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lesewichtel

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Witzig, originell - ein seltenes Juwel

Gesamt
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.07.2011

Martinez hat einen wunderbaren Humor und schafft es, die gängigen Klischees der Horrorliteratur mit skurillen Ideen immer wieder aufs Neue überraschend aufzumöbeln. Die erstaunlich spannende Screwball-Komödie unterhält augenzwinkernd und mit amüsantem Witz. Trotz des prallen Griffs in die Klischeekiste wirkt das Buch an keiner Stelle bemüht oder gar abgedroschen. Während andere Romane eine einzelne Idee plattwalzen, brennt Martinez hier gleich ein ganzes Feuerwerk ab. Da verzeihe ich gerne, wenn der eine oder andere Kracher auch mal fehlzündet. Allein schon die Beschreibung von Napoleons Geistwerdung ist zum Schreien komisch.
Oliver Rohrbeck ist für dieses Panoptikum schräger Gestalten die ideale Besetzung als Sprecher. Sein Stimmenreichtum steht dem Ideenreichtum des Autors nicht nach und sein Grummeln, Freuen, Zischeln, Brabbeln, Schimpfen, Plaudern und Schmachten in verschiedenen Tonhöhen wie Gemütszuständen ist eine Freude anzuhören.
Ich bin kein Freund von Serien, aber hier hätte ich mir gerne eine Fortsetzung gewünscht - die Charaktere wachsen einem trotz der kurzen Dauer rasch ans Herz.

Ich kann nur hoffen, dass Audible bald noch mehr Hörbücher des Gespanns Martinez/Rohrbeck anbietet, denn leider kann der Sprecher der englischen Fassungen von Martinez' weiteren Werken dem deutschen Sprecher nicht das Wasser reichen.

Die Kathedrale des Meeres Titelbild

Historisch interessant, aber schablonenhafte Charaktere

Gesamt
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 14.05.2011

Das sehr gut vorgelesene Hörbuch hat gemischte Gefühle hinterlassen. Die beeindruckende Beschreibung der historischen Begebenheiten und Sitten wirkt sehr gut recherchiert, selbst wenn ich als Laie die Realitätstreue natürlich nicht überprüfen kann. Trotzdem war es dieser Aspekt, der mich lange bei der Stange hat halten können. Die schablonenhaften, statischen Charaktere haben das nämlich nicht geschafft. Wie in einem Grimm'schen Märchen sind die Bösen so richtig böse und die geschundenen Opfer herzensgut. Allen liegt immer nur eine Sache am Herzen, sei es das Großziehen eines Kindes oder Unheil über jemand anderen zu bringen. Das ist schrecklich vorhersehbar und die Charakterzeichnung in ihrer Schlichtheit unglaubwürdig. Für mich fehlt es in der Geschichte an schillernden, vielschichtigen Charakteren. Auch die quälend ausführliche Beschreibung von (nicht nur seelischen) Grausamkeiten und Demütigungen hat mich nicht begeistert, sondern eher abgestoßen. Der Autor scheint hingegen ihrer Faszination erlegen zu sein oder aber er verwechselt Leidensschilderungen mit Spannungselementen, denn was den Charakteren da alles angetan wird, hätte Hiob vom Glauben abfallen lassen. Sollte Falcones mal ein Sachbuch für historisch Interessierte schreiben, wäre ich als Hörer wieder dabei, aber als Romanautor muss er für mich zuvor unbedingt an seinem bisweilen spröden Dialogen und der mangelnden Komplexität handlungstragender Charaktere arbeiten.

