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Im Namen des Mediums

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Im Namen des Mediums

Von: Boris Groys
Gesprochen von: Boris Groys
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Über diesen Titel

Wer spricht und in welchem Namen? Am Anfang des Begriffs "Medium", als die Frage nach dem Medialen in der Geschichte laut wird, steht der Mensch. Das Medium ist der Mensch, der sowohl eigene wie auch fremde Stimmen durch sich manifestiert und zur Welt kommen lässt, ohne dabei das Eigene vom Fremden zu unterscheiden. Seit im Europa des 19. Jahrhunderts die Geister in den spiritistisch-theosophischen Gesellschaften redselig werden und zu sprechen beginnen, seit die klassische Avantgarde das Fremde zum Eigenen, die Botschaft des Mediums zur eigenen Botschaft macht, ist die Lage heute nicht anders: Wir leben inmitten einer medialen Welt, deren Zeichen und Mitteilungen in ihren Ursprüngen uns für immer verborgen sind - der Raum hinter den medialen Oberflächen bleibt dunkel...

Die Ununterscheidbarkeit von Medium als Medium und Medium als Autor, von bewusst und unbewusst, menschlich und unmenschlich wird zu einer Frage des Politischen, der, gleichwohl unbegründbaren Entscheidung sich zu bekennen: Und so bekennt sich Groys zur Idee des "Menschen als nur Medium eines anderen - eines anderen Geistes". Die Besessenheit durch das andere ist aber auch durch wissenschaftlichen Exorzismus (Freud) nicht auszutreiben, zu heilen! Wie der Terrorrist sich rückhaltlos medialisiert als Botschafter eines anderen Geistes, einer Obsession, einer Kraft, eines fremden Himmels, so etwa haben Malewitsch oder Kandinsky sich bekannt als Medien einer anderen Welt - der reinen Formen und Farben. Die Medialität des Menschen also ist Bekenntnis: Der Mensch bekennt sich - und sei es im Tod.

Wie fremd solches Denken heute erscheint, zeigt sich nicht zuletzt darin, dass wir die Sprache verloren haben, in der es lebendig bleiben, zu uns sprechen kann. Groys selbst, so scheint es, wird mit seiner Medientheorie, in der die Bestimmung des Mediums im Bekenntnis liegt, zum Medium eines vergessenes Geistes, einer entlegenen, fernen Stimme...

(c)+(p) 2004 Supposé
Philosophie
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Am eindrucksvollsten ist, wie Groys den Blick auf die Ununterscheidbarkeit der Frage nach der Urheberschaft lenkt. Ein ungewohntes Denken, das für mich nicht nur einen neuen Blick auf die Erkenntnisfähigkeit des Menschen eröffnet, sondern einen Schwebezustand erfordert, der die eigenen Gravitationskräfte in den Annahmen und Ansichten bloßlegt. Es ist diese Art des Denkens, die mich neben dem unterhaltsamen Monolog hier begeistert.

Schwebezustand der Urheberschaft

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