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Der Distelfink Hörbuch

Der Distelfink

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Beschreibung von Audible

Die schwere Bürde der Vergangenheit

Exzellente Erzählkunst und atemberaubende Spannung erwarten den Hörer in diesem Hörbuch von Donna Tartt, hervorragend und stimmungsvoll gelesen von Matthias Koeberlin. Ein sprachgewaltiges Werk, das einen sofort in seinen Bann zieht.

Der 13-jährige Theo verliert seine Mutter bei einem tragischen Anschlag. Gleichzeitig erhält er von einem alten Mann ein Gemälde, das er retten soll. Entwurzelt und einsam schlägt sich Theo durch sein Leben, begegnet verschiedenen Menschen, droht auf die schiefe Bahn zu geraten. Immer bei ihm: Das Gemälde, das ihm irgendwie kein Glück zu bringen scheint ...

Donna Tartt wurde zu Recht mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet: Ihr Stil ist leicht und zugleich kunstvoll. Matthias Koeberlin macht aus den 33 Stunden und 25 Minuten des Hörbuchs ein reines Hörvergnügen mit seiner sanften, aber ausdrucksvollen Stimme. So wird Nervenkitzel zum Genuss!

Audible wünscht gute Unterhaltung!

Inhaltsangabe

Das neue Meisterwerk von Bestsellerautorin Donna Tartt.

Es passiert, als Theo Decker dreizehn Jahre alt ist. An dem Tag, an dem er mit seiner Mutter ein New Yorker Museum besucht, verändert ein schreckliches Unglück sein Leben für immer. Er verliert sie unter tragischen Umständen und bleibt allein und auf sich gestellt zurück, sein Vater hat ihn schon lange im Stich gelassen. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen. Und das Gemälde, das ihn auf merkwürdige Weise fasziniert, scheint ihn geradezu in eine Welt der Lügen und falschen Entscheidungen zu ziehen, in einen Sog, der ihn unaufhaltsam mit sich reißt.

©2014 Goldmann Verlag. Übersetzung von Rainer Schmidt und Kristian Lutze (P)2014 Der Hörverlag

Hörerrezensionen

Bewertung

4.3 (2089 )
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Gesamt
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Geschichte
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Sprecher
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    Susanne Nürnberg, Deutschland 25.03.2014
    Susanne Nürnberg, Deutschland 25.03.2014
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    Geschichte
    "Sensationell"

    Diese Geschichte zieht einen so in ihren Bann, dass man die 33 Std. gar nicht als so lang empfindet. Sehr einfühlsam und vielschschichtig wird die Lebensgeschichte von Theodor Decker geschildert. Die Charaktäre der weiteren Figuren sind stimmig, die Geschichte ergreifend, fesselnd, spannend,in sich schlüssig und emotional. Der Sprecher trifft immer den richtigen Ton und rundet den Hörgenuss vollstens ab. Es wird für mich wahrschinlich schwierig werden wieder ein qualitativ ebenbürdiges Buch zu finden.

    69 von 70 Hörern fanden diese Rezension hilfreich
  •  
    christel Deutschland 29.03.2014
    christel Deutschland 29.03.2014
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    Geschichte
    "Wunderbar, und phantastisch gelesen"

    Das ist ein so umfangreiches, vielschichtiges Hörbuch, daß ich nicht alle meine
    eigenen Interpretationen hier reinbringen will.
    Intensive, dicht eingefangene Stimmungen, perfekt gelesen,
    der hochsensible Theo, die seltsame Freundschaft zu Boris und der Weg, wie die beiden zusammengeführt wurden. Schicksalhafte Ereignisse, was ist gut, was ist schlecht,
    worauf kommt es am Ende im Leben an.
    Die Atmosphäre bei der Explosion, ich dachte, ich kann den Staub schmecken,
    ich denke immer noch an Theo, Boris, Hobi, Pippa, leider ging das Hörbuch irgendwann
    zu Ende.
    Vielen Dank, Herr Koeberlin, für diese vielen Stunden Hörgenuß, ich hoffe, Sie lesen
    noch viele derartige Bücher, ich werde sie sicher hören.

