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Sursulapitschi

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Downton Abbey in Deutschland

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 18.04.2020

„Drama, Liebe, Wahnsinn.“ Damit kündigt der Autor sein neustes Werk an und treffender kann man es wohl nicht formulieren. Wer anhand des lieblichen Covers Allerliebstes erwartet, ist hier ganz falsch.


Wir sind dabei, wie 1866 im beschaulichen Hohensandau ein Porzellanimperium gegründet wird, das uns wohl noch über einige Bücher hinweg beschäftigen wird.


Es wirkt ein wenig wie Downton Abbey in Deutschland. Es geht um die Sorgen der Herrschaft und der Dienerschaft gleichzeitig, um Theresa, die Dienstmagd, Wilhelm den Pferdeknecht, aber auch um Thyra von Hardenstein, die Porzellanerbin, die hochschwanger eine gefährliche Reise antreten muss während Krieg in der Luft liegt.

Hoch dramatische Ereignisse werden hier mit zahlreichen historischen Details gespickt. Man fühlt sich zurückversetzt in diese Zeit und lernt auf unterhaltsame Art viel über das Alltagsleben, politische Zusammenhänge und natürlich auch über die Porzellanherstellung und die beginnende Industrialisierung in Deutschland.


Das Hörbuch ist sehr schön gelesen, wobei grundsätzlich drei Sprecher am Start sind. Richard Barenberg liest dabei als einziger männlicher Sprecher den Löwenanteil, was ein klein wenig schade ist. Er tut sich ein bisschen schwer damit, weibliche Stimmen zu interpretieren, was gelegentlich ungewollt komisch wirkt.

Dieses Buch erzählt gleich mehrere Familiengeschichten, die kompliziert miteinander verwoben sind und legt den Grundstein für sehr viel mehr. Manch einer bekommt ein wirklich schweres Erbe in die Wiege gelegt, weshalb ich jetzt dringend wissen möchte, wie es weitergeht. Gut möglich, dass diese Reihe süchtig macht.

Ein besonderes Buch

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 28.01.2019

Bücher, die man verschlingt und jedes Wort inhaliert, die gibt es nicht oft. Dieses hier ist so eins.

Eleanor Oliphant ist eigen. Sie hat ihren Job im Büro, eine kleine Wohnung, ein geregeltes Leben und ist damit zufrieden. Freunde hat sie nicht, ihre Kollegen interessieren sie auch nicht. Einmal im Monat kommt ihre Betreuerin vorbei, aber sonst hat sie keinen Kontakt zu anderen Menschen. Sie legt Wert auf Vernunft und kultivierte Sprache und beides findet man bei anderen Menschen bedauerlich selten.
Als sie sich spontan verliebt, versteht sie sich selbst nicht mehr, sieht aber ein, dass sich Dinge ändern müssen.

Es ist urkomisch aber auch anrührend, wie Eleanor versucht, ins „normale Leben“ zu finden und sich dabei gnadenlos ehrlich selbst analysiert. Dazu fragt man sich noch ständig, was ist nur los mit ihr? Sie hat einen psychischen Knacks, aber warum? Nach und nach erfährt man mehr über Eleanors Geheimnis.

Ganz besonders möchte ich die Hörbuchversion empfehlen. Die Sprecherin verkörpert Eleanor wunderbar. Grandios, wie sie es schafft, die Zwiespältigkeit dieser Figur umzusetzen, mal arrogant, sperrig, rechthaberisch, mal verletzlich und manchmal sogar ein kleines Mädchen.

Dieses Buch ist so besonders wie seine Protagonistin und lässt sich nur schwer einem Genre zuordnen. Es ist ein Roman mit einer gehörigen Portion Psychothrill, obwohl eigentlich nichts Schreckliches passiert, es amüsiert und erschüttert gleichermaßen und fesselt von der ersten bis zur letzten Seite.

