeordneten Alexander Falk aus Schlesien, der die Debattenlage prägnant zusammenfasst: Republikanisches Prinzip, Partikularismus und konstitutionelle Monarchie stehen gegeneinander. Falk votiert klar für die Monarchie und macht deutlich, dass die Republik im Parlament keine Mehrheit finden wird.Als Kontrapunkt steht die berühmte Rede Ludwig Uhlands vom 23. Januar 1849: kein Kaiserhaupt werde über Deutschland leuchten, das nicht „mit einem vollen Tropfen demokratischen Öls gesalbt" sei. Abgeordnete wie Friedrich Jakob Schütz aus Mainz (Teilnehmer am Frankfurter Wachensturm) appellieren an Volkssouveränität statt Fürstenherrschaft – und warnen, ein Kaiser nach dem Vorbild der französischen Julirevolution von 1830 bedeute, auf halbem Weg stehenzubleiben.Für die Monarchie plädieren dagegen Friedrich Ludwig Jahn, Begründer des deutschen Turnens, mit einem vergnüglichen, wenn auch konfusen Auftritt – sowie Gustav Rümelin aus Nürtingen, der als einer der wenigen Süddeutschen offen für den preußischen Erbkaiser eintritt und es mit einem „Sturzbad kalten Wassers" vergleicht, an das man sich gewöhnen müsse.2. Wer darf wählen?Parallel zur Kaiserfrage debattiert die Versammlung das Reichswahlrecht. Konservative Juristen warnen vor der „Pöbelherrschaft" (Ochlokratie) und dem Vorbild Frankreichs, wo das allgemeine Wahlrecht den Aufstieg Napoleons III. begünstigt habe. Die Linke – etwa Karl Fucht – hält dagegen: Das vorliegende Wahlgesetz enthülle die „offizielle Lüge" des Konstitutionalismus; man wolle gar nicht mit der Mehrheit des Volkes regieren.In erster Lesung beschließt die Versammlung mit knapper Mehrheit einen Negativkatalog: Vom Wahlrecht ausgeschlossen werden sollen u. a. Personen unter Vormundschaft, im Konkurs – und alle, die öffentliche Armenunterstützung beziehen.3. Die erste Lesung: Knappe AbstimmungenAm 19. Januar 1849 scheitert das Direktoriums-Modell deutlich. Der Grundsatzantrag, die Würde des Reichsoberhauptes einem regierenden deutschen Fürsten zu übertragen, passiert knapp mit 258 gegen 211 Stimmen – die Erblichkeit dieser Würde scheitert in erster Lesung noch mit 263 gegen 211 Stimmen. Eine sichere Mehrheit für das Erbkaisertum fehlt.Der Deal, die zweite Lesung und die KaiserwahlZwischen den Lesungen verhandeln Heinrich Simon (Westenthal) und Heinrich von Gagern (Casino, Reichsminister) einen Kompromiss: allgemeines Männerwahlrecht gegen Zustimmung zum Erbkaisertum mit suspensivem Veto. Zusätzlichen Druck erzeugt die Nachricht vom 4. März 1849: Fürst Schwarzenberg oktroyiert Österreich eine eigene Verfassung und besiegelt damit den Ausschluss der Habsburger aus dem künftigen deutschen Nationalstaat.Am 27. März 1849 nimmt die Versammlung in zweiter Lesung §69 mit 279 gegen 255 und die Erblichkeit (§70) mit 267 gegen 263 Stimmen an – vier Stimmen Unterschied. Am 28. März wählen 290 abgegebene Stimmen einstimmig König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zum deutschen Kaiser. 405 Abgeordnete unterzeichnen anschließend die Verfassungsurkunde auf Pergament – ein Original, das sich heute im Historischen Museum Frankfurt befindet.Die Kaiserdeputation in Berlin – und das NeinEine Deputation von 32 Abgeordneten unter Eduard Simson, Präsident der Nationalversammlung, bricht am 30. März über den Rhein nach Berlin auf – bewusst auf dem langen Weg über Köln, Hannover und Braunschweig, um unterwegs Stimmung zu machen. Am 3. April 1849 überreicht Simson dem König die Wahl im Rittersaal des Berliner Schlosses.Friedrich Wilhelms öffentliche Antwort ist geschliffen und ausweichend: Er könne keine Entscheidung ohne das Einverständnis aller deutschen Fürsten treffen. Faktisch: ein Nein. In einem privaten Brief an seinen Cousin Ernst August von Hannover ist er deutlicher – die Krone der Paulskirche sei „keine Krone, wohl aber ein Hundehalsband, mit dem man mich an die Revolution von 48 ketten wolle."Beim abendlichen Empfang beim Kronprinzen Wilhelm – dem späteren Kaiser Wilhelm I. – zeigt sich dennoch: Die Idee einer deutschen Einheit unter preußischer Führung ist in Berlin nicht ganz begraben. Wie es weitergeht, erfahrt ihr in der nächsten Folge.Personen dieser Folge | Ludwig Uhland | Abgeordneter, linkes Zentrum; Dichter | Friedrich Ludwig Jahn | Abgeordneter; Begründer der Turnbewegung | Heinrich von Gagern | Reichsminister; Casino | Eduard Simson | Präsident der Nationalversammlung | Friedrich Wilhelm IV. | König von Preußen; Gewählter Kaiser | Felix zu Schwarzenberg...
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    1 Std. und 36 Min.
  • FP10 - Österreich scheidet aus
    Oct 24 2024
    Nach langem Warten geht es in dieser Folge um die deutsche Einheit. Wir beleuchten die entscheidende Rolle, die Österreich dabei spielte. Die Frage, ob es ein Großdeutschland oder ein Kleindeutschland geben sollte, war eine der zentralen Debatten, die die Paulskirche in Frankfurt lange beschäftigte.

