PROFIL

Luca

  • 29
  • Rezensionen
  • 21
  • Mal wurden Ihre Rezensionen als "hilfreich" bewertet
  • 31
  • Bewertungen

Einfach nur nervtötend

Gesamt
2 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 09.05.2020

Ich lese Simon Becketts Hunter-Reihe eigentlich wirklich gerne. Der Thriller-Markt ist in den letzten Jahren ja nur so überschwemmt worden von amateurhaften und furchtbar austauchbaren Büchern und die sogenannten "Großmeister" des Genres wie Fitzek tun auch kaum mehr, als auf die platteste Art und Weise ein gruseliges Stereotyp ans nächste zu reihen um nur mögchlist stark zu schockieren.

Die David Hunter Reihe gehört da zu den wenigen "klassischen" Thrillern, die wirklich gut geschrieben sind und bei der Spannung und Atmosphäre tatsächlich noch aus dem Stil des Autors heraus entstehen.
Das heißt nicht, dass die Reihe nicht auch einige der gängigen Klischees des Genres erfüllt, aber genau das will man ja auch irgendwie wenn man einen Thriller liest - respektive hört.

Insofern kann ich durchaus damit leben, dass David Hunter, der sich normalerweise stets irgenwo zwischen Selbstmitleid und Selbstzweifel selbst zwerfleischt und aus jeder Mücke einen Elefanten macht, in offensichtlich gefährlichen Situationen plötzlich seinen ganzen Vorrat aus Mut, Sturheit und Unbedachtheit herauskramt, um sich in Nervenkitzel hervorrufende SItuationen zu begeben.
Sowohl der omnipotente Serienkiller aus "Leichenblässe", als auch das abgeschnittene-Insel-Drama von "Kalte Asche" waren durchaus unterhaltsam.

"Verwesung" ist aber leider einfach nur nervtötend. Zum einen greift Beckett hier ein wenig zu star in die Kiste der platten Charaktere.
So ziemlich jede an der Ermittlung beteiligten scheint darauf bedacht zu sein, möglichst unfreundlich und unsympathisch zu sein. Der karrieregeile Ermittlungsleiter, der schleimige-untertänische Bückling, der alkoholsüchtige Machopolizist und der arrogant-aufgeblasene Forensiker. Der vermeintliche Schurke ist quasi Frankensteins Monster auf Vergewaltigertour. In der Rückblende, die David mit seiner toten Familie zeigt, fragt er seine Tochter, ob sie auch "ein gutes Mädchen" sein wird, wenn er auf Reisen ist, während die tote Ehefrau in spe liebevoll-verzückt Marmeladenbrote schmiert und sich Sorgen macht. Alles wirklich sehr anstrengend.

Am schlimmsten aber ist Sophie. Das wohl furchtbarste Love-Interest der letzten Jahre Thrillergeschichte.
Über alle Maßen trotzig und stur fädelt sie mit viel Ehrgeiz eine vorhersehbar dämliche Situation nach der anderen ein und hat in regelmäßigen Abständen kleinkindhafte Wutanfälle. Und das, obwohl sie angeblich Psychologin ist.
Das ist besonders deshalb lästig, weil David aus welchem bescheuerten Grund auch immer natürlich total verknallt in sie ist und den Beschützerinstinkt entdeckt. Egal wie unerträglich sich die Dame auch aufführt, er schmachtet sie treudoof an.

Demnach verbringen wir auch unangenehm viel Zeit damit, David und Sophie dabei zuzuschauen, wie sie in langatmigen und langeweilgen Sequenzen ihre total uninteressanten und lahmen Flirts austauschen und damit die Handlung behindern.

Die wenigen Ermittlungssequenzen sind trotz aller Schwächen des Romans und dank des doch ganz stimmungsvollen Settings im Moor ziemlich nett anzuhören. Aber es kommt nie wirklich ein Flow auf, denn hinter jeder Ecke wartet eine nervtötende David-Sophie-Sequenz, in der sie entweder turteln, streiten oder sich mit offenen Augen in eine ungünstige Situation navigieren. Manchmal auch alles auf einmal.

Johannes Steck macht einen sehr guten Job als Vorleser, kann das Buch aber leider nur sehr bedingt damit retten.

David fühlt sich schuldig. Gähn.

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 24.03.2020

So kann man dieses Buch an sich zusammenfassen.
Prinzipiell ein solider Thriller, wenn auch weder sonderlich spannend noch raffiniert. Was aber wirklich nervt ist der zähe Schuldkomplex von David Hunter. Ständig fühlt er sich schuldig, hat gegenüber den allergrössten A_löchern (und davon gibt es in diesem Buch ei ige) Schuldgefühle und Verständnis und immer muss alles ganz besonders kompliziert sein. An anderen Stellen ist er unverständlicherweise stur und bockig oder naiv und blauäugig und provoziert damit die allervorhersehbarsten misslichen Situationen. Klar gehören solche Verhaltensweisen zum Repertoire von solchen Thrillern. Aber hier ist es dann doch langsam wirklich anstrengend und an vielen Stellen auch schwer nachzuvollziehen.

Die Luft ist raus

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 18.03.2020

Die Tante Poldi-Krimis sind tolle Cozy-Crime-Stories. Leichte Kost, totale Persiflage, ein bisschen dämlich aber auch lustig und irgendwie liebenswürdig. Dieser Teil ist aber leider vor allem eines - anstrengend. Alles ist ein Stück zu überzeichnet, die stilistischen Mittel und erzählerischen Kniffs zum Erzeugen von Spannung zu erzwungen. Figuren verhalten sich selbst für Tante-Poldi-Verhältnisse unnachvollziehbar, nur um die Handlung noch ein paar Stunden auszudehnen. Und die Figur des dümmlichen Loser-Neffen verliert endgültig jede Spur von Witz und ist einfach nur noch nervig. Die Dialoge zwischen Poldi und ihm rauben bloß noch Zeit und halten die Handlung auf, ohne irgendwas zur Stimmung beizutragen. Schade drum, aber wahrscheinlich ist langsam einfach "die Luft raus".

Billy - ein missverstandenes Meisterwerk

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 10.11.2019

Ich bin ein wenig geschockt darüber, wie engstirnig hier einige Rezensionen ausfallen.

Ja, 'Billy' ist nicht 'Harold'. Genau so wenig wie 'Gretchen' 'Harold' war. 'Billy' ist 'Billy'. Warum man von einem Autor wie Einzlkind erwartet, dass er (oder sie?) eine "2.0" Story liefert, kann ich nicht nachvollziehen.

Der Roman handelt vom Roadtrip eines irischen Auftragskillers durch Amerika. Da mag der eine oder andere Action, überzeichnete Brutalität und schwarzen Humor en masse erwarten.
Aber das hier ist eben ein Einzlkind-Buch und deshalb ist Billy eine extrem zarte, ruhige und wenig temporeiche Geschichte.
Das mag nicht jedem gefallen, aber ich erachte es doch als etwas unfair ein Buch lediglich an den eigenen Erwartungen zu messen, die man noch vor der Rezeption hatte.

Stattdessen begleiten wir Billy auf seiner Reise und lernen zusammen mit ihm eine Menge an schrulliger, spleeniger Gestalten kennen, die alle eher auf der Verlust-Seite des "Everything is possible"-Motto stehen. Schonungslos und mit der sprachlichen Präzision, die typisch für die Bücher von Einzlkind ist, prasseln die Skurrilitäten nur so auf den Leser (respektive Hörer) ein, auf diese subtile und surreale Art und Weise wie sie sonst nur in Filmen von Jim Jarmusch und Jean Luc Godard zu finden ist.
Auf der zweiten Erzählebene geht es um die Vergangenheit und den Lebensweg der Titelfigur. Es geht um Philosophie, um Popmusik und um Familie. Und das alles immer auf dem schmalen Grad zwischen Humor und Nachdenklichkeit.