Schrille Hommage an Chandler/Hammett

Gesamt
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 30.01.2011

Empire City ist nicht nur eine extrem liberale Großstadt, sondern vor allem ein Sumpf des Verbrechens und nicht entsorgter Chemikalien, in dem Mutanten, Roboter und Menschen mit abgestumpfter Gleichgültigkeit anderen gegenüber ihren privaten Kampf ums Überleben führen. Der um seine Anerkennung als vollwertiger Bürger bangende Roboter Mack wird in einen Strudel unerwarteter Ereignisse hinein gezogen. Gebannt habe ich den schnodderig kommentierenden und trotzig selbstbewußten Helden auf seinen Abenteuern begleitet, dem seine Menschlichkeit oft genug einen Strich durch die eigentlich genaue Programmierung macht.
"Der automatische Detektiv" ist ein komischer Roman voller amüsanter Szenen und ideenreichen Humors, wenngleich vieles nicht auf Pointen zugespitzt wird. Ich möchte eher von einem hohen humoristischen Grundrauschen sprechen, dem es nicht auf einzelne Lacher ankommt, sondern mehr auf ein dauerhaftes Lächeln. Der gedämpfte Auflachfaktor erklärt sich auch durch die starke Anlehnung an die schwarze Serie der amerikanischen Kriminalromane. Der Held trifft oft auf finanziell und personell überlegene Akteure, deren wahrer Motive er nicht sicher sein kann. Zu allem Überfluss scheinen auch fast alle um ihn herum mehr als er zu wissen (allerdings auch schneller ins Gras zu beißen). Sein lakonischer Zynismus und seine extrem harte Legierung machen das Handicap mehr als wett.
Unbedingt zu loben ist Oliver Rohrbeck, der den vielen unterschiedlichen Charakteren glaubwürdig Leben einhaucht, sei es Menschenaffe, Roboter, femme fatale oder Mutant. Er macht die Welt auf bewunderungswürdige Weise lebendig und aus einem hervorragenden Roman ein unglaublich gutes Hörbuch.
Fazit: Mir hat die Mischung aus hartem Detektivroman und Humor-SF extrem gut gefallen. Da der Roman zwischen Raymond Chandler und Douglas Adams oszilliert, werden ihn vor allem diejenigen mögen, die mit beiden Autoren etwas anfangen können, und weniger die Hörer, die nur die eine Seite der Medaille schätzen.

Etwas für Romantiker, weniger für Krimi- und SF-Fans

Gesamt
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 27.12.2010

Dies ist das erste Mal, dass ich ein Hörbuch nicht zuende gehört habe. Ich gehöre nämlich eindeutig nicht zur Zielgruppe. Genau die Sachen, die ich schätze, leiden unter den ihnen hier zugedachten Nebenrollen. Die Science-Fiction erscheint mir wenig durchdacht und noch schlechter recherchiert, z.B.: Computer fangen mit zunehmenden Alter an zu quietschen als wären sie ein mechanischer Bürostuhl? Disketten als Speichermedien der Zukunft? Eine höchst albern beschriebene Datenbankrecherche? Schwebefahrzeuge haben längst Serienreife erreicht, aber Bohnenkaffee ist unerschwinglich teuer geworden? Ebenso ergeht es den Krimi-Elementen, die es nie in den Vordergrund schaffen (keine DNA-Spuren am Tatort, trotz angedeuteten Intimkontakts des Täters mit dem Opfer? Ermittlungsmethoden auf dem Stand eines 1970er Columbos? Politik nimmt mehr Raum ein als Ermittlungsarbeit?).
Worin der Roman hingegen glänzt, ist in der emotionalen Schilderung der Charaktere, da brodelt stets die Erotik unter der Oberfläche und dauernd knistern irgendwelche Gefühle. Geredet und gefühlt wird sowieso viel. Positiv formuliert: Wer von den SF-Elementen bloß eine exotische Kulisse erwartet und im Kriminalfall den notwendigen roten Faden für einen leidenschaftlichen Romantik-Roman, wird hier bestens bedient. Nur eben ich als SF- und Krimi-Fan nicht. Schade, denn der tollen Sprecherin hört man eigentlich gerne zu. Ach ja: Romantiker dürfen meiner Bewertung gerne 3 Sterne hinzufügen...

Irgendwie belanglos, streckenweise vulgär

Gesamt
1 out of 5 stars

Rezensiert am: 04.06.2010

Nach dem sehr unlogisch und unvollständig wirkenden Auftakt "Schwarz" hatte ich eigentlich erhofft, dass sich mit dem zweiten Band Verstehen der Zusammenhänge und Eintauchen in die große Turm-Saga einstellen würde. Immerhin stellt King sie in seinen Anmerkungen selber in eine Reihe mit "Herr der Ringe". Doch auch nach dem unbefriedigenden Ende von "Drei" schwebt über alledem die Frage: Was soll das überhaupt? Die ständigen Irritationen über Sinn und Zusammenhang der geschilderten Episoden werden nicht aufgeklärt, stattdessen türmen sich munter weitere (nur scheinbare?) Ungereimtheiten und offene Fragen auf.
Unangenehm fand ich, dass man zwischenzeitlich mehrere Stunden abstoßend vulgäre, nicht jugendfreie Dialoge durchstehen musste - wahrlich kein Vergnügen. Tolkien hatte mich bereits nach 30 Seiten in seinen Bann geschlagen. Das hat der sonst so zuverlässige King innerhalb von insgesamt 900 Seiten bzw. 22 Stunden Hörzeit von "Der dunkle Turm" noch nicht geschafft. Für mich eine große Enttäuschung.

