PROFIL

Ursula Kiermeier

  • 14
  • Rezensionen
  • 78
  • Mal wurden Ihre Rezensionen als "hilfreich" bewertet
  • 20
  • Bewertungen

Mieser Krimi über einen Urlaubsmörder

Gesamt
2 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
1 out of 5 stars

Rezensiert am: 29.06.2020

Auf der Insel Föhr wird eine schöne, junge Frau erwürgt. Wie sich rasch herausstellt, war ein Urlaubsmörder aktiv, ein Familienvater mit zwei Kindern, der im Urlaub gerne aufmüpfige, selbstbewusste Frauen erwürgt, von denen er sich nicht ernst genommen fühlt. So weit so klischeehaft. All diese Infos über die Story sind kein Spoiler, der Zuhörer erfährt all das schon im Laufe der ersten Hörstunde, danach geht es nur noch um die Jagd nach dem Mörder. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven erzählt, aus der Ermittlerperspektive und der Perspektive des Mörders. Der Mörder dreht immer weiter durch und glaubt sich von seinen Opfern verfolgt und rastet immer mehr aus. Aber das ist weder spannend noch gruselig erzählt, sondern einfach nur sprachlich schlecht und inhaltlich abgedroschen: "Sie war tot. Er wusste das ja. Oh ja". Man möchte beim Hören "Oh Nein, so ein Schrott" schreien. Auch die Nebenfiguren sind extrem klischeehaft, etwa der ostfriesische Dorftrottel, der ein scheinbar mystisches Wissen über die nächsten Schritte des Serienmörders hat und immer rechtzeitig da ist, um die nächsten Morde des Serienmörders zu vereiteln. Keine Hörempfehlung, besser ein anderes Hörbuch kaufen. Ich werde nie wieder einen Krimi von diesem Autor kaufen.

Ostfriesenkrimiklamotte genial überdreht gelesen

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.11.2015

Wie bei den früheren beiden Krischan Koch-Krimis orientiert sich auch dieser Krimi an einem berühmten Hollywoodschinken, diesmal an High Noon, alles steuert also auf den großen Showdown zwischen den lange gesuchten Bankräubern und dem ostfriesischen Dorf und seinem Spontan-SEK zu (wie sich herausstellt, kursieren viele illegale Waffen im Dorf). Unterwegs werden noch ein paar satirische Seitenhiebe gegen einen eitlen Talkmaster Markus Renz (wer könnte das nur sein?), die Landlustmode der gelangweilten Großstädter, das Unterhaltungsfernsehen und unfähige Banker geführt.. Die Story wirkt am Anfang reichlich absehbar, das Ermittlerduo wie mit Blindheit geschlagen und naiv-tölpelhaft. Denkt man. Aber dann verwirren sich die Handlungsfäden endlich zu einem scheinbar unentwirrbaren Knäuel, am Ende jagen alle Dorfbewohner und Fremden der Beute eines Bankraubs hinterher. Nach dem etwas drögen Anfang entwickelt die Geschichte Tempo und steuert endlich auf den in jeder Hinsicht durchgeknallten Showdown zu.
Nicht zustimmen kann ich den Rezensenten, die Hinnerk Schönemann gegen Bjarne Mädel ausspielen wollen. Ich finde beide Schauspieler genial, jeden auf seine Art, Mädel leicht unterkühlt und abgeklärt, Schönemann jung und überdreht, und ich finde, dass Schönemann die durchgeknallten Charaktere durch seine genauso durchgeknallte Art zu lesen perfekt charakterisiert. Allerdings habe ich den Lautstärkeregler runtergedreht, bei den lauten Stellen fallen einem sonst die Ohren ab, und das ist mir noch bei keinem Hörbuch passiert. Vielleicht schreit Schönemann doch ein paar Mal zu laut ins Mikro, vor allem wenn er die schwerhörige Oma Ahlbeck oder die Polizistengattin Heike liest. Trotzdem finde ich die Kritik der anderen Rezensenten zu harsch und übertrieben.

