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Buechereule2

Deutschland
  • 31
  • Rezensionen
  • 636
  • Mal wurden Ihre Rezensionen als "hilfreich" bewertet
  • 32
  • Bewertungen
  • Unterleuten

  • Autor: Juli Zeh
  • Sprecher: Helene Grass
  • Spieldauer: 18 Std. und 9 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 3.276
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 3.050
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 3.041

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick darauf wirft, ist bezaubert von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtige aus Berlin gerne kaufen.

  • 5 out of 5 stars
  • Fesselnder Gesellschaftsroman

  • Von Buechereule2 Am hilfreichsten 06.07.2016

Fesselnder Gesellschaftsroman

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 06.07.2016

Juli Zehs neustes Buch „Unterleuten“ zeigt viele Facetten des Lebens in einem kleinen Dorf, das sich sogar Neuankömmlingen nicht lange als verschworene Gemeinschaft zeigt. Der Luchterhand Verlag bewirbt es als „großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit“, mit der Frage „Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses?“ Diese Beschreibung ist sehr treffend und beschreibt doch nur einen Teil des sehr facettenreichen Romans.

Unterleuten ist ein sehr spezielles Dorf, das irgendwo in Brandenburg liegt und dessen knapp 100 Einwohner seit Jahrzehnten versuchen den Widrigkeiten der Politik und der Wirtschaft zu trotzen. Es gibt alte und nie vergessene Feindschaften, die einen tiefen Graben durch das Dorf ziehen und denen sich auch die so idealistischen wie arroganten Neuankömmlinge aus Berlin nicht entziehen können. Mit jedem neuen Kapitel wechselt auch die Perspektive, sodass jede der Hauptfiguren immer wieder selbst zu Wort kommt, die Leser oft mehr wissen als die meisten Figuren und die Handlung schnell an Tiefe gewinnt, vor allem wenn die gleiche Szene aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird. Jedem Kapitel vorangestellt ist ein Zitat der jetzt zu Wort kommenden Figur, eine originelle Idee.

Schnell wird klar, dass schon lange kaum jemand wirklich glücklich ist in Unterleuten und als dann auch noch ein fremder Investor aus dem Westen quasi auf der Durchreise Land erwirbt, auf dem er einen Windpark errichten möchte, brechen schwelende Wunden wieder auf und es bilden sich deutlich sichtbare Fronten, hinter denen lieber über die Anderen geredet wird statt mit ihnen. Es dauerte nicht lange, bis ich gefesselt war von der Handlung und den Figuren, Juli Zehs Gabe, Menschen zu beobachten und knapp die treffenden Worte zu finden, ohne je in Klischees abzugleiten.

„Unterleuten“ ist ein böses Buch, dessen Figuren alle scharfe Ecken und Kanten haben, von denen manche einem zum Ende hin fast ans Herz gewachsen sind, weil man ihre Motive verstehen kann, ihre Hoffnungen und allzu oft enttäuschten Träume. Andere bleiben eher fremd, jedoch nie blass - wie im wirklichen Leben. Eine der zentralen Figuren namens Krohn beschreibt sich selbst als ein Mensch, im dem mehrere Krohns unterschiedlichen Alters wohnen und ihre entsprechend unterschiedlichen Meinungen vertreten. Zahlreiche mehr oder minder gut versteckte Seitenhiebe auf aktuelle „Werte“ und Modeerscheinungen ließen mich mal Schmunzeln, mal das Lachen im Halse steckenbleiben.

Helene Grass war mir bisher als Sprecherin kein Begriff. Sie versteht es geschickt, die unterschiedlichsten Stimmungen und Figuren zu transportieren und gab mir oft das Gefühl, den Figuren selbst zuzuhören.

Juli Zeh ist in „Unterleuten“ gelungen, ein Buch über das „wahre Leben“ zu schreiben, ihre Figuren sind wie echte Menschen, die viel erlebt haben, das sie mit ihren Nachbarn verbindet oder dauerhaft von ihnen trennt. Ein Buch über den Wertewandel unserer Gesellschaft und den Umgang damit, das nachdenklich macht und gleichzeitig spannender als viele Krimis ist, bis hin zum so überraschenden wie passenden Ende.

38 von 38 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Das Traumbuch Titelbild
  • Das Traumbuch

  • Autor: Nina George
  • Sprecher: Richard Barenberg, Cathlen Gawlich, Jacob Weigert
  • Spieldauer: 9 Std. und 50 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 197
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 184
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 182

Das Leben besteht aus der Summe stündlicher Entscheidungen. Doch welche sind richtig? Welche führen zu Glück, Liebe, Freundschaft - welche zu Verzweiflung und Einsamkeit? Mit dieser existenziellen Frage ringen die Verlegerin Eddie, der Kriegsreporter Henri und der hochsensible Teenager Sam, als Henri nach einem Unfall ins Koma fällt.

  • 5 out of 5 stars
  • Ein wundervoller Roman über das Leben und den Tod

  • Von Buechereule2 Am hilfreichsten 18.05.2016

Ein wundervoller Roman über das Leben und den Tod

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 18.05.2016

Dank der Premierenlesung in Leipzig wurde ich neugierig auf Nina Georges neustes Werk, „Das Traumbuch“ und beneide jetzt alle, die es noch vor sich haben, dieses Buch zum ersten Mal zu lesen.

Nina George stellte nach „Die Mondspielerin“ und „Das Lavendelzimmer“ ihr drittes und letztes Buch vor, in dem es um den Tod gehee. Dabei steckt dieses Buch so voller Leben, Hoffnungen und Träume, wie wenige andere Bücher, die ich bisher gelesen habe. „Das Traumbuch“ ist gefüllt mit Geschichten, auf die man sich einlassen wollen muss. Dann erwartet einen in oft poetischer Sprache ein in mehrfachem Sinne phantastischer Roman.

