PROFIL

Claude

Schweiz
  • 1
  • Rezension
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  • 97
  • Bewertungen
  • Das dreizehnte Kapitel

  • Autor: Martin Walser
  • Sprecher: Martin Walser
  • Spieldauer: 6 Std. und 57 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    3.5 out of 5 stars 22
  • Sprecher
    3.5 out of 5 stars 19
  • Geschichte
    3.5 out of 5 stars 18

Auf einer illustren Festveranstaltung im Schloss Bellevue wird ein Professor für Molekularbiologie für seine Errungenschaften gefeiert. Doch der...

  • 4 out of 5 stars
  • Briefe Schreiben - Eine Kunst aus vergangener Zeit

  • Von Claude Am hilfreichsten 25.04.2013

Briefe Schreiben - Eine Kunst aus vergangener Zeit

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.04.2013

Ich [m, 25] bin "over all" sehr positiv von diesem Werk überrascht. Nicht, dass ich nicht gewusst hätte, zu welch herausragenden literarischen Werken Martin Walser fähig ist, trotzdem war ich zu Beginn des Hörbuches etwas kritisch.
Martin Walser liest das Buch gleich selbst vor und es ist, als lese Grosspapa einem seine alten Briefe vor; etwas, das einem eigentlich zu erdulden widerstrebt. Und doch schafft es Walser mich zu fesseln, weniger mit seinem Lesestil, doch aber mit seinen Worten.

Walsers Wortwahl ist wie ein guter Bordeaux. Sie ist erlesen, gehaltvoll und schwer. Der Konsum ist ein Genuss, bedarf aber viel Zeit und Aufmerksamkeit. Nichts zum rasch hinunterschütten. Es braucht eine Zeit, bis man den Zugang zu Walsers Schreibstil gefunden hat und selbst dann, erscheint es zu mindest mir so, als ob ein vollständiger Zugang zu erlangen kaum möglich wäre.

Das 13. Kapitel ist Kunst, da es sich auf so vielen Ebenen abspielt. Man kann sich einerseits - und so fand auch ich den Zugang - einfach nur einmal ob der Sprache erfreuen. Die schiere Vorstellung, es bestünde die Möglichkeit, sich derart eloquent ausdrücken zu können (schon vom reinen Vermögen her) und man würde verstanden werden, ist Lust und Frust zugleich. Ich war versucht, eine Parallele zu ziehen, zu meinem - unserem - (wenn man denn so will) "Briefverkehr", der sich tagtäglich per E-Mail, SMS, etc. abspielt. Ein trauriges Bild. Eine versteckte Gesellschaftskritik, vielleicht? Für mich, ja.

Dann natürlich die "Handlung", die sich - wie bei allen reinen Briefwechseln - eben nur aus dem Kontext ergibt. Wie sie anläuft, interessiert es mich immer wieder, wie es der Protagonist nun schafft, die Aufmerksamkeit der Protagonistin zu wecken und eine Antwort geradezu zu erzwingen. Brief für Brief erneut.

Und dann, wenn man sich so langsam ab dieser Oberfläche erfreut und sich auf sie zu konzentrieren vermag, so passiert es, dass man plötzlich kurze Einblicke erhält, welche philosophische Tiefe die Worte doch in sich bergen. Immer wieder vermittelt Walser mir als Leser anregende Ansichten über die Menschen und das Zwischenmenschliche. Das nenne ich Literatur.

Fazit:
Diese knapp 7 Stunden sollte man sich geben, wenn man Interesse hat an Sprache, Literatur und Philosophie. Wer es tut, wird belohnt, nicht nur mit einem für mich ehrlich gesagt recht überraschendem Ende, sondern auch mit geistig anregenden Gedankengängen und Aussagen, die abseits der Handlung zum Denken anregen. Das ganze verpackt in ein Deutsch, das in unserer modernen Gesellschaft (beinahe) gänzlich ausgestorben ist. Leider, wie ich finde.

Einziges, kleines Minus bleibt für mich der Autor als Sprecher. Schreiben kann er, und wie! Aber ich denke, ein absoluter Profisprecher, hätte diesem Diamanten noch den letzten Schliff geben können und so, meinem laienhaften Auge - oder besser: Ohr -, noch den einen oder anderen interessanten Punkt mehr aufzeigen können.

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