Donna Leon gehen die Verbrechen aus

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 23.06.2015

Mittlerweile hat Donna Leon den 23. Brunetti vorgelegt. Und leider spürt man deutlich, dass ihr die Verbrechen ausgehen. Illegale Giftmüllverklappung, Immobilienschiebereien, sexueller Missbrauch, Drogenschmuggel, Sinti und Roma, die für einen geldgierigen Polizisten Diebstähle begehen müssen, fanatische Antiquitätensammler, die für ihre geliebten Kostbarkeiten über Leichen gehen, Raubkunst italienischer Faschisten und ihrer Erben heute – all das hat sie in früheren Brunetti-Romanen effektvoll und meisterhaft in verwickelten Geschichten beschrieben. Nun ist sie auf der Suche nach neuen Spielarten des Verbrechens auf das Bücherfleddern und Bücherstehlen gestoßen. Gefunden hat sie den Stoff wohl in der Presse: Vor ein paar Jahren wurden europaweit wertvolle Altdrucke aus dem 16. und 17. Jahrhundert aus altehrwürdigen Bibliotheken, unter anderem Krakau und Venedig, von dreisten Dieben gestohlen und etwa über deutsche Auktionshäuser zum Verkauf angeboten, amerikanische Touristen wurden, wenn man der Presse glauben darf, nach einer Venedig-Reise mit Altdrucken ertappt, die handschriftliche Notizen von Erasmus von Rotterdam enthielten, ein einzigartiger Kulturschatz, der in einer Privatbibliothek zu vermodern drohte. Gut, dass die Zöllner aufgepasst haben. Doch die Lösung dieser Verbrechen am Kulturerbe der Menschheit lag, sobald der Verlust entdeckt war, relativ schnell auf der Hand, der Dieb war rasch ausgemacht. Und genau hier liegt das Strukturproblem von „Tod zwischen den Zeilen“. Jeder, der vor ein paar Jahren die Presse verfolgt hat, weiß genau, wer unbeobachteten Zugang zu Altdrucken und somit die Möglichkeit hat, derartige Diebstähle zu begehen, und das engt den Kreis der Verdächtigen sehr schnell ein. Deshalb verbiegt Donna Leon die Realität, um weitere Verdächtige ins Spiel zu bringen. Im Lesesaal mit Rasierklingen zu hantieren, um Grafiken unbemerkt aus Folianten des 16. Jahrhunderts herauszuschneiden, ist faktisch unmöglich. Wer solche Bücher in die Hand bekommt, sitzt direkt vor der Nase des Bibliothekars, und jede seiner Bewegungen wird aufmerksam bis argwöhnisch verfolgt. In der Breslauer Unibibliothek sitzt unten ein bewaffneter Sicherheitsmann, Lesesäle mit Altdrucken kann man nur verlassen, wenn der Bibliothekar die Türblockade nach genauer Musterung des Lesers löst. Bücher unbemerkt stehlen kann nur jemand, der unbeobachtet ins Magazin kommt, und das ist für Außenstehende unmöglich, selbst wenn man als Leser schon fast selbst eine Inventarnummer auf die Stirn tätowiert bekommt, weil man die Bestände so oft nutzt. Wenn man also weiß, wie in solchen Bibliotheken Altdrucke ausgegeben und welchen Kontrollen Leser unterzogen werden, dann liegt die Lösung dieses Romans (zu) schnell auf der Hand. Auch die Charakterzeichnung der Täter ist für meinen Geschmack reichlich dürftig. Für Donna Leon gilt wie für andere Autoren: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Donna Leon hat diesen Zenit leider weit überschritten.
Empfehlenswert nur für wirklich hartgesottene Fans. Für alle anderen eine recht dröge, überraschungsarme Krimikost. Die Sprecherstimme wirkt auch eher einschläfernd als spannungsfördernd. Ich würde das Hörbuch kein zweites Mal kaufen.

4 Leute fanden das hilfreich

Bannalec lässt grüßen

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
2 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 24.04.2015

Cay Rademacher habe ich durch den Roman „Der Trümmermörder“ für mich entdeckt. Ein faszinierendes Porträt der unmittelbaren Nachkriegszeit in Deutschland, ein wirklich gelungener Krimi. „Der Schieber“ war schon etwas schwächer, aber immer noch gut. Aber dass Cay Rademacher jetzt meinte, auf den fahrenden „Pariser-Polizist-wird –wegen-Unbotsamkeit-zwangsweise-in-die-Provinz-versetzt-und-leidet-dort-vor-sich-hin“-Zug à a Bannalec aufspringen zu müssen, hat seinen Romanen nicht gut getan. Wie bei Bannalec wird bei Rademacher ein unliebsamer Elitepolizist in die Provinz versetzt, hier trägt er nicht den Allerweltsnamen Dupin, sondern den Allerweltsnamen Blanc, die malerische Provinz ist nicht die Bretagne, sondern die Camargue, wie bei Bannalec leidet der ehemalige Pariser Polizist unter seinem bornierten und überambitionierten Chef, wie bei Bannalec stehen neben der Kriminalgeschichte vor allem die Landschaft und ihre touristischen Sehenswürdigkeiten im Vordergrund, und wie bei Bannalecs erstem Dupin-Roman, den Bretonischen Verhältnissen geht es in „Tödliche Camargue“ um künstlerische Klassiker der Moderne, Van Gogh und Gauguin, der nicht nur ein begnadeter Maler war, sondern auch ein Kneipenhaudegen, es geht ein aus einer Kneipe/ einem Provinzmuseum gestohlenes Gemälde, aber auch der Pariser Filz, die Terrororganisation Action directe spielen in die Tödliche Carmague hinein. Während der erste Blanc-Roman ein reiner Abklatsch der Bannalec-Romane war, ist der zweite deutlich besser: Schöne Landschaftsbeschreibungen, eine verwickelte Kriminalgeschichte, deren viele Enden so miteinander verwoben sind, dass es fasziniert.
Was mich an diesem Hörbuch aber massiv gestört hat, war die miserable französische Aussprache Oliver Siebecks: Als er den Patricia Kaas-Song Reste sur moi aussprechen soll, klingt das nicht nach Bleib auf mir, sondern nach Essensreste auf mir, gruselig. Die verschiedenen französischen Nasale kann Siebeck auch nicht auseinanderhalten, die Nackenhaare stehen einem zu Berge, manchmal habe ich beim Zuhören wirklich gelitten. Oliver Siebeck hat andere Hörbücher meisterhaft eingesprochen, aber er sollte die Finger (oder besser die Zunge) von (pseudo)französischen Hörbüchern lassen, das ist wirklich eine Qual für alle Seiten.
Resümee: Am liebsten würde ich Cay Rademacher in die unmittelbare Nachkriegszeit zurückschicken, dort sind seine besten Krimis angesiedelt. Aber wenn er unbedingt auf die Frankreich-Mode aufspringen will, dann müssen sich seine Fans wohl daran gewöhnen. Dieser Roman ist in jedem Fall besser als der erste Blanc-Roman, vielleicht schwimmt er sich im dritten Blanc-Roman völlig frei von seinem Vorbild. Und seine Deutung des abgeschnittenen Ohrs von Vincent van Gogh ist geistreich und einleuchtend, gerade weil sie nicht mit der üblichen Deutung der etablierten Kunsthistoriker übereinstimmt. Hörenswert, wenn man sich nicht Siebecks miserablem Französisch stört.

21 Leute fanden das hilfreich

Genialer Sprecher

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 08.04.2015

Das Hörbuch lebt vom genialen Hörbuchsprecher Christian Tramitz. Ohne seine punktgenaue Charakterisierung der Figuren allein durch die Stimme wäre das Buch nur einer der vielen Provinzkrimis mit einer ziemlich dünnen Geschichte, die gegenwärtig den Markt überschwemmen. Allerdings sollte Tramitz beim Bayrischen bleiben, sein Hessisch (Baustellenleiter) klingt wie das eines amerikanischen Touristen.
Interessanter als der Krimiplot ist die Geschichte von Franz und Susi, und auch da ist das Ende nur allzu absehbar, und der Trottel Franz Eberhofer steht wie immer sehr lange auf der Leitung. Aber was tut man nicht alles für eine gelungene Schlusspointe.

