PROFIL

Petra W.

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Schöne Zusammenfassung des Themas

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 29.07.2020

Nach dem Titel "1913" wurde mir dieser Titel als Empfehlung angezeigt. Und in der Tat war das ein schöner Abschluss bzw. eine Ergänzung. Das Buch wurde bereits in den 1970er Jahren von Thilo Koch geschrieben und in den 1980er Jahren vom Autor selbst gelesen. Das Buch ist also nochmals so alt, wie der Zeitraum zwischen Thema und Veröffentlichung. Möglicherweise gibt es heute neue, weiterreichende Erkenntnisse zu dieser Epoche. Aber die Fakten, die Thilo Koch hier als "Collage" zusammenträgt dürften sich nicht groß verändert haben. Er erzählt objektiv von allen Bereichen, die diese Zeit geprägt haben: Malerei, Literatur, Kabarett, Verlage, Presse, Wirtschaft, Emanzipation, Politik, Technik, Familie usw. Bestens recherchiert, einiges zitiert und mit Quellenangaben belegt. Alles zusammen formt ein Bild der "Weimarer Republik" und man bekommt eine Ahnung davon, warum die Dinge so verliefen, wie sie verlaufen sind.

Thilo Koch liest seine eigenen Texte sehr gut. Das ist nicht selbstverständlich und selten gut. Aber als Rundfunkjournalist der alten Schule und mit angenehmer Stimme in diesem Fall genau richtig. Die 40 Jahre alte Aufnahme klingt ein wenig dumpf, ist aber akzeptabel.

Sehr unterhaltsame Kulturgeschichte

Gesamt
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Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 27.07.2020

Fantastisch in Wort und Ton! Kurzweilig, intelligent, aufwändig recherchiert und sprachlich herausragend. Aus hunderten von Puzzleteilen entsteht ein (Jahres-)Kalender der deutschen Kulturgeschichte. Und zwar nicht von irgendeinem Jahr, sondern tatsächlich von einem sehr entscheidenden. Der Autor hat viel Sprachwitz und Ironie in die Geschichten gelegt, und Stephan Schad arbeitet genau das kunstvoll heraus. Solch ein Hörbuch lebt einzig von der richtigen Auswahl des Sprechers, und die ist hier sehr gelungen.

Während des Hörens hab ich viel "gegoogelt", Begriffe und Personen in Wikipedia gesucht, Bilder von Marc, Klee und Nolde auf mich wirken lassen. Das Buch macht ganz viel Lust auf mehr. Und obwohl diese Zeit ohnehin schon meine liebesten Autoren hervorgebracht hat, gibt es noch ganz viel "aufzuarbeiten". Was ich mir nicht antun werde, sind die Briefe von Kafka an Felice Bauer ;-) Und bei dem ein oder anderen Namen aus dieser Zeit werde ich immer wieder mit einem Schmunzeln an dieses Buch denken.

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Meisterwerk deutscher Sprache

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 21.07.2020

Ein Meisterwerk der deutschen Sprache ist dieses Buch, wie alle anderen Bücher von Hermann Hesse. Vor vielen vielen Jahren, waren seine Texte wie eine Offenbarung in der Sturm und Drang Zeit. Diesen Zauber konnte das Hörbuch nun nicht mehr vermitteln. Dennoch hat es wieder eine ganz eigene Wirkung hinterlassen, was vor allem am Sprecher liegt. Das Lauschen der Worte, die Gert Heidenreich so gekonnt vorträgt versetzt den Hörer in einen zeitlosen Raum. Ganz ähnlich ging es mir bei dem Roman "Der begrabene Riese". Ganz große Kunst! Aber nichts für Zwischendurch. Man muss mit viel Muße zuhören und genießen.