Großes Kino

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.01.2019

Als Sunja in den 30er Jahren, frisch verheiratet, mit ihrem Mann von Korea nach Japan zieht, erhofft sie sich ein besseres Leben. In Korea war das Überleben mühevoll, ihre Kinder sollten es einmal besser haben.


Schon bald muss sie feststellen, dass man als Koreaner in Japan ein Bürger zweiter Klasse ist. Auch hier ist sie nicht auf Rosen gebettet.
Fast 70 Jahre Familiengeschichte erzählt dieses wunderbare Buch, man begleitet vier Generationen durch schwierige Zeiten.

Einfühlsam und plastisch erzählt Min Jin Lee von Frauen, die sich nicht unterkriegen lassen, von Korea und Japan im Wandel der Zeiten. In dieses Buch kann man sich fallen lassen und lauscht gebannt, auch wenn zwischendrin Tragisches geschieht.
Gabriele Blum liest großartig, man hängt an ihren Lippen.

Zum Ende hin, wenn man bei Sunjas Enkeln angelangt ist, wird die bis dahin fein gesponnene Geschichte etwas unübersichtlich. Vielleicht sind dann doch ein bisschen viele Menschen unterwegs.
Trotzdem ist es großes Kino, 17 Stunden Hörgenuss.

Etwas unausgegoren

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
1 out of 5 stars

Rezensiert am: 04.01.2019

Der Rowohlt Verlag bringt Harry Binghams Fiona-Reihe neu heraus und beginnt mit Teil 3, „Fiona – Als ich tot war“. Warum tun sie das, fragt man sich und kauft sich Teil 1, nachdem der dritte gut gefallen hat. Jetzt weiß ich es.

Im ersten Teil der Reihe ist Fiona noch deutlich in der Selbstfindungsphase. Mal taff, mal unsicher und irgendwie immer am Rand eines Nervenzusammenbruchs. Eine üble psychisch labile Vergangenheit wird immer wieder angedeutet, am Ende sogar aufgeklärt. Das tut uns leid für Fiona, aber es überschattet deutlich das Geschehen dieses Trillers. Ein Mord muss aufgeklärt werden. Eine Frau und ihre kleine Tochter wurden brutal zugerichtet aufgefunden. Hinweise führen ins Rotlichtmillieu.

Sehr offensichtlich hat der Autor hier versucht, eine möglichst originelle Polizistin zu erschaffen, was anerkennenswert ist. Dabei gelingt es ihm aber nicht, ihr ein Gesicht zu geben. Sie grübelt unentwegt über alles Mögliche nach, ihre Familie, Episoden aus ihrer Vergangenheit, gelegentlich sogar über den aktuellen Fall. Man sucht verzweifelt den roten Faden, während Fiona mit ihren Unzulänglichkeiten kokettiert und gar nicht oft genug betonen kann, dass sie nicht weinen kann.

Diesen arrogant kapriziösen Eindruck unterstreicht auch noch die Sprecherin des Hörbuchs, indem sie nahezu alles ganz besonders betont. Vielleicht hätte ich mich eher mit Fiona anfreunden können, wenn ich das Buch gelesen hätte.

Band 1 der Fiona Reihe stellt eine Polizistin vor, mit der man nicht so recht warm wird und klärt einen Mord auf, der grausam ist, aber nicht wirklich sensationell. Ich denke, ich habe jetzt genug von Fiona und werde die Reihe nicht weiter verfolgen.

Unterhaltsam und sehr türkisch

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 10.11.2018

Wie lebte es sich in Istanbul in den 60er Jahren und wie hat sich das Leben dort bis heute verändert? Das erzählt Orhan Pamuk in diesem Buch, episch und einfühlsam.

Man begleitet Mevlut, den Sohn eines Bosaverkäufers, etwa 50 Jahre lang. Bosa ist ein Getränk mit Tradition. Seit ewigen Zeiten wurde es von Straßenverkäufern frei Haus geliefert. Mevlut wehrt sich sein Leben lang dagegen, dass diese Tradition zunehmend als unmodern angesehen wird, wie sich auch sonst das türkische Leben nach und nach wandelt.