    60 von 63 Hörern fanden diese Rezension hilfreich
  •  
    Eve Deutschland 15.04.2014
    Eve Deutschland 15.04.2014
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    Sprecher
    Geschichte
    "wer durchhält, wird belohnt"

    Allein der Stimme wegen habe ich weiter gehört und nicht abgebrochen. Dem Hörbuch hätte eine Kürzung gut getan (was ich ansonsten nicht mag!) Seitenlange zähe Monologe eines Junkies stehen wortgewaltigen Betrachtungen des Lebens gegenüber. "Kreatürlich" wird wieder wett gemacht mit Sätzen wie "Sind wir um Dich, vergiss zu sterben"
    Matthias Koeberlin liest atmosphärisch und verleiht jeder Person, ob Männlein oder Weiblein, ob Kind oder Greis, eine eigene Stimme und das ohne Anstrengung. Seiner Stimme würde ich auch zuhören, wenn er das Telefonbuch vorliest.

    29 von 31 Hörern fanden diese Rezension hilfreich
  •  
    Ute Heppenheim, Deutschland 25.03.2014
    Ute Heppenheim, Deutschland 25.03.2014
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    Geschichte
    "Ein neues Hörbuch für meine Bestenliste"

    Bei diesem Buch hat eindeutig der Titel den Ausschlag gegeben, dass ich es gekauft habe. Wenn man selbst Distel mit Nachnamen heißt, ist das ja wohl Ehrensache. Doch ich hätte im Traum nicht vermutet, was für ein wundervolles Buch ich mir da zugelegt habe!

    Die Story im Schnelldurchlauf: Theo Decker verliert bei einem Bombenanschlag in einem New Yorker Kunstmuseum seine Mutter. Noch in dem Trümmern bekommt er von einem alten verwundeten Mann, den er zuvor mit einem jungen Mädchen gesehen hat, ein Bild zugeschoben, das er unbedingt retten soll! Außerdem gibt er ihm noch einen Ring, ein altes Familienerbstück. Der Mann verstirbt kurz darauf im Museum. Theo kommt zu einer Pflegefamilie. Währenddessen geht ihm das Mädchen nicht aus dem Kopf. Aufgrund des Ringes kann er ausfindig machen, wo diese wohnt und besucht sie. Sie ist schwerverletzt, ein älterer Herr – Hoby – pflegt sie. Hoby restauriert alte Möbel mit viel Liebe und Hingabe. Theo und Hoby freunden sich an – Theo lernt eine ganze Menge über das Handwerk. Der alte Mann aus dem Museum führte aber die Verkäufe durch, die seit seinem Tod praktisch brach liegen. Dann taucht plötzlich Theos verschollener Vater mit seiner neuen Flamme auf und meint urplötzlich, sich um seinen Sohn kümmern zu müssen. Er reißt ihn aus seinem gewohnten New Yorker Umfeld heraus und nimmt ihn mit nach Las Vegas. Theo gelingt es, das Bild, das gut eingepackt in einem Bettlaken in seinem Rucksack ruht, mitzunehmen.

    In Las Vegas lernt er einen jungen Russen kennen, der mit seinem Vater dort gestrandet ist. Der Vater arbeitet und trinkt – kümmert sich aber nicht um Boris, seinen Sohn. Theo und Boris freunden sich an. Und da Theos Vater und auch seine Lebensgefährtin so gut wie nie da sind, sind die beiden ziemlich auf sich alleine gestellt. Der Vater, trockener Alkoholiker, dafür aber spielsüchtig und tablettenabhängig, kümmert sich recht wenig um die beiden. Die ersten ausufernden Experimente mit Alkohol und Drogen beginnen bei Theo und Boris, die mittlerweile unzertrennlich geworden sind. Doch von dem Bild erzählt Theo Boris nie. Zu groß ist seine Angst, da Kunstraub ja nun kein Kavaliersdelikt ist. Das Bild ist weiterhin gut versteckt, im Bettlaken eingewickelt. Der Vater gerät irgendwann durch seine Spielsucht wieder in Schwierigkeiten, Geldeintreiber stehen vor der Tür… Dann verunglückt Theos Vater tödlich bei einem Verkehrsunfall. Theo bekommt die Panik und reißt Hals über Kopf mit dem Hund der Freundin und natürlich dem Bild im Gepäck im Bus zurück nach New York. Zu seiner alten Pflegefamilie kann er nicht zurück, also versucht er sein Glück bei Hoby. Dieser nimmt ihn in sein Haus auf. Theo wird natürlich auch älter und übernimmt nach und nach die Verkaufsgeschäfte des Antiquitätenladens. Dann taucht plötzlich ein Mann auf, der ihm durch die Blume vorwirft, er habe das Bild “Der Distelfink” aus dem Museum gestohlen und hätte es verkauft – er könne alles zurückverfolgen…

