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mawior

Deutschland
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Hoch aktuelles Thema

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 24.06.2011

Ödön von Horváth gilt als einer der bedeutendsten Dramatiker seiner Zeit. In seinen späten Romanen warnte er dann vor dem Faschismus, indem er sich kritisch mit dem Völkischen als Nährboden des Faschismus auseinandersetzte. Nach der Machtergreifung Hitlers wurden Horváths Stücke in Deutschland nicht mehr aufgeführt. So erschien sein Roman „Jugend ohne Gott" 1937 in Amsterdam, wurde aber bereits 1938 im Reichsgebiet eingezogen.

Horváth zeigt darin, wie die Jugend bereits durch die NS-Propaganda vereinnahmt worden ist. Mit dem faschistischen Gedankengut seiner Schüler wird ein 34jähriger Geografie- und Geschichtslehrer eines städtischen Gymnasiums konfrontiert, der es jedoch nicht wagt, zu seiner humanistischen Einstellung öffentlich zu stehen.

Als er die Aufsatzhefte seiner Schüler korrigieren muss, strotzen diese von völkischen Parolen, er bringt jedoch nicht den Mut auf, hier einzugreifen, „denn was einer im Radio redet, darf kein Lehrer im Schulheft streichen". Als er eines Tages dann doch seine Ansicht kundtut („Neger sind auch Menschen"), reagieren die Eltern der Schüler mit Empörung.

Nach den Osterferien fährt die Klasse ins Zeltlager, damit die Kinder die vormilitärische Ausbildung erhalten. Hier kommt es zu einem Schülermord. Der Verdacht fällt auf einen Jungen, dessen Tagebuch der Lehrer heimlich gelesen hat. Bei der folgenden Gerichtsverhandlung steckt der Lehrer in einem Gewissenskonflikt und er muss Stellung beziehen. Schließlich kommt es zum Selbstmord des schuldigen Schülers. Der Lehrer erhält am Ende eine neue Aufgabe als Missionar in Afrika.

Im Wiener Mono Verlag ist dieser Roman über den beginnenden Faschismus zu Beginn der dreißiger Jahre als Hörbuch auf einer MP3-CD erschienen, die von AudioPool Berlin vertrieben wird. Die ungekürzte Lesung (4 Std. u. 10 Min.) des Schauspielers und Sprechers Till Firit arbeitet die charakterliche Lauterkeit des Lehrers und dessen Verstrickung in das gesellschaftliche System wunderbar heraus.

2 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Sechs Legenden aus dem brasilianischen Regenwald

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 30.03.2011

Der Begriff „Amazonien" ist Synonym für den Amazonas-Regenwald. Der größte tropische Urwald der Erde ist nicht nur Lebensraum von Menschen, Tieren und Pflanzen sondern zugleich wichtiger Faktor des Klimas unseres Planeten. Daneben umgibt den Begriff etwas Geheimnisvolles und Unbekanntes, das uns Mitteleuropäer an wilde Tiere, üppige Vegetationen und noch unentdeckte Ureinwohner denken lässt.

Der bekannte Sprecher Christian Steyer - dessen Stimme bei der MDR-TV-Sendung „Elefant, Tiger & Co." quasi ein Markenzeichen ist, hat überlieferte indianische Legenden neu interpretiert. Er hat diese wunderbaren Mythen aber nicht nur mit seiner unverwechselbaren Stimme gelesen, sondern sie vorher umgeschrieben und schließlich musikalisch untermalt.

Das überaus gelungene Ergebnis ist im Leipziger Hörbuchverlag Buchfunk auf einer Audio-CD erschienen. Die sechs Legenden aus dem brasilianischen Regenwald nehmen den Hörer mit auf eine spannende Entdeckungsreise, auf der er die Vorstellungs- und Fantasiewelt der Ureinwohner kennenlernt. Da begegnen uns alte Medizinmänner, und mächtige Zauberer, gigantische Bäume, eine Riesenseerose oder eine Schlangenhalsschildkröte. 44 Minuten lang werden wir von einer Welt voller Staunen gefesselt.

Die Text-Neufassungen und musikalischen Umrahmungen entstanden als Ergänzung zu dem großen Amazonien-Panorama im Leipziger Panometer, das längst ein Zuschauer-magnet ist. Im Maßstab 1:1 mit rund 106 m Länge und 30 m Höhe offenbart die 360-Grad-Show die Komplexität und Schönheit des fernen brasilianischen Regenwaldes.