Dieses Buch erzählt unterhaltsam von drei Freunden und drei Schwestern, von verzwickten Beziehungen, Gaunereien, schlitzohrigen Lebenskünstlern, türkischer Lebensart und von Mevluts Liebe zu seiner Frau, die er nur versehentlich geheiratet hat.

Vielleicht ist es ein klein wenig lang, man braucht Durchhaltevermögen. Ein Spaß ist es trotzdem. Immer wieder wechseln die Sichtweisen indem jemand anderes erzählt, was im Hörbuch sehr schön durch unterschiedliche Sprecher unterstrichen wird.

Schräg und witzig

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 29.09.2018

„Grün ist die Hoffnung“ auf satten Gewinn, als der smarte Vogelsang den jungen Felix und ein paar seiner Kumpels dazu überredet, auf einem abgelegenen Gelände, das er gekauft hat eine Marihuanaplantage anzulegen. Sie haben nichts besseres vor, schnelles Geld lockt, allerdings stellt sich bald heraus, dass der Geldsegen nicht leicht verdient sein wird.

Das ist schräg, das ist witzig und grandios erzählt. T.C. Boyle spinnt eine irrwitzige Geschichte und wirft um sich mit lakonischen Randbemerkungen, sprühendem Witz und ungewohnten aber sprechenden Bildern. Egal was passiert, man amüsiert sich köstlich.
Es ist ein bisschen lang geworden, die 13 Stunden Hörbuch fühlen sich an wie 20. Auch vom Schluss hatte ich mir deutlich mehr versprochen. Möglichkeiten gäbe es jede Menge, diese verrückte Geschichte mit einem Knall zu beenden. Boyd lässt sie eher ausschleichen.


Ein großer Spaß ist es trotzdem. Eine irre Geschichte, wunderbar gelesen, eine unbedingte Empfehlung.

Abenteuerlich, witzig und brillant erzählt

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 18.08.2018

Wassermusik, das ist der Klang des Nigers, den Mungo Park ständig hört, der ihn ruft und nicht loslässt. Mungo Park gab es wirklich. Er ist der Entdecker, der Held, der 1795 nach Afrika reiste, um den sagenhaften Niger zu finden, den wundersamen Fluss, den die westliche Welt bis dahin für eine Legende hielt.


Seine Geschichte erzählt T.C.Boyle in diesem Buch brillant, ausführlich und mit erlesener Ironie. Dieses Buch zu hören ist ein Genuss. Stefan Kaminski liest göttlich, satte 21 Stunden lang. Man hat das Gefühl, hier ergänzen sich Sprecher und Autor in ihrer Erzählfreude.

Mungo Park ist ein Zerrissener. Einerseits lockt ihn das Abenteuer und der damit verbundene Ruhm ist auch nicht zu verachten. Andererseits vermisst er seine Ally, daheim in London. Aber wenn er bei ihr ist, dann lockt ihn wieder diese Musik.

Es ist herrlich komisch, wie sich dieser Traumtänzer mit einer Mischung aus Arroganz und Naivität durch den Dschungel schlägt.

Ja, man hätte es durchaus straffen können. Zwischendrin denkt man schon mal, gut, jetzt waren wir lange genug in Afrika und haben uns Gefechte mit den Eingeborenen geliefert. Trotzdem war ich traurig, als es vorbei war. Sie werden mir fehlen, diese traurig skurrilen Helden.

Vom Flüchtlingsboot zur Olympiade

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 09.07.2018

Yusra Mardini, ein Mädchen aus Syrien, erzählt mit diesem Buch ihre anrührende Geschichte, die einzigartig ist. Mit viel Glück, aber auch durch Mut und Kampfgeist, hat sie es geschafft dem Krieg in Syrien zu entkommen, in Berlin eine neue Heimat zu finden und sogar die Erfüllung ihres großen Traums zu erreichen: Als Schwimmerin bei den olympischen Spielen anzutreten.


Yusra war glücklich in Syrien. Ihr Vater, ein Schwimmtrainer, unterzog sie und ihre Schwester Sara einem harten Trainingsprogramm, aber sie waren gut, alle beide, und starteten für die syrische Nationalmannschaft. Als dann das Leben in ihrer Heimatstadt erst kompliziert und dann gefährlich wurde, mussten sie sich von ihrer Lebensplanung verabschieden.

Hier bekommt man anschaulich erzählt, was man schon lange wissen wollte: Wie war das Leben in Syrien vor dem Krieg? Wie kam es dazu? Was treibt die Menschen in Scharen aus dem Land und wie kann man so eine Flucht bewerkstelligen? Wie fühlen sich Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen?
Was Yusra erlebt hat ist schrecklich, aber bei weitem kein Einzelschicksal. Sie hatte allerdings das zweifelhafte Glück, Medieninteresse zu erwecken, weil sie gemeinsam mit Sara schwimmend ihr Fluchtboot stabilisiert hat, das auf seiner Fahrt nach Lesbos zu kentern drohte. Zwei Mädchen, 17 und 19 Jahre alt, retten ein Flüchtlingsboot in Seenot, ein gefundenes Fressen für die Presse.

Als das olympische Komitee 2016 ein Flüchtlingsteam an den Start schicken will mit Sportlern, die ihre Heimat verlassen mussten und nun kein Land mehr haben, für das sie antreten können, wird auch Yusra für dieses Team nominiert.
Knapp ein Jahr nach ihrer entbehrungsreichen Flucht war Yusra noch nicht wieder in Topform. Sie hat lange mit sich gehadert, ob sie antreten sollte. Sie wollte immer zur Olympiade, aber sie wollte das durch ihre Leistungen erreichen. Eine Teilnahme im Flüchtlingsteam empfand sie als zweifelhafte Ehre. Ist „Flüchtling“ tatsächlich ein Begriff, der Menschen im Unglück eint, ihre Nominierung ein Gnadenakt?

Yusra beschließt, ihre Teilnahme an den olympischen Spielen dazu zu nutzen, eine Art Botschafterin aller Flüchtlinge zu werden. Sie will anderen Mut machen und zeigen, dass man etwas erreichen kann, auch wenn man gezwungen ist, das Land zu wechseln. Und sie will der Welt zeigen, dass das Wort „Flüchtling“ kein Label ist, ein Flüchtling ist ein Individuum, ein Mensch wie jeder andere, der nur vielleicht das Pech gehabt hat, zur falschen Zeit am falschen Ort geboren zu werden.

Dieses Buch erzählt ihre Geschichte und ist gleichzeitig ein Fanal, aufrüttelnd, anrührend und bewegend.

Das Hörbuch möchte ich besonders empfehlen. Die Sprecherin liest wunderbar, wertet nicht, liest schlicht und geradeaus einen Text, der schnörkellos von Schrecklichem erzählt.

Solide Durchschnittsapokalypse

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 19.06.2018

Ein übler Virusinfekt hat 95 Prozent der Weltbevölkerung ausgelöscht. Wer überlebt hat, muss sich neu orientieren. Diesmal erleben wir die Apokalypse in Südafrika, was der originelle Teil des Buches ist und uns jede Menge lustige Namen beschert. Ansonsten passiert weitgehend, was so passiert, wenn die Welt untergeht.

Nico Storm erzählt, was er erlebt hat, wie sein Vater begann, Überlebende zu sammeln, um eine neue Siedlung zu errichten. Nico ist 13 bei der Gründung der Stadt Amanzi.

Anfangs fand ich das Buch ganz originell. Das Geschehen wird immer wieder unterbrochen von Berichten verschiedenster Menschen, die für das Amanzi-Geschichtsprojekt Begebenheiten aus ihrer Sicht erzählen und auch berichten, wie sie das Fieber überlebt haben und zu dieser Siedlung gelangt sind. Aber mit der Zeit stören diese Berichte immer mehr, besonders wenn man kaum noch weiß, wer denn da gerade berichtet. Auch die kleinste Nebenfigur kommt zu Wort. Und wenn man dann kurz vor dem Showdown schon wieder vom Beginn des Fiebers aus neuerlicher Sicht hören muss, kann man schon leicht genervt sein.

Die Siedlung Amanzi war gedacht als Oase des Friedens, aber schon bald kommen unterschiedlichste finstere Elemente ins Spiel. Es beginnt ein Kampf um Ressourcen, die letzte Konservendose, das letzte Fass Diesel, wird bitter umkämpft. Das friedliche Amanzi muss eine Armee aufstellen.
Und das hat man nun wirklich oft genug gelesen. Es gibt blutige Kämpfe, religiöse Eiferer, entführte Frauen, Motorradninjas, und man wünscht sich, kann nicht mal was anderes passieren?
Es langweilt nicht sehr, aber es fesselt auch nicht. Der Schluss wartet dann auf mit einer Überraschung, die ich auch anderswo schon gelesen habe.

Auch der einfache, leidenschaftslose Erzählstil macht das Ganze zu einem zähen Vergnügen. Erst war ich versucht, das dem Sprecher anzulasten, aber der kann auch nur den Text vortragen, der ihm vorliegt, was er wacker erledigt, satte 21 Stunden lang.

Fever ist ein langes Endzeitepos, das eine solide Durchschnittsapokalypse von allen Seiten beleuchtet. Wer Geduld hat und neu ist in dem Thema mag daran Spaß haben. Alle anderen sollten lieber etwas anderes lesen.

Wirklich beeindruckend

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 04.05.2018

Was großartiges Buch! Ich bin hin und weg und habe satte 32 Stunden fasziniert zugehört.
In einer Sprache, die so exquisit ist, dass man nur noch staunt erzählt Donna Tart eine Geschichte, die eine grandiose Mischung aus Schicksalhaftem, Thrillermäßigem und Poesie ist.

Theo ist 13 als seine Mutter bei einem Bombenanschlag im Museum ums Leben kommt. Im Affekt hat er das berühmte Gemälde „Der Distelfink“ aus dem Museum mitgenommen. Es war eins der Lieblingsbilder seiner Mutter. Und während er versucht zu verstehen, was passiert ist und dass er jetzt allein auf der Welt ist geht ihm auf, dass er eigentlich einen Diebstahl begangen hat. Und je länger er diese Tatsache verdrängt, desto schwieriger wird es, das Bild zurückzugeben.

Ein Stimmungsaufheller ist dieses Buch nicht. Hier geht es um Trauer und Verzweiflung. Theos Weg durch Leben ist kein Honigschlecken. Er gerät auf Abwege, hat bisweilen sehr suspekte Freunde, bekommt es mit Drogen, Kriminellen und Kunstdieben zu tun. Aber ein paar Freunde gewinnt er auch, die treu zu ihm halten und origineller nicht sein könnten.

Dieses Buch geht zu Herzen, hat bei all den Dramen auch seine humorvollen Seiten und strotzt nur so vor klugen Gedanken zu allem und jedem. Zum Ende hin wird man ein bisschen sehr mit weitgehend deprimierenden philosophischen Gedanken überhäuft, was jedes andere Buch einen Stern gekostet hätte. Dieses hier hat alle 5 Sterne redlich verdient, eigentlich sogar ein paar mehr.

Der Sprecher des Hörbuchs liest hervorragend, moduliert unterschiedlichste Stimmen souverän und lässt sich nicht unterkriegen von diesem wirklich langen, anspruchsvollen Text. Chapeau.