Verlorene Seelen im Krieg

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Geschichte
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Rezensiert am: 13.07.2020

Veit Kolbe wünscht sich ein normales Leben ohne Krieg, will die Erlebnisses des Krieges verarbeiten und am liebsten vergessen. Kurz vor Ende des Krieges kommt er verwundet zurück in seine Heimat und muss feststellen, dass es für ihn kein normales Leben mehr geben wird. Seine Heimat hat sich geändert, die Menschen sind ihm fremd, für seine Lage bringt niemand Verständnis auf und seine Erlebnisse will niemand hören.

Arno Geiger lässt Veit Kolbe erzählen, wichtiges und banales. Es klingt ein bisschen als hätte die Geschichte keine Zuhörer, wie Tagebuchaufzeichnungen und Abschiedsbrief zugleich. Etwas trostlos und resigniert, so wie sich die Welt in den letzten Monaten des Krieges gefühlt haben muss. Zwischendurch Briefe: von Kurt an seine Cousine, die vor den Augen Veits verschwunden ist; von Margots Mutter aus Darmstadt, und von Oskar Meyer, einem verfolgten Juden aus Wien. Und vor allem diese Brief von Oskar Meyer sind es, die einen dicken Kloß im Hals hinterlassen.

Das Buch wird in der Hauptsache von Torben Kessler gesprochen. Er übernimmt den Part des Hauptdarstellers Veit Kolbe. Michael Quast liest die Briefe von Oskar Meyer, Cornelia Niemann die Briefe von Margots Mutter und Torsten Flassig die Brief von Kurt.

Vor allen dreien muss man sich verneigen. Besser hätte es niemand machen können. Und ich muss den Stimmen aus vorhergehenden Rezensionen widersprechen, die sich für Veit Kolbe einen österreichischen Dialekt gewünscht hätten. Die Geschichte spielt nur zufällig in Wien, sie ist keine regionale Geschichte sondern steht stellvertretend hunderttausende Seelen. Ein Dialekt hätte sie nur künstlich verkleinert und in die Ferne geschoben. Auch wenn dadurch das ein oder andere Wort evtl. nicht ganz richtig ausgesprochen wurde: Dialektfreies Hochdeutsch ist in diesem Fall neutraler und eindringlicher.

Mein Fazit: Dies ist kein Unterhaltungsbuch für nebenbei und keine leichte Kost. Man sollte es an einem ruhigen Wochenende hören. Anfangs wartet man auf ein paar Spannungsamplituden. Man merkt aber schnell, dass die nicht kommen werden. Wenn man das verstanden hat, kann man sich genüsslich auf erstklassige Literatur und Sprache einlassen.

Brutstätte für Amokläufer und Tierquäler

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Geschichte
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Rezensiert am: 10.07.2020

Häusliche Gewalt steht als unsichtbarer Titel über diesem Hörbuch. Gefühlskälte, Vernachlässigung, Gewalttätigkeit... was von erwachsenen Ehefrauen noch erduldet werden kann, führt bei Kindern zu Taten, die wir manchmal fassungslos in den Nachrichten hören können. Geduldig plätschernd fängt die Geschichte an der Quelle an zu sprudeln, mit der mädchenhafte Stimme von Camilla Renschke glaubt man sich fast in einem Jugendbuch. Dann wird das Rinnsal breiter, die Geschichte brutaler und sehr spannend. Die Story erinnerte mich sehr an den Roman "Und es schmilzt" von Lize Spit, den ich hier auch nochmal empfehlen möchte. Offenbar kommt eine neue Form von Literatur aus Belgien: Weiblich, jung, leise, brutal, analytisch, schonungslos.

Zur Sprecherin: Camilla Renschke hat für ihre Lseung von "Gilgi, eine von uns" den Hörbuchpreis als beste Interpretin bekommen. Auch dieser Vortrag ist sehr gelungen. Ihre junge Stimme passt perfekt zur Protagonistin und Camilla Renschke weiß die feinen Nuancen des Textes sehr gut herauszuarbeiten.

Unerwartete Komik

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Rezensiert am: 03.07.2020

Dostojewski kann also auch anders. Das hätte ich so nicht erwartet. Großartig! Diese kurze Erzählung ist urkomisch. Und Dieter Mann, den ich als Sprecher noch nicht kannte, liest erstklassig.