Manfred Orlick

Faszinierendes Hörvergnügen für Jung und Alt

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 13.12.2010

Elisabeth Hering (1909-1999) war eine deutsche Schriftstellerin, die insgesamt 24 Bücher veröffentlichte, darunter vor allem kulturhistorische Romane. Darüber hinaus war die in der DDR gerne gelesene Autorin auch bekannt für ihre Nacherzählungen von Märchen, Sagen und Schwänken. Bereits 1986 erschien im Altberliner Verlag Lucie Groszer eine dreibändige Ausgabe „Kostbarkeiten aus dem deutschen Märchenschatz".

Pünktlich zum 100. Geburtstag der Autorin hat nun der Leipziger Hörbuchverlag Buchfunk aus diesem Märchenschatz 61 weniger bekannte deutsche Volksmärchen ausgesucht. Es ist eine Sammlung von spannenden und besinnlichen Geschichten wie „Der weiße Wolf", „Hähnchen Goldfeder" oder „Die zwölf Schwäne".

Alle 61 Märchen haben eine Gesamtspieldauer von mehr als zwanzig Stunden. Dabei dauern manche nur einige Minuten, das längste Märchen „Ferdinand und Lenore" nimmt den Hörer dagegen über eine Stunde gefangen.

Das Download-Angebot ist ein wahrer Schatz. Zu dem Hörvergnügen tragen wesentlich die beiden Leipziger Sprecher/innen Brigitte Trübenbach und Wolfgang Gerber bei, die die Märchen abwechselnd vorlesen. Ihre unterschiedlichen Stimmen erlauben es dem Hörer, sich einfach zurückzulehnen. Auch wenn man mal keine Zeit hat, den Kindern abends etwas vorzulesen, wird man gern auf diese Auswahl zurückgreifen.

Manfred Orlick

10 von 12 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Aus den Niederungen des Schulalltags

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 18.11.2010

Wie der Titel „Lehrerzimmer" es vermuten lässt, geht es in diesem Roman von Markus Orths um die Schule. Aber nicht die Schüler stehen im Mittelpunkt, sondern die Pauker sind hier die Opfer.

Der Studienassessor und Englischlehrer Kranich hat gerade an einem Gymnasium in Göppingen seinen Dienst begonnen. Gleich an seinem ersten Tag macht ihn der Direktor mit den Gepflogenheiten seines pädagogischen Systems vertraut: Angst, Jammer, Schein und Lüge. Zu allem Überdruss wird Kranich noch eine Klasse zugeteilt, in der die meisten Schüler Englisch besser beherrschen als er selbst, denn sie stammen aus einem zweisprachigen Elternhaus.

Kranich landet also von der ersten Unterrichtsstunde in den Niederungen des Schulalltags. Da gibt es eine konspirative Widerstandsgruppe innerhalb des Lehrerkollegiums, da verlangt die PISA-Studie mehr Kreativität im Unterricht und aufgebrachte Eltern rennen wegen jeder schlechten Note gleich zum Anwalt.

Der Roman schildert mit Sprachwitz und Selbstironie die ersten fünf Unterrichtstage des bedauernswerten Kranich, die tatsächlich von Angst, Jammer, Schein und Lüge geprägt sind. „Lehrerzimmer" ist eine bissige Satire über das Chaos in deutschen Klassenzimmern mit all seinen Kuriositäten und Intrigen. Irgendwie hegt man den Verdacht, der Autor spricht aus eigener Berufserfahrung, denn schließlich arbeitet Markus Orths selbst als Englischlehrer.

Im Leipziger Buchfunk Hörbuchverlag liegt nun dieser humorvolle und kurzweilige Roman als ungekürzte Lesung auf drei CDs (Spielzeit 187 min) vor. Dabei gelingt es dem bekannten Schauspieler Torben Kessler wunderbar, die täglichen schulischen Windmühlenkämpfe akustisch einzufangen. So taucht der Hörer amüsiert in die Atmosphäre des pädagogischen Wahnsinns ein - gelegentliches Schmunzeln oder lauthalses Lachen ist garantiert.

Manfred Orlick

Humorvolle Familiengeschichten aus der Sicht eines Kindes

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 02.11.2010

Jana Scheerer (geb. 1978 in Bochum) legte mit „Mein Vater, sein Schwein und ich" ein beachtenswertes Debüt vor. Die studierte Germanistin lebt seit einigen Jahren in Berlin und wurde 2004 mit dem Literaturpreis Prenzlauer Berg ausgezeichnet.