Im Mittelpunkt stehen Henri, seine Ex-Partnerin Edwinna, genannt Eddie, und sein 13-jähriger Sohn Samuel. Henri ist auf dem Weg zu Sams Schule, als er vor ein Auto stolpert und als Koma-Patient im Krankenhaus landet. In seiner Patientenverfügung hat er Eddie eintragen, ohne sie darüber je zu informieren.

In Henris Worten: „Eddie ist das Beste, das mir nie passiert ist“. Genau deshalb hadert Eddie besonders mit Henris Entscheidung, sie ungefragt auf seiner Patientenverfügung einzutragen – kam es doch zur Trennung direkt nachdem sie ihm eine der schönsten Liebeserklärungen machte. Inzwischen hat sie längst einen neuen Partner und die Tür für eine gemeinsame Zukunft mit Henri schon längst geschlossen. Auf der Intensivstation trifft sie zum ersten Mal Henris Sohn.

Sam hatte Henri eingeladen, um ihn endlich kennenzulernen, steht an der Schwelle zur Pubertät und hat als Synästhetiker https://de.wikipedia.org/wiki/Syn%C3%A4sthesie „mehr Welt als die meisten Anderen“ in seinem Leben. So verlockend manche Aspekte klingen, so deutlich wird auch, dass Synästhesie gleichzeitig Segen und Fluch sein. Sam steht sein skurriler Freund Scott zur Seite, mit dem ihm nicht nur die Leidenschaft für das Lesen verbindet und der auch Verständnis für seine erste Verliebtheit zeigt.

Was eine düstere Geschichte sein könnte, macht Nina George zum genauen Gegenteil, voller Licht und Hoffnung. Statt in Klischees oder auf die Tränendrüse zu drücken, nimmt sie ihre Leser mit in eine Welt, die den meisten von uns fremd ist – die der Komapatienten und deren Angehörigen. Eddie und Sam kämpfen gemeinsam mit den Angestellten des Krankenhauses darum, dass Henri aus dem Koma zu ihnen zurückkehrt.

Henri hingegen schwebt zwischen den Welten, erlebt, was war und was hätte sein können, lebt sozusagen im Koma. Während früher sein Fluchtinstinkt sehr ausgeprägt war, wandert seine Seele jetzt zwischen den Welten und er will sein Leben nicht loslassen. Henri hört und spürt seine Besucher, kann jedoch nicht mit ihnen kommunizieren.

Das Innenleben der drei so unterschiedlichen Hauptfiguren wird behutsam und überzeugend dargestellt, so wie auch die Nebenfiguren. Alle sind so facettenreich wie echte Menschen, man kennt ihre Hoffnungen und Träume, was den Abschied von ihnen am Ende des Buchs umso schwerer macht. Während Henri und Eddie schon wichtige Menschen in ihrem Leben verloren haben, erlebt Sam zum ersten Mal wie es ist, sich vermutlich von einem engen Verwandten verabschieden zu müssen. Alle drei haben sehr unterschiedliche Vorstellungen vom Leben und Tod, sowie vom Leben in der Zwischenwelt. Insbesondere Sams meist unbefangener Umgang mit Henris Schicksal und dem andere Menschen im Krankenhaus hat mich nachhaltig beeindruckt. Nina George verarbeite in diesem Roman auch den Abschied von ihrem eigenen Vater, der ihr sehr nahe stand.

Richard Barenberg, Cathlen Gawlich und Jacob Weigert gelingt es, Henri, Eddie und Sam zum Leben zu erwecken, als ob sie selbst mit den Zuhörern sprechen würden. Dank ihres Vortrags wirkte „Das Traumbuch“ auf mich noch intensiver als es die gedruckte Version getan hätte.

Nina George ist ein besonderes Buch gelungen, dessen Figuren mich berührten, deren Schicksal und Gedanken mich auch nach dem zweiten Hören noch beschäftigen. Ja, denn nach dem ersten Hören war ich sprachlos, konnte meine Gedanken und Gefühle nicht in Worte fassen und entschied, „Das Traumbuch“ ein zweites Mal zu hören. Ein phantastischer Roman, der sich mit scheinbarer Leichtigkeit intensiv und einfühlsam mit dem (Er-)Leben von Komapatienten und deren Angehörigen beschäftigt, sowie dem Tod. Im Mittelpunkt steht jedoch eindeutig das Leben mit all seinen bunten Farben, Sehnsüchten, Hoffnungen, Träumen und zahllosen Möglichkeiten, durch die Augen dreier sehr lebendiger Hauptfiguren. Ein wahrlich wundervolles Hörbuch.

8 von 8 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Die Brückenbauer

  • Die Brückenbauer 1
  • Autor: Jan Guillou
  • Sprecher: Tobias Kluckert
  • Spieldauer: 21 Std. und 46 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 2.366
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 2.206
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 2.202

Packend, atmosphärisch, farbenprächtig - das große Jahrhundertabenteuer. Als ihr Vater vom Fischfang nicht zurückkehrt, werden Lauritz, Oscar und Sverre zu Halbwaisen. Sie sind noch Kinder, trotzdem schickt ihre Mutter sie zu einer Lehre fort in die Stadt. Die drei Jungen nehmen ihr Schicksal klaglos an. Mehr noch: Begierig und gelehrig saugen sie das Wissen in sich auf. Zwanzig Jahre später beenden sie ihr Studium mit Auszeichnung.

  • 4 out of 5 stars
  • Interessante Erzählung, ungewöhnliche Perspektive

  • Von Buechereule2 Am hilfreichsten 01.03.2016

Interessante Erzählung, ungewöhnliche Perspektive

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.03.2016

„Packend, atmosphärisch, farbenprächtig - das große Jahrhundertabenteuer“ wird der erste Band der Reihe von Jan Guillou beworben, sicherlich nicht zufällig an die „Jahrhundert-Trilogie“ von Ken Follett erinnernd.

