PROFIL

Matthias

Berlin, Deutschland
  • 217
  • Rezensionen
  • 3.429
  • Mal wurden Ihre Rezensionen als "hilfreich" bewertet
  • 473
  • Bewertungen
  • Der Krieg der Welten

  • Autor: H. G. Wells
  • Sprecher: Andreas Fröhlich
  • Spieldauer: 6 Std. und 47 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 217
  • Sprecher
    5 out of 5 stars 208
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 207

Die Marsianer greifen mit dreibeinigen Kampfmaschinen Großbritannien an, um von hier aus die rohstoff- und wasserreiche Erde zu erobern. Das irdische Militär kann den außerirdischen Invasoren nichts entgegensetzen und muss der Zerstörung der Städte tatenlos zusehen. Nur wenige Menschen überleben den Überfall und können sich im Untergrund verstecken. Hilfe bekommen sie schließlich von unerwarteten Verbündeten.

  • 5 out of 5 stars
  • Endlich als ungekürzte Lesung

  • Von Saarpirat Am hilfreichsten 14.01.2017

Der originale Schrecken!

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 13.01.2017

Das ist mir selten passiert mit audible in letzter Zeit - gegen Mitternacht wurde der Download freigeschaltet, und ich habe die Hälfte noch in derselben Nacht gehört.
Gewartet habe ich lange auf diesen Klassiker. Es ist der große Horror-Scifi-roman, mit dem alles begann. Eine bizarre Mischung - für heutige Ohren- aus Jules Verne und "Alien". Obwohl 1898 geschrieben, noch tauschfrisch. Er hat alle nachfolgenden Autoren
nachhaltig beeinflußt, von Lovecraft bis Stephen King. Wie so oft bei Wells wurde das Buch geschrieben mit stetig stärker zugedrehter Daumenschraube - der beschaulichen Idylle des Anfangs folgt dann bald die grausige Vernichtungsmaschinerie der Invasoren...
Keine Bearbietung, so genial sie auch ist, weder Orson Welles (ist nicht verwand oder verschwägert mit H.G. Wells) legendäres Hörspiel von 1938, das eine Massenpanik auslöste, noch Spielbergs Verfilmung kann den düsteren Thrill des Romans erreichen, der die Invasion der Außerirdischen aus Sicht eines verzweifelten Engländers auf der Flucht präsentiert.
Dass der Roman jetzt erscheint, ist kein Zufall. Seit Januar 2017 sind die Rechte Wells' abgelaufen, jeder kann die texte nutzen. Da ist zu hoffen, dass noch mehr nachkommt. (Die Riesen kommen!; Die ersten Menschen auf dem Mond, Die Insel des Dr. Moreau...) Überhaupt bin ich immer wieder darüber erstaunt, mit welcher gradezu atemberaubender Ignoranz die Hörbuchindustire die großen Klassiker der SF behandelt. Heinlein, Asimov, Wells, Windham, E.E. Smith - nehmt igendeinen großen SF-Autor, und ihr werdet finden, das ungekürzte Bücher komplett fehlen oder unterrepräsentiert sind.(In den meisten Fällen gibts nicht mal gekürzte.) Wie konnte man ein Buch wie "Krieg der Welten" jahrzehntelang NICHT aufnehmen? und wie kann man Asimovs Roboterschichten auch weiterhin ignorieren? Oder die "Triffids" von Windham, wo es so viele King-Fans gibt?
("The Stand" ist eine Hommage an "TheTriffids".)
A propos King - ich habe mir den "Krieg der Welten" immer mit David Nathan vorgestellt. Nun also Andreas Fröhlich, den ich eher von lustigen Büchern her kenne. Er meistert diesen düsteren Schocker bravourös. Der Schrecken wird von ihm sehr gut rübergebracht, die atemlose Hatz perfekt transportiert. Makellos! Mehr davon!

20 von 21 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Kleiner Mann - was nun?

  • Autor: Hans Fallada
  • Sprecher: Frank Arnold
  • Spieldauer: 16 Std. und 21 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 645
  • Sprecher
    5 out of 5 stars 608
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 604

Hans Falladas Meisterwerk erschien in unsicheren Zeiten. Es wurde vor dem Druck 1932 gekürzt und verändert: Textstellen, an denen sich der Autor politisch differenziert äußerte, wurden geglättet oder gar in ihr Gegenteil verkehrt. Jetzt erscheint der Roman erstmals so, wie Fallada ihn gewollt hatte. Johannes Pinneberg und seine Freundin Emma, genannt Lämmchen, erfahren, dass sie ein Kind erwarten. Kurzentschlossen heiratet das frisch verliebte Paar, auch wenn es mit wenig über die Runden kommen muss.

  • 5 out of 5 stars
  • Bemerkenswertes Buch.

