PROFIL

Baltar

  • 6
  • Rezensionen
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  • 9
  • Bewertungen

Überholtes Gesellschaftsbild

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 22.07.2019

Der Autor kommt aus einer anderen Realität, das merkt man an unterschiedlichen Beispielen, die er in Form der Adlerschen Philosophenfigur als Argumentationsgrundlage nutzt.

In Japan gibt es zwei gebräuchliche Arten von sichtbaren Emotionen. In Animes und Filmografie wird gerne die provozierte Emotion propagiert. Auf jede Wahrnehmung habe eine bestimmte sichtbare Emotion zu erfolgen, gerne auch überexpressioniert, damit sie klar und deutlich zu verstehen ist. Im westlichen Kulturkreis sieht man solche normhaften Emotionen höchstens in Comics und bei jugendlichen "Influencern", die sich in den neueren sozialen Medien selbst darstellen. Im Gegensatz zu Japan ist es hier allerdings nicht mehr verpöhnt, die eigenen und wahren Emotionen zu reflektieren und zu zeigen. Es wird hier nicht mehr als Schwäche angesehen.

Der Autor gesteht zwar ein, dass Emotionen kein bewusster Vorgang sind, aber unterscheidet bei den Emotionen nur bedingt. Die wahren Emotionen, aus denen unsere Entscheidungen resultieren, sind ein Ergebnis von unterbewussten Gewohnheitsprozessen und Erfahrungen, die evolutionär bedingt sind.

Er bringt z.B. das Beispiel der wütenden Mutter, die während des Streits einen Anruf erhält, dann plötzlich ganz freundlich telefoniert, anschließend aber wieder wütend ist. Wir alle kennen eine solche Situation vermutlich. Ich persönlich beruhige mich während des Telefonats langsam, falls ich wirklich wütend war, und wäre im Anschluss nicht wieder wütend. Wenn man gegenüber einem Kind wütend ist, ist das oft nur eine provozierte disziplinarische Emotion, keine tatsächliche Emotion. Provozierte Emotionen lassen sich natürlich jederzeit abrufen, aber sie sagen nichts über unseren tatsächlichen Gemütszustand aus. Die tatsächliche Wut entspringt einer subjektiven Interpretation des Erlebten, einer unterbewussten Erfahrung, durch die Wut auch etwas zu erreichen. Wer als Kind nie mit Wut konfrontiert ist, weder als aktiver, noch als passiver Part, wird auch später keine Wut verspüren, weil er es so gewohnt ist, aber nicht weil es eine unterbewusste Entscheidung wäre. Zumindest ist es nicht notwendig, diesen Vorgang "Entscheidung" zu nennen, weil das Unterbewusstsein gewissermaßen ausschließlich Entscheidungsprozesse durchführt, die auf Erfahrungen und deren Interpretation basieren, aber "Entscheidung" hat einen eher bewussten Charakter, verwirrt meiner Meinung nach eher, als dass es Klarheit schafft.

Wie schon im Titel deutlich, spielt Mut für den Autor eine wesentliche Rolle bei der Veränderung des eigenen Charakters. Das ist nicht falsch, aber leider verzerrt es das Gesamtbild in der Hinsicht, dass Mut als ursächlich betrachtet wird. Tatsächlich ist Mut aber auch wieder durch Emotionen, Erfahrungen und Interpretationen geprägt. Zu viel Mut kann uns nicht nur evolutionär betrachtet das Leben kosten, zu wenig Mut bedeutet mehr Vorsicht, allerdings weniger Einfluss. Vorsicht ist wiederum ein Resultat aus Angst, die aus Grenzerfahrungen entspringt. Ein Kind braucht keinen Mut, sondern Neugier, um auf die heiße Herdplatte zu langen, aber später wird es durch Schmerz, Angst und folglich Vorsicht nicht mehr so schnell den Fehler begehen, ungeprüft die Herdplatte zu berühren. Man bräuchte dann außer Neugier auch Mut, es nochmal zu versuchen, um eventuell zu prüfen, ob es andere Einflussfaktoren gibt, dass die heiße Herdplatte schmerzt. Wenn wir aber unseren Erfahrungsschatz interpretieren, werden wir feststellen, dass ein missglückter Versuch und das Schimpfen der Eltern normalerweise ein zuverlässiger Indikator sind, der Vorsicht Vorrang zu gewähren.