Episodenhafter, langatmiger Auftakt

Gesamt
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 27.05.2010

Das Buch scheint mir lediglich eine aufgebauschte Einleitung in den Turm-Zyklus zu sein und keinesfalls als eigenständiges Werk zu taugen. Stephen King ist unglaublich gut im Schaffen und Beschreiben interessanter Charaktere - bloß wird in "Schwarz" einfach keine tolle Geschichte draus. Die Handlung ist eine beliebig wirkende Aneinandereihung kleiner und wirklich gut erzählter Episoden, denen aber der übergreifende Spannungsbogen fehlt. Mit jeder Episode werden mehr Fragen aufgeworfen und fast nie bereits bestehende beantwortet. Nach dem Ende dieses sperrigen Appetithappens blieb das unbefriedigende Gefühl, vom Autor sitzen gelassen worden zu sein. Erklärungen und Verständnis für die Ungereimtheiten und Geschehnisse bleiben aus. Diese Frustration setzte sich zu meiner Enttäuschung im zweiten Teil "Drei" nahtlos fort. Ich bin derzeit kurz davor, trotz aller frenetischer Kommentare der King-Fans diesen Zyklus mit dem dritten Teil abzubrechen. Mein Atem ist möglicherweise nicht lang genug. Solche zähen Anlaufprobleme kenne ich bei guten Zyklen bisher nicht.

Flotter Abenteuerroman

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 15.04.2010

Rebecca Gable hat wirklich Talent, wenn es um die Schaffung von Charakteren geht, die einem rasch ans Herz wachsen. Die Schilderung des mittelalterlichen Englands wirkt stimmig. Die Handlung lässt dem Leser kaum eine Atempause und ist so spannend erzählt, dass man das Zuhören kaum unterbrechen mag. Sogar die Musik ist großteils gelungen, obwohl auch dieses Hörbuch meine Meinung nicht geändert hat: Musik und Soundeffekte sollten auf Hörspiele beschränkt bleiben.
Schade ist jedoch, dass die Charaktere allesamt sehr flach und eindimensional angelegt sind. Die Guten wie Bösen sind trivial einfach zu identifizieren. Mehrfach werden Situationen so gefahrvoll spannend gemacht, dass die Autorin auf völlig unglaubwürdige deux ex machina-Lösungen zurückgreifen muss, um wichtige Protagonisten überleben zu lassen. Das und einige unnötig explizite Sexszenen geben dem Buch einen so schalen wie überflüssigen Beigeschmack von Trivialliteratur. Ich frage mich, um wieviel schöner es mit vielschichtiger angelegten Charakteren und weniger Anleihen beim "Popcorn-Kino" gewesen wäre. Aufgrund der sympathischen Charaktere und des erstklassigen Sprechers sieht man aber trotzdem gerne darüber hinweg. Das wird sicherlich nicht mein letztes Hörbuch von der Autorin gewesen sein.