Florian von Manteuffel ist die perfekte sprachliche Besetzung für dieses kleine literarische Meisterwerk. Seine bildhafte, aber trotzdem nie aufdringliche Art und Weise den Figuren eine Stimme zu leihen und die Gedanken des Protagonisten wiederzugeben fängt die Atmosphäre dieses Buchs perfekt ein.

Protrait einer gescheiterten Ehe

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 20.10.2019

Die Art und Weise, wie "Lieber Rotwein als tot sein" beworben wird, ist mehr oder weniger fehlleitend.

Insbesondere das Adjektiv "urkomisch" ist besonders unpassend. In Verbindung mit dem Klappentext erzeugt es Erwartungen an eine skurrile Roadtrip-Story im Geiste von Arto Paasilinna oder Jonas Jonassons. "Lieber Rotwein als tot sein" ist aber etwas ganz anderes.

Wer Hendrik Groens vorherige Veröffentlichungen - die "Tagebücher" kennt, der weiß, dass der Autor es vermag einen subtilen Humor mit durchaus ernsten, gesellschaftlichen Themen zu verknüpfen. Das gelingt ihm auch hier, allerdings hat "Lieber Rotwein" einen definitiv melancholischeren Unterton als die Altenheim-Geschichten.

Ein Paar wie Arthur und Afra kennt wohl beinahe jeder. Die Ehe ist gescheitert, die Liebe weg, stattdessen gehen die Partner sich nur noch gegenseitig auf die Nerven und leben aus reiner Gewohnheit zusammen.

Groen portraitiert diese gleichermaßen dramatische und alltägliche Situation sehr feinsinnig und mit viel Respekt vor seinen Protagonisten:
Wir lernen sowohl Arthur als auch Afra kennen und zwar jeweils aus ihrer eigenen und der gegenseitigen Perspektiven. Statt einen klar definierten Antagonismus zu konstruieren, zeigt und Groen sowohl die liebenswürdigen Seiten der Charaktere, als auch ihre unbestreitbaren Fehler. Arthur ist ein fauler, narzisstischer Langweiler, während Afra eine schnell gestresste Nörglerin ist.
Gleichzeitig haben beide (unerfüllte) Sehnsüchte, Begabungen und positive Eigenschaften.

"Lieber Rotwein als tot sein" zeigt eine Ehe, die zerbricht - und das ohne irgendwelche außergewöhnlichen Gründe. Das ist tragisch und traurig. Arthurs skurriler Plan, seinen eigenen Tod zu fälschen, rahmt diese Erzählung und verhindert, dass sie zum deprimierenden Drama wird.

Fantasievoll, erfrischend und bewegend

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 30.08.2019

"Einfach nur schön!" - das ist wahrscheinlich die unkreativste, platteste Art und Weise ein Buch zu beschreiben. Aber bei Tove Janssons "Sommerbuch" trotzdem voll und ganz zutreffend.

Die Geschichte dreht sich um Sophia und Großmutter, die jeden Sommer auf einer finnischen Insel verbringen.
In vielen kleinen Episoden wird von Ereignisse, die sich in dieser Zeit abspielen berichtet. Diese sind mal lustig, mal nachdenklich, mal märchenhaft, mal abenteuerlich und manchmal auch sehr alltäglich.
Statt sich einer erschöpfenden biographischen Art Beschreibung zu bedienen beschreibt Tove Jansson hier ein Gefühl, eine Atmosphäre, die sich aus den vielen kleinen Erlebnissen ihrer Protagonisten zusammensetzt.
Alle Sommer auf der Insel verschmelzen zu einer einzigen Erinnerung, mit all ihren besonderen Details.
Trotzdem (oder gerade deshalb?) schafft es die Autorin ihren Figuren eine große Tiefe zu verleihen und ihre Entwicklung überaus treffend zu umreißen.

Katharina Thalbach liest das Buch mit viel Gefühl und genau der richtigen Dosis and kindhafter Begeisterung, wie sie für eine solche Geschichte nötig ist.

Alles spitze

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 27.07.2019

Ich bin ein großer Fan von Terry Pratchett und der Scheibenwelt!

"Alles Sense" ist wohlmöglich eine meiner Lieblingsgeschichten aus diesem schrägen Kosmos.
Spannend und doch unaufgeregt, schräg, unterhaltsam und mit einer Vielzahl liebenswerter Charaktere versehen enthält sie alles, was eine Scheibenweltgeschichte haben sollte.

Ich höre schon seit einiger Zeit die Scheibenwelt Hörbücher und während Katharina Thalbachs wunderbare Lesungen der Hexengeschichten und auch Michael Che Kochs Leistung mich vom ersten Moment an begeisterten, so musste ich mit Volker Niederfahrenhorst erst ein wenig warm werden.
In diesem Hörbuch liefert er aber eine sehr gute Sprecherleistung und verleiht den Charakteren eine Extraportion an Charme.

Pyramiden-Spitze

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 29.07.2018

Wenn man einige der anderen Rezensionen hier liest, so wundert man sich wie Terry Pratchett-Leser (respektive Hörer) so konventionelle und kleingeistige Erwartungen an eine Lesung eines Scheibenwelt-Romans haben können. Eine Welt, die so ziemlich alles an Science Fiction, Fantasy, Popkultur und historischer Literatur parodiert kann doch auf keinen Fall im episch-ernsten Tonfall gelesen werden! Volker Niederfahrenhorst macht einen wunderbaren Job und gibt jedem Charakter eine unverwechselbare Sprech-Identität. Da stört auch ein leichter (deutscher) Dialekt beim pseudo-ägyptischen Pyramidenbauer nicht! Und GERADE schräge Charaktere verlangen auch schräge Stimmen. Obwohl Herr Niederfahrenhorst meiner Meinung nach auch zu keinem Zeitpunkt übertreibt und immer eine gesunde Balance bei seiner Betonung hält.

Zum Roman - Pratchett liefert hier eins seiner besten Bücher. Die Persiflage vom alten Ägypten, der Religion und des Konservatismus wird auf die Spitze getrieben!

Klasse Atmosphäre, schwacher Inhalt

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 03.06.2018

Der Roman wartet mit dem klassischen Charme eines Vargas-Krimis auf, lässt aber inhaltlich zu großen Teilen die gewohnte Spannung und die raffiniert gestrickten Wendepunkte vermissen. Teilweise mag das an der Kürzung liegen.

Wirklich enttäuschend ist das Hörbuch trotzdem nicht, zumindest wenn man einfach ein wenig "typisches Vargas-Feeling" will. Keinesfalls aber ein wirklich starker Vertreter des Vargas-Werks.

Frau von Borsody passt als Sprecherin gut und rettet das Hörbuch wahrscheinlich an einigen Stellen vor der Belanglosigkeit.

Schade!

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 03.06.2018

Alter schützt vor Scharfsinn nicht, leider aber auch nicht vor lahmen Plot-devices. Da dies der letzte von Agatha Christie verfasste Roman ist, mag man ihr zugute halten, dass ihr vielleicht auf halbem Weg tatsächlich die Puste ausgegangen ist.

Schade eigentlich. Denn dieser Roman fängt durchaus sehr charmant an.

Tommy und Tuppence, ein liebenswertes Ex-Agenten-Paar im besten Alter, ziehen in ein altes Herrenhaus ein und stoßen dort scheinbar auf ein lange zurückliegendes Geheimnis.
Schnell wird deutlich, dass es hier etwas "bequemer" zugeht als in manch anderem Roman der Autorin, aber schließlich hat diese ja sowieso schon immer mehr von Atmosphäre und Gedankenspielchen gehalten als von nervenaufreibender Action. Und genau das scheint sich auch hier anzubahnen. Ein kleines Rätsel nach dem anderne offenbart den findigen Protagonisten sein Geheimnis. Peter Kaempfe macht auch einen wirklich ausgezeichneten job als Sprecher.

Leider versickert der Fall dann plötzlich im Boden und löst sich auf die unspektakulörste, langweiligste und einem Laienautor würdge Weise. Da können nicht mal die starken Kürzungen als Ausrede herangenommen