Großartig und einmalig schön

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Rezensiert am: 29.06.2020

Hiob war das Lieblingsbuch von Marlene Dietrich, es steht in der "ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher" und in meiner TOP 10 der sprachlich schönsten Werke, die ich bisher gelesen oder gehört habe. Damit reiht es sich neben Hermann Hesse und Stefan Zweig ein.

Und Sprachfetischisten werden mit dieser Hörbuch-Ausgabe aus der Reihe "Große Werke. Große Stimmen." gleich doppelt befriedigt. Denn Hans Paetsch liest den Roman vortrefflich, fehlerfrei und mit angenehmer warmer "Märchen"-Stimme. Alternativ wäre für ich nur die Lesung mit Peter Matic vom Diogenes Hörbuch Verlag in Frage gekommen. Der allerdings, bedingt durch div. Filme, in denen er einen Juden synchronisierte, hätte ungewolltes Kopfkino bei mir ausgelöst. Außerdem schien mir der Klang (Hörprobe) etwas zu blechern.

Diese Lesung ist einfach toll und sei jedem empfohlen, der Klassiker liebt und einen Sinn für Sprache hat.

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Fast 100 Jahre alt aber sehr modern

Gesamt
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Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 27.06.2020

Lange Zeit dümpelte dieser Titel auf meiner Merkliste herum. Immer wieder übersehen und kurz vor der Entfernung. Genauso ging es diesem Roman wohl auch in den letzten 100 Jahren. Gefeiert bei der Erstveröffentlichung in der Zeit der Weimarer Republik. Verboten, verbannt und verbrannt im Nationalsozialismus. Nach dem Krieg als Emanzipationsroman wiederentdeckt. Hier und da findet man ein paar Stimmen, die das Hörbuch loben und empfehlen.

Auf meiner Liste ist es gelandet, weil Camilla Renschke für diese Lesung den Hörbuchpreis als beste Interpretin bekommen hat. Und in der Tat: Sie liefert hier einen unglaublich guten Vortrag. Es ist nicht nur einfach vorgelesen, sondern mit Haut und Haaren erzählt.

Überrascht war ich sehr von dem Stil des Buches. Sprache und Stil sind so modern, dass man den Titel fast in die Rubrik "junge deutsche Literatur" einsortieren könnte, wäre nicht von Kaloderma, Nivea Creme und diversen Utensilien dieser Zeit die Rede. Auch die Ansichten der Protagonistin vermutet man kaum. Sie stellen für die Zeit sicher eine Provokation dar. Der Krieg und nationalsozialistisches Gedankengut haben offenbar in der Entwicklung des Zeitgeistes für viele Jahrzehnte Stagnation gesorgt.

Ich bin froh, über diesen frischen Einblick in das Leben dieser Zeit, aus erster Hand geschrieben. Und dafür gibt es volle 5 Punkte! Zu meinen Lieblingsbüchern zähle ich diesen Titel allerdings nicht. Mir war es zu modern. Mir fehlte ein schöner Sprachstil. Das Buch neigt zu einer Art von "Geplapper", wie unter Freunden.

Außergewöhnlicher Historischer Roman

Gesamt
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5 out of 5 stars
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5 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.06.2020

Eine Perle unter den historischen Romanen ist dieses Buch wohl, dessen Geschichte im Europa zur Bronzezeit spielt - genauer gesagt in der Region im Harz und um den Brocken herum, vor etwa 4000 Jahren. Aus dieser Zeit wurde vor einigen Jahren ein historisches Artefakt gefunden, die "Himmelscheibe von Nebra", deren Bedeutung bis heute noch nicht ganz geklärt ist. Aus der Bronzezeit in Europa ist nur wenig bekannt, da noch keine Schrift existierte. Umso überraschender war der Fund dieses Kunstwerks, das offensichtlich den Himmel und seine Gestirne abbildet.

Ulf Schiewe unternimmt mit seinem Buch einen grandiosen Versuch, um diese Scheibe herum eine Geschichte zu weben. Es gelingt ihm dank hervorragender Recherchen so gut, dass man einen tollen Eindruck aus dieser Epoche erhält. Sicherlich ist auch vieles Fiktion, wie z.B. die Namen der Götter und Orte. Aber selbst diese sind hergeleitet aus heutigen Namen, aus dem, was bekannt ist und dem historischen Verlauf. Schiewe gelingt es, die Bronzezeit so detailreich aufzuarbeiten, dass man sich fast in einen Fantasy Roman versetzt fühlt.

Hilfreich sind auch die Erläuterungen zum Roman, die man auf der Webseite des Autors findet. Die PDF enthält die Namen der Protagonisten und Götter, eine Karte aus der Gegend um Nebra mit den Namen der Orte und Flüsse und eine Erklärung des Autors über die Hintergründe zur Entstehung des Buches. Diese Erklärung wird auch am Ende des Hörbuchs in ca. 15 Minuten vorgelesen.

Kuhnert hat als Sprecher viel Erfahrung und u.a. die gesamte "Game of Thrones"-Serie gesprochen. Das macht sich bei diesem Titel bemerkbar. Wer ihn kennt fühlt sich mit seiner Stimme unweigerlich in eine Fantasy Geschichte versetzt. Seine Stimme ist sehr angenehm und nie aufdringlich. Er variiert die Tonlage immer angemessen, für männliche und weibliche Protagonisten. Hier und da - bedingt durch den sehr gleichförmigen Schreibstil des Autors - hört sich die Lesung ein klein wenig gelangweilt an. Das liegt aber am Stil der Geschichte, nicht am Sprecher.

Mein Fazit: Hier wird ein Stück uralte deutsch-europäische Geschichte aufgearbeitet über das sich jeder Geschichtsbegeisterte freuen wird. Fern von den üblichen Mittelalterschinken ist dies ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher historischer Roman, bei dem auch Fantasy Fans auf ihre Kosten kommen dürften.

2 Leute fanden das hilfreich

Hôpital de la Salpêtrière

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4 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 10.06.2020

Die Autorin schaut mit ihrem Roman hinter die Kulissen des "Hôpital de la Salpêtrière", einer großen und bekannten Psychiatrischen Anstalt in Paris. Zum Ende des 19. Jahrhundert wurden vornehmlich Frauen behandelt bzw. verwahrt, die aus den verschiedensten Gründen in ihren Familien oder in der Öffentlichkeit nicht mehr geduldet wurden. Die sogenannten Hysterikerinnen wurden zu Versuchsobjekten damaliger Ärzte und einem sensationslüsternen Publikum öffentlich zur Schau gestellt. Vor diesem Hintergrund erzählt die Autorin die Geschichte zweier junger Frauen, die in der Salpêtrière gelandet sind.

Die Salpêtrière ist bereits Schauplatz einiger Romane und Filme gewesen, das Thema also nicht ganz neu. Die Geschichte ist aber schön erzählt, sehr mystisch und mit einem anhaltenden Spannungsbogen. Es ist eher eine typische Frauengeschichte als ein historischer Roman. Es geht im Grunde um die Befreiung aus den Zwängen der von Männern dominierten Gesellschaft.

Wiebke Puls liest dieses Werk ganz anständig. Dennoch war der Vortrag nicht so ganz mein Fall. An vielen Stellen verfiel die Sprecherin in ein leises, entrücktes Gesäusel, die letzten Wörter eines Satzes dahinziehend, als lägen unendliche Geheimnisse darin verborgen. Das hinterließ bei mir den Eindruck eines seichten, etwas trivialen Romans.

Fazit: Das Hörbuch hat mich alles in allem gut unterhalten. Es ist eingängig, nicht zu komplex und lässt sich am Stück weghören. Wer Frauenromane wie z.B. "Der Zopf" mag, wird hier nicht enttäuscht.

3 Leute fanden das hilfreich