PROFIL

monsignoreb

Berlin, Deutschland
  • 7
  • Rezensionen
  • 8
  • Mal wurden Ihre Rezensionen als "hilfreich" bewertet
  • 19
  • Bewertungen

Keine Kraft fürs Finale

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.04.2011

Ein Buch, das spannend beginnt. Wie durch eine Explosion wird der Arzt Gregor Gropius aus seinem gut funktionierenden Alltag als Spezialist für Transplantationen herausgerissen.

Er folgen spannende Monate in seinem Leben, in dem sich nicht nur - so ganz nebenbei - sein Liebesleben ordnet und neue Wege geht. Fast könnte es sich um einen deutschen Dan Brown handeln, wenn er nur den Anteil des Vatikans mit größerem Gewicht versehen könnte und tief in die theologische Kist gucken würde, aber hier kneift Vandenberg. Er traut sich nicht wirklich da ran. Komisch, dabei hat er doch eine so gute Recherche zu dem Thema gemacht. Leider gelingt ihm der Spannungsbogen nicht bis zu letzt. Der biedere Schluss jenseits jeder Dramatik erdrückt die ganze Spannung des Buches und läßt mich als Leser unbefriedigt zurück.

Eine absolute Überraschung ist Uli Krohm, der ein brillanter Leser und Erzähler ist. Er versteht es, mit einem Hauch von Understatement, den Hörer vom ersten bis zum letzten Wort in seinen Bann zu ziehen. Schade nur, dass der Schluss - wie schon gesagt - so unbefriedigend ausfällt.

2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Nach fulminantem Start eher enttäuschend

Gesamt
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.04.2011

Die Bedrohung der Kirche von einem fehlenden Satz in einem apokryphen Evangelium herzuleiten, scheint mir doch sehr gewagt. Da wird etwas aufgeblasen, was wenig real wirkt. Aber genau das ist wichtig für einen Thriller, dass er jeden Moment so glaubwürdig und schlüssig sein muss, als würde es in der Tat geschehen.
Nach spannenden Psychotricks, ziemlich flachen theologischen Diskussionen - flach weil an den Haaren herbeigezogen - mündet alles in einem bombastischen Finale. Aber auch dieser Schluss ist enttäuschend. Irgendwie kommen wir am Ende der Geschichte an. Sie ist plötzlich da und nun muß noch mal was passieren. Auch in diesem Roman hat Vandenberg nach meinem Empfinden am Ende der Schwung, der Drive oder kurz die Inspiration verlassen. Dabei hält er so wunderbare Überraschungen bereit, wie die Mona Lisa oder den Titusbogen in Rom. Das ist erste Klasse. An der Stelle übertrumpft er spielend Dan Brown.
Ach, ja, eines fiel mir bei der Gelegenheit noch auf. Irgendwie stimmt die Zeit-Authentizität nicht. Die Geschichte spielt 1961/1962, also vor rund fünfzig Jahren. Sie erweckt aber immer wieder in den Eindruck, dass sie in der Gegenwart spielt. Das passiert so an kleinen Stellen des eigentlich hervorragend recherchierten Stoffes, wie der Aufführung von Orpheus und Euridike in der Deutschen Oper 20. September 1961. Die Deutsche Oper Berlin öffnete allerdings erst am 24. September 1961 ihre Pforten mit Mozarts Don Giovanni. Die Aufführung findet also nicht nur vier Tage vor der Eröffnung des neuen Opernhauses statt, sondern die Titelpartie wird auch noch von einem Countertenor gesungen. Das war damals nicht üblich. Damals sangen noch ganz normale Tenöre diese Partien. Am wahrscheinlichsten wäre es in diesem Falle wohl Fritz Wunderlich gewesen, wofür ich mich jetzt nicht verbürgen möchte, aber passen könnte es, hat er doch am 24. September im Don Giovanni mitgesungen. So ein Detail hätte zumindest dem Lektor auffallen müssen.

3 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Vollkommen überschätzt

Gesamt
1 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.04.2011

Ich habe so mit Coelhos Werken immer wieder meine Schwierigkeiten. Sie treten auf der Stelle, verweilen in banaler Andacht. So auch "Brida", das ich als ungekürztes Diogenes-Hörbuch gehört habe. Und auch hier stellte sich die Frage der Qualität. Der Vorleser war Sven Görtz, der sehr mechanisch liest, ohne auch nur erkennbare Mühe, Bilder schaffen zu wollen. Die Stimme hebt sich und sie senkt sich. Es klingt eher so, als würde hier jemand die Anleitung für ein neues Elektrogerät verlesen.

Ich bleibe dabei: Coelho ist ein vollkommen überschätzter Autor. Aber seine "Elf Minuten" sind ein Meisterwerk.