Der Autor vertritt die Adlersche Einstellung, dass Traumata quasi nur eine Ausrede sind, um Mut gar nicht erforderlich zu machen oder eine Folge des Mangels an Mut. Erwägen wir dazu mal das vorige Beispiel, dass das Kind durch die Hitze ein ernsthaftes Trauma erleidet. Die Hitze verursacht derartige Schäden, dass ein längerer Heilungsprozess notwendig wird und das Unterbewusstsein assoziiert die Herdplatte mittels Hormonpegel und anhaltender Schmerzen mit überproportionaler Angst. Später wird das Kind einen großen Bogen um den Herd machen, weil es Angstzustände dadurch erhält. Man könnte diesen Vorgang natürlich auch so bewerten, dass es sich um eine unterbewusste Entscheidung handle, sich vor Hitze zu schützen. Man bräuchte nur genügend Mut und eine bewusste Entscheidung, dann kann man sich dem Herd wieder annähern. Aber was macht uns den Mut? Wenn die Eltern sich ohne Angst dem Herd nähern, ohne sich zu verbrennen? Also ein Gegenbeispiel, eine weitere Erfahrung, die uns die Grenzen in feinerer Granularität aufzeigt. Wir interpretieren also, dass es nur die Herdplatte ist, von der man sich besser fern hält, nicht der Herd im Allgemeinen. Hier treffen wir dann die unterbewusste Entscheidung, aber die Entscheidung ist nicht, dass wir jetzt mit genügend Mut uns entschließen, es doch zu versuchen. Wir treffen die Entscheidung, keine Angst mehr davon zu haben. Mit genügend Mut suchen wir die Bestätigung für unsere unterbewusste Annahme, dass es für uns auch sicher ist, wenn es für die Eltern sicher ist. Wir hatten also von einem Vorbild etwas gelernt und haben uns unserer wahren Emotion, der Angst, gestellt, und das hat sich ausgezahlt. Dieser Denkprozess und die darunterliegende Methodik ist aber ebenfalls nur ein Resultat eines Lern- und Gewöhnungsprozesses, weil wir schon als frühes Kind lernen, dass Mut alleine nichts bringt.

Genau das finde ich deshalb grundsätzlich falsch interpretiert. Aus philosophischer Sicht mag das durchaus Sinn ergeben, aber aus subjektiver Sicht halte ich diese Herangehensweise nicht für besonders hilfreich, zumindest im westlichen Kulturkreis. Der Problem der Nebenfigur dieses Werkes war, dass sie gerne eine ganz andere Person wäre, aber der bewusste Wille alleine einen nicht die eigene Vergangenheit und die Voraussetzungen durch die Geburt überwinden lässt, selbst wenn keine wesentlichen Traumata vorliegen. Meiner Meinung nach ist es auch hier wie bei dem Kind und der Herdplatte. Man kann natürlich versuchen sich zu verändern, indem man selbst die Grenzen erlernt. Dazu braucht es allerdings sehr viel Mut und auch Glück, weil man dazu ein öfteres Versagen in Kauf nehmen muss, damit man daraus lernen kann. Aber wozu muss man das Rad neu erfinden, wenn man vom Vorbild selbst lernen kann? Dazu braucht es aber, wenn es auch um die Adaption der Denkprozesse geht, die ja Grundlage für die Emotionen sind, einen regen Austausch mit der Vorbildperson. Reine Beobachtung reicht hier nicht. Man muss auch die Entscheidungsgrundlagen verstehen lernen.

Solche Entscheidungsgrundlagen übernehmen wir wie geschrieben hauptsächlich von unseren Vorbildern, vorrangig den Eltern. Laut dem Autor gibt es quasi kein Pech durch Geburt, weil man ja grundsätzlich trotzdem glücklich sein könne. Nunja, man könnte grundsätzlich trotzdem glücklich sein, wenn wir zumindest ein aufgeschlossenes optimales Vorbild haben, von dem wir lernen können, wie man sich entscheiden kann, trotz Pech glücklich zu sein. Wenn wir aber in ein Umfeld geboren werden, in dem solche Vorbilder nicht existieren, bleibt uns nichts anderes übrig, als der Nihilismus. Auch aus philosophischer Betrachtung würde ich die vom Autor abgebildete Realität also als unvollständig bewerten.

Alles in allem wird das Werk nur dem Titel gerecht. Es ist auf einen altertümlichen Gesellschaftskreis ausgerichtet, der sich noch an Ansehen und einem verschlossenen Gefühlsleben orientiert. In weiter fort entwickelten Gesellschafts- und Kulturkreisen zählen aber mittlerweile andere Werte, die aus psychologischer Sicht ganz andere Herangehensweisen erfordern. Wer sich noch nie damit auseinander gesetzt hat, warum er selbst es immer anderen Recht machen will, für den ist das eine geeignete Lektüre.

Übertreiben kann man es auch

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.07.2019

Ich kann zwar die Kritik an dem Preismodell nachvollziehen, aber Audible hätte auch zwei mal ein Guthaben berechnen können, so sind es eben nur 1,5 Guthaben. Deshalb ist das Hörbuch ja nicht schlechter. Die Fortsetzung ist genauso gut wie der erste Teil, ich kann es nur empfehlen und denke auch nicht an Erstattung.

Nur bitte aufpassen, auch den richtigen ersten Teil zu erwerben, also die neue Vertonung. Dass Audible auch eine alte Vertonung anbietet, die beide Teile zusammenfasst, war manchen Rezensenten offenbar nicht bewusst.