Ich war neugierig auf einen historischen Roman, der den Anfang des 20. Jahrhunderts aus anderem Blickwinkel zeigt, mit drei Brüdern aus Norwegen in den Hauptrollen. Die Jungen Lauritz, Oscar und Sverre wurden jung zu Halbwaisen, ihr Vater war Fischer. Durch einen Zufall erhalten sie ein Stipendium, das ihnen ein Ingenieursstudium in Dresden ermöglicht und voraussetzt, dass sie danach zu Bau der Bergenbahn nach Norwegen zurückkehren.

Guillou lässt die Leser erst in ein bitterarmes Fischerdorf reisen, dann mit den Jungen kurz in die Stadt und später nach Dresden zum Studium. Nach dem Studium wählen die drei Brüder dann 1901 getrennte Wege. Oscar ist unglücklich verliebt und geht nach Afrika, Sverre entschwindet mit seinem Liebhaber nach England und Lauritz, der Älteste, sieht sich gezwungen seine große Liebe allein in Dresden zurückzulassen um als Einziger die Brücken für die Bergenbahn zu bauen.

Im Gegensatz zu Ken Follett wählt Jan Guillou so spektakuläre wie unbekannte Schauplätze und konzentriert sich auf das Leben zweier Brüder, die nicht häufig historischen Persönlichkeiten begegnen.

Es sind viele interessante Momentaufnahmen einer längst vergangenen Zeit, sowohl aus Norwegen und Deutschland, sowie aus Afrika. Die Lebenswege der beiden Brüder verlaufen sehr unterschiedlich und auf gewisse Weise doch ähnlich, denn sie stoßen körperlich und emotional an ihre Grenzen als sie auf verschiedenen Kontinenten Brücken bauen. Brücken aus Stein und Brücken zu anderen Menschen, während sie den Naturgewalten ausgesetzt sind.

Es war eine Zeit der raschen Umbrüche, die Eisenbahnen in Norwegen und Afrika sollten das Leben der Bevölkerung dort drastisch verändern und vor allem Oscar lernt ihm bis dahin völlig fremde Kulturen kennen, die ihn nachhaltig prägen. Natürlich darf auch der erste Weltkrieg aus Perspektive beider Brüder nicht fehlen, insbesondere die Erlebnisse von Oscar sind fesselnd.

Leider kam ich keiner der Hauptfiguren wirklich nahe, vielleicht auch weil die Wechsel der Schauplätze und Zeitsprünge manchmal zu abrupt waren und die Brüder und ihr Umfeld seltsam blass blieben, die technischen Hintergründe des Baus der Bergenbahn teilweise zu oberflächlich angerissen wurden. Lauritz ist eher ein zurückgezogener Einzelgänger, die Interessen der Brüder während des Studiums werden nur in wenigen Nebensätzen abgehandelt. Die Darstellung der Engländer in Afrika und auch die der Deutschen ist recht einseitig ausgefallen.

Auf der anderen Seite bin ich neugierig geworden, wie es mit den Brüdern weitergeht und überlege, irgendwann den zweiten Teil zu hören.

Fazit
Eine interessante Geschichte, die den Anfang des 20. Jahrhundert aus ungewohnter Perspektive erzählt, die Leser mit in entlegene Gegenden Norwegens und Afrikas mitnimmt und eine Zeit der raschen technischen Veränderungen miterleben lässt. Die Hauptfiguren sind mir nicht ans Herz gewachsen, trotz des exzellenten Vortrags von Tobias Kluckert.

49 von 52 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Welt in Flammen

  • Autor: Benjamin Monferat
  • Sprecher: Oliver Rohrbeck
  • Spieldauer: 9 Std. und 47 Min.
  • Gekürztes
  • Gesamt
    4 out of 5 stars 73
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 65
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 66

Im Mai 1940 rollen deutsche Panzer westwärts. Während in Paris die Angst um sich greift, bricht der legendäre Simplon Orient Express ein letztes Mal nach Istanbul auf. An Bord befinden sich Reisende, für die alles auf dem Spiel steht: Ein Balkanfürst will die Herrschaft über sein Land zurückerobern. Seine jüdische Geliebte fürchtet um ihre Liebe - und um ihr Leben. Ein deutscher Spion soll einen äußerst riskanten Auftrag ausführen. Was niemand von ihnen ahnt: Der Express birgt etwas, nach dem Hitler seine Truppen in ganz Europa suchen lässt.

  • 5 out of 5 stars
  • Rasante Zugfahrt quer durch Europa im Jahr 1940

  • Von Buechereule2 Am hilfreichsten 22.10.2014

Rasante Zugfahrt quer durch Europa im Jahr 1940

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 22.10.2014

Dank der Büchereulen wurde ich auf dieses sehr spannende und interessante Buch aufmerksam und mangels Lesezeit griff ich zur gekürzten und von Oliver Rohrbeck gelesenen Hörfassung.

Benjamin Monferat nimmt seine Leser bzw. Zuhörer mit auf eine rasante Reise, die letzte Fahrt des Simplon-Orient-Express quer durch das durch das vom Zweiten Weltkrieg zerrissene Europa.

