PROFIL

Daniel Winkler

  • 1
  • Rezension
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  • 3
  • Bewertungen

Technisch gut, fachlich mangelhaft

Gesamt
2 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 20.08.2019

Ich mag populärwissenschaftliche Hörbücher, da man diese meist gut nebenbei im Auto hören kann ohne zu sehr abgelenkt zu werden. Bei Harari jedoch hätte ich mehrfach beinahe in das Lenkrad gebissen. Dieses Buch ist so voll von unzulässigen Vereinfachungen und historischen Fehlern das ich mich frage, wie es Harari geschafft hat seine Professur zu bekommen - an seinem historischen Wissen kann es nicht liegen.

Zunächst das positive - das Buch bedient sich einer angenehmen und einfachen Sprache und der Sprecher schafft es sehr gut, den Inhalt zu vermitteln, was bei einem Sachbuch immer schwerer ist als bei einem Roman. Auch schafft es Harari durchaus mit seinen teilweise sehr provokanten Thesen zum Nachdenken anzuregen. So sind seine Ausführungen zur sesshaft Werdung des Menschen, zur Globalisierung und Kategorisierung verschiedener Ideologien und Religionen durchaus aus interessanter Diskussionsbeitrag in der Kulturgeschichte zu werten - leider jedoch stellt Harari seine persönlichen Schlußfolgerungen als Fakt dar und schert sich auch nicht darum, daß er sich selbst ständig widerspricht.

Und damit zum negativen - man sollte tunlichts nicht den Fehler begehen die historischen Darstellungen Hariris als Fakt anzunehmen. Diese sind wohlwollend gesagt stark vereinfacht. Während man bei den ersten 3 Teilen - die kognitive Revolution, die landwirtschaftliche Revolution und die (frühe) Globalisierung noch gewillt ist die Vereinfachungen mit dem populärwissenschaftlichen Ansatz zu erklären und über Ungenauigkeiten und Fehler hinwegsieht wird es spätestens beim 4. Teil, der wissenschaftlichen Revolution hanebüchen. Historische Fakten werden aus dem Zusammmenhang gerissen und falsch eingeordnet, Thesen werden aufgestellt, als Fakt deklariert um dann wenig später negiert zu werden. Wer versucht, die Neuzeit anhand von Hararis Buch zu verstehen und zu beschreiben kann nur auf der Nase landen. Jedem halbwegs gebildete Geschichtslehrer würden bei den Schilderungen der Aufklärung (die sich aus unerfindlichen Gründen zu einem miltärisch-wirtschaftlich-technologischen Komplex entwickelt), der Geschichte der Eroberung Amerikas und der Schilderung des Europas der Renaissance die Haare zu Berge stehen. Setzen, 6!

Harari stolpert dabei immer wieder über seine eigene Überheblichkeit. Fiel ihm nicht auf, daß er erst die Zeit Napoleons als wissenschaftsarm beschreibt nur um wenig später die Begründung der Ägyptologie durch ebendiesen zu erwähnen (wobei auch diese Aussage nicht als Fakt betrachtet werden sollte). Auch war es kein Entdeckungsdrang, der Cortez und Pizarro nach Amerika trieb sondern schlicht die Gier nach Gold. Die ausgelösten Epedemien und Bürgerkriege in Mittelamerika zur Zeit der Kolonialisierung sind für Harari nur Randnotizen, trugen aber erheblich wenn nicht gar ursächlich zum Untergang der Atzeken bei. Für Harari war der Grund die "überlege" Neugier der Europäer - so eine eurozentrische Sicht liest man heute, zu Recht, nur noch selten.

Als Debattenbeitrag zu Kulturgeschichte kann man Hararis Buch vielleicht noch akzeptieren - als populärwissenschaftliche Universalgeschichte jedoch ist es vollkommen ungeeignet und man kann jedem Hörer nur raten die erwähnten historischen Ereignisse selbst nachzulesen - wenn man dann andere Schlüsse als Harari zieht, ist dies nicht verwunderlich.