  • Von Saarpirat Am hilfreichsten 21.06.2016

Endlich ein ungekürzter Fallada!

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 27.07.2016

Der "Kleine Mann" ging mir immer sehr nahe. Ich bin nur wenige Kilometer von Falladas Heimatstadt aufgewachsen, und genau wie die Mecklenburger dieses Buches irgendwann nach Berlin verschlagen worden. Allerdings 50 Jahre nach Lämmchen und Pinneberg. Das Berlin des Romans mag untergegangen sein. Das Mecklenburg ist immer noch so - und exakt, bedrückend exakt beschrieben. Fallada hat großartig beobachtet.
Es ist, wie hier eine Rezensentin sehr treffend schreibt - ein richtiger Schriftsteller, der richtige Bücher verfasst hat - deren Figuren wirklich leben! - und da sieht man, wie viel Pappkulissen auch heute von vielen Autoren geschoben werden, die eben keine richtigen Schriftsteller sind, sondern nur so tun.
"Kleiner Mann - was nun" ist einer der schönsten langweiligen romane, die ich kenne. Es passiert wenig, aber das, was passiert, ist so ironisch und talentvoll und wehmütig formuliert, dass man nicht loskommt vom Geschehen.
Als ich vor vielen Jahren für ein Interview nach Neubrandenburg zurückkehrte, ins Literaturzentrum, wo Falladas Werke aufbewahrt wurden, lag auf dem Tisch der Mitarbeiterin eine Postkarte. Sie war von Tucholsky. Dort bestätigte er Fallada den Empfang des Romans "Kleiner Mann, was nun" und versprach, ihn bald zu lesen. Ich fand das bemerkenswert - man weiß zwar nicht, wie Tucholsky der Roman gefallen hat - er hat ihn nie besprochen - aber dass Fallada ihn grade an ihn schickte, ist bezeichnendund zeigt, wo die Vorbilder sind. Viele Szenen tatsächlich klingen so, als ob sie Tucholsky geschrieben hätte - wenn etwa Pinneberg sich bei der Krankenkasse beschwert, der andre Beamte ihn arrogant abwimmelt und Fallada äußerst hellsichtig sagt: Zwei Beamte, ähnlich gekleidet, gleiche soziale Klsse - doch zwischen Ihnen tobt ein absurder unversöhnlicher Kampf. Das und viele andere Szenen sind grandios.
Ich gehöre allerdings zu denen, die die originale Buch-Fassung von Rowohlt besser finden als die hier verwendete Neubrandenburger Manuskriptfassung. Ernst Rowolt (für den Tucholsky auch Schloß Gripsholm und Mascha Kaleko ihre frühen Gedichte geschrieben haben) war ein toller Lektor. Der gedruckte Roman ist zwar um ein Viertel kürzer, aber das ist auch genau das Viertel, das mir hier im Hörbuch/Originalmanuskript zu weitschweifig war. Viele Formulierungen sind in der Rowohlt-Fassung besser, auch die Zeitformen wurden sinnvoll angepasst und gehen nicht so wild durcheinander wie im Manuskript/Hörbuch. Es gibt einen Grund dafür, dass Lektoren die Bücher ihrer Autoren nochmal durchsehen - nicht immer steckt dahinter der Gedanke einer Zensur.
Trotz der jetzt wieder vorhandenen unnötigen Längen - ein fantastisch gelesener Roman. Und, audible? Überzeugt, dass wir Fallada immer noch lieben? (Denn vor mir haben hier schon viele andere Leser die Sektkorken für eine der schönsten Hörbuch-Veröffentlichungen des Jahres knallen lassen, und nicht nur die drei üblichen Klassiker-süchtigen Verdächtigen icke-Saarpirat-Dr. Faustus). Dann mal her mit den andern Büchern von ihm - ungekürzt! Die Rechte erlöschen 2018, dann sind die Texte frei! "Jeder stirbt für sich allein" oder "Wolf unter Wölfen" ungekürzt - das wärs doch!!!
Frank Arnold - einer meiner Lieblingsvorleser. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass Dialekte besser, kräftiger, korrekter wiedergegeben worden wären. Aber als Mecklenburger hört man da natürlich auch alle falsche Nuancen. Mit Dialekten sollte man nicht so streng sein... Es gibt Schlimmeres.

17 von 19 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Die Braut sagt leider nein

  • Autor: Kerstin Gier
  • Sprecher: Irina von Bentheim
  • Spieldauer: 5 Std. und 22 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4 out of 5 stars 975
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 892
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 894

Elisabeth schwebt auf Wolke sieben. Aber je näher die geplante Hochzeit rückt, desto größer werden ihre Zweifel: Ist Alex wirklich der Traummann, für den sie ihn bisher gehalten hat? Während er als Architekt in einer anderen Stadt arbeitet, muss sie sich allein mit den Hochzeitsvorbereitungen und Schwiegereltern herumschlagen.

