Bekenntnis einer Freundschaft
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Czyta:
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Markus Blum
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Autor:
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Antoine de Saint-Exupéry
Hommage an einen lieben Freund, der in Lebensgefahr schwebt - tiefes Mitgefühl und das eigene Erleben des Krieges, des Widerstandes und der Flucht verarbeitet der Autor in einem Brief an seinen Freund Léon Werth, was ein intensives und nachfühlbares Zeitzeugnis schafft; das Reale an diesen Erlebnissen des Autors ist immer wieder beeindruckend; die tiefe Freundschaft ist spürbar; Kino im Kopf - Film im Kopf mit viel Gefühl
©1955 Antoine de Saint-Exupéry (P)2025 Hörbuchmanufaktur Berlin
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*Hinweis zur Perspektive:* Der Account, über den diese Rezension veröffentlicht wird, gehört meiner Lebensgefährtin. Das Hörbuch selbst wurde jedoch vollständig von mir angehört, weshalb diese Rezension auch ausschließlich meine persönliche sowie subjektive Wahrnehmung wiedergibt.
Bei "Bekenntnis einer Freundschaft" von Antoine de Saint-Exupéry hatte ich zunächst eine etwas andere Vorstellung davon, was mich erwartet. Der Titel ließ mich vermuten, dass sich das Hörbuch hauptsächlich mit einer bestimmten Freundschaft und deren Bedeutung beschäftigen würde. Tatsächlich ist das Hörbuch wesentlich breiter angelegt. Saint-Exupéry erzählt von seinen Erfahrungen, unter anderem von seiner Zeit in Lissabon im Jahre 1940, von der Sahara, vom Krieg, von seiner Gefangenschaft und von verschiedenen Freunden und Begegnungen. Dazwischen schweifen seine Gedanken immer wieder weit aus. Er spricht über Menschlichkeit, das Leben, Sterne, Sand, Brunnen, Meere, den Kosmos, das Unterwegssein und darüber, was es bedeutet, als Mensch seinen eigenen Weg zu gehen. Und genau darin liegt für mich sowohl die Stärke als auch die Schwäche dieses Hörbuchs.
Die Vergangenheit als Lehrer:
Besonders gut gefallen hat mir zunächst seine Betrachtung Portugals und Lissabons. Er beschreibt, wie er Portugal im Jahr 1940 wahrgenommen hat und wie stark das Land an seiner Vergangenheit festzuhalten schien. Ich bin grundsätzlich der festen Überzeugung, dass wir sehr viel aus der Vergangenheit lernen können, wenn wir bereit sind, ihr Raum zu geben und ihr zuzuhören. Gerade deshalb waren diese historischen Beobachtungen für mich sehr interessant. Auch seine Erinnerungen an Menschen, die er während des Krieges kennengelernt hat, empfand ich als spannend. Nicht zuletzt deshalb, weil Saint-Exupéry selbst eine historische Persönlichkeit ist. Selbst wenn ich seinen Gedanken nicht immer zustimmen konnte, habe ich ihm gerne zugehört.
Menschlichkeit über Grenzen hinweg:
Ein wiederkehrendes Thema ist die Menschlichkeit. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Geschichte von einem Franzosen, einem Deutschen und einem Holländer, die gemeinsam einen schönen Abend verbringen. Im Krieg waren sie eigentlich durch ihre Nationalitäten und die politischen Verhältnisse voneinander getrennt. Für diesen einen Abend waren sie jedoch einfach Menschen, die zusammensaßen, etwas tranken und eine gute Zeit miteinander hatten. Diesen Gedanken finde ich sehr schön. Am Ende sind wir tatsächlich alle Menschen. Nationalität, Herkunft und politische Grenzen können einen Menschen beschreiben, müssen aber nicht bestimmen, wie wir ihm begegnen. Auch Saint-Exupérys Gedanken darüber, dass wir füreinander Pilger auf unseren persönlichen Lebenswegen sind, haben mich beschäftigt. Ebenso sein Wunsch, als Wanderer durch die Welt zu gehen, ohne sich dauerhaft an die Vergangenheit zu klammern.
Aber manchmal wird mir das zu romantisch:
Hier beginnt allerdings auch meine Kritik. Saint-Exupéry betrachtet viele Situationen sehr stark durch die Brille der Menschlichkeit. Das kann wunderschön sein. Manchmal wirkt es auf mich jedoch auch etwas weltfremd. Besonders deutlich wurde das für mich bei seiner Gefangennahme. Er beschreibt die Situation zunächst als völliges Schweigen und Fremdsein. Doch als er einen Soldaten um eine Zigarette bittet und dieser ihm mit einem Lächeln begegnet, beginnt Saint-Exupéry sofort, hinter dem Soldaten den Menschen zu erkennen. Dass auch ein Soldat ein Mensch ist, steht für mich außer Frage. Aber Saint-Exupéry war zu diesem Zeitpunkt Gefangener. Es bestand eine reale Gefahr. Ein freundliches Lächeln verändert diese Situation nicht grundsätzlich. Als ihm schließlich die Zigarette gereicht wird, scheint für ihn beinahe die ganze Welt zu einem Freund zu werden. Ich kann den Gedanken verstehen. Persönlich ist mir diese Sichtweise jedoch zu idealistisch.