    Unsere Reise beginnt mit den komplexen politischen Verhandlungen und den unterschiedlichen Interessen der beteiligten Akteure. Die Paulskirche, das Symbol der deutschen Einheitsbewegung, war der Schauplatz hitziger Diskussionen über die Zukunft Deutschlands. Dabei stand die Frage im Mittelpunkt, ob Österreich Teil des neuen Deutschlands sein sollte oder nicht. Diese Entscheidung war nicht nur eine Frage der Geopolitik, sondern auch der Identität und der nationalen Einheit.

    Wir beleuchten die verschiedenen Positionen von prominenten Persönlichkeiten wie Fürst Felix zu Schwarzenberg und Johann Gustav Droysen. Schwarzenberg, ein starker Befürworter eines vereinten Österreichs, betonte die Notwendigkeit, die Monarchie zusammenzuhalten und die Macht in Wien zu zentralisieren. Auf der anderen Seite stand Droysen, der die Chance sah, Preußen als führende Kraft in einem kleindeutschen Reich zu etablieren.

    Die Episode führt uns auch in die emotionalen Reden von Abgeordneten wie Ludwig Uhland, der die kulturellen und emotionalen Bindungen zwischen Österreich und Deutschland betonte. Uhland sprach von der Verengung des Gesichtskreises, sollte Österreich von Deutschland getrennt werden, und appellierte an die gemeinsamen historischen und kulturellen Werte.

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    1 Std. und 5 Min.
  • FP09 - Polen ist verloren!
    May 23 2024
    Lange war Polen eine europäische Großmacht gewesen, bevor drei seiner Nachbarn innenpolitische Probleme ausnutzten um das Land unter sich aufzuteilen. Nach drei Teilungen 1772, 1793 und 1795 verschwand Polen von der politischen Karte Europas. Von Napoleons Gnaden entstand für kurze Zeit das Herzogtum Warschau. Doch den größten Teil erhielt beim Wiener Kongress der russische Zar. Einen kleineren Teil kam bei dieser neuerlichen Teilung als Großherzogtum Posen zu Preußen, wurde jedoch nicht Teil des Deutschen Bundes.

    Im Revolutionsjahr 1848 solidarisiert sich die deutsche Nationalbewegung mit der polnischen Freiheitsbewegung. Am 20. März erzwingen Berliner Revolutionäre die Begnadigung polnischer Häftlinge, die nach verratenen Aufstandsplanungen im Gefängnis Moabit einsitzen. Ihr Anführer Ludwik Mierosławski hält mehrfach umjubelte Reden an die Berliner. Doch all diese Solidarität und Freundschaft weichen bald darauf einem neuen nationalen Egoismus.

    Das Frankfurter Vorparlament klammerte in seinen Erklärungen zu Polen das Großherzogtum Posen einfach aus. Und damit auch die Frage, ob dort Wahlen zur Nationalversammlung stattfinden sollen. Schließlich werden zwölf Abgeordnete gewählt und nehmen ihre Sitze im Parlament ein. Verbunden mit der elemantaren Frage der Grenzen des Deutschen Bundes und damit eines künftigen deutschen Nationalstaates, debattiert die Paulskirche im Juli 1848 drei Tage lang die Frage, ob das Großherzogtum Posen zu Deutschland kommen solle bzw. ob die Posener Abgeordneten ihre Sitze im Parlament behalten dürfen.

    In der Debatte erinnern zwar noch manche Redner an die Solidarität mit den Polen in der Revolution und beschwören die große Geschichte der einstigen Adelsrepublik. Vor allem der Abgeordnete Robert Blum beschwört die Idee der Gerechtigkeit gegenüber dem polnischen Volk. Doch die meisten Abgeordneten plädieren nun für die Wahrung deutschen territorialen Besitzes und das das Recht des stärkeren. Der Abgeordnete Wilhelm Jordan spricht sich für einen "gesunden Volksegoismus" aus und für Besitzstandswahrung. Zudem hätten die Polen einen "Volkscharakter", der es ihnen unmöglich mache, sich selbst zu verwalten. Vor allem seine Rede ist nicht nur voller Klischees, sondern verweist in ihrem Chauvinismus bereits auf sich entwickelnde Ideologien.

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    1 Std. und 31 Min.
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