  • 5 out of 5 stars
  • Kerstin Gier wie immer gut

  • Von Vera Am hilfreichsten 16.07.2016

Der Rezensent sagt leider - naja...

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 26.07.2016

Kerstin Giers Bücher sind meistens gut. Jedenfalls die, die ich gelesen oder gehört habe. Nicht nur die mit phantastischem Einschlag wie die Edelstein- oder Silber-Reihe, sondern auch viele ihrer Chick-Lit-Romane, allen voran "Für jede Lösung ein Problem". Dies Buch hier hebt sich allerdings nicht besonders vom üblichen Durchschnittskram der Gattung ab.
Das ist auch nicht schlimm - denn das Buch gehört zu ihren allerersten Romanen. Gezahlt wird noch in D-Mark. Und Kerstin Gier tastet noch umher, hat ihren unverwechselbaren Stil noch nicht gefunden. Die Ich-Erzählerin bleibt als Charakter recht blass.
Die hübsche Schlußpointe, auf die das Buch zuläuft, ist schon lange vorher bekannt und macht das Ganze nicht spannender. Die Figuren verharren in der typischen Chick-Lit-Klischeewelt, spielen im reicheren Mittelstand, die Protagonisten sind mitunter zwar etwas sonderbar, aber verdächtig gutaussehend.
Und doch wetterleuchtet es schon ein wenig am Horizont - kleine Details verraten schon, was spätere Bücher in Überfülle haben: einen ganz eigenen unverwechselbaren Humor. Die lustige Beschreibung der Mütter-Kurse, die schrille esotherische Nachbarin von den Plejaden - da deuten sich schon Gier-Themen und Gier-Talente an. Doch bis zu so einem rundum bezaubenden Buch wie "Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner" (übrigens hier bei Audible von ihr sehr gut selbst gelesen) ist es noch ein weiter Weg...
Dennoch bin ich nicht sauer, das alles ungekürzt gehört zu haben. Kerstin Gier gehört zu den großen deutschen Talenten des Unterhaltungsromans, und da ist es sehr interessant zu hören, wie sie begonnen hat.
Weil dies ein so frühes Werk ist, bin ich voller Hoffnung - es wäre zu schön, wenn auch die andern bisher nur gekürzt vorhandenen Hörbücher nun auch noch ungekürzt kämen! Gerne auch mit Irina von Bentheim, die diese Art von Literatur in gewohnter Bestform liest. Für diese leichte Art von Frauenroman gibts kaum eine idealere Besetzung!

12 von 15 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Cherringham - Landluft kann tödlich sein, Sammelband 1

  • Cherringham 1-3
  • Autor: Matthew Costello, Neil Richards
  • Sprecher: Sabina Godec
  • Spieldauer: 10 Std. und 22 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 668
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 622
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 617

Mord an der Themse: Cherringham - eine beschauliche Kleinstadt in den englischen Cotswolds. Ein Ort, an dem das Verbrechen unbekannt ist. Bis eines Tages die Leiche einer jungen Frau in der Themse gefunden wird. Ein schrecklicher Unfall - zumindest laut der Polizei. Sarah glaubt jedoch nicht daran. Zusammen mit Jack, einem ehemaligen Detective der New Yorker Mordkommission, beginnt sie zu ermitteln.

  • 5 out of 5 stars
  • Klasse Alternative zu blutigen Thriller

  • Von Bätty Am hilfreichsten 07.01.2017

Langweilig, aber nett!

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 07.06.2016

Neulich wurde ich stutzig, als ich in einem Krimi-Forum von einem Old-Fashion-Fan las, er liebe die Christie-Bücher - da gäbe es nur einen Mord, und der sei nicht allzu grausam, und dann folge gute alte Detektivarbeit. Der Eintrag verblüffte mich. ich konnte mich nämlich auf Anhieb an keinen einzigen Roman der Christie erinnern, der nur einen Mord beschreibt. Mag sein, dass es ein paar solcher Bücher gibt, aber in der Regel serviert sie zwei bis drei Leichen. Wenn nicht mehr.
Aber die Äußerung zeigt aber, dass viele Leser von den vielen brutalen Thrillern die Nase voll haben und nun in Reaktion auf das viele Blut ewas lesen wollen, das noch unschuldiger daherkommt als die Chrisite höchstselbst.Sie sehnen sich nach geruhsamerer, atmosphärischerer Krimi-Literatur.
Cherringham bedient dieses Muster sehr geschickt. es ist gradezu der Hafen für müde Thriller-Fans. Sogar der Ermittler ist ein Ex-Cop aus Amerika, den es nach England verschlagen hat.
Das gute alte England - das es so wohl nicht gibt!
Nicht, dass die Autoren nur Nostalgie fabrizieren. Die großen Gegenwartsprobleme werden angedeutet. Aber das bleibt doch alles gut kalkulierte Staffage.
Der Plot ist ein bißchen dröge, kommt nur schwer ins Rollen, er plätschert so vor sich hin, und vieles von der so mühsam heraufbeschworenen britischen Dorf-Beschaulichkeit ist arg zusammengeleimt und zusammengelesen.
Aber - wer Who-Done-It's im gemütlichen Touristen-Droschken-Tempo mag, der wird schnell ein Fan.
Frau Godec liest super. Ich habe so ein bißchen die leise Ahnung, das der große Erfolg der Reihe zu 75 Prozent auf ihr Konto geht. Das ist schön und es sei ihr gegönnt. Der Preis der Bücher ist auch sehr in Ordnung. Wäre beides nicht - ich fürchte, der Erfolg der Reihe wäre weit kleiner.