2 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Hans Korte ist brillant

Gesamt
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.04.2011

Endlich, nach 25 Jahren habe ich es nun auch endlich gelesen - besser gehört und Hans Korte ist brillant. Allerdings ist für mich der Hype, den das Buch vor 25 Jahren ausgelöst hat, nicht ganz nachvollziehbar. Es ist schön und leidenschaftlich geschrieben und das Ende ist originell. Also alles, was das Buch zu einer angenehmen, halbwegs spannenden Unterhaltung werden läßt. Aber auch nicht mehr.

Die Liebesblödigkeit Titelbild

Wie in einem schönen Park

Gesamt
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.04.2011

Ich liebe Genazino. Irgendwie hat er einen morbiden, hypochondrischen Stil. Es geht immer um Körperteile, die nicht funktionieren wollen oder abfallen. Genazino erzählt immer ein Liebesproblem und vor allem ein Lebensproblem. Die Menschen sind immer irgendwie semigescheitert, spazieren in ihrer Vergangenheit herum, wie andere in einem schönen Park. Eine leise Melancholie legt sich über alles und am Ende findet sich ein sanftes Happyend.

Da das Buch vom Autor gelesen wird, hat es was Authentisches und ich frage mich, ob er nicht doch ein Autobiograph ist...

Erotik pur

Gesamt
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.04.2011

Ich glaube, ich habe einen neuen Lieblingsautor entdeckt. Der Koch von Martin Suter ist mit das Beste, was ich in letzter Zeit gelesen oder in diesem Fall gehört habe. Heikko Deutschmann als Sprecher ist für mich eine Überraschung gewesen. Er läßt die Geschichte zum Leben erwachen und nimmt einen vom ersten bis zum letzten Wort mit.

Der Koch ist ein erotischer Roman. Er ist aber auch ein politischer, moralischer, ein religiöser Roman. Der Koch ist aber auch ein Roman der Sinne und damit ein besonders erotischer Roman. Anders als im Parfum von Süßkind rieche ich wirklich die Speisen, schmecke sie. Martin Suter versteht es, die Sinne zu anzusprechen und kann daher vollständig auf die Beschreibung des Geschlechtsakts verzichten ohne, daß die Erotik darunter leidet.

Der Koch führt geschickt die Lebenswege von Menschen zusammen, die durch ein Drittes miteinander mehr verbunden sind, als es auf den ersten Blick scheint. Nachdem man den jungen Koch ein wenig kennen gelernt hat, taucht plötzlich ein Waffenschieber auf und man fragt sich, was der jetzt eigentlich hier soll. Was haben Waffenschiebereien zwischen Gewürzen und Düften zu tun? Am Ende des Romans weiß man es. Aber das sei hier nicht verraten. Einfach selber lesen oder hören und genießen.

1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Sommertode

Gesamt
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.04.2011

Ein zwiespältiges Buch, wie alle Erzählbände von Schlink. Ich kann mich noch sehr gut an sein Buch "Liebesfluchten" erinnern, das ich mir mit den allergrößten Erwartungen gekauft und gelesen habe und dann aber so abgestürzt bin, weil es nicht im Ansatz die Intensität seiner Romane besaß.
Bei "Sommerlügen" habe ich, weil ich es mir vom unvergleichlichen Hans Korte vorlesen ließ, zuerst nicht bemerkt, daß es sich um einen Erzählband handelt. Zuerst dachte ich, daß ich nicht aufgepaßt hätte und mir ein Stück Geschichte meiner Unaufmerksamkeit zum Opfer gefallen ist. Doch dann wurde mir klar, daß es sich sich um Erzählungen handelt, die so unvermittelt enden, daß man es zuerst nicht merkt. Das mag vielleicht in der gedruckten Fassung anders sein. Aber es weist auf eine Gemeinsamkeit aller Geschichten hin: Sie enden unvermittelt. Gerne hätte ich den Flötisten des New York Philharmonic weiter begleitet und dafür auf eine Reihe weiterer Geschichten verzichtet. Berührt hat mich die Geschichte von dem Mann, der an Knochenkrebs erkrankt ist und sich das Leben nehmen wollte, wenn das Leben unaushaltbar würde. Eine wunderbare Geschichte vom Gehen und dann doch Bleiben, der erleben muß, wie gut aushaltbar das Leben doch sein kann. Aber auch diese Geschichte bleibt offen. Man weiß nicht, wo es am Ende wirklich hinführen wird. Wird es mit dem Helden am Ende doch ein Happy End geben? Nein, es bleibt ein Open End. Aber wahrscheinlich ist es genau das, was mir die Geschichte in Erinnerung bleiben läßt, weil sie die für Schlink so typische Dichte und Intensität hat, die mich als Leser oder wie in diesem Fall als Hörer das Buch oder den iPod nicht aus der Hand legen läßt.

Mit der letzten Geschichte geht es mir genauso. Ein Plot ganz nach meinem Geschmack: Zwei Leben, die wegen eines Mißverständnisses eine ganze andere Wendung genommen haben, die am Ende dann wieder zusammenkommen ohne wirklich zusammenzukommen.

Sämtliche Geschichten sind durch etwas morbides miteinander verbunden.

0 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich