PROFIL

Florian

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Konstruiert und pornographisch

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
1 out of 5 stars

Rezensiert am: 15.02.2015

Ich freue mich über besonders lange Hörbücher, die mir eintönige Arbeit versüßen. Vielleicht erklärt der Wunsch nach Ablenkung, wieso ich dieses Buch überhaupt durchgehalten habe. Vielleicht war es das Wissen um die tatsächliche Geschichte und das Interesse daran, wie dramatisierte Zeitzeugen sie erlebt haben.
Damit ich in einer Dramatisierung der Historie folgen kann, müssen die Akteure auch tatsächlich Zeugen sein - das ist schließlich das Versprechen der Saga. (Westlich geprägte) Weltgeschichte erleben. Nur führt das zu absonderlichen Konstruktionen und Zufällen, welche die Protagonisten an die richtige Stelle bringen. Das kann ich noch verkraften. Dass sich allerdings zufällige Verwandte zu unmöglichen Zeiten an unmöglichen Orten treffen, macht die gezeichnete Welt ziemlich klein und fast eher zu einer Fanfiction...

Follett gräbt mit einem sehr breiten Spaten. Wir müssen schließlich das Portfolio der vielen Figuren sofort einsortieren können - so kommt es mir manchmal vor, wenn Autoren zu diesen Mitteln greifen. Böse sind wirklich Böse, Gute sind so durchdringend Gut, dass wir eher ein Märchen hören. Jede einzelne Frau in diesem Buch ist gutaussehend (und das muss auch unbedingt vom Erzähler erwähnt werden) - den Frauen werden zwar auch Mängel erlaubt (fehlendes Auge, höheres Alter, gezeichnet vom Erlebten usw.), aber in den Augen des jeweils Betrachtenden haben sie immer "eine gewisse Schönheit." Da geht mir der Blutdruck. Wenigstens gibt es handelnde Frauen mit eigenem Antrieb.

Ich habe nix gegen explizite Sexszenen, wo sie hinpassen. Liebe, Kinderbekommen - gehört schließlich auch zur Geschichte, nur sind die genauen Beschreibungen von Geschlechtsteilen und Grad der Erregung sowie durchgeführte Praktiken dermaßen fehl am Platze und teilweise so stumpf aufs Blatt gehämmert, dass ich mich fremdschäme. Sie unterbrechen den Handlungsfluss und stellen nicht grad die Höhepunkte dar. Grad, wenn sich ein spannendes historisches Ereignis anbahnt, das unsere Figuren bestimmt mitnehmen wird, und sie dann doch wieder in der Kiste / auf der Rückbank / der Loge... landen, blieb das Hörbuch dann doch erst mal 1, 2 Tage wieder aus.

Gelesen hätte ich das Buch nicht lange. Ich würde es nicht weiterempfehlen.

Die alten Bekannten

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.08.2014

Terry Pratchett und seine Discworld sind ein Universum, in das ich mich sehr gerne begebe. Ich freue mich bei neuen Storylines immer über das Einfädeln alter Bekannter - nur... ist das bei Raising Steam fast ein Who-is-Who der bisherigen Hauptfiguren. Von Rincewind bis Moist, Vimes bis William Worde - jeder kommt zum Zug. Die großen Politiker spielen ihre große Schachpartie und die kleinen Figuren müssen die Räder geölt halten, damit das ganze Konstrukt nicht zusammenbricht und - mal wieder - eine rückwärtige Fraktion siegt.
Ich mag es, wie Pratchett große Errungenschaften unserer Geschichte zu einem Thema seiner Bücher macht - nur hier wird es im Discworld-Sinn fast zum Klischee. Ethische Schwierigkeiten zwischen Trollen und Zwergen z.b. tauchten in früheren Büchern immer wieder auf - aber eher als Randerscheinungen, bis sie sich dann in Thud! entladen und klären. Nur diesmal ist es ein Problem, das wirklich schon geklärt wurde.
Und da wir es mal wieder mit einem wörtlichen Rennen zu tun haben, ist Most die richtige Figur - allerdings haben wir ihn auch schon bei Going Postal und Making Money in genau dieser Funktion gesehen. Es ist doch immer schön, wenn sich Figuren und ihre Überzeugungen weiterentwickeln - das wird immer schwerer mit Moist.

Alles in allem ist die Geschichte spannend, unterhaltsam, aber für viel-Scherbenwelt-Reisende sehr vorhersehbar und nicht wirklich was neues... aber dann wieder: Als Viel-Scherbenwelt-Reisender müssen Sie sowieso diese Reise antreten ; )
Für Neulinge zu Terry Pratchett's Universum empfehle ich, eventuell zu erst in Going Postal reinzuhören - als späteren Einstieg in die Reihe und in sich fabelhaft geschlossen.

Stephen Briggs liest wie immer differenziert, motiviert und mit Elan. Es ist eine wahre Freude, ihm zuzuhören.