8 von 10 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • It's teatime, my dear! Wieder reif für die Insel

  • Autor: Bill Bryson
  • Sprecher: Oliver Rohrbeck
  • Spieldauer: 14 Std. und 46 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4 out of 5 stars 195
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 180
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 181

Vor zwanzig Jahren beschloss der Amerikaner Bill Bryson, England zu seiner Wahlheimat zu machen. Damals brach er auf zu einer großen Erkundungsreise quer über die britische Insel. Inzwischen ist er ein alter Hase, aber dennoch entdeckt er immer wieder Neues, was ihn fasziniert und amüsiert. Kein Wunder also, dass es ihn reizt, diese Insel erneut ausgiebig zu bereisen. Von Bognor Regis bis Cape Wrath, vom englischen Teehaus bis zum schottischen Pub, von der kleinsten Absteige bis zum noblen Hotel, Bryson lässt nichts aus und beantwortet zahlreiche Fragen.

  • 5 out of 5 stars
  • Wieder ganz der alte!

  • Von Matthias Am hilfreichsten 23.05.2016

Wieder ganz der alte!

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 23.05.2016

Jaja, es wird wieder viel geschimpft auf Brysons Geschimpfe. Angeblich ist er ja nun giftiger geworden. Find ich nicht. Auch seine frühen bücher wurden schon von Lesern/Hörern heftig angegriffen. Man sehe sich die empörten Hörermeinungen zu einem seiner frühen Bücher, "Steifzüge durchs Abendland" an, die sich hier bei audible finden. Neenee, der Bryson bleibt sich treu. Ich frage mich dagegen - werden seine Leser immer humorloser? Vieleicht ändern ja eher sie sich als der Autor und reagieren verschnupfter als noch vor 20 Jahren. Warum soll er nicht auf das schimpfen, was uns doch fast alle ärgert - das Zubauen der Städte, unfreundliche Verkäufer, verkorkste Stadtplanungen... ich habe keine wirklich ungerechtfertigte Bosheit gehört - und was ihn selbst betrifft - so bringt er immer eine gehörige Portion Selbstironie mit. Ich freue mich, dass er so frech ist - mal ehrlich, wer wagt es denn heute noch, zu provozieren im Reisebuch. Oft wird da immer hübsch apologetisch und politisch höchst korrekt erklärt, warum alles so toll ist und das höflich gerechtfertigt, das nicht so toll ist. Bryson ist erfrischend boshaft, etwa wie der späte Twain, der seine Zeitgenossen auch auf die Palme gebracht hat.
Sonsten - wie auch bei Twains Reisebüchern - ist dies wieder eine einzige herrliche Abschweiforgie. Man versuche nicht, einen Faden zu finden - es gibt ihn nicht. Bryson berichtet, wie es ihm in den Sinn kommt, über englische Orte - meist echte Geheimtipps, schwärmt von ihnen oder schimpft auf die pseudomodernisierung der Städte. Manchmal trauert er um den Verfall der englischen Tradition. Als Amerikaner darf er das, ohne dass ihm britische Konservativität vorgeworfen werden kann. Dass er so laut und rüpelhaft trauert, kann eigentlich nicht über den wehmütigen Grundton hinwegtäuschen, der unter allem liegt und der mir gut gefällt.
Dazwischen gibt es wieder viele Episoden aus seinem Leben, in denen er durchaus nicht immer als Held dasteht. Erstaunlich, dass Leser die Fähigkeit, sich selbst die Narrenkappe aufzusetzten, zum 1:1-Bekenntnis eines verbitterten alten Mannes umdeuten können.
Oliver Rohrbeck - er ist zurück! Hurra! Ich habe zwar immer wieder auch andere Bryson-Sprecher ganz nett bis super gefunden, aber Rohrbeck ist für mich einfach der beste. Diese herrlich mäandernde Geschwätzigkeit Brysons - kein andrer bringt sie so authentisch und sympathisch rüber.
Kurz: als Reisesachbuch ungeeignet. Wer Twain, Tucholsky, & co. mag, wird großen Spaß haben.
Man muß den ersten Teil "Reif für die Insel" nicht kennen. Ist aber empfehlenswert, weil einfach ein wunderbares Buch.

