Krankenzimmer Nr. 6 Titelbild

Krankenzimmer Nr. 6

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Krankenzimmer Nr. 6

Von: Anton Tschechow
Gesprochen von: Friedrich Frieden
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Über diesen Titel

Der Arzt Andrej Jefimytsch wollte eigentlich Priester werden, aber aufgrund der väterlichen Fürsorge hat es ihn in die Medizin verschlagen. Als Chefarzt eines Gefängnisses mit eigener Abteilung für Geisteskranke trägt er die Hauptverantwortung, allerdings verliert er im Laufe der Jahre das Interesse an den Kranken und der monotonen Praxis. Er lässt lieber seine Gehilfen die lästigen Untersuchungen und Operationen durchführen und konzentriert sich auf seine Leidenschaften - Lesen und Bier trinken.

Im intellektuellen Höhenflug erkundet Andrej Jefimytsch die philosophischen und wissenschaftlichen Essenzen seiner Zeit und findet in einem Insassen der Irrenanstalt einen höchst interessanten Gesprächspartner, dessen Verstand seinen Theorien und Erkenntnissen folgen kann - ja diese sogar kritisch hinterfragt. Ist dieser Geisteskranke womöglich gesund oder lässt sich dessen Geisteskrankheit erklären oder sind die Gesunden die Geisteskranken? Andrej Jefimytsch ist der Wahrheit ganz nahe...

©2018 Aufbau-Verlag (P)2018 LILYLA Hörbuch-Editionen
Klassiker
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Die Erzählung ist eine der meistgelesenen und besprochenen von Tschechow, der zu den weltweit am meisten gelesenen russischen Schriftstellern gehört. Er hat über 500 Kurzgeschichten geschrieben.
Dieses Werk erscheint vor allem wie eine anspruchsvolle Studie und ist kaum für eine kurzweilige Unterhaltung gedacht.

Russische Literatur zu lesen lohnt sich, weil diese zum einen als die psychologisch tiefsinnigste gilt. Eine weitere sehr markante Eigenart ist das Thema der Zensur. Russland war seit der Annäherung an die europäische Kultur durch Puschkin im frühen 19. Jhd. ein Zarenreich und eine Volksbildung damit immer eine Gefahr für die politische Ordnung. Zu der Zeit der Sowjetunion, das bedeutet für die meiste Zeit des 20. Jhds. galt wiederum das gleiche, eine eigenständige Literatur war kaum erwünscht. Wenn Menschen viele eigene Fragen stellten, wurde das schnell als unpassend empfunden.
Man könnte meinen, dass die russische Literatur dann doch unterentwickelt sein müsse darin, sich eigenständige Gedanken zu machen und Kritik zu äußern. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Durch diesen hohen Druck und das bedeutet im wetesten Sinne eine Lebensbedrohung überhaupt sein zu können, wurde Literatur gewissermaßen sehr schlau und erfindungsreich. Tschechow spielt hierbei eine ganz eigene Rolle, da er sehr früh sehr beliebt war, weltweit, und ihn das schützte, auch dass er praktizierender Arzt war und daher zu einer Zeit als es noch Stände gab, er höhere Schichten, aber auch sehr arme Menschen erlebte. Er bereiste sogar eine Gefängnisinsel mit Schwerkriminellen und blieb dort einige Monate, was ihn sehr prägte, sich für Grundbedürfnisse von Menschen einzusetzen. Für einem Arzt typisch verstand es Tschechow meisterhaft sich einerseits nicht politisch vereinnahmen zu lassen und andererseits einen Stil zu entwickeln, der von den literarischen Gruppen (Symbolismus, Impressionismus, Naturalismus) Abstand nimmt, jedoch noch etwas mit ihnen gemein hat.

Tschechow beschreibt in dem vorliegenden Werk ein Zimmer in dem Menschen eingesperrt sind, die dieses größtenteils Zeit ihres Lebens nicht mehr verlassen dürfen. Ein brutaler Wärter vor dem Zimmer, mit dem die Erzählung beginnt, prügelt sonst auf diese ein. Dem neuen Chefarzt Ragin, der Verbesserungen in das korrupte Krankenhaus brachte, liegt jedoch die Gewalt fern und leider auch, Klagen von Verprügelten ernst zu nehmen und Teile des Personal zu entlassen. So einsichtsvoll und bedacht er mitunter auch ist, er kann nicht nein sagen.
Neben dieser Darstellung eines Krankenhauses in dessen Wandel und wie es organisiert werden kann, die von Tschechows eigenen Sorgen auf diesem Feld zeugen, ist diese Erzählung eine philosophische Studie. Als ein Doppelgängermotiv erscheint der besagte Chefarzt, der ständig liest, was ihm wichtiger ist als die Arbeit als Arzt und ein adeliger Gefangener, der einst studierte und durch Schicksalsschläge gezeichnet wurde. Einig sind sich beide darin, dass sich die Welt verbessern lassen sollte. Der Chefarzt trinkt ständig und ist ausweichend im Umgang mit Menschen. Der Adelige hilft ständig und lebt in erzwungener Versagung. Nun versucht der Arzt, der fasziniert von diesem angeblichen Geisteskranken, ihm seine stoische Lehre der inneren Freiheit nahezulegen. Beide tauschen sich intensiv und detailliert aus, sachlich treffend, jedoch auch aneinander vorbei, weil der Patient die Haltung hat, er wolle gerechterweise aus dem empfundenen Gefängnis entkommen und der Arzt alles Äußere als schicksalhaft nebensächlich ansieht gegenüber der inneren Freiheit des entsagenden denkenden Menschen. Ein wenig ist es eine Parodie, da die Stoiker historisch als hochpolitisch verstanden werden können, während so gesehen Andrej Jefimytsch eher ein Epikureer ist, die Politik ablehnen, auch werden die Kyniker genannt, die keine Politik kollektiv organisierten. Auch wenn das Durcheinander der Anschauungen den Hörer Kraft kosten kann, so gelingt es Tschechow erstaunlich gut, diese beiden Charaktere sowie ihre Grundauffassung und deren unweigerliche Konsequenzen herauszuarbeiten.
Bei allem Verschwimmen der Charaktere, so dass die Frage aufkommt, wer eigentlich geisteskrank ist, so setzt Tschechow auch deutlich historische Bezüge seiner Zeit, bisher war es üblich gewesen Geisteskranke mit kaltem Wasser zu übergießen und festzuschnallen, nun werde für solche Menschen Tanz und Theater angeboten.

Der Vortrag von Friedrich Frieden wird in einem deklamierenden Stil vorgetragenen, der die Erzählung zu einer Art Bühnenstück macht. Tschechow selbst verstand seine Theaterstücke auch erweiterte Kurzgeschichten. Die Charaktere werden durch die Einfühlung in deren mitunter skurrile Eigenarten verständlicher.

Eindringliches Werk, eindringlich gelesen

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Für mich ist die Produktion dieses Hörbuches eine Frechheit. Ich habe noch nie einen so schlechten Sprecher gehört. Schrecklich. Ich glaubte, das sei ein Witz. Absolut rausgeschmissenes Geld. Dem wunderbaren Text Tschechows nicht im Ansatz würdig. In meinen Ohren schlimmer als ein Ärgernis. Das darf man nicht machen.

Unterirdisch

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