Komplexe PTBS – vier Perspektiven
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Was passiert, wenn eine gesellschaftliche Krise alte Wunden aufreißt? Ein 66-jähriger Mann, als Kind von der Mutter getrennt und jahrelang der Gewalt seines Vaters ausgeliefert, hat sein Leben mit Leistung, Aktionismus und Kontrolle stabil gehalten – bis die Corona-Pandemie sein altes Gefühl von Ohnmacht und Ausgeliefertsein wieder aufbrechen ließ. Auf Drängen seiner Kinder begibt er sich schließlich in Behandlung.
Diese Folge stellt den Fallbericht vor und lässt anschließend drei Therapieschulen darauf blicken: Die verhaltenstherapeutische Perspektive fragt nach dem Erklärungsmodell, den Zielen und der Motivation des Patienten. Der psychodynamische Ansatz liest die Pandemie als Bühne unbewältigter Vaterkonflikte und erkennt ein Urmisstrauen als roten Faden. Die systemische Antwort kommt als Brief an den Patienten selbst. Ein Lehrstück darüber, wie unterschiedlich derselbe Fall gelesen werden kann – für Psychotherapeuten, Ärzte und alle, die komplexe Traumafolgestörungen besser verstehen wollen.
Quelle: Kraft D, Repsyte-Scharf P, Kunzke D, Altmeyer S. Fallbericht komplexe posttraumatische Belastungsstörung. PiD – Psychotherapie im Dialog 2024; 25: 92–95. DOI: 10.1055/a-2192-1314