Kriegserinnerungen:
An manchen Stellen hatte ich außerdem das Gefühl, dass die Zeit der Weltkriege ein wenig verklärt wird. Dabei möchte ich Saint-Exupéry nicht unterstellen, dass er Krieg verherrlichen wollte. Vielmehr hatte ich den Eindruck, dass er sich besonders an die menschlichen Momente innerhalb dieser Zeit erinnert: Freundschaft, Kameradschaft, gemeinsame Abende und kleine Gesten der Menschlichkeit. Das sind natürlich alles reale Erfahrungen. Trotzdem entsteht dadurch manchmal ein sehr warmer Blick auf eine Zeit, die gleichzeitig von enormem Leid, Gewalt und Tod geprägt war. Dieser Gegensatz hat mich beim Hören beschäftigt.
Die Abschweifungen:
Mein größter Kritikpunkt ist allerdings die Struktur. Saint-Exupéry beginnt mit einem konkreten Erlebnis und lässt seine Gedanken anschließend immer wieder weit davon wegwandern. Sand führt zu Sternen. Sterne führen zu Gedanken über den Menschen. Der Mensch führt zum Kosmos. Der Kosmos führt wieder zu Glück, Schönheit oder Menschlichkeit. Und irgendwann ist man sehr weit vom ursprünglichen Thema entfernt. Diese Gedanken sind nicht grundsätzlich uninteressant. Ganz im Gegenteil: Manche davon fand ich sehr schön und nachdenklich. Aber irgendwann hatte ich immer wieder das Gefühl: "Komm doch bitte wieder zum eigentlichen Thema zurück. Erzähl mir mehr von dir und dem was tatsächlich passiert ist." Dadurch wirkt das Hörbuch für mich weniger wie eine zusammenhängende Erzählung und mehr wie eine Sammlung persönlicher Erinnerungen und philosophischer Betrachtungen.
Das Bedürfnis, gesehen zu werden:
Zum Ende hin wurde für mich noch einmal deutlich, dass Saint-Exupéry selbst offenbar den Wunsch hatte, gesehen und verstanden zu werden. Nicht unbedingt als berühmter Schriftsteller oder als etwas Besonderes, sondern als "Pilger, Wanderer, Freund und letztlich als Mensch". Besonders schön fand ich, dass er seinem Freund dafür dankt, ihn so anzunehmen, wie er ist. Damit bekommt der Titel am Ende doch noch einmal eine persönliche Bedeutung. Allerdings bleibt bei mir trotzdem das Gefühl, dass "Bekenntnis einer Freundschaft" nicht ganz das beschreibt, was ich tatsächlich gehört habe. Ja, die Freundschaft spielt durchaus eine wichtige Rolle. Aber mindestens genauso wichtig sind Menschlichkeit, Erinnerung, Krieg, das eigene Leben, philosophische Gedanken und die Frage, wie wir miteinander umgehen. Für mich hätte ein Titel, der stärker auf Menschlichkeit oder auf das Nachdenken über das Leben abzielt, den Inhalt möglicherweise besser getroffen.
Mein Fazit:
"Bekenntnis einer Freundschaft" ist kein Hörbuch, das ich wegen einer spannenden Handlung empfehlen würde. Es ist vielmehr ein Hörbuch zum "Zuhören, Nachdenken und gelegentlichen Kopfschütteln". Ich habe Saint-Exupéry als historische Persönlichkeit sehr gerne zugehört. Seine Erfahrungen und Begegnungen fand ich interessant, und einige seiner Gedanken über Menschlichkeit, Freundschaft und gegenseitigen Respekt haben mir gefallen. Gleichzeitig waren mir seine philosophischen Abschweifungen teilweise zu weitgehend. Auch sein sehr idealistischer Blick auf Menschlichkeit war mir an manchen Stellen schlicht zu romantisch und zu weltfremd. Ich glaube deshalb, dass dieses Hörbuch stark davon abhängt, was man selbst von einem solchen Werk erwartet. Wer persönliche Erinnerungen, philosophische Gedanken und historische Eindrücke mag, dürfte hier einiges finden, worüber es sich nachzudenken lohnt. Wer dagegen eine klare Geschichte über eine Freundschaft erwartet, könnte sich "so wie ich" etwas wundern.
Für mich ist es ein interessantes, teilweise sehr schönes, aber ebenso teilweise sehr abschweifendes Hörbuch. Ich würde es wahrscheinlich einmal gehört haben wollen, aber nicht unbedingt regelmäßig erneut hören. Dafür sind mir die philosophischen Abschweifungen letztlich zu ausufernd. Trotzdem bleibt etwas hängen. Vielleicht genau das, was Saint-Exupéry vermitteln wollte: Dass wir auf unseren unterschiedlichen Wegen immer wieder anderen Menschen begegnen und dass ein kurzer gemeinsamer Weg manchmal genügt, um einen Menschen in Erinnerung zu behalten.
Vielen Dank fürs Lesen, vielen Dank für Ihre Zeit. Man liest sich.
The Marquess
Glass_1981
Menschlich, freundlich, sinnierend & schön
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