Leider nur ein einfacher Rittberger

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 13.03.2015

Von einem guten Krimi erwarte ich zahlreiche falsche Fährten und Wendungen. Das hat der neue Adler Olsen leider kaum zu bieten. Ausgangspunkt der aktuellen Ermittlungen des schrägen Kommissariats Q ist der Selbstmord eines Kollegen, den - ähnlich wie Dürrenmatts Mattei - die Jagd nach einem Täter nicht mehr losließ und der darüber sein Leben verlor. Die Familie zerbrach daran, seine Frau verließ ihn, der Kontakt zum Sohn brach ab, die Wohnung des Polizisten erinnert an eine Messie-Behausung, voller Dokumente, Ermittlungsakten und Beweise. Als der verhinderte Ermittler in Rente geht und seine 17 Jahre lang währenden Ermittlungen nicht mehr fortsetzen kann, wendet er sich zunächst vergeblich an Carl Morck, der diese Ermittlung übernehmen soll. Der weigert sich. Erst nach dem Selbstmord des Bornholmer Schutzpolizisten drängt Rose erfolgreich auf Ermittlungen. Carl Morck geht lustlos an die Arbeit, wird aber immer weiter in den Fall verstrickt. Die schrägen Figuren des Kommissariats Q verhalten sich amüsant wie immer und sind der Grund, warum ich diesen Krimi durchgehört habe. Denn die Handlung ist reichlich durchsichtig. Es gibt zwei, drei Verdächtige, vor allem einen charismatischen Frauenflüsterer und Erlösertyp, der eine sektenartige Gemeinschaft gründet und reihenweise junge, schöne Frauen vernascht, und seine rechte Hand, seine Vestalin, die reihenweise diese jungen, schönen Frauen dahinmordet, wenn sie ihren Status als erste Frau an seiner Seite gefährden könnten.Eigentlich ist es überraschend, dass sie am Ende des Romans nur fünf Morde auf dem Gewissen hat und nicht fünfzig (damit habe ich nichts über den Mord gesagt, um den es hier geht). All das wird sehr früh im Krimi erzählt, schon in der ersten Hörstunde. Was macht diesen Krimi dann hörenswert? Die langwierige und mühsame Suche nach dem Frauenflüsterer und seiner mörderischen Gefährtin, deren Weg lauter Leichen pflastern, und das spannende Finale, das wie immer Carl und Assad in höchste Lebensgefahr bringt und dann die vermeintlich sichere Lösung noch einmal dreht - hin zum wahren Schuldigen. Oder der wahren Schuldigen, schließlich soll nicht zu viel verraten werden. Eben ein einfacher Rittberger.
Wer Krimis mit zahlreichen Verwicklungen und unerwarteten Wendungen mag (wie ich), ist hier eigentlich falsch. Wer schräge Ermittler und ein Art Krimi-Roadmovie auch Dänemark und Schweden mag, ist hier schon eher richtig. Es gibt aber viel zu kritisieren: Die Darstellung der Ökoszene und Wunderheilerwelt (mitsamt Hypnose für Rose, Assad und Carl) ist ziemlich klischeehaft gezeichnet, die Sprache manchmal ziemlich gewollt jugendsprachlich ("Die Welt ist ballaballa") und die Anspielung auf Lady Macbeth am Ende hätte sich Adler Olsen sparen können: "So viel Blut in einer so kleinen Frau". Trotzdem habe ich das Hörbuch gern nebenbei gehört, und das ist vor allem das Verdienst des sehr guten Sprechers und des schrägen Trios bzw. Quartetts. Hörenswert für Fans, nicht unbedingt für Krimiliebhaber.

Ein erlesener Sherlock Holmes ohne Sherlock Holmes

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 10.12.2014

Als Sir Arthur Conan Doyle eines schönen Tages seinen Helden Sherlock Holmes leid war und ihn loswerden wollte, stieß er ihn mit dem "Napoleon des Verbrechens" Dr. Moriarty über die Klippen der Reichenbachfälle. Diese Geschichte schrieb Conan Doyle ein wenig lieblos und unlogisch, was von zahlreichen Holmesologen längst nachgewiesen wurde, Conan Doyle hatte einfach genug von Holmes, da war ihm die Logik wohl nicht mehr so wichtig. Und genau hier setzt der Roman Moriarty von Horowitz an, bei den vielen unlogischen Elementen der Holmes-Kurzgeschichte: "The final problem". Holmes* Leiche wurde nie gefunden, als Moriarty wird eine aus den Strömungen gezogene Leiche identifiziert, obwohl niemand genau weiß, wie Moriarty eigentlich ausgesehen hat, also ist das Schicksal beider Beteiligten ungewiss.
Da auf Deutsch nur eine stark gekürzte Fassung als Hörbuch angeboten wird, habe ich mich für die englische Originalfassung entschieden - und diese Entscheidung nicht bereut. Das Buch ist einem klaren, gut verständlichen Amerikanisch gesprochen - Amerikanisch deshalb, weil nicht Watson, sondern ein Pinkerton-Detektiv aus den Staaten als Chronist der Ereignisse auftritt. Erzählt wird anfangs vor allem über die große Leere, die Holmes' Verschwinden verursacht, bei Scotland Yard denkt man darüber nach, ob Holmes (vermeintlicher) Tod nicht Anlass sein sollte, endlich wieder selbst das Denken zu lernen und selbst Fälle zu lösen, weil man sich nicht mehr auf den Überflieger Holmes verlassen kann, der alle Ermittlungsfehler von Scotland Yard wieder ausbügelt.
Und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt scheint sich das Verbrechen globalisieren zu wollen, scheinbar hatte Moriarty ein Angebot eines amerikanischen Verbrechersyndikats, gemeinsam eine Weltherrschaft des Verbrechens zu organisieren. Auf den Spuren dieses weltumspannenden Verbrechernetzes finden wir ein ungleiches Paar vor, den schrullig-sympathischen Scotland Yard Inspector Jones, den Holmes zweimal düpiert hatte und der jetzt versucht, die Ermittlungstechniken seines Vorbilds nachzuahmen und selbst anzuwenden - Jones' Arbeitszimmer trägt die Züge eines Holmes-Schreins - und den schon erwähnten Senior Agent Chase aus den Staaten, der die Ausweitung des amerikanischen Verbrechenskartells auf die britischen Inseln verhindern möchte. Grausame Morde werden begangen, und das Ermittlerduo ist den Mördern immer einen Schritt hinterher oder voraus, ganz wie man will. Die Lösung dieses typisch britischen Identitätsspiels soll natürlich nicht verraten werden, nur der kleine Hinweis: Für eine ähnliche Lösung wurde Agatha Christie einst aus dem britischen Verband der Krimiautoren rausgeworfen, eine Scharade der Identitäten... Ein hörenswertes Hörbuch für Holmes-Fans und nicht nur, selbst wenn Holmes scheinbar nur in Gesprächen, Erinnerungen und durch seine Nachahmer präsent ist. Ob er am Ende ins Geschehen eingreift und die aus den Fugen geratene Welt wieder ins Lot bringt, soll und darf ja nicht verraten werden.

1 Person fand das hilfreich

Ohrdebil - der Name ist Programm

Gesamt
1 out of 5 stars
Sprecher
1 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 07.12.2014

Absolut schlecht gesprochenes und sinnfreies Hörspiel über die Allmacht des Internets in der Zukunft, mit Happyend. Schauerlich schlecht geschrieben und gesprochen. Auch ein Geschenk kostet etwas: Zeit, in der man etwas Besseres hätte hören können.

4 Leute fanden das hilfreich

Erwin und Lothar ermitteln wieder - wunderbar

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 26.11.2014

Das ungewöhnlichste Ermittlerduo des deutschen Krimis ermittelt wieder - der vermeintliche Dorfdepp Erwiin und seine Laufente Lothar - diesmal nicht im braunen Schmodder des nationalsozialistischen Untergrunds, sondern in ganz anderen Sphären und Untergründen. Wenn die Serie so weitergeht, dann ist irgendwann ganz Bramschebeck unterkellert...

Die Liebe zieht in den Grenzweg ein - der am Ende des ersten Krimis recht einsame Erpel Lothar bekam endlich eine Gefährtin - Lisbeth. Lisbeth und Lothar sind ein Herz und eine Seele. Doch die traute Dreisamkeit wird bald durch eine Leiche im Ententeich rüde gestört. Da die Polizei erst einmal Erwin verdächtigt - schließlich ist es sein Teich, und keine Schleifspuren führen von außerhalb des Grundstücks dorthin, es ist, als wäre die Leiche vom Himmel gefallen -, muss Erwin selbst ermitteln und auch, um nicht noch weiter in Verdacht zu geraten, der Polizei ein paar Beweise verheimlichen, die die Enten bei der Leiche gesammelt haben. Bald kommt es auf Erwins Grundstück zu einem weiteren Todesfall - ein skrupelloser Journalist wird gepfählt. Und auch Erwin selbst fällt beinahe einem Anschlag zum Opfer und landet im Krankenhaus, die Enten kommen in Quarantäne. Die Ereignisse überstürzen sich, eine Katastrophe folgt der andern. Wurde ein Komplott gegen Erwin und seine Enten geschmiedet?

Erwin ermittelt mit einer kindlichen Weisheit und zugleich Naivität, er denkt in intuitiven Bildern, die seiner bestens ausgestatteten Klassikerbibliothek entstammen, dieses Mal sind William Blake und Shakespeare Erwins wichtigste literarische Zeugen. Faszinierend an Thomas Krügers Entenkrimis sind neben den kriminellen Verwicklungen im ach so idyllischen Landleben vor allem die kunstvolle Sprache, der verblüffende Bilderreichtum und die wohlwollende Ironie, die ungewöhnlichen Perspektiven des vermeintlichen Idioten, sogar der beiden Enten, die im Laufe der Geschichte entführt werden und in tödliche Gefahr geraten, unter anderem in eine Mastanlage für Pekingenten. Schon fährt der todbringende "Entenmäher" auf sie zu, da... Mehr sei nicht verraten, selber hören. Aber unbedingt erst den ersten Erwin-Düsedieker-Krimi lesen, denn die Lösung des ersten Krimis wird in Entenblues immer wieder ausführlich erklärt und spielt auch in diesen Krimi hinein.

Wieder wundervoll gelesen von Dietmar Bär, der mit der richtigen Mischung von vermeintlicher Naivität, Weisheit und gutmütiger Ironie. Am besten in einer Badewanne hören, in einem Sandelholzbad für den gestressten Herrn oder die gestresste Dame

10 Leute fanden das hilfreich

Eine Enttäuschung: Zerfahren und langweilig

Gesamt
2 out of 5 stars
Sprecher
1 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.10.2014

Menschliche Organe sind ein höchst kostbares Gut. Im Jahr 2013 wurden in ganz Deutschland 873 Organspender registriert. Nach diesem Nele Neuhaus werden es wahrscheinlich noch weniger sein, denn ihre Beschreibungen der Organentnahme in deutschen Kliniken sind schon ziemlich abschreckend. Das Thema hat sie allerdings nicht als erste aufgegriffen. Spätestens seit Rainer Erlers Fernsehthriller Fleisch, einem Straßenfeger Ende der Siebziger Jahre, ist illegaler Organhandel im Ausland, in Amerika, heute eher in Rumänien, auf dem Balkan oder sonstwo im Osten ein häufiges Thema. Und in Deutschland hat es durch die realen Korruptionsskandale gerade traurige Aktualität gewonnen. Daher laufen in den letzten zwei, drei Jahren in deutschen Krimis permanent Angehörige Amok, die sich mit dem Tod ihrer Lieben nicht abfinden können und die vermeintlich Schuldigen selbst zur Verantwortung ziehen wollen, so etwa im vorletzten Kluftinger Herzblut. Auch manche Ideen bei Nele Neuhaus scheinen wie direkt von Klufti geklaut: Dem Empfänger des Herzens wird in beiden Fällen das neue, fremde Herz von einer Kugel zerfetzt, die Anstifter werden in den Kopf geschossen. Nele Neuhaus wählt ja immer wieder heiße Eisen und große Themen für ihre Krimis aus, in Offene Wunden Kriegsverbrechen auf der Flucht vor der Roten Armee und unbehelligt in großem Reichtum lebende Nazis, in Böser Wolf organisierten Kindesmissbrauch und dieses Mal Organspenden und die damit verbundene Korruptionsdebatte.
Wenn ich das Hauptthema hier verraten habe, habe ich nicht viel verraten, denn das Motiv des Heckenschützen, der das Rhein-Main-Gebiet kurz vor Weihnachten in Angst und Schrecken versetzt, wird schnell, für mich zu schnell klar, auch weil er mit Todesanzeigen zum Tod seiner Opfer die Polizei mit der Nase darauf stößt. Spätestens nach dem ersten Drittel des Romans liegt das Motiv des Heckenschützen also auf der Hand. Was soll diesen Krimi dann noch spannend machen, wobei sollen wir Zuhörer mitfiebern? Bei der Suche der Polizei nach dem Heckenschützen, der weitermordet und der zum engeren oder weiteren Freundes- oder Verwandtenkreis der jungen Frau gehören muss. Und bei der Panik der eventuellen nächsten Opfer, die befürchten müssen, dass ihre Machenschaften ans Licht kommen und die sich vielleicht sogar gegenseitig umbringen, damit niemand das mörderische Schweigen bricht. Diese Zusammenfassung ist spannender als das Buch. Für mich wird das Hörbuch einfach nie und nirgends wirklich mitreißend und spannend. Die Morde des Heckenschützen verlaufen alle nach Schema F, es werden die immer gleichen Spurensicherungsroutinen stereotyp beschrieben, die Opfer, Angehörigen und ins Verbrechen Verstrickten bleiben merkwürdig gesichtslos. Die Ermittlungen verlaufen holprig, werden zerredet, schon in dieser gekürzten Version wird alles drei-, vier-, fünfmal vermutet und erklärt, was der Handlung jede Spannung nimmt. Jedenfalls habe ich mich mehrfach gefragt, ob wieder einmal versehentlich von Audible manche Partien doppelt in die Datei kopiert worden sind. Nicht gerade spannungsfördernd.
Kurz gesagt: Für mich waren Die Lebenden und die Toten wegen der vielen Ungeschicklichkeiten der Ermittler, der ständigen Wiederholungen und der schlechten Personenzeichnung der unmittelbaren und mittelbaren Opfer und eventuellen Täter extrem langweilig. Gegruselt habe ich mich nur bei den Beschreibungen der sog. Multitransplantation, der Ausweidung eines hirntoten Menschen. Sonst finde ich den neuen Nele Neuhaus zerfahren, schlecht konstruiert und öde.
Die stimmliche Bandbreite der Sprecherin ist auch alles andere als berauschend. Wenn sie aus der Perspektive des Mörders spricht, flüstert oder haucht sie sogar ins Mikro, das soll wohl Spannung erzeugen, mich überzeugt es nicht. Nervig ist für mich als geborene Rheinhessin, die in Südhessen aufgewachsen ist, auch die falsche Aussprache von Oberursel, dort wird einer der Morde begangen, so dass der Name permanent auftaucht. Das Schlimmste ist aber die fehlende Ausdruckskraft und stimmliche Vielfalt. Die Sprecherin hetzt mit einer einförmigen, hektischen Stimme durch den Text.

Mein Organspende-Ausweis bleibt auch nach diesem Krimi im Portemonnaie. Und den neuen Nele Neuhaus werde ich bei Audible umtauschen. Er kann den früheren Romanen der Reihe einfach nicht das Wasser reichen. Für mich war das Hörbuch eine große Enttäuschung.

3 Leute fanden das hilfreich