PROFIL

Jan Langehein

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Tolles Hörbuch, Sprecher nervt

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
2 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 10.07.2017

Inhalt
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Der junge Prinz Pteppic hat gerade sein Assassinen-Examen in der Metropole Ankh-Morpork gemacht, als sein Vater stirbt. Pteppic kehrt in das vorsintflutliche Königreich Djelibeby zurück, wo er geboren wurde und nun die Nachfolge seines Vaters als Pharao antritt. Von da an wird Pteppic als Gottkönig verehrt, lebt in einem Palast und trägt eine goldene Maske. Aber er herrscht nur über einen schmalen Streifen Wüste an den Ufern des Flusses Djel, wo Krokodile als heilig gelten und sanitäre Anlagen unbekannt sind. Zudem wird schnell klar, dass es über keinerlei wirkliche Macht verfügt: Alle Versuche, das Land zu modernisieren, scheitern am rigiden Korsett der Traditionen und Rituale. Deren oberster Hüter ist der alte Hohepriester Dios. Er ist der eigentliche Herrscher am Djel, und er sorgt mit eiserner Hand dafür, dass in Djelibeby alles so bleibt, wie es seit Jahrtausenden überliefert ist.

Als das Dienstmädchen Ptraci in Pteppics Namen zum Tode verurteilt wird, weil sie nicht "freiwillig" sterben will, hat der Pharao genug. Er zieht seine Assassinen-Kluft an und befreit die junge Frau. Beide sind auf der Flucht vor Dios' Soldaten, als plötzlich die Naturgesetze verrückt spielen: Die Pyramide, die Pteppic für seinen Vater bauen ließ, verursacht eine Art magischer Katastrophe, die Götter werden lebendig und für Pteppic und Ptraci beginnt eine Reise, an deren Ende Djelibeby ein anderes Land sein wird.

Lob für Prattchett
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Eigentlich ist "Pyramiden" Scheibenwelt vom Feinsten: Eine Fantasy-Parodie, in der auf kluge und witzige Weise philosophische Probleme wie das Verhältnis von Individualität und Tradition, kultureller Identität und sozialer Fortschritt verhandelt werden. Überall finden sich Anspielungen auf das alte Ägypten und die Welt der Antike – der trojanische Krieg kommt ebenso vor wie Platons Symposien oder die Sphinx aus "König Ödipus".

Kritik an Niederfahrenhorst
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Leider tut der Sprecher Volker Niederfahrenhorst alles, um einen ungetrübten Hörgenuss unmöglich zu machen: Er folgt der Unsitte, jede Person mit irgendwelchen sprachlichen Eigenarten zu versehen – ohne Rücksicht auf erzählerische Konsistenz oder den Charakter der Figur. Der furchteinflößende Priester-Herrscher Dios (mit patriarchalischer Adlernase und stählernem Blick) quiekt wie ein Ferkel auf Helium; Frauen reden nicht, sondern flöten im Sopran vor sich hin; fast jede Nebenrolle spricht völlig unmotiviert irgendeinen Dialekt.

Ein Meister unter den Hörbuchsprechern (wie der selige Dirk Bach) mag Dialogpassagen in verteilten Rollen so sprechen können, dass es Spaß macht. Doch selbst sehr gute Fachleute wie Andreas Fröhlich oder Rufus Beck machen dabei vieles falsch (--> Rita Kimmkorn), und Niederfahrenhorst ist schlicht überfordert. Wenn ein antiker Philosoph seine Axiome in einer Art Schwyzerdeutsch mit schwäbischem Einschlag diskutiert, dann klingt das nicht nur peinlich – dann erstickt der subtile Humor der Geschichte unter einer dicken Soße von Kolportage-Klamauk. Es ist zum Fremdschämen.

Wer nun meint, solche Mätzchen seien nötig, um die Figuren auseinanderzuhalten, der werfe mal einen Blick in das gedruckte Buch: Gibt es dort eine eigene Schriftart für jeden Charakter? Nein. Werden kleinere Buchstaben verwendet, wenn jemand flüstert? Nein. Sind Dios' Sätze in Rot gedruckt, damit man ihn als Schurken erkennt? Natürlich nicht. Und dennoch weiß der Leser immer, was gerade Sache ist, denn das geht schließlich aus dem Kontext hervor.

Fazit
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Also: Was soll der Quatsch? Niederfahrenhorst hat eine ruhige, sonore Stimme, und in der Rolle des Erzählers zeigt er auch, dass es ein Genuss sein kann, ihm zuzuhören. Es hätte also auch mit ihm als Sprecher ein tolles Hörbuch werden können, aber er hat es vergeigt. Pratchetts "Pyramiden" sollte man nicht verpassen, doch sollte man es besser lesen, als es in dieser Fassung zu hören. Alternativ zum Buch gibt es ebenfalls bei Audible eine Hörspielversion. Die ist natürlich gekürzt, aber die Stimmen stimmen (hihi) und es kostet nur ein 4,95 Euro.

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