PROFIL

Kassiopeya

Wien/Vienna
  • 3
  • Rezensionen
  • 14
  • Mal wurden Ihre Rezensionen als "hilfreich" bewertet
  • 158
  • Bewertungen

Charmanter Schund

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 05.05.2018

Was hat Ihnen am allerbesten an Die Monster, die ich rief (Monster Hunter 1) gefallen?

Will man sich an diesem Buch versuchen, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es sich um völlig absurden, klischéetrifenden Blödsinn handelt: Ein waffenvernarrter Buchhalter entdeckt seine Begabung fürs Monsterschnetzeln und schließt sich einer Truppe von Undercover-Elitemonsterjägern an. Dabei wird er aufgrund seiner überdurchschnittlichen Schnetzel-Begabung schnell zum vielversprechenden Star der testosteronüberschwemmten Jungschaar. Was gut ist, denn unversehens kommt er - potzblitz - in die Verlegenheit, die Welt vor ihrem Untergang retten zu müssen.
So in etwa der Plot.

Doch nicht nur die Grundstory erfüllt sämmtliche Standards eines gelungenen Groschenromans. Auch inhaltlich wie sprachlich werden sämliche militärisch-heroischen Klischées mehr als überbedient. Da werden im Alleingang Heerscharen an Unholden erlegt, Gedärme zerschreddert und Tentakel zerhackt - und fehlen die Waffen (oder sind die Arme gebrochen) nimmt man halt die Zähne. Sämtliche männlichen wie weiblichen Stereotypen sind ebenfalls vollständig vertreten und auch die kreative Bandbreite an Monstern lässt keine Wünsche offen. Von Vampiren, Werwölfen, diabolischen Priestern bis Tentakeldämonen - für jeden Geschmack ist was dabei.

Warum ein solcher Blödsinn trotzdem Spaß macht? Gerade weil er sich nicht ernst nimmt und genau das sein möchte. Blödsinn. Die oben genannten Klischées werden in geradezu genüsslicher Manier selbstironisch zelebriert, dabei aber gerade noch so wenig, dass es nicht in Klamauk abgleitet. Dieser gelunge Drahtseilakt verleiht der Geschichte ihren eigentlichen Charme. Und auch wenn der Plot an keiner Stelle überrascht (schließlich hat man ihn so oder anders schon in hundert anderen Fassungen gesehen/ gelesen), so macht die ironisch-luftig-leichte Tonart, in der hier alle bekannten Klischées geritten werden, bis zum Ende einfach Spaß.

Fazit:
Charmant-überzogener Helden-Bödsinn mit viel Gedärm und noch mehr Heldentum, der in bester Starship-Troopers-Tradition bis zum Ende unterhält. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Spannung ...mit irritierendem Beigeschmack

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 14.06.2017

Wie haben Sie auf das Ende des Hörbuchs reagiert? (ohne dabei natürlich zu viel zu verraten!)

Auf der Suche nach neuer Audio-Unterhaltung bin ich auf den Roman gestoßen und war zunächst mal über die Thematik erfreut: Pandemien und Weltuntergangsszenarien versprechen in der Regel unterhaltsame, spannende Stunden. Die Erkenntnis, dass hinter dem Autor Joe Hill kein anderer als Stephen Kings Sohn Joseph King steht, kam erst später, machte das Hör-Projekt aber nur interessanter. Die Romane vom Herrn Vater kenne ich sehr gut, mit ihnen bin ich aufgewachsen - also mal sehen, was und wie der Sohn so schreibt. Das Ergebnis lässt mich allerdings etwas ratlos und zwiegespalten zurück.

Dem Roman zu Gute halten, lässt sich vorab eine gute Grundidee, die auch durchaus spannend umgesetzt wird.
Die Grundkomponenten dabei: Eine mysteriöse Seuche die ein Land in Schutt und Asche legt, eine schwangere Hauptprotagonistin inmitten der sich auflösenden zusammenbrechenden Gesellschaft, eine kleine Splittergruppe Überlebender die eine kleine isolierte Gemeinschaft bildet, religios anmutender Fanatismus, das versteckte Tagebuch eines gewissen Harold Cross, ein taubstummer Junge namens Nick...an was erinnert uns das nur?

Jhep, genau. An fast jeder Biegung der Geschichte werden dem Leser mehr oder minder offensichtliche Verweise auf "The Stand", einen der erfolgreichsten Romane Kings, vor die Füße geworfen.
Anfänglich habe ich diesen technischen Kniff auch als durchaus interessant empfunden. Dies vor allem, da Joe Hill Annahmen des Lesers über vermeintlich bekannte Charaktere/ Motive gewissermaßen gegen ihn verwendet - verhält und entwickelt sich vermeintlich Bekanntes in seinem Roman doch überraschend und ganz und gar untypisch (siehe Mutter Abigail...ähh Laura). Was jedoch als interessante Note beginnt, entwickelt sich allerdings nach und nach zu einem immer präsenteren Störfaktor, da der tiefere Sinn der zahlreichen Anspielungen auf sich warten lässt. Die eigentliche Geschichte wir mit Fortschreiten des Romans immer mehr von folgender Frage in den Hintergrund gedrägt: Warum nur? Was soll das? Und genau diese überschattende Dauerirritation hat mir die Freude an dem Roman rückblickend ziemlich vergällt.

Das dystopische Szenario, das prima für sich funktioniert hätte, macht durch viele vermeintlich bewusst gesetzte Zitate und Verweise neugierig auf eine höhere Auflösung...die dann nicht kommt. Was bleibt , ist ein etwas irritiertes Kopfschütteln, das der an für sich recht gelungenen Geschichte nicht gerecht wird. Wollte Hill der großen Romanikone seines Vaters ein Denkmal setzen? Wollte er dem reichlich pathetisch- verklärten Original einen kritischen Spiegel vorhalten? Ist der Roman Denkmal oder Gegenstatement...oder die vorauseilende Reaktion eines jungen Schriftstellers, der gerne über den Weltuntergang schreiben möchte und dabei genau weiß, dass er kaum jemals aus dem großen Schatten des Vaters heraustreten können wird? Man weiß es nicht.

Dabei möchte ich die positiven Aspekte der eigentlichen Geschichte nicht in Abrede stellen. Tatsächlich funktionierte für mich der stringente Plote und der gelungene Spannungsbogen bis zum Schluss ganz ausgezeichnet und ich habe das Hörbuch in 3 Tagen durchgehört. Auch fand ich insbesondere die "dunklen" Charaktere der Geschichte durchaus interessant gezeichnet, da jeder in seinen Motivationen überzeugt und realistisch angelegt ist.Insgesamt würde ich den Roman aus den oben genannten Gründen allerdings eher solchen Lesern empfehlen, die mit dem berühmten Endzeitroman Stephen Kings nicht vertraut sind.

Ohne diese "Vorbelastung" lässt sich die eigentliche Geschichte in meinen Augen deutlich unbefangener genießen.

14 von 15 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Die Anstalt Titelbild

Grandiose Spannung und unendlich anrührend!

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 06.08.2016

Würden Sie dieses Hörbuch einem Freund empfehlen? Wenn ja, was würden Sie ihm dazu sagen?

Gleich vorweg - müsste ich, ein geübter Vielhörer des Genres, mein liebstes Hörbuch benennen: Dieses wäre es! Selten hat mich ein Thriller so gefesselt und gleichzeitig gerührt.

Zum Plot: Ein Schizophrener, der gelernt hat mit seiner Krankheit zu leben erinnert sich in Rückblenden an die Zeit seiner ersten Einlieferung in die Psychiatrie, im Rahmen derer er eine Mordserie miterlebte.

Der intelligent erzählte Roman besticht neben einem gut konzipierten Plot und dem Wechsel zwischen verschiedenen Zeitebenen, vor allem durch seine feinfühlige Schilderung der Schizophrenie in der ersten Person. Als ehemalige Sozialarbeiterin einer Psychosenstation war ich schlichtweg begeistert, wie authentisch, sensibel und emphatisch der Autor seinen Hauptprotagonisten durch die Geschehnisse des Romans führt. Dem Leser wird die Mordserie aus dem Blickwinkel eines jungen Mannes in seinem ersten Schizophrenen Schub geschildert, schockiert von der Wendung, die sein Leben plötzlich genommen hat, überwältigt von all den Ängsten und Verunsicherungen seiner Krankheit und wie paralysiert von den morbiden Geschehnissen auf der Station, denen er hilflos ausgeliefert scheint. Allein diese Perspektive baut eine unglaublich fesselnde und zugleich anrührende Atmosphäre auf, die einen kaum loslässt und in der man mitfiebert und mitleidet.

Veredelt wird diese gute Vorlage in ihrer Hörbuchform von den wirklich sensationellen Sprechern, welche die zwei Zeitebenen unter sich aufteilen. In Überblendungen beider Sprecher verschwimmen dabei zunehmend die Stimmungen und Wahrnehmungen der zeitlichen Erzählebenen, was einem den Roman noch einmal mehr unter die Haut gehen lässt.

Was wäre für andere Hörer sonst noch hilfreich zu wissen, um das Hörbuch richtig einschätzen zu können?

Angesichts all dieser positiven Aspekte mach es dabei gar nichts, dass man sich an der einen oder anderen Stelle leicht an Ken Keseys "Einer flog über das Kuckucksnest" erinnert fühlt. Der Roman/ das Hörbuch bleibt sehr eigenständig und zählt schlichtweg zum Besten, das ich in den vielen Jahren Hörbuch-Hörens entdecken durfte.