Diese Fahrt dauert nur wenige Tage, Schauplatz ist fast ausschließlich der Zug, in dem sich die sehr unterschiedlichen und weitgehend fiktiven Haupt- und Nebenfiguren immer wieder in unterschiedlichen Konstellationen begegnen. Auch wenn diese Fahrt nie so stattfand und die meisten Figuren keine historischen Persönlichkeiten sind, hatte ich schnell den Eindruck, genau so hätte es sich zutragen können. Ähnlich wie bei Ken Folletts Jahrhundert-Trilogie gibt es auch hier keine eindeutigen Hauptfiguren, sondern eine relativ hohe Anzahl von Figuren, die eine wichtige Rolle spielen. Eva, die junge Jüdin, die in letzter Minute mit viel Glück noch in den Zug kam. Ein Widerstandkämpfer, Briten, Franzosen, Deutsche, Russen und der König eines kleinen Landes zeigen die unterschiedlichsten Positionen, die politische Situation jener Zeit. Die Figuren sind etwas plakativ gezeichnet, gleichzeitig jedoch in ihrem Handeln und Denken konsequent und glaubwürdig.

Schnell fieberte ich mit Einigen um ihr Leben, war gefesselt von den zahlreichen Handlungssträngen, die äußerst geschickt miteinander verwoben sind. Nur selten gelingt es einem Autor so gekonnt, zwischen verschiedenen Erzählebenen zu wechseln und zügig zahlreiche Figuren einzuführen, ohne dass die Zuhörer das Gefühl haben, den Überblick zu verlieren.

Das dem Hörbuch beigefügte Personenverzeichnis habe ich daher nicht benötigt, fand die Landkarte mit der eingezeichneten Fahrstrecke des Zugs und Einteilung der Zugabteile/-waggons jedoch hilfreich. Die Leidenschaft des Autors für das Thema Eisenbahn ist deutlich spürbar.

Oliver Rohrbeck ist einer meiner Lieblingssprecher und auch hier erweckt er wieder gekonnt die verschiedenen Figuren zum Leben, vermittelt überzeugend die Atmosphäre im Zug, egal ob brisant, tragisch oder romantisch.

Fazit
Benjamin Monferat bietet mit "Welt in Flammen" rasantes Kopfkino im Hollywood-Stil mit lebendigen Figuren und einem ungewöhnlichen Schauplatz - dem Simplon-Orient-Express auf seiner letzten Fahrt quer durch Europa. Ein unterhaltsamer und spannender Roman, der sehr unterschiedliche Blickwinkel auf die politische Situation 1940 zeigt und von Oliver Rohrbeck ausgezeichnet gelesen wird. Ich bin nicht gespannt, ob sondern wann der Roman verfilmt wird.
Ein empfehlenswertes Buch, dem hoffentlich noch weitere aus der Feder dieses bekannten Autors folgen werden.

15 von 17 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Kinder der Freiheit

  • Die Jahrhundert-Saga 3
  • Autor: Ken Follett
  • Sprecher: Philipp Schepmann
  • Spieldauer: 42 Std. und 11 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 5.346
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 4.946
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 4.946

Berlin, 1961. Rebecca Hoffmann erfährt durch Zufall, dass ihr Mann bei der Stasi arbeitet, und damit bricht ihre ganze Welt zusammen. Ihr Schicksal - und das eines ganzen Volkes - scheint besiegelt, als die Regierung eine Mauer erbauen lässt, die jede Flucht unmöglich machen soll. Doch weder Rebecca, noch ihre Kinder geben auf! Und sie bleiben nicht alleine...Boston, 1961. George Jake und Verena Marquand, zwei junge Schwarze, erfahren am eigenen Leib, was Rassendiskriminierung bedeutet - und wie falsch angebliche Freunde sein können. Wem kann man in einer von Misstrauen und Vorurteilen beherrschten Gesellschaft trauen, wem nicht.

  • 2 out of 5 stars
  • Enttäuschend: Der schwächste Teil der Trilogie

  • Von emb Am hilfreichsten 07.10.2014

Gelungener Abschluss der Jahrhundert-Trilogie

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 22.09.2014

"Kinder der Freiheit" ist ein typischer Follett: 42 Stunden und 10 Minuten bzw. 1216 Seiten, die ausgezeichnete Unterhaltung mit lebendigen Figuren und interessantem historischen Hintergrund bieten. Follett gelingt wieder eine ausgewogene Mischung zwischen dem Privatleben seiner fiktiven Figuren und den historischen Ereignissen.

Die bereits aus den ersten beiden Bänden bekannten Figuren tauchen wieder auf, ihre Kinder stehen im Mittelpunkt des Abschlussbandes, dessen deutscher Titel in Anbetracht der Lebensumstände oft eher ironisch wirkt.

Der dritte Band der "Jahrhundert-Trilogie" beginnt 1961 in Berlin, wo Mauds Enkelin Rebecca Hoffmann mit ihrer Familie lebt. Während Maud die Ansicht vertritt, dass die Probleme der DDR lösbar sind und man nicht vor ihnen davonlaufen dürfe, sind Rebecca und viele Andere überzeugt, dass Regierung und Stasi ihre Macht missbrauchen und sehen keine Lösung außer der Flucht in den Westen.
Gleichzeitig sehnt in Boston der junge George Jakes ein echtes Ende der Rassentrennung herbei, während sein leiblicher Großvater Grigori Peschkow und dessen andere Nachkommen in der UdSSR leben. Tanya Dvorkin arbeitet als Journalistin für die TAS und hofft auf den baldigen Untergang des Kommunismus, ihr Bruder Dimitri glaubt an Reformen und ist politisch aktiv.

Durch die Augen der authentisch wirkenden und komplexen Hauptfiguren erleben die Zuhörer bzw. Leser die Schlüsselmomente jener Zeit aus verschiedenen Perspektiven, begleiten die sehr unterschiedlichen Figuren durch Höhen und Tiefen. Zerwürfnisse und Versöhnungen, neues Leben und der Tod, Armut und Reichtum, Freiheit, Flower Power, Konservatismus, totalitäre Regime und die modernen Medien prägen ihr Leben. Follett zeichnet lebendige Bilder wichtiger Ereignisse der 60er, 70er und 80er Jahre, zeigt die politische Seite und auch den Alltag der Bevölkerung, wobei dieser etwas kürzer kommt als in den vorhergehenden Bänden. Die verschiedenen Handlungsstränge sind lose miteinander verwoben und die Wechsel sowie die Länge der einzelnen Abschnitte sind perfekt dosiert.

Vor allem die recht ausführliche Schilderung der Unruhen in Birmingham, Alabama, als auch der Kubakrise aus amerikanischer und sowjetischer Sicht berührten mich und machten nachdenklich, nicht zuletzt weil sie teilweise wieder hochaktuell sind. Folletts bis ins kleinste Detail ausgezeichnet recherchierte Darstellung dieser Ereignisse lässt die sogenannte "gute alte Zeit" in anderem Licht erscheinen. Auch wenn diese Zeit noch nicht allzu lange her ist und es sowohl Videos als auch Fotos in Farbe gibt, machte Ken Folletts Darstellung so einiges begreifbarer, teilweise auf sehr beklemmende Weise.

Die jungen Hauptfiguren bekommen teilweise sehr früh politischen Einfluss, Einblicke in die Schaltzentralen der Macht, die sie kritisch werden lassen und auch mal mehr mal weniger schnell desillusionieren. Auf unterschiedlichen Seiten setzen sie sich oft für ähnliche Ideale ein - das (vermeintliche) Wohl ihrer Mitmenschen.

Während ihre Eltern und Großeltern meist noch relativ früh heirateten und Kinder bekamen, ist diese Generation von den Auswirkungen des Feminismus und der Flower Power Bewegung geprägt. Gleichzeitig müssen einige der Figuren sehr jung erwachsen werden und sich in einer rasch verändernden Welt mehr oder minder alleine zurecht finden. Die Werte ihrer Vorfahren verlieren rapide an Bedeutung, im Privatleben als auch auf politischer Ebene. Die Entwicklung der Hauptfiguren ist auch in diesem Band durchweg glaubwürdig, obwohl man sie über einen recht langen Zeitraum und durch große Umbrüche begleitet.

Philipp Schepmann liest gewohnt gut, sowohl dramatische als auch ruhige Passagen des Romans auf sehr einfühlsame Weise, wobei Frauenstimmen ihm gelegentlich nicht ganz so überzeugend gelingen. Dank seines Vortrags (und natürlich Ken Folletts Erzähltalent) hatte ich oft das Gefühl, selbst dabei zu sein.

Im letzten Viertel werden relativ häufig Ereignisse aus dem ersten Drittel kurz erklärt, wohl davon ausgehend, dass die Lektüre der 1216 Seiten mehrere Wochen dauert. Dies ist jedoch so knapp gehalten, dass es nicht störte. Sicherlich könnte man Follett vorwerfen, dass einige Begegnungen oder Arbeitsplätze der Hauptfiguren allzu gewollt hingebogen sind - ohne diesen Kniff wäre eine so facettenreiche Darstellung jedoch nicht möglich. Dass seine politischen Ansichten durchblitzen ist vermutlich bei dieser Thematik nur schwer vermeidbar. Einziges echtes Manko für mich sind die gelegentlichen Schwächen der eigentlich weitgehend ausgezeichneten Übersetzung, bei der leider mit unzeitgemäßen Anglizismen und einigen allzu wörtlichen Übertragungen nicht gespart wurde.

"Kinder der Freiheit" setzt keine Vorkenntnisse aus den Vorgängern voraus, die Vorgeschichte der im Mittelpunkt stehenden Familien wird wenn nötig stets kurz erläutert - wobei die beiden ersten Bände meiner Meinung nach sehr empfehlenswerte Lektüre sind.

Trotz hoher Erwartungen hat mich der "Kinder der Freiheit" nicht enttäuscht. Follett versteht es, die Aufmerksamkeit seiner Leser von Anfang bis Ende zu fesseln, ihnen eine vergangene Zeit miterleben zu lassen. Ein gelungener Abschluss der Trilogie, dem ich viele Zuhörer bzw. Leser wünsche.

44 von 58 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Ins Gras beißen die andern

  • Autor: Jamie Mason
  • Sprecher: Detlef Bierstedt
  • Spieldauer: 9 Std. und 36 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    3.5 out of 5 stars 58
  • Sprecher
    4 out of 5 stars 55
  • Geschichte
    3 out of 5 stars 54

Einen Mann umzubringen, war nicht gerade Jason Gettys glorreichste Idee. Und ihn im eigenen Garten zu vergraben, hat die Sache nicht besser gemacht. Von Albträumen geplagt, versucht Jason ein normales Leben zu führen - bis ein Jahr später die Leiche auf seinem Grundstück gefunden wird. Oder besser gesagt: eine Leiche. Denn was dort zum Vorschein kommt, ist nicht Jasons Opfer. Der ahnt nun, dass sein dunkles Geheimnis nicht das einzige ist, das auf dem Grund seines Gartens begraben liegt.

  • 4 out of 5 stars
  • Spannend-skurriler Erstling - Wann kommt der Film?

  • Von Buechereule2 Am hilfreichsten 04.06.2014

Spannend-skurriler Erstling - Wann kommt der Film?

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 04.06.2014

"Es gibt keinen Frieden für einen, der eine Leiche im Garten vergraben hat."

"There is very little peace for a man with a body buried in his backyard."

Allein der erste Satz der Hörprobe reichte schon, um mich neugierig zu machen, wenn dies nicht schon die sehr treffende Inhaltsangabe getan hätte. Ungewöhnlich, dass man den Täter schon vom ersten Satz an kennt. Oder nur einen Täter? Denn als ob es nicht schlimm genug ist, dass der eigentlich so friedfertige Jason Getty die Leiche im eigenen Garten vergraben hat, nein, bei Gartenarbeiten werden zwei andere Leichen gefunden und die Polizei ist mehr als misstrauisch....

Immer wenn in einem der ersten Kapitel eine neue Figur auftaucht, wird das folgende Kapitel aus deren Perspektive erzählt. Dies ist anfangs etwas anstrengend, legt sich jedoch nach einer Weile und erst zum Ende hin arbeitet die Autorin Jamie Mason wieder mit zahlreichen und schnellen Perspektivwechseln.

Zum einen ist da der Eigentümer des Hauses und Täter Jason Getty, dessen Leben immer wieder skurrile Wendungen nimmt. Derzeit ist sein Leben ziemlich leer und an Selbstsicherheit mangelt es ihm auch, die begangene Tat und die Nähe der Leiche machen ihn unsicher und lassen ihn den Garten und sich selbst vernachlässigen, so ist er das perfekte Opfer für obskure "Freunde". Für die Ermittlungen in Jasons Garten ist Detective Tim Bayard zuständig, der nicht nur Jason ziemliche Kopfschmerzen bereitet, sondern sich auch auf die Suche nach dem Vorbesitzer des Hauses macht, Boyd Montgomery. Dieser scheint hinter dem Fall der beiden bereits gefundenen Leichen zu stecken, denn es handelt sich um seine Frau Katielynn und ihren Liebhaber Reid Reynolds. Oder doch nicht? Und was ist mit Leah Tamblin, der hinterbliebenen Verlobten von Reynolds?

Klingt ein wenig chaotisch? Ist es auch und sowohl für Jason Getty als auch für Detective Bayard werden es mit der Zeit unübersichtlich viele Puzzleteile. Die beiden sollten ab dem Tag der Gartenarbeiten nach dem Motto leben "Lächle, es könnte schlimmer kommen - und ich lächelte. Und es kam schlimmer."

Als Kinofilm fände ich "Ins Gras beißen die andern" vermutlich hervorragend, als Buch jedoch manchmal nur mäßig spannend, einerseits weil sich Jamie Mason stellenweise in unwichtigen Details verliert, andererseits weil die zahlreichen Perspektivwechsel zwar interessant sind, jedoch gleichzeitig oft sehr sprunghaft und so rüberkommen, als ob künstlich Spannung erzeugt werden solle, weil der Leser bzw. Zuhörer das folgende Detail noch nicht wissen soll.

Gleichzeitig gelingt es der Debutautorin sehr überzeugend, das jeweilige Mordmotiv darzustellen, es für die Leser und Zuhörer glaubwürdig zu vermitteln, warum der Täter in jener Situation kaum anders handeln konnten. Sprachlich hebt sich "Ins Gras beißen die andern" wohltuend von der breiten Masse ab, auch wenn es an wenigen Stellen etwas zu bemüht wirkt. Das Ende ist meiner Meinung nach gelungen, zumal durch zahlreiche geschickte Wendungen sehr lange offen bleibt, wie es wirklich ausgeht.

Der lakonische Vortragsstil von Detlef Bierstedt passt wunderbar zur Geschichte, die mich mal grinsen, mal einen Mörder verstehen, mal mitleiden ließ.

Fazit
Ein interessant konstruiertes und meist spannendes Erstlingswerk, das geradezu nach einer Verfilmung schreit. Jamie Mason lässt ihre Figuren lebendig werden, weckt Verständnis für ihre Motive und ihr Schicksal, verstreut wohldosiert rabenschwarzen Humor. Die Atmosphäre und das Innenleben der Figuren werden gewohnt wundervoll von Detlef Bierstedt vermittelt.

Trotz gewisser Längen von mir eine Hörempfehlung sowie die Hoffnung auf ein weiteres Werk aus der Feder von Jamie Mason.

P.S. Übrigens finde ich das Titelbild der deutschen Ausgabe perfekt gelungen, viel schöner als die der englischen Ausgaben, den englischen Titel "Three Graves Full" jedoch passender.

4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Tausendundein Granatapfelkern

  • Autor: Marjan Kamali
  • Sprecher: Jasmin Tabatabai
  • Spieldauer: 5 Std. und 9 Min.
  • Gekürztes
  • Gesamt
    4 out of 5 stars 11
  • Sprecher
    4 out of 5 stars 11
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 11

Einen Ehemann als Geburtstagsgeschenk? Was für ihre Mutter im Iran noch völlig normal war, ist für die junge Mina in New York unvorstellbar! Seit die Familie vor der Islamischen Revolution geflohen ist, lebt sie zwischen zwei Kulturen - doch so schön die Freiheit ist, so stark ist auch die Sehnsucht nach der alten Heimat. Erst eine Reise nach Teheran lässt Mutter und Tochter erkennen, worauf es wirklich ankommt.

  • 5 out of 5 stars
  • Iranisch-amerikanische Familiengeschichte mit Herz

  • Von Buechereule2 Am hilfreichsten 20.05.2014

Iranisch-amerikanische Familiengeschichte mit Herz

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 20.05.2014


Marjan Kamali Erstlingswerk wurde mir von einer guten Freundin empfohlen und anfangs war ich ein wenig kritisch, wie es mir gefallen würde. So kurz nach Sahar Delijanis beeindruckendem "Kinder des Jacarandabaums" hatte es ein weiteres Buch über den Iran um die Zeit der Revolution nicht leicht.

Doch während Sahar Delijanis sich eher auf die drastischen Auswirkungen der fehlgeschlagenen Revolution auf deren Anhänger und Familien konzentriert, stellt Marjan Kamali zwei Frauen in den Mittelpunkt, die schon 1981 von Teheran in die USA auswanderten.

Die mittlerweile 25-jährige Mina wohnt seit knapp 15 Jahren in New York, fühlt sich dort mehr oder minder heimisch und bedauert es, den Kontakt zu ihrer früheren besten Freundin in Teheran verloren zu haben. Sie selbst beschreibt ihr jetziges Leben treffend als "Leben auf dem Bindestrich" zwischen iranisch-amerikanisch, einem sehr kleinen Ort, von dem man leicht herunterfallen könne, jedoch zu keiner der beiden Gruppen rechts und links des Bindestrichs ganz und gar dazugehören würde.

Ganz anders geht es ihrer Mutter Darya, die scheinbar als Einzige der alten Heimat hinterher trauert und die USA von Anfang als Heimat der anderen Familienmitglieder bezeichnete. Ihre beiden Söhne sind schon verheiratet und beruflich sehr erfolgreich, jetzt gilt es einen passenden Ehemann für Mina zu finden, mit sehr skurrilen Methoden. Denn Darya ist der festen Überzeugung, dass Eltern ihre Kinder besser kennen als diese sich selbst und somit auch den optimalen Ehepartner aussuchen würden.

Aus Sicht der beiden Frauen wird sehr anschaulich geschildert, wie unterschiedlich stark sie durch ihr Leben im Iran geprägt wurden. Zahlreiche Rückblicke zeigen, weshalb die Eltern sich für die Auswanderung entschieden und erst durch Minas Wunsch, in den Weihnachtsferien nach Teheran zu reisen, wird nicht nur ihr und ihrer Mutter deutlich, wie anders ihr Leben in der alten Heimat verlaufen wäre.

Als Kind träumte Mina noch davon, Malerin zu werden, jetzt studiert sie Wirtschaftswissenschaften, war in der Schule wie von den Eltern gewünscht immer bei den Besten. Wie wäre ihr Leben im Iran verlaufen, wenn sie nicht als Zehnjährige in New York von Klassenkameraden als Terroristin verhöhnt worden wäre? Wie ist das Leben ihrer besten Freundin verlaufen, die sie im Iran zurücklassen musste? Und welche Werte und Prioritäten sind wirklich wichtig?

Sehr einfühlsam schildert Marjan Kamali das Leben der beiden Frauen und ihrer Familie, die Zerissenheit der Einwanderer in der neuen Heimat, die für manche nie eine echte Heimat wird, egal wie sehr sie deren Vorteile zu schätzen wissen.

Die amerikanische Sprecherin Negin Farsad verleiht Mutter und Tochter passende, individuelle Stimmen und ließ sie lebendig werden.

Fast nebenbei wird viel über die Atmosphäre im Iran Ende der 70er Jahre vermittelt, sowie über die unterschiedlichsten persischen Gerichte. Am besten beim Hören oder Lesen etwas Leckeres zu Essen bereithalten. Augenzwinkern Man spürt deutlich die Liebe der Autorin für Land und Leute, für das Essen, die Landschaft und Kultur. Am liebsten wäre ich noch während des Hörens an einige der Schauplätze gereist.

Ihre Schilderungen des Taarof ließen mich mehr als einmal Schmunzeln, die Entrüstung von Minas Vaters über die Empfehlung sich besser als Perser zu bezeichnen auch, machte jedoch auch nachdenklich.

Fazit
Ein sehr interessanter und einfühlsamer Einblick in das Leben zweier Frauen, die Anfang der 1980er Jahre von Teheran nach New York auswanderten. Mutter Darya und Tochter Mina hätten in der alten Heimat ein völlig anderes Leben geführt, 15 Jahre später haben sie sich in der neuen Heimat fast auseinander gelebt und kommen sich durch eine gemeinsame Reise in den Iran wieder näher.

Marjan Kamali schildert das Leben auf dem Bindestrich, des Nirgendwo-so-richtig-Dazugehörens und weckt Interesse an einem mir bis Ende letzten Jahres leider weitgehend fremden Land.

P.S. Interessanterweise beziehen sich der englische Titel und der ganz anders lautende deutsche Titel auf unterschiedliche Szenen im Buch. Jeder der Titel ist auf seine Weise sehr passend.

3 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Das Rosie-Projekt

  • Don Tillman 1
  • Autor: Graeme Simsion
  • Sprecher: Robert Stadlober
  • Spieldauer: 8 Std. und 9 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 3.846
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 3.551
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 3.553

Don Tillman ist hochintelligent, sportlich, erfolgreich – und er will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das Ehefrau-Projekt: mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganerin ist. Und dann kommt Rosie. Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin.

  • 5 out of 5 stars
  • Herzerfrischend anders

  • Von Ute Am hilfreichsten 07.02.2014

Eine ganz besondere Geschichte - wunderbar gelesen

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 12.03.2014

Graeme Simsions Erstlingswerk erzählt die ganz besondere Geschichte von Don Tillman, der nicht nur hochintelligent, sehr sportlich und zielstrebig ist, sondern auch hochstrukturiert und auf der Suche nach einer möglichlichen Ehefrau zu eher unkonventionellen Methoden greift.

Don lebt nach einem selbstentwickelten strikten Zeitplan, um seinen Tagesablauf zu optimieren. Smalltalk ist für ihn völlige Zeitverschwendung, es gibt an jedem Wochentag das Gleiche zu essen usw. Dementsprechend methodisch versucht er auch eine passende Ehefrau zu finden... die natürlich ganz anders verläuft, als er es geplant hatte.

Robert Stadtlober ist die ideale Besetzung für den spröden Don, der oft mit völligem Unverständnis auf seine Umwelt reagiert - genau wie diese oft auf ihn.

Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, mit all ihren Licht- und Schattenseiten, vielschichtig und mit glaubwürdigen Charakterentwicklungen. Das Ende ist überraschender als ich es gegen Mitte des Buchs erwartet hätte und passt perfekt.

Ein Hörbuch, dass ich schon mehrfach weiterempfohlen habe und dem ich noch viele andere begeisterte Hörer wünsche. Und allen Fans wünsche ich noch weitere Bücher von Graeme Simsion.

2 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Die Analphabetin, die rechnen konnte

  • Autor: Jonas Jonasson
  • Sprecher: Katharina Thalbach
  • Spieldauer: 14 Std. und 10 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 2.862
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 2.660
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 2.643

Wenn Pippi Langstrumpf Weltpolitik machen würde: Weltpolitische Intrigen, Atomwaffen - und ein Mädchen aus den südafrikanischen Slums. Das kommt nur im Hörbuch "Die Analphabetin, die rechnen konnte" von Jonas Jonasson so vortrefflich zusammen. Gesprochen von Schauspiel-Ikone Katharina Thalbach wird aus der ohnehin urkomischen Geschichte eine Achterbahnfahrt voller Satire und Slapstick.

  • 3 out of 5 stars
  • Der Journalist, der nicht genug bekommen konnte

  • Von Klaus Am hilfreichsten 03.12.2013

Unterhaltsam und originell - genial gelesen

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 12.03.2014

"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand" war mir in guter Erinnerung und freute ich mich auf das neuste Buch von Jonas Jonasson, das noch dazu von Katharina Thalbach gesprochen wird.

Ähnlich wie seinem Erstling, strotzt die Geschichte von skurrilen Personen und absurden Ereignissen ohne jemals ins Lächerliche abzugleiten. Jonasson versteht es, seine Figuren mit wenigen Worten lebendig werden zu lassen, ihr teilweise wirklich absonderliches Verhalten nachvollziehbar wirkt fast immer glaubwürdig.

Es gibt keinerlei klare Trennlinien zwischen gut und böse, die Figuren entwickeln sich während der Erzählung deutlich weiter und die Spannung steigt von Kapitel zu Kapitel, wie Jonasson diese verworrene Handlung zu einem schlüssigen Ende bringen will. Häufige Wendungen machen es fast unmöglich, das Ende vorauszuahnen, das meiner Meinung sehr passend zum Rest des Buchs ist. Rabenschwarzer Humor und gelegentliche Seitenhiebe auf die Politik ließen mich häufig schmunzeln. Genau wie der Hundertjährige, sind auch hier einige Figuren weitgereist und haben auf diesen Reisen eher Ungewöhnliches erlebt.

Katharina Thalbachs Vortragsstil mag auf manche zu trocken und unemotional wirken, für mich passt ihre Stimme ausgezeichnet zu den so unterschiedlichen Hauptfiguren und auch die stark schwankenden Emotionen werden überzeugend vermittelt.

Ein ganz besonderes Hörvergnügen, dem ich gerne vier Punkte gebe, einen ziehe ich für geringfügige Längen im letzten Drittel ab. Nichtsdestotrotz freue ich mich schon sehr auf das nächste Werk von Jonas Jonasson und bin gespannt, welcher hervorragende Sprecher dann ausgewählt wird.

4 von 5 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Hypnose

  • Autor: Sina Beerwald
  • Sprecher: Charles Rettinghaus
  • Spieldauer: 11 Std. und 11 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4 out of 5 stars 106
  • Sprecher
    4 out of 5 stars 77
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 79

Ein eiskalter Mord im Freundeskreis. Die Journalistin Inka Mayer hat Zweifel am Geständnis ihrer Freundin Annabel. Inka hegt den Verdacht...

  • 2 out of 5 stars
  • Thrillerdebut mit zu vielen Kinderkrankheiten

  • Von papercuts1 Am hilfreichsten 21.08.2013

Interessanter Thriller - unpassender Sprecher

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
2 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.10.2013

Da Sina Beerwald zu meinen Lieblingsautorinnen gehört, war ich gespannt auf die ungekürzte Hörfassung von ihrem ersten Krimi "Hypnose".

Im MIttelpunkt steht - wie der Titel schon verrät - die Hypnose und deren Möglichkeiten, deren Risiken. In dicht gewebter Handlung erzählt die Autorin vom Schicksal der Journalistin Inka Mayer, die noch dabei ist, sich von der Totgeburt ihres Kindes zu erholen. Als ersten Schritt zurück ins Leben gibt sie eine Party für ihre engen Freunde, doch der Abend endet mit einem weiteren Schock, ihre beste Freundin Annabel bringt ihren Verlobten Jannis um. Dann erhält Inka auch noch Morddrohungen...

Die gesamte Handlung wir aus Inkas Perspektive erzählt und so geschickt dies an sich ist für die spannende Geschichte, so fatal ist es bei diesem Sprecher. Charles Rettinghaus höre ich eigentlich gerne zu - jedoch nicht, wenn er scheinbar völlig emotionslos liest, wie Inka von den schrecklichen Erlebnissen bei der Totgeburt spricht und oder anderen inneren Gefühlen. Leider trübte sein unpassender Erzählstil für mich das Hörvergnügen so stark, dass es mir teilweise schwer fiel, zwischen Qualität der Handlung und des Sprechers zu unterscheiden.

Inka setzt große Hoffnungen auf Hypnose, die schon bei ihren Freundinnen Wunder wirkte. Doch bald überschlagen sich die Ereignisse und ihr Leben gerät immer mehr aus den Fugen. Wem kann sie noch trauen, was ist wahr und was sind nur grausame Spiele ihres Gehirns?

Sina Beerwald gelingt es abermals, vielschichtige Figuren zu erschaffen, um deren Schicksal ich mitfieberte und mich auch um Inka sorgte, die irgendwann ihrem Therapeuten mehr anvertraut als ihrem eigenen Ehemann.

Mehr möchte ich hier nicht verraten und bin gespannt auf den nächsten Krimi aus der Feder von Sina Beerwald, der leider erst nächstes Jahr erscheinen soll.

2 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich