PROFIL

Uwe Ku

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Unterhaltung vom Feinsten

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.12.2019

Erst mal ebenfalls von mir großes Lob an Frau Strohmeyer für ihre tiefgründigen Recherchen, angefangen vom fernöstlichen Flair Japans, der Mentalität seiner Menschen, über Grundlagen der Programmierungssprache, über den aktuellen Stand der Forschung und Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz bis hin zur überzeugenden Nahkampfsequenzen. Und sie schulmeistert nicht mit diesen Kenntnissen ( Ich denke da an Ken Follett, der ja angeblich einen ganzen Recherchestab beschäftigt, um sich als großen Insider zu präsentieren), sie benutzt sie lediglich, um bestimmte Situationen realistisch darzustellen.
Grauzone unterscheidet sich zu den vorherigen Ondragons, als es das Supernatural-Element etwas hintenanstellt und sich von Anfang an mehr der Entwicklung der KI widmet. Natürlich ist die Möglichkeit am 3D-Drucker organische Materialien zu erschaffen, schon gewagt. Die Tierschützer würden Freudensprünge machen. Egal, Grauzone ist ein Thriller mit Sci Fi Elementen, da darf man auch mal träumen.
Ich war von Anfang an gefesselt von der Story. Eine Vielzahl paralleler Handlungsstränge, die sich erst nach und nach auflösen. Als das Waldmonster auftauchte, wusste ich gar nicht mehr, was abgeht.
Was unterscheidet Paul Ondragon von anderen literarischen Detektiven ?
Er ist ein Sprachtalent, er beherrscht Nahkampftechniken, er hat gute Intutionen und er kann logische Schlussfolgerungen ziehen. Aber in erster Linie ist er kein Übermensch a la Pendergast.
Wenn er schlecht drauf ist, ist er unhöflich, wenn er in aussichtslose Situationen kommt, stellt er sich nicht mit großem Heldenpathos entgegen, sondern gibt sich auf. So menschlich und nachvollziehbar. Deshalb lieben wir ihn. Überhaupt sprechen Strohmeyers Protagonisten unsere Sprache. Sie fluchen und reagieren unüberlegt in Extremmomenten. Das sind keine gestelzten und wohlgefeilten Dialoge, das ist echtes Leben. Mir persönlich ging vor allem die zarte und bittersüße Königskinderbeziehung zwischen Ondragon und seiner Assistentin nahe. Ich hatte wirklich gehofft, sie finden sich zum Ende wieder. Nun muss ich auch Ondragon 6 hoffen.
Zu David Nathan möchte ich sagen, er macht aus dem Stoff nicht durch extreme Stimmenverstellung ein Hörspiel, wie manche seiner Kollegen. Ich denke, sein Markenzeichen ist, man hat nicht das Gefühl, dass er einen Text vorliest, sondern aus dem Stegreif eine Geschichte erzählt und das mit so einem angenehmen staunenden Ausdruck in der Stimme, als ob er selbst überrascht ist, von dem, was er erzählt. Und das passt natürlich wunderbar bei solchen Stoffen wie dem reifen Stephen King und hier bei Ondragon.
David Nathan gehört sicher zu den besten Sprechern im deutschen Sprachraum und kann sich seine Texte aussuchen, was natürlich objektiv für die Qualität dieser Serie spricht.