PROFIL

Karsten F.

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Spannende Idee, komplex umgesetzt

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 14.10.2019

Das Hörbuch hat mich wirklich überzeugt. Es ist zwar sehr lang, aber dafür wirklich spannend bis zum Schluss. Ich habe das Hörbuch nahezu an einem Stück durchgehört, da es mich sehr gefesselt hat. Zu große Pausen sollte man sich eingedenk der Komplexität der Story auch nicht gönnen, da man sonst schnell wieder wichtige Details vergessen könnte. Ohne allzu viel vorwegzunehmen: Der Wechsel in die einzelnen "Wirte" ist wirklich originell umgesetzt, da jeder sein eigenes Wesen und zumeist auch sein eigenes dunkles Geheimnis hat, welches eher zufällig aufgedeckt wird und dadurch umso überraschender wirkt. Der Plot ist "krimitechnisch" logisch und sehr komplex angelegt (der Autor muss ein regelrechtes Organigramm ausgearbeitet haben, um nicht mit den einzelnen Handlungen der vielen Figuren durcheinanderzukommen), bietet aber - wie ein guter "Who-done-it"-Krimi es auch muss - noch genug Platz für eigene Vermutungen und Rätseleien. Es gibt Verbündete, die noch gefunden werden müssen, Bösewichter und neutrale Figuren, falsche Fährten und falsche Freunde und das Ende ist ebenso spannend und überraschend, da es nach vermeintlicher Auflösung eine weitere unerwartete Wendung mit Aha-Effekt gibt. Somit alles Bestens!
Abzüge muss ich aber auch geben:
So hätte der Autor das Storyboard durchaus etwas kürzer halten können, ohne dass allzu viel Inhaltliches verloren gegangen wäre. Die Figur des Butlers z.B. ist zwar durchaus bedauernswert, aber doch insgesamt recht "passiv" und dass ein weiterer Wirt den halben Roman lang nur auf einem Waldweg herumliegt und schläft, mag zwar originell wirken, bringt die Story aber nur bedingt voran. Hier hätte der Auto zugunsten einer flotteren Story auf einige Protagonisten verzichten können, aber das ist eher nebensächlich.

Für wesentlich schwächer halte ich (und jetzt müssen alle zu lesen aufhören, die das Hörbuch noch nicht (zu Ende) gehört haben und dies noch wollen) folgende Aspekte, die ich in ein paar Fragen zusammengefasst habe und die meiner Meinung nach echte inhaltliche Schwächen darstellen:

1) Das übergeordnete "Geheimnis": Zwischendurch hatte ich die Vermutung, Aiden Bishop sei irgendein Kriminologe, der einen alten, unaufgeklärten Fall lösen will und durch irgendeine Hypnose in die Wirtskörper gelangt ist. Dann dachte ich an eine Séance oder etwas ähnliches. Die wahre Auflösung erschien mir dann doch sehr weit herbeigeholt und reichlich konstruiert: Was für eine (zukünftige?) Gerichts-/Gefängnisinstitution/ Organisation soll es sich ausgedacht haben, Gefangene an irgendwelche Orte in irgendwelche Wirte zu stecken, um ein Rätsel zu lösen und dann als rehabilitiert zu gelten? Wie soll das genau gehen? Was passiert zeitgleich mit den realen gefangenen Personen? Schlafen die in einer Zelle oder was? Warum sollte man irgendeinen Typen (Aiden Bishop) in einen Wirt stecken und an einen solchen Ort bringen, nur damit er jemanden (die Terroristin Anna) an dem Ort töten/quälen/sich rächen kann? Warum muss er nun auch Rätsel lösen? Warum hat er verschiedene Wirte zur Verfügung, Anna und Daniel Coleridge aber nur einen? Warum hat der Autor Aiden und Anna nicht zum Schluss einfach (z.B. im Gefängnis oder so) aufwachen lassen, um das wahre Geheimnis zu enthüllen, anstatt den Pestdoktor das ganze 10 Kapitel vor dem Ende schon verraten zu lassen? Es bleiben viele Dinge unklar und wirken auch etwas an den Haaren herbeigezogen.

2) Unklare Figuren:
a) Ist der vermeintliche Wirt Daniel Coleridge eigentlich auch ein Verbrecher gewesen? Was hat er getan? Was steckt hinter seiner Figur? Warum wird das nach seinem Tod nicht mehr aufgelöst?
b) Ist der Pestdoktor ein Schiedsrichter/Überwacher/Ratschlaggeber oder was macht er da eigentlich? Er scheint ja übergeordnete Chefs zu haben und für die Institution zu arbeiten. Was macht seine reale Person den ganzen Tag? Schlafen? Während er als Pestdoktor immer wieder den selben Tag erlebt, um Leuten Tipps zu geben und Rätsel zu stellen? Wie und wo reicht er die Lösung des Falles bei seinen Vorgesetzten ein? Was für ein dämlicher Job! Ich hatte fest damit gerechnet, dass auch der Pestdoktor ein weiterer Wirt Bishops sei, der am Ende als vorletzte Figur alles zusammenfügt, Ablaufpläne ausarbeitet und dadurch seinen alten Wirten aus der Vergangenheit hilft. DAS wäre eine irgendwie logischere Rollenauflösung gewesen. Genauso wäre es meiner Meinung nach ein interessanter Knalleffekt gewesen, wenn der liebe und ahnungslose Doktor Bell (meiner Meinung nach die gelungenste Figur der Story) noch einmal ganz am Ende des Buches aus seiner Ohnmacht erwacht wäre und nun - plötzlich angehäuft mit dem Wissen aller Vorgängerwirte - als letzter Wirt die Story zu Ende bringt . Nun ja. Hätte, hätte, Fahrradkette.

3) Sprecher: Manchmal ist die Stimmführung des Erzählers nicht ganz "stimmig", aber bei 21 Stunden Vorlesezeit braucht einen das auch nicht zu verwundern.

Trotzdem: Alles in allem ein großer Wurf mit einer richtig originellen Konzeption! Bravo!

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