Bedrohung in allen Facetten

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 15.04.2010

Das zentrale Thema von "Das Rätsel" ist das stete Gefühl der Bedrohung. In einer sich vor ihren eigenen Mitgliedern fürchtenden Gesellschaft besitzt vom Passanten bis zum Professor jeder eine Schußwaffe zur Verteidigung. Trotzdem wird die einsame Überstunde, jede wenig belebte Seitenstraße und sogar die Mittagspause ohne Begleitschutz zur Gefahr. Ein reicher Teil der Bevölkerung reagiert auf diese Entwicklung mit der Gründung einer geschützten Enklave, deren Bewohner viele Einschnitte in ihre Grundrechte hinnehmen im Austausch für die Garantie, weder Schusswaffen noch Türschlösser benötigen zu müssen. Die zugesicherte Abwesenheit von Bedrohung gerät durch das Auftauchen eines Serienmörders ins Wanken. Die Enklave selbst sieht sich bedroht.
Katzenbach schildert das stets präsente Bedrohungsgefühl vornehmlich mit inneren Monologen und spannenden Beschreibungen. Das ist sehr kunstvoll und benötigt weder detaillierte Ekelbeschreibungen noch dumpfe Action-Aneinanderreihungen, um zu fesseln. Auch das Science-Fiction-Setting ist diesem Ziel klar untergeordnet. Der "51. Bundesstaat" dient bloß als Kulisse für das Geschehen und ist keinesfalls Hauptdarsteller, wie er es in einem SF-Roman sicher sehr reizvoll hätte sein können. Insoweit ist "Das Rätsel" ein durch und durch klassischer Psychothriller.
Das ist auch einer meiner zwei Kritikpunkte an dem Buch: Aus dem Science-Fiction-Setting hätte man deutlich mehr herausholen und es auch technisch glaubwürdiger entwerfen können. Der andere Kritikpunkt betrifft die übermäßige Genialität des Serienmörders, die mir zu konstruiert erschien.
Trotzdem ist das Buch so toll geschrieben wie vorgelesen. Abgesehen von der "Nacktfischerei"-Szene (die eine Bedrohlichkeitssituation irritierend reißerisch herzustellen versucht) habe ich keine Sekunde bereut. Ich kann das Buch daher bedenkenlos empfehlen, allerdings werden "Adrenalin-Junkies" aufgrund der ruhigen Töne eher zu kurz kommen.

Wirklich gut, aber NICHT spannend

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 12.03.2010

Vorneweg, mir hat das Buch sehr gut gefallen. Eine Warnung gehört trotzdem an den Anfang: "Drood" ist definitiv nicht spannend, obwohl es der fast schon irreführend zu nennende Klappentext suggeriert (Zitat "Wie besessen ... macht sich (Dickens) auf die Suche nach dem mysteriösen Drood. Die Suche führt ihn auf die dunkle Seite Londons..." usf.). Dominiert wird das Buch von eher geruhsamen, persönlich gefärbten Schilderungen des Ich-Erzählers Wilkie Collins, in denen Dickens bisweilen zur Randfigur verkommt. Das kann glänzend unterhalten, zumal mit Simmons ein begnadeter Erzähler und mit Bierstedt ein kongenialer Sprecher aufeinander treffen. In ganzer Pracht entfaltet sich die gesellschaftliche Wirklichkeit des viktorianischen Englands, während man dem nicht immer sympathischen Ich-Erzähler lauscht. Dessen Opium-Missbrauch sät geschickt Zweifel, ob einige Geschehnisse überhaupt wie beschrieben stattgefunden haben.
Erst im letzten Drittel nimmt das Buch zunehmend an Fahrt auf. Davor sind einige Längen zu überwinden, z.B. wenn in aller Ausführlichkeit Diskussionen zwischen Dickens und Collins wiedergegeben werden, die sich um das eine oder andere Werk der beiden Schriftsteller drehen. Da ich die meisten dieser Werke nie gelesen hatte, habe ich Anspielungen und Diskussionsinhalte oft nicht gänzlich mitverfolgen, geschweige denn ihre Ausführlichkeit würdigen können.
Diesen beiden Mankos zum Trotz habe ich das unvermeidlich herannahende Ende des Hörbuchs sehr bedauert. Gerne mehr davon!

Durchaus spannend, aber etwas eklig

Gesamt
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.01.2010

Der Thriller ist flüssig geschrieben und erstklassig vorgelesen (abgesehen von vereinzelt zu kurzen Pausen zwischen einigen Kapitelwechseln). Gerne hätte ich jedoch noch mehr über die Charaktere erfahren, die erstaunlich blass und stereotyp bleiben. Da wurde eine Chance vertan, was aber natürlich auch an der gekürzten Fassung liegen kann. Andererseits bietet bereits diese Fassung eine solche Fülle an ekligen Detailbeschreibungen, dass mich schon der Gedanke an eine längere Fassung schaudern lässt. Ich frage mich, ob solche (unangenehm) aufwühlenden Passagen nicht von der wackelig konstruierten Handlung ablenken sollen, da es gleich mehrerer extrem unwahrscheinlicher Glücksfälle bedarf, bis man dem Serienmörder nahe kommt.
Ohne den gelungenen Sprecher hätte ich vermutlich sogar nur 2 Punkte gegeben.