„Mein Vater, sein Schwein und ich" ist eine außergewöhnliche Sammlung von humorvollen Familienepisoden, erzählt aus der Sicht eines Kindes unterschiedlichen Alters. Geschildert wird der abenteuerliche Alltag einer Durchschnittsfamilie aus Westberlin. Die 17 skurrilen Ereignisse hängen alle irgendwie mit dem Geburtstag der jungen Ich-Erzählerin zusammen. Bereits während ihrer Geburt jagte ihr Vater auf einem amerikanischen Campingplatz einen Grizzlybären mit einer Kühlbox. Als sie acht Jahre war, rettete sie ihren Vater aus dem Wohnzimmer, der dort von einer IKEA-Regalwand regelrecht ver-schüttet wurde.

Einige Jahre später wird der etwas chaotischen Familie ein Rentner zugeteilt, nur weil der Vater auf der letzten Steuererklärung „Rentnerversorgung" angekreuzt hatte. Mit zehn Jahren erfuhr die Tochter, dass ihr Vater Geheimagent ist ... vier Jahre später blieb das Familienoberhaupt dagegen eine Woche spurlos verschwunden ... und als sie fünfzehn Jahre alt war, gründete ihr Papi einen eigenen Fan-Club. Als sie schließlich fünfundzwanzig wurde, bekam sie von ihrem Daddy - o Wunder! - einen Parkplatz geschenkt.

Im Leipziger Hörbuchverlag Buchfunk liegt eine vollständige Lesung des heiteren, ja mitunter kauzigen Romans auf drei Audio-CDs (Spielzeit 170 min) vor. Julia Richter gelingt es dabei, den schrulligen Charakter der Familiengeschichten zu vermitteln. Die Film- und Theaterschauspielerin liest souverän und beschert dem Hörer ein amüsantes Hörvergnügen. Eine ganz wunderbare Lesung, die dem Buch völlig gerecht wird und vor allem eins tut: wunderbar erfrischend unterhalten. Jede Geschichte ist außerdem mit einem Tracks ausgestattet, so dass auch der Hörkomfort nicht zu kurz kommt.

Manfred Orlick

Cold Water Titelbild

Ein atmosphärisches Milieubild

Gesamt
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 01.11.2010

„Cold Water" ist das literarische Debüt der 29jährigen britischen Autorin Gwendoline Riley. Ihr Erstlingsroman besticht durch große Fantasie und eine jugendliche, erfrischende Erzählweise. Es ist die Geschichte der 20jährigen Carmel McKisco, die als Barkeeperin in Manchester arbeitet. Die Arbeit gefällt ihr: am Tag schlafen und die Tage in der Nacht leben.

Am Tresen der coolen und schlagfertigen Frau lungern im spärlichen Licht die unterschiedlichsten Typen herum: einsame Gestalten, trostlose Exzentriker und Schwätzer, die jeden Abend ein Publikum für ihre Lebenslügen brauchen. Hier bei Carmel suchen die Kerle einen Sinn für ihr Leben und finden doch nur Halt im Alkohol.

Auch Carmel ist noch ohne Ziel, hat noch keine festen Pläne. Sie ist ebenfalls eine Suchende. Sie liest viel und denkt viel über das Gelesene nach. Cornwall ist ihr Traumziel, doch momentan verdient sie nicht genug für diesen Traum. Aber vielleicht gibt es gemeinsame Zukunft mit ihrem Ex-Freund Tony, der Musiker in einer Band ist. Und dann schwärmt Carmel immer noch von ihrem einstigen Idol, dem Rocksänger Steven.

Gwendoline Riley, die für „Cold Water" mit dem Betty Trask Award 2002 ausgezeichnet wurde, offenbart dem Leser geradeheraus das Innenleben ihrer Hauptfigur und liefert gleichzeitig ein schonungsloses Bild der Arbeiterstadt Manchester.

Im Leipziger Hörbuchverlag Buchfunk liegt eine vollständige Lesung des außergewöhnlichen Romans auf drei Audio-CDs (Spielzeit 218 min) vor. Der Sängerin und Liedermacherin Julia Hummer gelingt es dabei vortrefflich, die Atmosphäre in der ramponierten Kellerbar mit den ständig wechselnden Gästen einzufangen. Mit ihrer verhaltenen Stimme bringt sie vor allem die Emotionen von Carmel zur Geltung. Ein empfehlenswertes Hörbuch, das die kurzweilige und nachdenkliche Geschichte äußerst gut umsetzt.

Manfred Orlick

Klassiker über den Zauber des Weihnachtsfestes

Gesamt
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 26.10.2010

Die Dickensche Weihnachtsgeschichte "Ein Weihnachtslied in Prosa" gehört seit ihrem Erscheinen vor über 150 Jahren zur Weltliteratur. Die Geschichte, in der der egoistische Geizhals Ebenezer Scrooge zum gutherzigen Menschen wird, erschien 1843 tatsächlich kurz vor Weihnachten und ist längst Kulturgut geworden.

Der hartherzige Mister Scrooge weigert sich, Weihnachten zu feiern und will seinem armen Angestellten Cratchit nicht einmal bezahlten Urlaub geben. An diesem Weihnachtsabend aber erhält Scrooge Besuch von verschiedenen Geistern - so von seinem ehemaligen Geschäftspartner. Sie alle ermahnen ihn nachdrücklich, ein besserer Mensch zu werden. Als er erwacht, ist es immer noch Weihnachtsmorgen und noch genug Zeit, Buße zu tun und Freude zu verbreiten.

Um auf die soziale Ungerechtigkeit und vor allem auf die Not und das Elend armer Kinder aufmerksam zu machen, bediente sich Charles Dickens (1812-1870) der Mittel der Groteske. Er verknüpfte die fantastische Handlung mit einem moralischen Zweck. Dabei besticht Dickens' meisterlicher Umgang mit der Sprache, sein Ideenreichtum und sein gefühlvoller Blick auf die menschliche Natur.

Im Leipziger Hörbuch-Verlag BUCHFUNK liegt eine Hörfassung der Weihnachtsgeschichte vor, die Dickens selbst als Vorlesefassung für seine Lesetourneen angefertigt hatte. Dem bekannten Sprecher und Schauspieler Alexis Krüger gelingt es dabei, die wundersame Wandlung des Geizkragen Scrooge hörbar zu machen. Eine besinnliche Weihnachtsgeschichte, die bis heute durch ihr Plädoyer für Mitmenschlichkeit nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat.

Wunderschön, ja festlich ist auch die Aufmachung des Hörbuches mit der hochwertigen Pappbox - ein ideales Weihnachtsgeschenk, das sicher Freude bereiten wird.

Manfred Orlick

Ungekürzte Lesung im mp3-Format

Gesamt
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.10.2010

Der Koran ist die Heilige Schrift der Muslime, er ist für sie Gottes Wort, das in arabischer Sprache Mohammed offenbart wurde. Dem islamischen Glauben zufolge ist der Koran eine Kopie des bei Gott (Allah) befindlichen „Buchs aller Bücher". Es handelt sich also nicht um inspiriertes Menschenwort, sondern um die wörtliche Offenbarung von Gott. Das heißt: nicht Mohammed (um 570-632) ist der Verfasser des Koran, sondern Gott.

Als Überbringer der göttlichen Botschaften fungierte der Erzengel Gabriel. Den Quellenangaben nach soll dies erstmals im Jahre 610 in einer Höhle auf dem Berge Hira in der Nähe Mekkas geschehen sein. Danach überbrachte Gabriel dem Propheten bis zu seinem Tod regelmäßig Abschnitte der heiligen Schrift. Mohammed trug dann diese Offenbarungen seinen Landsleuten immer wieder vor, um sie zur Verehrung des einzigen Gottes zu bewegen.

Wegen des fortdauernden Anwachsens des Textes kam es zu Mohammeds Lebzeiten zu keiner Niederschrift des Koran und so wurden die einzelnen Suren (Abschnitte) zunächst nur mündlich überliefert. Erst nach dem Tode des Propheten Mohammed entstand der erste Koran-Band, um ihn vor dem Verlorengehen oder Verwechseln mit anderen Aussagen des Propheten zu bewahren.

Im Leipziger Hörbuchverlag BUCHFUNK liegt der Koran als ungekürzte Lesung im praktischen mp3-Format auf DVD-ROM vor. Textgrundlage ist die Übersetzung von Max Henning aus dem Jahr 1901, die unter führenden Islamspezialisten als die beste deutsche Übersetzung des Korans gilt. Die beiden Sprecher Burkhard Behnke und Patrick Imhof lesen die Suren abwechselnd, sodass bei der langen Spieldauer von ca. 21 Stunden immer wieder eine stimmliche Abwechslung entsteht. Die einzelnen Tracks sind auch kopierbar und können so z. B. auf einem mp3-Player gehört werden.

Zusätzlich zum Hörbuch enthält die DVD eine digitale Textfassung des Korans in der gleichen Übersetzung. Die mitgelieferte Software ermöglicht einen leichten Umgang mit dem Text.