    Donna Tartt, die mir bis dato gänzlich unbekannt war, kann sehr, sehr gut erzählen. Von Anfang an hatte sie mich mit diesem Buch in ihren Bann gezogen. Klar, es fing ja auch verdammt spannend an – nämlich mit der Explosion im Museum. Theo, der 13-jährige Junge ist mir natürlich auch sehr schnell ans Herz gewachsen, steht er doch nun ganz alleine da und ist verzweifelt. Viel Action passiert in diesem Buch nicht. Vielmehr glänzt es durch detaillierte Beschreibungen sowohl der Menschen, der Umgebung, ja selbst der Möbel bis natürlich hin zu den einzelnen Charakteren, die sehr gut gezeichnet wurden. Ich habe jetzt noch genau im Kopf, wie sie aussehen, kenne ihren Charakter, kurz, als würde ich sie persönlich kennen. Auch die Gefühlsschwankungen, die Gedanken und sonstige menschlichen Regungen sind äußerst gut beschrieben.

    Theo ist ein eher zurückhaltender Junge – auch als junger Mann noch. Er antwortet immer recht zögerlich, manchmal für meinen Geschmack zu zögerlich – Spontanietät ist nicht gerade seine Stärke.

    Boris ist das genaue Gegenteil. Er weiß alles, probiert alles aus – ist ein altkluger Typ, weiß immer eine Lösung. Und er quasselt ohne Ende.

    Hoby ist ein alter herzensguter Mann, dessen Lebensfreude und -inhalt darin besteht, seine alten Möbel zu restaurieren. An Geld ist er wenig interessiert – viel glücklicher macht ihn, wenn er das passende Stück Holz findet.

    Das Bild “Der Distelfink” von Fabritius spielt natürlich eine ganz zentrale Rolle in dieser Geschichte, auch wenn es im Vergleich zur Wichtigkeit eher selten Erwähnung findet. Es ist ein wirklich schönes Bild, wie ich finde.

    Der Schreibstil von Donna Tartt ist einfach wunderbar. Er ist flüssig, nichts ist überflüssig, trotz der Länge fand ich jeden Satz, jedes Wort wichtig und richtig für die Geschichte. Und es sind ganz wunderbare Gedanken in diesem Buch zu finden. Besonders zum Ende hin wird selbst Boris ein wenig philosophisch, das Gespräch mit Hoby fand ich grandios, die Bildbeschreibung und -erklärung ganz phantastisch und überhaupt hat mich gerade die letzte Stunde nochmals so richtig vom Hocker gerissen. Ich bin wirklich sehr begeistert.

    Matthias Köberlin als Sprecher fand ich auch eine sehr gute Wahl. Seine ruhige Stimme passte sehr gut zu Theo, der die Geschichte ja erzählt. Aber auch alle anderen Stimmen hat er wundervoll inszeniert. Es brauchte keine: Hoby sagte oder Xandra meinte… das war schon immer klar durch die jeweilige Stimme. Ja, auch der Sprecher, den ich schon von einigen anderen Hörbüchern her kannte, hat mich überzeugt.

    Somit hat Donna Tartt mit “Der Distelfink” zu Recht einen Platz auf meiner Hörbuch-Bestenliste verdient.

    97 von 106 Hörern fanden diese Rezension hilfreich
  •  
    papercuts1 Deutschland 08.05.2014
    papercuts1 Deutschland 08.05.2014
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    Sprecher
    Geschichte
    "Von der Schönheit der Selbstzerstörung"

    Wo fängt man an, wenn eine Geschichte so episch, gewaltig und komplex ist wie 'Der Distelfink'? Wie kann ich euch einen Einstieg verschaffen in ein Hörbuch, das mich mitgerissen hat wie lange keins mehr?

    Beginnen wir - der Einfachheit halber - am Anfang. Wir lernen Theo kennen, 13 Jahre alt, und seine Mutter. Die beiden verknüpft eine enge Bindung. Zart, exklusiv und beinahe symbiotisch wirkt die Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Das Band zerreißt jäh bei einem Bombenanschlag auf ein New Yorker Museum. Theo's Mutter stirbt, während Theo nur leicht verletzt (zumindest äußerlich) überlebt.

    Das hört sich nach einem rasanten und schockierenden Einstieg in die Geschichte an. Schockierend ist es auch. Rasant - nein. Die Stunden und Tage nach der Explosion erleben der junge Theo und der Leser/Hörer als nicht enden wollendes Trauma. Es sind tatsächlich mehrere Stunden Hörbuch, in denen wir mit Theo im Schock zwischen den Trümmern knien und einem alten Mann beim qualvollen Sterben zusehen. Dem Mann, der Theo einen Ring und ein kleines Gemälde zuschiebt: den 'Distelfink' des niederländischen Malers Fabritius.

    Weitere Hörbuchstunden vergehen, in denen Theo mutterseelenallein aus dem Museum taumelt, nach Hause, und dort vergeblich auf seine Mutter wartet. Stunden, in denen man sich wünscht, dass er endlich nicht mehr allein bleibt mit seinem Trauma, dass ihn jemand zum Arzt bringt oder - herrgottnochmal! - einfach nur in den Arm nimmt.

    Es ist dieses mühsame Wandern und immer wieder Steckenbleiben in einem Nebel aus Gelähmtheit und Trauer, das bezeichnend ist für Tempo und Gefühl dieses Romans. Das Waten durch einen Morast aus Depression, Sucht und Unwahrheiten. Nicht loslassen zu können, woran man sich klammert, obwohl man dann erst recht ertrinkt - das sind für mich die Themen, die Tartt verarbeitet.

    Die Handlung wäre schnell erzählt, wollte ich sie verraten. Kurz sei gesagt, dass es über mehrere Stationen und mehr als 10 Jahre hinweg geht. Jede dieser Stationen leuchtet Tartt mit ebenso qualvoller wie meisterhaft schöner Epik aus. Von kurzen Momenten der Wärme und Hoffnung unterbrochen, wanken wir mit Theo auf nihilistischen Pfaden durch eine gefühlskalte Ersatzfamilie, ein alkohol- und drogengetränktes Intermezzo in Vegas, die trügerische Geborgenheit in einem Haus voller Antiquitäten bis hin zu einem Showdown in Amsterdam, der die Anmutung einer Gansterballade hat - dreckig und dickflüssig wie geronnenes Blut.

    Theo selbst ist dabei oft schwer erträglich. Seine Lethargie macht - bei allem Verständnis für sein Trauma - regelrecht wütend. Seine selbstzerstörerische Tendenz, für die es manchmal keinen Grund gibt, treibt mich in den Wahnsinn. Als er im späteren Verlauf die einzigen Menschen nach Strich und Faden belügt und betrügt, die ihm Liebe und Halt geben, verliert er als Figur sogar vorübergehend meine Loyalität.

    Warum ich den 'Distelfink' trotzdem so sehr liebe?

    Sprachlich ist der Roman ein Fest (Und ganz offenbar großartig von Rainer Schmidt und Kristian Lutze übersetzt!). Es geht nicht immer elegant zu - oh nein. Zum Drogensumpf gehören Erbrochenes, Schmutz und Obszönität. Und die lässt Tartt nicht aus. Aber selbst in den profansten, niedersten Momenten schafft sie es, ihren Worten eine Haptik und Textur mitzugeben, dass man mit allen Sinnen in den Text gezogen wird.

    Kunst ist ein Thema des Romans in Form von Malerei und Möbelrestauration. Kunst ist auch, wie Tartt schreibt. Ohne Metaphern mit allzu vielen Rüschen zu erfinden, lässt Tartt uns die Geschichte sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken: Der sonnengebackene, grelle, nach Staub und Wodka stinkende Ekel, der uns in Vegas überfällt reicht sich die Hand mit Hobie's in Wärme, Bienenwachs und Eichenholz getauchter Werkstatt in New York. Nicht nur die Orte und Ereignisse bekommen im Kopf des Lesers Farben, Formen und Geschmack - auch die Charaktere.

    Neben Hobie sind da noch die helle, zerbrechliche Pippa. Die kühle Mrs. Barbour, die mein 'Kopfkino' durch Tartt's Sprache in eisige Blau-Grautöne taucht. Da ist Theo's zweischneidiger Vater mit seiner Barbiehaften Freundin nebst 'Popchik', ihrem unvergesslichen Hund. Und da ist natürlich Boris. Sein Charisma, gepaart mit dem Glitzern von Gefahr, der staubigen Weisheit russischer Klassiker und einem schnell darunter pochenden Herzen machen ihn zu einer lodernden Figur voller Ambivalenz.

