PROFIL

Florian Mang

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Historisches Familienepos vom Feinsten

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 23.09.2019

Nino Haratischwili entspinnt mit "Das achte Leben (Für Brilka)" ein gewaltiges Familienepos vor dem Hintergrund der georgischen Geschichte, über die man hierzulande kaum Bescheid weiß (nein, Georgien ist eben kein Teil von Russland).

Es ist immer wieder erstaunlich, wie großartig manche Autoren bzw. Autorinnen in einer Sprache schreiben können, die nicht ihre Muttersprache ist. Wahrscheinlich macht das einen Gutteil der Faszination aus, die von diesem Werk ausgeht - Phrasen begegnen dem Leser oder Hörer kaum, dafür eigenwillige, erfrischende Formulierungen, wenngleich diese manchmal gar opulent, bemüht poetisch geraten.

Die einzelnen Bücher stellen jeweils ein Mitglied der Familie Jaschi in den Vordergrund, wobei das achte Kapitel lediglich eine Überschrift trägt - es bleibt leer, für Brilka. Die Biografien sind fesselnd, die Geschichten spannend, vielleicht etwas zu tragisch im Grundtenor - das Glück sucht man bei den Jaschis vergeblich. Mag sein, dass das auf den Fluch der magischen Schokolade nach dem Rezept des Urahns zurückzuführen ist, andererseits stehen die Zeiten, die die Figuren des Romans durchleben, eben unter keinen günstigen Vorzeichen.

Immer wieder (besonders gegen Ende) driftet die Erzählung etwas ins Pathetische ab, mitunter fühlt sich der Leser bzw. Hörer emotional überfordert von den Tragödien, die die Protagonisten Schlag auf Schlag ereilen, dennoch ist es ein Buch, dem man nicht entkommen kann, das das eigene Denken und Fühlen für mindestens die Dauer von knapp 44 Stunden (oder wie lange man eben zum Lesen der fast 1300 Seiten braucht) beherrscht und einen nicht mehr loslässt...

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Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 04.05.2019

Das ist nur eine von vielen Fragen, die das Buch "Die Unsterblichen" von Chloe Benjamin aufwirft.

Die vier Gold-Geschwister lassen sich als Kinder ihre Zukunft voraussagen, genauer gesagt: das Datum ihres Todestags. Varya, die älteste, ist zu diesem Zeitpunkt 13, Simon, der jüngste, 7.

Für die Geschwister bleibt die Vorhersage nicht ohne Folgen: Sie sind verstört, entfremden sich zusehends voneinander und leben ihr Leben fortan unter dem Damoklesschwert des Wissens um sein Ende.

Das Buch folgt in vier Strängen dem Leben der einzelnen Geschwister - und zwar in der Reihenfolge ihres Todes: Simon stirbt mit 20 Jahren an Aids. Wissend, dass er jung sterben wird, reißt er mit seiner Schwester Klara von zu Hause aus, verlässt New York und wirft sich in San Francisco ins Leben. Er bekennt sich zu seiner Homosexualität, wird Tänzer und ergibt sich sämtlichen Versuchungen der San Franciscoer Schwulenszene.

Seine Schwester Klara, die ihm sehr nahe steht, begleitet ihn bis zu seinem Tod. Erst nachdem Simon gestorben ist, beginnt sie, sich selbst zu entfalten. Schon immer von der Magie gefesselt, entwickelt sie eine Zaubershow, die sie bis nach Las Vegas und an ihre Grenzen bringt. Sie verliebt sich, bekommt eine Tochter und erhängt sich an dem Tag, der ihr als ihr letzter vorhergesagt wurde.

Daniel ist der älteste Sohn der Golds. Enttäuscht von seinen jüngeren Geschwistern, die ihn und Varya nach dem Tod des Vaters mit der Sorge um die Mutter allein gelassen haben, führt er ein solides, biederes Leben: Er wird Arzt, arbeitet für die Stellungskommission des Militärs, heiratet, die Ehe bleibt kinderlos. Obwohl er nicht an die Prophezeiung glaubt, erfüllt er doch sein Schicksal, als er an "seinem" Tag irrationale Entscheidungen trifft und erschossen wird.

Varya wurde als Einziger ein langes Leben vorhergesagt. Trotzdem lebt sie in ständiger Angst, leidet unter Zwangsstörungen und Panikattacken. Als Biologin arbeitet sie in der Wissenschaft und forscht auf dem Gebiet der Lebensverlängerung. Erst als der Sohn, den sie vor langer Zeit zur Adoption freigegeben hat, wieder in ihr Leben tritt, bricht sie aus ihrem selbstgeschaffenen Gefängnis aus.

Chloe Benjamin hat ein Buch geschrieben, das unter die Haut geht. Unweigerlich stellt sich der Leser die Frage: Würde ich es wissen wollen? Gleichzeitig wird einem die Möglichkeit bewusst, dass jeder Tag unser letzter sein könnte.

An manchen Stellen vielleicht ein wenig zu vorhersehbar, ist "Die Unsterblichen" dennoch ein Buch, das nachdenklich macht, das einen nicht unberührt zurücklässt.

Wolfram Koch ist ein ausgezeichneter Sprecher, der dem Hörer die Geschichte einfühlsam präsentiert.

4 Leute fanden das hilfreich