PROFIL

Claudia Kiel

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Prousts Frequenzen

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 24.02.2016

Es ist hilfreich, sich diesem Mammutwerk nicht allein, sondern zusammen mit Peter Matic zu nähern. Dessen Intonation zeugt von einer mehr als intensven Auseinandersetzung mit den Proust'schen Frequenzen, diesem überfeinen Gehör für das, was Menschen in Gesprächen tatsächlich mitteilen. Dem überscharfen Auge, was ihre Gesten tatsächlich bedeuten. In so akribischer Beschreibung, dass man als Alleinleser vielleicht manchmal aus den Sätzen herausgefallen wäre. Matic nimmt uns sozusagen an die Hand. Man kann diesem Unternehmen gar nicht genug Respekt zollen.

10 von 11 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Allzu affirmativ

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 20.02.2016

Geeignet für Menschen, die ihre Kenntnis psychologischer Grundbegriffe auffrischen wollen und endlich mal den Unterschied zwischen Neurose und Psychose abspeichern. Ungeeignet für Fachleute, denn Diskursivität und Kritik an Behandlungsmethoden fehlen hier ganz. Da immer wieder die gleichen Leute befragt werden – und das ist nur im Fall der Traumatherapeutin Luise Reddemann ein Gewinn – wirkt das Kompendium wie ein Zusammenschnitt von Archivmaterial. Kurzweilig, aber allzu affirmativ.

5 von 11 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Kriegt Denis für sowas einen Scheck?

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.11.2015

Eine "kluge Meditation über Autor und Öffentlichkeit" entdeckte ARD-Literatur-Kümmerer Denis Scheck. Gelesen kann er das Buch nicht haben, denn "Finderlohn" ist weiter nichts als eine weitere auf Spannung frisierte Allmachtsphantasie jenes Bestseller-Autors, der schon einmal ("Misery") davon träumte, seine Leser könnten mit Mord und Totschlag auf die vermeintliche Fehlentwicklung ihrer Helden reagieren. Dieses reine Jugendbuch samt seiner Teenager-Identifikationsparole "Scheiß auf den Scheiß!" mit dem oben genannten Satz zu würdigen, lässt in der ARD mindestens innerhalb ihrer Bestsellerbesprechungen Scheckbuch-Journalismus vermuten.

0 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Hirnforschung 7 Titelbild

Anregende Mischung

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
2 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 16.05.2015

Wegen der Vielzahl der behandelten Aspekte unbedingt empfehlenswert. Mit einer kleinen Ausnahme: Einige professionelle Sprecher scheinen für sich selbst geklärt zu haben, wie Ironie, leiser Spott, Amüsiertheit etc. klingen. Da hört sich dann an, als griffen sie in ihre Stereotypenkiste anstatt dem Gelesenen echte Aufmerksamkeit zu widmen. Aber Schwamm drüber. Mich hat diese Auswahl angeregt, endlich Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" herunterzuladen. Und dafür werde ich dieser FAZ-Produktion ewig dankbar sein.

1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Abschied, weichgespült

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 30.04.2015

Wer Bettina Tietjen als Talkshowmoderatorin kennt, wird vom Ton dieses Buches nicht überrascht sein. Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, immer eine gesunde Distanz bewahren. Wo andere vielleicht verzweifeln, ein herzhaftes "Aber Vati!" rufen. Hörer oder Hörerinnen, möglicherweise in ähnlicher Situation, werden merken, dass hier nicht das gesamte Spektrum der Gefühle geschildert wird. Und eines wird ganz unterschlagen: Der Konflikt zwischen den Schwestern, der von selbst eintritt, wenn sich die eine Tochter zwanzig Jahre um den verwitweten Vater kümmert, ihren Beruf hintanstellt und in seine Nähe zieht, um ihn zu versorgen, die andere erst an Bord geht, als der Vater anders als im Heim nicht mehr versorgt werden kann. So friedlich, beherrscht und heiter wie hier beschrieben wird es zwischen Bettina Tietjen und ihrer Schwester Dagmar nicht zugegangen sein.

2 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Ohne Tiefenschärfe

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 19.04.2015

Es gehört schon Mut dazu, sich als Ich-Erzählerin in derart verschiedene Extremsituationen zu begeben. Köhlers Protagonistinnen befinden sich als Patientin auf einer Krebsstation, als liebeskranke Schauspielerin auf einem Kreuzfahrtschiff, als zum Sterben entschlossene Hungerkünstlerin auf einem Hochsitz im Wald. Sie berichten in ähnlichem Duktus: Ihre Gegenwart wird lakonisch protokolliert, das Trauma ihrer Vergangenheit in die Erzählung eingeflochten. Hier wird ein Tonfall produziert, der sich bei allem Mut zur Konfrontation mit dem Schlimmen schließlich immer gleich anhört und dem es letzten Endes an Tiefenschärfe fehlt.

2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Einseitige Apfelblüte

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 15.04.2015

Das hätte ein richtig gutes Buch werden können. Eine knorrige Tante, als Kind vertrieben aus Ostpreußen und einsam sesshaft geworden auf einem Bauernhof im Obstland südlich von Hamburg, und ihre Nichte, Tischlerin und Mutter eines kleinen Jungen, von ihrem unbrauchbaren Lebensgefährten geflüchtet aus einem Szeneviertel im Hamburger Westen. Muttergeschädigt beide Frauen, ihre Mütter geschädigt von deutscher Geschichte. Vertreibungen das Leitmotiv dieses Romans. Schade, dass die Autorin sich mit diesen beiden deutschen Frauenschicksalen zufrieden gibt und die Möglichkeit verschenkt, das Fluchtthema mit wenigstens am Rande erwähnter Lebensgeschichte eines der rumänischen Erntehelfer fortzuführen. Schließlich gehören die so fest ins Bild des Alten Lands wie die Reisebusse in der Apfelblüte. Diese Dimension, die heutiger Wirtschaftsfluchten, hätte aus ihrem (Verzeihung!) Frauensommerbuch einen ernstzunehmenden Roman gemacht. So blüht ihr Apfelbaum nur auf einer Seite, und am Ende – Tischlerin renoviert Bauernhaus – schmecken die Äpfel trotz Hannelore Hogers schön schepperndem Plattdeutsch zu süß.

2 von 5 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Keimzelle des Gatsby

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.04.2015

Dieser erste Roman Scott Fitzgeralds wirkt noch etwas wie mit heißer Nadel genäht und hat noch nicht annähernd die Qualität des "Großen Gatsby", aber für dessen Bewunderer dürfte er von Interesse sein, denn er enthält einen Satz, der sich wie die Keimzelle des Gatsby liest: "Noch sind wir jung, jetzt verzeiht man uns noch, dass wir manche Leute wie den letzten Dreck behandeln und trotzdem ungeschoren davon kommen." Die Erkenntnis, dass es gesellschaftlich Privilegierte gibt, die auch älter geworden nicht für ihre Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden und denen aus unerfindlichen Gründen weiterhin verziehen wird, könnte eine der Triebfedern des Schriftstellers Fitzgerald gewesen sein. Vielleicht fand er sich einfach nicht damit ab.

5 von 5 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Die Arbeit des Universums

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.03.2015

Julian Barnes ist ein Meister der Erzählschleifen. Es ist immer wieder aufregend zu lesen oder anzuhören, wie er seinen Stoff organisiert. Wie er in diesem Fall einen Essay über die Geschichte der Ballonfahrt mit dem (erfundenen) Werben eines Colonels um die Schauspielerin Sarah Bernhardt und zuletzt dem Protokoll seiner eigenen Trauer nach dem Tod seiner Frau zu einem Gesamtwerk komponiert. Auch wenn sich jetzt Rezensenten große Mühe geben, den inneren Zusammenhang dieser Essays zu begründen, anzunehmen ist, dass der Tod seiner Frau in Barnes' Arbeit an den anderen Texten hineinbrach. "Lebensstufen" ist im Grunde die Kombination dreier Fragmente. Deren Zentrum die Beschreibung der Trauer als ein ständiges Ringen mit Tatsachen. "Da macht einfach das Universum seine Arbeit". Mit der Hilflosigkeit in den Reaktionen der Freunde; bis zur schließlich beinahe beruhigten Feststellung, dass Leid sich nicht hetzen lässt. Befreiend auch das Aussparen jeglicher Symptom-, Diagnosedetails. Die Gestorbene wird nicht im Status der Patientin beschrieben, sondern als ein Mensch, der fehlt. Wir Leser oder Hörer werden nicht traumatisiert, sondern behutsam eingeführt in die Sphäre des Verlusts.


7 von 7 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Nicht verjährte Liebe

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 04.03.2015

Ein beinahe perfektes Buch, beinahe perfekt gelesen. Eine beinahe perfekte Erzählperspektive. Etwas spielt sich ab zwischen den Bewohnern zweier an die spanische Küste gebauter herrschaftlicher Anwesen, ein offenbar nicht verjährter Liebesverrat entfaltet sich tragisch. Rodoreda lässt den bei der Dame angestellten Gärtner erzählen. Aber der erinnert sich nur ungenau, und viele Informationen hat er aus zweiter Hand, nämlich von anderen Mägden und Knechten. Wie diese Informationen an den Leser gelangen, das zeugt von Rodoredas Gespür für dramaturgische Möglichkeiten und von bewundernswerter Beobachtungsgabe. Hinreißend das Porträt der sich um ihren verlorenen Sohn sorgenden alten Eltern. Interessant auch die Entdeckung, dass sich die Qualität dieses Erzählens zu einem guten Teil einer bestimmten Lektüre verdankt: Rodoreda muss Scott Fitzgeralds "Großen Gatsby" – der ja auch von nicht verjährter Liebe handelt – geradezu studiert haben. Es gibt auffallende Parallelen bis hinein in die Konstruktion einzelner Szenen. Was Rodoreda überhaupt nicht vorzuwerfen ist: Dieses Romanvorbild war eine gute Wahl. Wie auch Roger Willemsen Griff nach dem "Garten über dem Meer" eine gute Wahl war. Er liest auch so: voller Entdeckerstolz und ein bisschen zu schnell.



6 von 7 Hörern fanden diese Rezension hilfreich