    Am Schluss mündet dann alles in einen zweistündigen philosophischen Epilog, bei dem Tartt ihre Leser entweder völlig verliert oder restlos gewinnt. Erstere können das Pathos von Theo's abschließenden Erkenntnissen nicht ernst nehmen oder gut ertragen (zumal er nicht die einzige Figur ist, die plötzlich die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben scheint). Letztere - wie ich - finden tiefe Wahrheiten in Theo's Aussagen, und das auch noch in zum Niederknien perfekte Worte verpackt. Es sind Sätze dabei, die mir das Herz aus der Brust und den Boden unter den Füßen wegreißen.

    Es ist also, objektiv gesehen, nicht alles perfekt an diesem Roman. Aber was bei mir davon ankommt, fühlt sich perfekt an. Und das ist es doch, was zählt.

    Fazit:

    Ein Roman, für den man einen langen Atem braucht, Nachsicht mit einer Hauptfigur, die es einem nicht leicht macht, und eine gewisse Vorliebe für Geschichten, in denen man fast ertrinkt. Wenn man mit all den Bleigewichten klar kommt, die Tartt's Roman einem emotional an die Beine hängt, und wenn man sinnliche, selbst im Hässlichen schöne Sprache liebt, dann ist man mit Der Distelfink gut aufgehoben. Es ist eine Tour de Force durch Trauma, Trauer und Selbstzerstörung, mit wenigen Lichtblicken und einem philosophisch übergewichtigen Ende. Aber es ist auch ein Buch, das sich Zeit nimmt für die Skizzierung und das Ausmalen denkwürdiger, plastischer Figuren. Ein Buch, dessen Sprache 'sinnlich' im besten Sinne des Wortes ist: Tartt's Worte lassen Theo's Gefühle und Gedanken wie einen Niederschlag auf unserer Haut zurück. Wie Stoff, der sich über uns legt. Geruch, der vorbeistreicht.

    Dieses Buch hat auch Fehler. Und trotzdem: Es ist wundervoll.

    Zum Sprecher:

    Ich kenne Matthias Koeberlin vor allem aus der Apocalypsis-Reihe. Da spricht er mit viel Dramatik und Tempo, sehr animiert. Der Distelfink verlangt nach einem Sprecher, der sich zurücknimmt. Leise Töne und Nuancen sind hier angesagt. Statt Hektik und Spannung braucht Tartt's Roman eindringliche Langsamkeit. Und Koeberlin versteht das. Sein Erzählton ist sanft, leise und trotzdem intensiv. Er gibt Theo's starre Trauer wieder, ohne selbst starr zu klingen. Koeberlin trägt Tartt's Sprache mit viel Taktgefühl und lässt sie wirken.

    Die Figuren bekommen alle ein unverkennbares Gesicht in meinen Ohren. Meine Lieblinge: Hobie und Boris. Während Hobie sich anhört wie warmes, dunkles Holz bei Kerzenlicht, überzeugt Boris mit seiner Energie, seinem gefährlichen Übermut und erstaunlichen Momenten, in denen er viel älter klingt, als er sein dürfte.

    Ich habe von vielen gehört, dass sie sich mit Tartt's Bandwurmsätzen etwas plagen. Im Hörbuch fallen diese langen Sätze gar nicht auf. Im Gegenteil: so gekonnt vorgelesen, hat Tartt's Text selbst in der deutschen Übersetzung einen sehr flüssigen, melodischen Rhythmus. Es ist eher selten, dass ich anspruchsvolle, literarische Romane in der Hörversion empfehle. Hier tue ich es, und zwar ohne jede Bedenken!

    38 von 41 Hörern fanden diese Rezension hilfreich
  •  
    Rosemarie 22.03.2014
    Rosemarie 22.03.2014
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    Geschichte
    "Lang ohne Längen"

    Dieses Hörbuch ist trotz seiner Länge nie langweilig oder langatmig.Eine mitreißende Geschichte mit viel Herzblut .Der Sprecher macht einen tollen Job.

    25 von 29 Hörern fanden diese Rezension hilfreich
  •  
    Sunsy Deutschland 25.04.2014
    Sunsy Deutschland 25.04.2014 Bei Audible seit 2007
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    Sprecher
    Geschichte
    "Gute Story mit Klischees wunderbar gelesen"

    Während das Cover uns einen Blick auf das verpackte Gemälde werfen lässt, das Theo so fasziniert, werden wir mit ausdrucksstarker Sprache und oft verschachtelten Sätzen durch Theos Leben gezogen und durchleben seine Höhen und Tiefen mit ihm, ob wir wollen oder nicht. Meistens handelt es sich um Tiefen, denn Theo ist nicht nur traumatisiert und verstört, er leidet auch an tiefen Depressionen und einem Hang, sich selbst zu schaden, mit einem nicht immer nur unterschwelligen Todeswunsch gepaart.

    Er hat es nicht leicht im Leben, wie auch sein einziger Freund aus Kindertagen: Boris. Das einzige, das die beiden zu unterscheiden scheint, ist die Sicht auf die Dinge. Während Boris immer positiv ist, egal was ihm widerfährt, zieht es Theo immer in die Düsternis und Hoffnungslosigkeit.

    Die Autorin hat hier leider alle erdenklichen Klischees bemüht, was den schalen Nachgeschmack eines Vorurteils lässt: “Seht her, aus ihm konnte ja auch gar nichts Vernünftiges werden, bei diesem Elternhaus, diesem Umgang. Das war ja fast schon vorprogrammiert.”

    Schauplatz sind größtenteils die Vereinigten Staaten, teilweise auch Amsterdam, und die Autorin erzählt in der Ich-Form als Theodore Decker gleich zu Beginn mit einem großen Spannungsknaller: einer Explosion im Museum. Und sie kann den Spannungsbogen auch über gelegentliche Längen bis zum Ende hin halten. Ganz zum Schluss wird es dann noch sehr philosophisch mit tiefgründigen Gedanken.

    Weniger gefallen hat mir der ständige Drogenkonsum, der in aller Ausführlichkeit geschildert wird.

    Die Story selbst hat mir gut gefallen. Der Sprecher Matthias Koeberlin war sehr gut gewählt. Er hat allen Figuren eigene Stimmen gegeben und es wunderbar verstanden, die jeweiligen Gemütszustände herausklingen zu lassen. Theo immer etwas traurig und schüchtern, Boris lebenslustig und obenauf, Hoby väterlich besonnen, selbst die femininen Charaktere brachte er glaubhaft herüber. Er holt deshalb noch einen Punkt mehr heraus, so dass ich zu den 8 für die Story noch einen für den Sprecher gebe –> 09/10 Punkte.

    4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich
  •  
    Amazon Customer 14.04.2014
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    Geschichte
    "Chapeau"
    Würden Sie dieses Hörbuch einem Freund empfehlen? Wenn ja, was würden Sie ihm dazu sagen?

    Eigentlich hat dieses großartige Hörbuch keine weitere positive Beurteilung mehr nötig. Aber ich bin so begeistert, daß ich mich nicht zurückhalten kann. Für mich war es ein außergewöhnlicher Hörgenuß (vergleichbar vielleicht - wenn auch ganz anders - mit "Rumo und die Wunder im Dunkeln" von W. Moers, gelesen von Dirk Bach). Den großartigen Sprecher Matthias Koeberlin kannte ich vorher nicht; ihm gelingt es, mit sparsamer Stimmmodulation alle Charaktere zu unterscheiden Chapeau!!!!
    Nicht lesen - unbedingt hören!!!!


    18 von 21 Hörern fanden diese Rezension hilfreich
  •  
    Sonia Uruapan, Mexiko 21.03.2014
    Sonia Uruapan, Mexiko 21.03.2014
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    Sprecher
    Geschichte
    "Hoergemaelde"

    Ein traumhaftes Hoerbuch, literarisch sehr ansprechend und auf hohem Niveau. So einen Titel bekommt man nicht jeden Tag aufgetischt! Vom allerfeinsten!

    37 von 44 Hörern fanden diese Rezension hilfreich
  •  
    AmazonKundin11 26.03.2014
    AmazonKundin11 26.03.2014
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    Sprecher
    Geschichte
    "Tolle Geschichte und fantastischer Sprecher"

    Die 5-Sterne-Bewertung dieses Hörbuchs ist mehr als gerechtfertigt - es ist mit Abstand das beste, das ich seit Langem gehört habe. Nicht nur, weil die Geschichte unglaublich gut geschrieben ist, sondern auch, weil Matthias Koeberlin sie so fantastisch spricht. 33 Stunden Hörvergnügen. Daumen hoch!

    32 von 38 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

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