12 von 14 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Robespierre

  • Autor: Friedrich Sieburg
  • Sprecher: Rolf Boysen
  • Spieldauer: 11 Std. und 13 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 47
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 43
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 43

Maximilian de Robespierre wächst nach dem Tod seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf. Nur durch seinen Intellekt und Fleiß erhält er ein Stipendium und wird Jurist. In Paris schließt er sich den Jakobinern, den radikalsten Unterstützern der französischen Revolution an und steigt schnell an deren Spitze auf. So wird er zum Herrscher über Frankreich. Er führt die Guillotine ein.

  • 5 out of 5 stars
  • Tugend und Terror

  • Von Matthias Am hilfreichsten 10.04.2016

Tugend und Terror

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 10.04.2016

Bis heue sind die Historiker ratlos angesichts eines der größten politischen Massenmörder und fanatischsten Diktatoren vor Hitler und Stalin. Robespierre hat Tausende Unschuldige in Paris hinrichten lassen, Zehntausende in der Provinz. War es ein Zyniker? ein Idealist? Der erste moderne Tyrann? Oder nur die Vorzeige-Marionnette einer sich immer mehr radikalisiernden Revolutionsregierung?
Freidrich Sieburgs Biografie aus den 1930er Jahren, einer der großen Biographie-Klassiker der Deutschen, wird gern verglichen mit denen von Stefan Zweig oder Siegfried Kracauer. Und wirklich - weil Sieburg kein Besserwisser ist und uns genauso ratlos scheint wie alle späteren Biographen, sich aber immer bemüht, den Mann Robespierre verstehen zu wollen (was ihm später viele verübelt haben), bleibt sein Buch so lebendig. Und nicht nur deswegen. Sieburg ist ein richtig guter Feuilletonist und Schriftsteller, der selten langweilig wird. Er verfällt nicht in den Fehler vieler "seriöser" Biographen, uns seitenlang mit Robepierres Kindheit und Jugend zu nerven, er steigt sofort ins wilde Geschehen der Franzöischen Revolution ein. Seine Schilderungen der Massenhinrichtungen sind so Schrecklich und ergreifend, dass sie in ihrer Schrecklichkeit so manchen Horrorroman übertreffen.
Freilich - auch ein wortgewaltiger Sieburg kann zuweilen zäh sein. immer da, wo er sich von den Fakten entfernt und nur über Macht und Glaube reflektiert, empfinde ich ihn als geschmäcklerisch. Sieburg hat als tief Gläubiger eine fixe Idee: Dass die ganze Tragödie nur deshalb über die Bühne ging, weil a) Rousseau kein echter Christ war, b) Robepierre an den falschen Gott glaubte und c) die Gesellschaft des 18. Jahrhunderts eh total freidenkerisch war. Thesen, die außerhalb radikaler katholischer Strömumgen wohl nie völlig ernst genommen wurden. Diese Auslegung greift einfach viel zu kurz. Demgegenüber steht aber der plastische Schilderer Sieburg. Grandios, die Beschreibung der kleinen Dinge hinter den Großereignissen, Robespierres grüne Sonnenbrille, das gelähmte Paris mit den abblätternden Häuserfassaden, die Stimmung(en) in den entscheidenden schwülen Sommermonaten 1794, als Robespierre den Höhepunkt seiner Macht erreicht - und untergeht. Der blutgetränkte Besen, mit dem ein Scharfrichter-Gehilfe die Zuschauer der Hinrichtungen aus Übermut bespritzt. Unvergessliche Bilder...
Genial gelesen von Rolf Boysen. Ein echter Schatz aus dem SWR-Archiv.

19 von 21 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Eine Dame verschwindet

  • Verfilmt von Alfred Hitchcock 5
  • Autor: Ethel Lina White
  • Sprecher: Jens Wawrczeck
  • Spieldauer: 5 Std. und 12 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 42
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 42
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 41

Iris, eine frivole junge Engländerin im Italienurlaub, erleidet am Rückreisetag am Bahnhof des glühend heißen Ferienorts einen Schwächeanfall. In letzter Minute landet sie in einem ebenfalls völlig überhitzten Abteil zwischen einer italienischen Familie, einer düsteren Baroness und Miss Froy, einer geschwätzigen Gouvernante, die sich um die immer noch schwache Iris kümmert, ihr aber bald auf die Nerven geht.

  • 5 out of 5 stars
  • Packend bis zur letzten Minute

  • Von Matthias Am hilfreichsten 21.01.2016

Packend bis zur letzten Minute

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.01.2016

Europa, kurz vor dem 2. Weltkrieg. Ein reiches und dekadentes Mädchen macht mit ihren Freunden in einem kleinen Balkanland Urlaub - und zerstreitet sich mit ihnen. Die Truppe reist ohne sie ab. Sie muß allein nach London zurückreisen. Im Zug nach Triest lernt sie eine nette ältere Dame kennen. Doch plötzlich ist die Dame aus dem Abteil verschwunden. Das Merkwürdige - kein Mensch will sie je gesehen haben, vom Sitznachbarn bis zum Kellner im Speisewagen. Ein gigantisches Komplott - oder wird Iris allmählich wahnsinnig?
So beginnt einer der berühmtesten Thriller aller Zeiten. Geschrieben hat ihn 1936 die Frau, die den modernen Thriller mitbegründet hat - Ethel Lina White. Sie schrieb - anders als ihre Konkurrentin Agatha Christie - düsterer, bedrohlicher und erschuf Romane, in der die beklemmde Atmosphäre viel wichtiger war als die Frage nach dem Täter. Das macht sie für uns wieder spannend, weil sie damals schon so moderne Töne anschlug, die wir heute in Thrillern moderner Autoen wiederfinden.
Berühmt wurde sie mit dem Klassiker "Die Wendeltreppe" (1933) - auch mehrmals verfilmt - und auch hier steht im Mittelpunkt eine auf sich selbst gestellte Frau, die sich einsam durch düstere Bedrohungen schlagen muß. Überhaupt - das Gegenstück zum "Einsamen Wolf" in der Literatur hat wohl Frau White erfunden - man könnte bei ihr von "einsamen Wölfinnen" sprechen, die sich mit sich selbst und der bedrohlichen Umwelt tapfer und zäh herumschlagen. "Eine Dame verschwindet" ist deswegen auch ein ungewöhnlich emanzipatorisches Buch für die 30er Jahre.
Alfred Hitchcock sah viel Potenzial in diesem Roman und verfilmte ihn 1938. Interessanterweise folgt der Film bis etwa zur Hälfte relativ eng der Buchvorlage, um dann eine völlig andere Geschichte zu erzählen - nämlich die Geschichte, die im Roman eine Figur als Hypothese entwickelt, aber wieder fallen läßt! Insofern haben Buch und Film unterschiedliche Enden. Also - wer den Film kennt und das Buch noch nicht - der darf sich auf ganz neue Wendungen freuen - und einen Thriller, der wirklich bis zum Schluß atemberaubend bleibt!
Jens Wawrczek liest toll, wenn auch seine ungewöhnlich hohe Falsettstimme erstmal ein bißchen gewöhnungsbedürftig ist. Aber das macht ihn sehr prädestiniert für das Vorlesen von Frauenstimmen. Sie klingen bei ihm witzig und kein bißchen gekünstelt.
Eine echte Bereicherung auf dem Hörbuchmarkt! Jetzt kriegt man richtig Lust auf eine ungekürzte Lesung der "Wendeltreppe!"

18 von 19 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Das geheime Leben der Bäume

  • Was sie fühlen, wie sie kommunizieren - die Entdeckung einer verborgenen Welt
  • Autor: Peter Wohlleben
  • Sprecher: Roman Roth
  • Spieldauer: 5 Std. und 54 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 1.318
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 1.235
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 1.230

Ein neuer Blick auf alte Freunde. Erstaunliche Dinge geschehen im Wald: Bäume, die miteinander kommunizieren. Bäume, die ihren Nachwuchs, aber auch alte und kranke Nachbarn liebevoll umsorgen und pflegen. Bäume, die Empfindungen haben, Gefühle, ein Gedächtnis. Unglaublich? Aber wahr! - Der Förster Peter Wohlleben erzählt faszinierende Geschichten über die ungeahnten und höchst erstaunlichen Fähigkeiten der Bäume.

  • 5 out of 5 stars
  • Alt wie ein Baum möchte ich werden...

  • Von Matthias Am hilfreichsten 02.01.2016

Alt wie ein Baum möchte ich werden...

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 02.01.2016

...sangen die Puhdys einst. Doch vielleicht hätte das gar keinen großen Effekt - weil das Zeitempfinden der Bäume ganz anders verläuft? Und sie sich auch mit 80 noch in der Pubertät befinden...
Diese und viele andere Sachen habe ich über Bäume gelernt - in einem kurzweiligen und sehr gut geschriebenen Sachbuch, das inzwischen ganz zu Recht auf der Spiegel-Bestseller-Liste steht.
Das Schöne, Sympathische und Anrührende: Dieses Buch hat ein Förster geschrieben, der mit beiden Beinen im Leben steht und täglich im Wald mit Bäumen auf Du und Du ist. Wenn mir ein Esotheriker erzählte, dass Bäume miteinander kommunizieren, wäre ich mißtrauisch. Aber die Perspektive des Praktikers, der ganz allürenlos und doch liebevoll über den Wald redet, ist geradlinig und öffnet die Augen. So oft wird in Sachbüchern vollmundig angekündigt: "Nach der Lektüre sehen Sie die Welt neu!" Hier steht das nicht im Vorwort, und doch tue ich es, ich sehe Bäume mit größerem Respekt und auch mehr Kenntnissen an.
Der Sprecher...naja. Er ist symptomatisch für ein Dilemma des Hörbuchmarktes: Während unsere Ära weiß Gott nicht den welthistorischen Höhepunkt der Belletristik darstellt, kann man wohl sagen, dass es nie zuvor in der Literaturgeschichte so phantasievolle, abwechslungsreiche und gut geschriebene populärwissenschaftliche Sachbücher gab. Darauf reagiert der Hörbuchmarkt nur zögernd. Der Sach-Hörbuch-Markt ersäuft in Ratgeber-Lektüre, während die meisten Bestseller aus Geschichte, Naturwissenschaften, Gesellschaft auf der Strecke bleiben. Allein die Fülle guter Biographien großer Persönlichkeiten der letzten zehn Jahre- kaum eine davon ist ungekürzt als Hörbuch erschienen. Grandiose junge Historiker wie Phillip Blom rocken den buchmarkt - die Hörbuchindustrie schläft weiter. Das geniale Sachbuch ist immer noch ein Stiefkind der Hörbuchverlage.(Zumindest im Verglich zur Belletristik.) Das spürt man auch an den Sprechern. An drittrangige Thriller werden unsere besten Sprecher verschwendet, dafür bekommt man für richtig gute Schbücher, wenn sie denn überhaupt ungekürzt eingelesen werden, die zweite Garde. So liest Roman Roth das Buch artig und korrekt vor, ihm fehlt aber jeglicher Charme, jede persönliche Note, die man auch im Sachbuch - grade im Sachbuch!- haben sollte. Oft schildert Wohlleben seine Welt sehr humorvoll, davon wird in dieser Interpretation nichts weitertransportiert. Die Pointen versanden. Schade.
Dennoch unbedingt eine Empfehlung! Immerhin ist es über weite Strecken solide gelesen.

55 von 59 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Der schwarze Henker (John Sinclair - Tonstudio Braun Klassiker 2)

  • Autor: Jason Dark
  • Sprecher: div.
  • Spieldauer: 59 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 20
  • Sprecher
    5 out of 5 stars 18
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 18

Er war eine Bestie, grausam und gnadenlos. Sein Handwerk war Mord, Mord für die Herrschenden. Unschuldige starben unter seinem Beil. Bis sich vier mutige Männer aufmachten, ihn zu töten. Sie hatten an alles gedacht - nur an eines nicht. Der schwarze Henker war unsterblich! Das Kult-Comeback der Hörspiel-Legende: Die originalen Klassiker von Tonstudio Braun digital überarbeitet!

  • 5 out of 5 stars
  • Kurz gesagt, ein Klassiker der 80er

  • Von Siegfried Hoffmann Am hilfreichsten 28.11.2015

Auch nicht schlecht...

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 26.11.2015

...oder sollte ich eher sagen: auch so wunderbar schlecht wie Folge Eins?
Keine Sorge, ich werde jetzt nicht jede Folge kommentieren. Nur einige kleine Ergänzungen.
Das Besondre an "gutem" Trash ist ja - dass er in seinem Kosmos selbst gut funktionieren muss, dass die Regeln, die er sich selbst gibt, eingehalten werden. Das unterscheidet ihn vom wirklichen vergessenswerten Müll. Wer hier schlechte Musik der 80er, pfiffig eingesetzt auf einer wimmernden Hammond-Orgel und richtig lustig/miese Sounds erwartet, wird nicht enttäuscht. Durch Foren geistert immer wiede mal die These, die Studio-Braun-Hörspiele verwendeten die schlechtesten Pfeil- und Armbrustgeräusche der Hörspielgeschichte. Diese Folge beweist: Das ist richtig! Alter Schwede! Mann, ist das göttlich unterirdisch! Allein dieses Pfffschplomp hat den download schon gelohnt ;-)
Aber dann die Überraschung - inmitten von Logiklöchern und sonderbaren Wendungen, die wie ausgewürfelt erscheinen, immer wieder tolle Effekte, wenn wir z.B. zusammen mit Sinclair durch die stille wohnung des Pfarrers laufen. Trotz Mono tolle Atmo.
A propos Atmo - das sei noch gesagt - wenn man bedenkt, dass diese Hörspiele meist auf alten Kassetten kursieren und dann diese neu restaurierten Fassungen hört (vermutlich vom Masterband) - ist das schon beeindruckend. Glasklarer Sound und vermutlich besser, als es Fans auf den Kassetten je gehört haben.
Doch trotzdem die Warnung - es ist (herrlicher) Mist! Man erwarte keine schlüssigen Storys.

4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Harry Potter und die Kammer des Schreckens (Harry Potter 2)

  • Autor: J.K. Rowling
  • Sprecher: Felix von Manteuffel
  • Spieldauer: 11 Std. und 49 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    5 out of 5 stars 2.284
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 2.149
  • Geschichte
    5 out of 5 stars 2.135

Endlich wieder Schule!!! Einen solchen Seufzer kann nur der ausstoßen, dessen Ferien scheußlich und die Erinnerung an das vergangene Schuljahr wunderbar waren: Harry Potter. Doch wie im Vorjahr stehen nicht nur Zaubertrankunterricht und Verwandlung auf dem Programm. Ein grauenhaftes Etwas treibt sein Unwesen in den Gemäuern der Schule - ein Ungeheuer, für das nicht einmal die mächtigsten Zauberer eine Erklärung finden.

  • 5 out of 5 stars
  • Potter mal wieder

  • Von Matthias Am hilfreichsten 24.11.2015

Potter mal wieder

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 24.11.2015

Es gibt ein hübsches Bonmot von Stephen King: "Stephanie Meyer und J.K. Rowling haben vieles gemeinsam. Es gibt aber einen kleinen Unterschied in ihrem Stil: Die Rowling kann schreiben."
Da hat er recht. Jetzt, im Abstand von so einigen Jahren, nachdem ich damals eher murrend die Bücher gelesen/gehört habe, um mitreden zu können, fällt es mir wieder auf - es ist nicht unbedingt der (mit christlicher Symbolik) vollgestopfte Plot, der mich anspricht. All diese ins triviale übersetzten Jesus-Motive, die Wunde des Erlösers (hier auf der Stirn), die Luzifer-Story, getarnt als Voldemort-Saga, die hehre Ordens-Romantik, wie sie ein Motte-Fouqué im 19. Jahrhundert nicht pathetischer erfinden konnte - all das reizt mich nicht so sehr. Obwohl ich zugebe, dass nur ein Genie die alte Legende noch einmal so taufrisch umbauen konnte, dass sie hier zu einer von Millionen als neuartig empfundenen Version gerann bzw. viele gar nicht merkten, was hier neu vermittelt wird. (In den Narnia-Büchern finde ich den Christus-Topos viel aufgringlicher. )
Es sind die Details, diese Liebe zu den skurrilen Kleinigkeiten, für die man diese wirklich große Autorin lieben muß. Da ist nichts angeklebt, nichts unelegant, alle Verrücktheiten entwicklen sich harmonisch aus der Handlung heraus. Sei es, dass Harry hilft, den Garten zu "entgnomen". Oder sich die Bilder in der Zauberwelt wie selbstverständlich bewegen.
Band zwei war immer mein Lieblingsband - hier ist die Handlung noch nicht so düster wie später und der Erzählton ist flott und ohne allzu große Schnörkel.
Vor Jahren habe ich die Version mit Rufus Beck gehört. Seine Lesungen leiteten die große Zeit des ungekürzten Hörbuchs ein. Ihnen hat der Markt viel zu verdanken. Obwohl es ja schon ungekürzte Bücher im Rundfunk oder auf Kassette gab, zeigte die CD-Edition, das man sehr wohl ein Publikum für Hörbücher ohne Striche finden kann.
Leider herrschte ja lange absolutes Download-Hörbuch-Verbot von seiten der Rowling; gut, dass das nun aufgehoben ist.
Die neue Version mit Felix Manteuffel (ein Unikum - ein derart langes Projekt zum zweitenmal aufzunehmen!) ist weder besser noch schlechter als die Beck-Fassung. Ich würde sagen, Beck ist eher die Kinder-Version, Manteuffel die für Erwachsene. Obwohl auch Manteuffel gelegentlich sehr lustige Stimmen fabriziert (Hauself!), bleibt er doch etwas zurückhaltender, deutet mehr an, Haggrid ist nicht so brummig-dunkel wie bei Beck. Ich mag seine Art, es läßt sich gut zuhören und abtauchen. Auf jeden Fall ist die Wiedebegegnung mit den Büchern in dieser Lesung ein reines Vergnügen.
Ach ja, fast hätte ichs vergessen: Dank an Audible, dass man die Hörbücher hier endlich bekommt!

37 von 37 Hörern fanden diese Rezension hilfreich