Manfred Orlick

18 von 29 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Spannende Abenteuer aus der amerikanischen Frühzeit

Gesamt
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.09.2010

James Fenimore Cooper (1789-1851) war der erste international anerkannte Romancier Amerikas. Bekannt wurde er vor allem durch seine fünf Lederstrumpferzählungen („Der Wildtöter", „Der letzte Mohikaner", „Der Pfadfinder", „Die Ansiedler" und „Die Prärie"), die Cooper zwischen 1823 und 1841 schrieb. Sie sind längst Teil der Weltliteratur und Vorläufer der späteren Western- und Indianerromane.

Seit über 150 Jahren gehören sie zum festen Bestandteil der Abenteuerliteratur und keine Bibliothek kann es sich leisten, sie nicht im Bestand zu haben. Zum ersten Mal in der amerikanischen Literatur wird hier im großen Stil der amerikanische Kontinent als Hintergrund der Handlung verwendet, dabei bietet jeder der Romane ein neues Panorama des wilden Westens.

Hauptfigur der Romanreihe ist der zwiespältige Jäger und Pfadfinder Nathaniel „Natty" Bumppo; eine weitere zentrale Person ist der Indianer Chingachgook, der den Typus des „edlen Wilden" verkörpert, ebenso wie sein Sohn Uncas. Besonders verdient gemacht hat sich Cooper um ein wahrheitsgetreues Bild des Indianer. Doch bleibt er in dem unausweichlichen Konflikt zwischen Weißen und Ureinwohnern ambivalent, denn er verurteilt nicht die euroamerikanischen Ansiedlungen, begrüßt aber auch nicht die Vernichtung der indianischen Kultur. Cooper versucht in dem Grenzbereich zwischen Zivilisation und Wildnis das Ideal eines Humanismus zu entwerfen.

Dem Leipziger Schauspieler und Sprecher Wolfgang Gerber gelingt es, die atemberaubende Spannung und das grenzenlose Abenteuer dieser ersten amerikanischen Romankunst auch in der vorliegenden gekürzten Lesung hörbar zu machen. Mit seinem prägnanten Ausdruck schafft er ein abwechslungsreiches Ambiente. Gerber liest nicht nur, seine Stimme spielt mit den Figuren und der Handlung. Gerade für junge Hörer eine gelungene Anregung, das literarische Werk (trotz seiner 2500 Seiten) einmal selbst zu lesen.

Manfred Orlick

3 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Hamlet, Faust, Nathan, Franz Moor ... und ihre Monologe

Gesamt
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.09.2010

Faust, Hamlet, Wilhelm Tell, Nathan der Weise ... wer kennt sie nicht die dramatischen Figuren der Theaterbühne? Oder ihre berühmten Monologe: „Habe nun ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie! Durchaus studiert, mit heißem Bemühn." ... „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage!" ... wir mussten sie in der Schule lernen. Das ist lange her!

Eigentlich wollten wir sie schon lange wieder einmal lesen oder ein Theaterbesuch war längst geplant. Wie immer blieb es beim Vorhaben. Jetzt bietet die Download-CD „Berühmte Theater-Monologe" des Buchfunk Hörbuchverlages die Gelegenheit, dass uns kompetente Sprecher diese theatralischen Selbstgespräche vorgetragen.

Die beiden bekannten Leipziger Schauspieler Carolin Conrad und Patrick Imhof haben vierzehn Monologe der Weltliteratur ausgesucht und bringen sie mit unterschiedlichen Stimmlagen zu Gehör. Neben den beiden erwähnten Faust- und Hamlet-Monologen sind die beiden großen Dramatiker Goethe und Shakespeare noch mit „Iphigenie auf Tauris" und „Romeo und Julia" auf der CD vertreten. Von Friedrich Schiller, dem anderen großen deutschen Klassiker, gibt es sogar fünf Hörbeispiele: u.a. Wilhelm Tells geflügelte Worte „Durch diese hohle Gasse muss er kommen. Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht" oder Franz Moors Gedankengespräch „Weg mit diesem Bild! weg, feige Memme!"

Monologe aus „Amphytrion" (Kleist), „Nathan der Weise" (Lessing), „Dantons Tod" (Büchner) und „Die Heirat" (Gogol) runden die wirklich hörenswerte Audio-CD ab. Sie macht mit den wichtigsten Theatermonologen der Weltliteratur bekannt. Um Freude daran zu haben, muss man nicht unbedingt ein Klassik-Liebhaber sein. Die Zeit des Anhörens vergeht so schnell und dabei werden alte Schulkenntnisse wieder aufgefrischt oder es gibt Anregungen für einen baldigen Theaterbesuch.

Manfred Orlick

0 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich