PROFIL

Fandorin

  • 1
  • Rezension
  • 350
  • Mal wurden Ihre Rezensionen als "hilfreich" bewertet
  • 1
  • Bewertung

... die 53. Rezension ...

Gesamt
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 13.12.2012

Warum muss ich als 53.ster meinen Senf dazugeben? Zumal ich die Meinung des Großteils meiner Vorrezensenten teile. Das Hörbuch ist genial gelesen, vom Inhalt neu und witzig.

Direkt nach dem Erwerb habe ich das Hörbuch zwei Mal gehört und mich königlich amüsiert. Durch die Art des Lesens wird Hitler nicht als Witzfigur oder hirnloser Dummkopf dargestellt, sondern durchaus als gewitzter Manipulator. Und das macht die Geschichte (kleines Wortspiel am Rande) glaubhaft.

Ich habe das Hörbuch auch mehrfach weiterempfohlen, was häufig zu Irritationen seitens meiner Gesprächspartner führte (die Themen Hitler, 3. Reich, II. Weltkrieg führt meistens zu einer erlernten Verkrampfung). Da ich aber so begeistert von dem Hörbuch bin/war, habe ich zum Teil Überzeugungsarbeit geleistet, wie viele von euch.

Jetzt also zum Grund dieser Rezension:
Als Person, der sich gerne Zeit nimmt um Geschichten zu hören, störte mich wieder einmal das Wort "(gekürzt)". Ich höre selten gekürzte Geschichten. Warum, wie viel und was wurde gekürzt? Was habe ich verpasst, gerade wo das Gesamtkonzept stimmig ist?
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe mir das Buch zu Gemüte geführt und folgendes festgestellt:
- das Hörbuch "funktioniert" viel besser. Beim Lesen fehlt die typische Betonung,
Atmosphäre kommt abhanden, es ist weniger unterhaltsam.

- die Textpassagen, die fehlen, sind nicht besonders lang, oder groß in der Anzahl,
sie geben der Geschichte aber eine andere Färbung (braun passt ganz gut). Ich
möchte hier keine Spoiler produzieren und drücke mich mal allgemein aus:
Hitler ist in den ungelesenen Stellen ernster und der Person aus dem
Geschichtsunterricht näher. Weniger gewitzt, dafür "todernst" mit einer kurzen
Andeutung von Nachdenklichkeit.

Mein Spaß bekam einen erheblichen Dämpfer.
Da war es wieder, das Gefühl, das mir als Schulkind der End-70er und der 80er
vermittelt wurde. Befangenheit? Betroffenheit? Ich kann es nicht beschreiben.

Dafür gibt es aber neue Fragen:

- Darf ein Hörbuch so gekürzt werden, das eine ganze Facette der Hauptfigur
wegfällt oder sich der Charakter des Textes verändert?

- Warum wird der Text gekürzt, obwohl die Passagen vom Volumen eher zu
vernachlässigen sind? Sollte der Text heiterer werden?

- Wird der Hörbuchkonsument gegenüber dem Leser betrogen? Vermutlich nicht, da
ja "gekürzt" geschrieben steht. Nichts desto trotz würden sich ein "Hörer" und ein
"Leser" m.M.n. über verschiedene Hauptdarsteller unterhalten.

Jeder der Neugierig ist, möge sich ein eigenes Urteil bilden.

Unter dem Strich bleibt das Hörbuch aber grandios und ist dem Schriftwerk m.M.n. vorzuziehen. Das Buch gelesen zu haben, bedaure ich ein wenig.

350 von 366 Hörern fanden diese Rezension hilfreich