In den meisten Punkten hervorragend

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.07.2019

Dieses Hörspiel hat mich wirklich gefesselt. Die Sprecher machen größtenteils einen sehr guten Job. Die Tonqualität ist einwandfrei. Auch der Autor hat gite Arbeit geleistet.

Die Übersetzung oder der Background Check lässt zwar zu wünschen übrig, weil es in Deutschland bspw. keine Staatspolizei gibt, sondern eine Bundespolizei, die hat zwar einen Ermittlungsdienst, aber der hat mit der Kripo nichts zu tun. Klospülungen haben in Deutschland meistens einen Spülgang vorrätig, auch ohne Wasserversorgung. Solche Details stören etwas, dafür wurden die Charaktere aber zumeist authentisch gezeichnet und verhalten sich für mein Verständnis ziemlich realistisch, den Umständen der Geschichte entsprechend. Allerdings wurden manchmal zu viele Klischees bedient.

Der Erzählstil ist wirklich fesselnd. Die Spannungskurve nimmt nur selten ab, weil die Spielorte sich immer wieder abwechseln. An wenigen Punkten wirken Plottwists allerdings leicht provoziert und erzwungen.

Was den technischen Aspekt angeht und die Faktenbasis, wurde ordentlich recherchiert, also besser als in manch anderen Werken. Allerdings muss ich an manchen Punkten als Informatiker doch etwas den Kopf schütteln. Ich denke durchaus, dass ein Szenario, wie es im Buch beschrieben wird, theoretisch möglich ist, aber nicht auf diese Weise. Auch hier stimmen manche Details einfach nicht. Achtung, Spoiler: Wenn der Strom ausfällt und das Telekommunikationsnetz, dann kann man keine Remote Updates einspielen. In Deutschland funktioniert mittlerweile das Telekommunikationsnetz ohne Strom auch analog nicht mehr, weil größtenteils VOIP verwendet wird. Router Logs enthalten höchstens IPs, aber keine Rohdaten und selbst wenn, kann man Bitsequenzen nicht so einfach interpretieren. Und und und...

Alles in allem ist die Leistung trotzdem ordentlich. Was erzwungene Plottwists, aber auch den Realismus und die Relevanz angeht, ist dieses Werk immer noch einiges besser als mancher Dan Brown Roman. Herausragend macht es aber die Vertonung, für die sich diese Art des Erzählstils gut eignet.

Zu langatmig

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.07.2019

Hab angefangen und werde es jetzt wieder erstatten. Der Erzählstil ist mir zu nebensächlich und langatmig.

IT-Halbwissen ist keine Science Fiction

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 06.07.2019

Am Anfang war ich noch begeistert, wie die Szenerien an den unterschiedlichen Orten aufgebaut wurden. Durch Vorwegnahme von Details aus der Zukunft wurde die Spannungskurve auch aufrecht erhalten. Leider beginnt der Autor dann - ohne zu viel vorweg zu nehmen - "cyberbezogene" Aspekte zu vertiefen. Als Informatiker hat es mich aber ab der Hälfte dann so frustriert und gelangweilt, wie unauthentisch und fernab von echter Science die IT-Themen bis ins Detail beschrieben wurden, dass ich abgebrochen habe. Der Handlungsstrang wird durch so unnötiges Halbwissen immer langsamer. Von unnötigem Halbwissen rede ich, weil das Basiswissen ja stimmt, aber unnötig ist, weil jeder normale Nutzer wahrscheinlich auf dem selben Niveau ist, ergo langweilig. Leider ist alles, was über Basiswissen hinaus geht, entweder veraltet oder schlicht falsch, wenn man unser echtes Universum als Vorbild nimmt.
Gleichzeitig muss ich auch anmerken, dass die Charaktere sich nur durch kulturelle Aspekte unterscheiden. Was Charakterprofile und Persönlichkeiten angeht, orientiert sich der Autor an einem sehr homogenen Bild, das er vermutlich persönlich gemacht hat oder wie er es sich vorstellt. In der echten Welt sind Frauen aber nicht derart klischeebehaftet. Führungspersonen sind vielleicht oft Narzissten, aber ich stelle mir die NASA nicht als einen Verein vor, in dem hasserfüllte Schreihälse besonders weit kommen, die nicht selbstkontrolliert und selbstreflektiert handeln können. Solche Versager leiten kein Mondprojekt.

Widerstrebt mir zutiefst

Gesamt
1 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
1 out of 5 stars

Rezensiert am: 28.05.2019

Erst mal zum Positiven: Mir gefällt der Erzählstil, die Musik, die Atmosphäre

Nun zum Negativen: Es enthält eine Beschreibung der Vergewaltigung und des Missbrauchs einer 14 Jährigen durch ihren Lehrmeister. Mag sein, dass das im damaligen Jahrhundert nicht unüblich war, aber das widerte mich dermaßen an, dass ich an der Stelle abgebrochen habe. Laut anderen Rezensionen - wie ich jetzt lese - ist das nur der Anfang.