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Der Fremde

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Der Fremde

Von: Albert Camus, Uli Aumüller - Übersetzer
Gesprochen von: Ulrich Matthes
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Der neuverfilmte Klassiker von Albert Camus: ein literarisches Monument, dessen Gedanken über Moral und Gerechtigkeit bis heute nachhallen.

"Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte."

Meursault, ein unscheinbarer Büroangestellter in Algier, tötet an einem sonnendurchfluteten Strand einen Mann. Vor Gericht schockiert nicht die Tat an sich, sondern Meursaults kühle Gleichgültigkeit. Er weinte nicht am Grab seiner Mutter, geht danach eine Affäre ein und empfindet weder Reue noch tiefe Trauer. Die Gesellschaft verurteilt ihn nicht nur für den Mord, sondern für seine Weigerung, sich den etablierten Gefühlswelten und Regeln anzupassen.

Ein zeitloses Plädoyer für Authentizität in einer Welt voller vorgetäuschter Emotionen, dessen glasklare Sprache und provokative Philosophie aktueller sind denn je.

©2026 Saga Egmont (P)2026 Saga Egmont
Belletristik Klassiker Literatur des Absurden
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.Meursault lebt im Unmittelbaren. Sonne ist heiß, Wasser angenehm, Müdigkeit macht schläfrig, Maries Körper weckt sein Begehren. Die großen Begriffe dagegen lassen ihn kalt: Liebe, Trauer, Ehrgeiz, Ehe, Moral, Religion. Nicht er hat sein Leben in der Hand – das Leben hat ihn in der Hand. Und meistens scheint ihm das recht zu sein.

Gerade dadurch entsteht die eigentümlich unheimliche Atmosphäre dieses Romans. Meursault spielt das gesellschaftliche Spiel nicht mit. Er behauptet keine Liebe, die er nicht empfindet, zeigt keine Trauer, die er nicht fühlt, und nimmt am Ende auch keinen Gott an, den er nicht braucht. Dafür zahlt er schließlich den höchsten Preis.

Natürlich wird er wegen eines getöteten Menschen angeklagt. Aber im Gerichtssaal scheint zunehmend ein anderer Mensch verurteilt zu werden: einer, der bei der Beerdigung seiner Mutter nicht geweint, kurz darauf gebadet, gelacht und geliebt hat. Die Gesellschaft verurteilt nicht nur seine Tat, sondern auch seine Abweichung von der erwarteten Empfindsamkeit.

Und hier blieb für mich eine spannende Frage offen. Meursault verweigert die großen Gefühle nicht nur dort, wo die Gesellschaft sie von ihm erwartet. Er zeigt sie fast nirgends. Seine sinnliche Wahrnehmung ist intensiv, seine emotionale Bindungswelt dagegen erstaunlich schmal. Wo ist seine große Liebe zu etwas anderem, seine Trauer um einen anderen Verlust, seine Leidenschaft für einen Menschen, eine Sache oder eine Idee?

Camus wollte keinen psychiatrischen Fall beschreiben, sondern einen Menschen, der sich weigert, über seine Gefühle zu lügen. Dennoch scheint mir der Kontrast zwischen gesellschaftlich genormter Empfindsamkeit und Meursaults Gleichgültigkeit fast etwas zu scharf gezeichnet. Ein tief empfindender Mensch, der nur an den gesellschaftlich „falschen“ Stellen liebt und trauert, hätte Camus’ Anklage vielleicht sogar noch radikaler gemacht.

Knapp daneben geschossen? Vielleicht. Gerade diese Überzeichnung macht Meursault aber zu einer Figur, die verstört und vielen Menschen im Gedächtnis bleibt. Einer der beliebtesten Romane des 20. Jahrhunderts in Frankreich.

Am Ende nimmt er sein Leben nicht plötzlich in die Hand. Er bleibt seiner Linie treu. Selbst angesichts des Todes verweigert er die letzte fremde Sinngebung durch Religion und Gott. Die Welt schuldet ihm keine Erklärung, und er schuldet ihr keine vorgetäuschte Bedeutung.

Vielleicht liegt genau darin die erschütternde Tragik dieses kleinen Romans:

Wie weit darf ein Mensch außerhalb der gesellschaftlichen Normalität leben, bevor nicht mehr nur sein Handeln, sondern sein Anderssein zum Urteil über ihn wird?

Der Fremde hat mich nicht getröstet. Er hat mich irritiert, widersprechen und weiterdenken lassen.

Für ein so kurzes Buch ist das erstaunlich viel.

Selbst schuld - na und?

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