PROFIL

Kristina

Vilnius, Litauen
  • 48
  • Rezensionen
  • 291
  • Mal wurden Ihre Rezensionen als "hilfreich" bewertet
  • 135
  • Bewertungen
  • Ida

  • Autor: Katharina Adler
  • Sprecher: Petra Morzé
  • Spieldauer: 12 Std. und 28 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4 out of 5 stars 13
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 12
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 12

Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts: Dora, das jüdische Mädchen mit der petite hystérie und der verschlungenen Familiengeschichte. Dora, die kaum achtzehn war, als sie es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden, und ihn, wie er es fasste, "um die Befriedigung brachte, sie weit gründlicher von ihrem Leiden zu befreien". Von ihr, die eigentlich Ida hieß, handelt dieser mitreißende Roman. Katharina Adler erzählt mit großem gestalterischen Können von einem weitreichenden Leben - von Welt- und Nervenkriegen, Ehe und Exil, Analyse und Erinnerung.

  • 3 out of 5 stars
  • A Novel in a Thousand Drafts

  • Von Blind Girl Am hilfreichsten 03.08.2018

Aufgegeben... bin wohl nicht die Zielgruppe

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 29.07.2018

Das Buch ist flott geschrieben und wohl gut recherchiert. Aber wenn man bereits etwas zu Wien am Anfang des vorigen Jahrhunderts gelesen hat, dann wird dieses Buch bloß Wiederholung bereits bekannter Einzelheiten bringen, das bedeutet bekanntlich wenig Spannung oder Einsichten oder Entdeckungen...
In meinen Ohren war die Erzählerin (dabei meine ich die Autorin, nicht die Sprecherin), viel zu sehr von der Protagonistin distanziert, so dass ich ab dem ersten Drittel mich immer häufiger gefragt habe, wieso muss mich das Leben dieser Frau interessieren? Ja, sie hat die Psychoanalyse bei dem großen Freud abgebrochen, aber das ist dann doch zu wenig für 13 Stunden Hörstoff. Ja, der große Freud hat vieles nach seinem (patriarchalischen) Muster interpretiert, ja, damals hatten Frauen wenig zu melden, und junge Töchter– sowieso, ja, die großbürgerlichen Familien hatten nicht nur Fassadenseite, aber dazu wurde bereits jede Menge geschrieben, so dass dieser Grund doch zu gering ist, um entsprechende Szenen so detailliert auszubuchstabieren.
Für alle, die sich mit den Themen wenig befasst haben, ist dieses Buch aber zu empfehlen, denn die Autorin beherrscht das stimmungsvolle Schreiben, bringt gute Dialoge und prägnante Beschreibungen, die Sprecherin vermag das Ganze gekonnt in Szene zu setzen. Mir blieb aber die Protagonistin fern und fremd.

2 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Nackt über Berlin

  • Autor: Axel Ranisch
  • Sprecher: Axel Ranisch, Thorsten Merten
  • Spieldauer: 10 Std. und 33 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 19
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 19
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 19

Jens Lamprecht ist angesehener Direktor einer Berliner Schule. Bis er mit seinem Verhalten den Selbstmord einer Schülerin auslöst und sich alle von ihm abwenden. Jannik und Tai, von ihren Mitschülern liebevoll Fetti und Fidschi genannt, sind zwei ganz normale Sechzehnjährige. Bis sie eines Tages ihren Direktor sturzbetrunken auf der Straße auflesen und in seiner eigenen Wohnung einsperren. Aus dem Scherz wird schnell eine handfeste Entführung.

  • 5 out of 5 stars
  • Bodenständig, spannend, bildhaft, weise

  • Von Kristina Am hilfreichsten 25.02.2018

Bodenständig, spannend, bildhaft, weise

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.02.2018

Ich mochte Filme von Axel Ranisch, weil sie universelle Probleme behandeln, indem sehr bodenständige Geschichten erzählt werden. Das Buch ist eigentlich noch ne Steigerung davon. Der Autor kann einen wesentlich größeren Rahmen hervorragend bewältigen, dabei wird mit der Spannung und dem Tiefgang so umgegangen, dass sie sich ncht gegenseitig eliminieren müssen. Eine bekömmliche und doch vollwertige Lektüre. Nicht nur für Teenager, ihre Eltern und Erzieher. Dazu: eine wunderwoll ergreifende Liebeserklärung an die Musik.
Das Vorlesen ist bei diesem Hörbuch richtig temperamentvoll geraten, mit Aufschreien, Seufzern und Schluchzen, all das ist aber sehr präzise dosiert, passt absolut zum Text und kommt bestens rüber: ein grandioses Duo!

5 von 5 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Die Legende vom heiligen Trinker

  • Autor: Joseph Roth
  • Sprecher: Michael Schrodt
  • Spieldauer: 1 Std. und 19 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4 out of 5 stars 26
  • Sprecher
    5 out of 5 stars 25
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 25

In den letzten Wochen seines Lebens, im Frühling 1934, geschehen dem obdachlosen Trinker Andreas Kartak aus Olschowice im polnischen Schlesien eine ganze Serie von Wundern. Andreas war früher Kohlenarbeiter gewesen, wie sein Vater. Weil man in Frankreich Kohlenarbeiter gesucht hatte, war er dorthin gegangen und hatte in den Gruben von Quebecque gearbeitet. Einquartiert war er bei dem Ehepaar Schebiec gewesen, hatte mit Frau Karoline geschlafen, war vom Ehemann ertappt worden und hatte ihn in Notwehr erschlagen. Dafür hatte Andreas zwei Jahre im Gefängnis gesessen.

  • 5 out of 5 stars
  • Heiterkeit des Trostlosen

  • Von Kristina Am hilfreichsten 02.11.2017

Heiterkeit des Trostlosen

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 02.11.2017

Dass Joseph Roth ein begnadeter Erzähler war, soll bereits mehr als reichlich begründet und belegt sein. Wie auch seine Kompetenz für menschliche Schwächen. In dieser fast Miniatur verkoppeln sich sehr organisch Naivität und Weisheit, Einfältigkeit und das Komplexe, Lebenswille und Scheitern, das Schwache und das Unbesiegbare. Es menschelt halt gewaltig (damit meine ich nicht nur bestechende und rührende Sebstironie eines Trinkers) und in der eigentlich trostlosen Geschichte stehen dennoch so viele positive Erlebnisse im Vordergrund. Erzählt wird sie eindringlich und heiter, mit meisterhaft gesteuerter Spannung, so dass dem Leser bzw. Zuhörer sowohl nach Mitgefühl, Seufzen in böser Vorahnung, als auch nach Schmunzeln ist.
Michael Schrodt hat einen sehr passenden, ruhigen und nicht dramatisierenden Tonfall eines weisen und gutmütigen Erzählers, der mit seinem Lebensverständnis keinesfalls protzen will, gefunden.
Eine Pflichtlektüre für Joseph Roth Verehrer, ein toller Einstieg in sein Werk für diejenigen, die diesen Meistererzähler noch nicht entdeckt haben.

1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Cambridge 5: Zeit der Verräter

  • Autor: Hannah Coler
  • Sprecher: Axel Wostry, Hemma Michel
  • Spieldauer: 7 Std. und 43 Min.
  • Gekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 15
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 12
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 10

Cambridge ist ein Ort der Spione. Hier werden Freundschaften geschlossen und verraten. Der charismatische Geschichtsprofessor Hunt weiß das nur zu gut, seine Freunde von einst sind schon lange keine mehr. Vielleicht interessiert er sich deshalb so für die Promotion der deutschen Studentin Wera, die fasziniert ist von der Spionagegruppe der "Cambridge 5": Fünf Studenten, die sich in den 1930er Jahren vom russischen Geheimdienst anheuern ließen und jahrzehntelang erfolgreich Informationen weitergaben.

  • 3 out of 5 stars
  • Bemüht, verstreckt und dröge

  • Von Kristina Am hilfreichsten 26.10.2017

Bemüht, verstreckt und dröge

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 26.10.2017

Meine Gründe, von diesem Buch enttäuscht zu sein
(weil es auch gute Gründe gab, ein anspruchsvolles Buch zu erwarten):

Der Stoff konnte weder sachlich, noch emotional packen, was wirklich schade ist.
Zu wenig Kim Philby, zu wenig Cambrige 5, die paar (nicht wirklich geschickt) reingeschobene Alibi-Stellen des „Aufsatzes“ (ich kann allerdings nicht beurteilen, was alles für die Hörfassung rausgekürzt wurde) wirken sehr pauschalisierend.
Die eigentlich spannenden Plots rund um Spionageaktivitäten im Studentenmilieu der Vorkriegszeit, der 70er und in der neuesten Vergangenheit sind sehr willkürlich miteinander verbunden, das konnte dem Stoff leider keine Lebendigkeit und Spannung verleihen.
In die Beweggründe sowohl der Spione, als auch der Forscher wird leider nicht eingegangen. Ambivalenz, Zweifel und Widersprüche kommen fast gar nicht vor.
Die Figuren haben so gut wie nichts Individuelles, Charakteristisches, nicht mal äußerlich; ihre Handlungen (samt angeblicher „inneren Monologe“) sind zu „objektiv“, „zu brav“ beschrieben, daher wird der Vorstellungsvermögen des Zuhörers im Keim erstickt; die Beziehungen der Figuren untereinander und zu den Hauptthemen (zu den manche von ihnen, unter anderem, forschen) sind ziemlich unpersönlich und leidenschaftslos dargestellt.
Es wird wohl alles Denkbare gemacht, damit bloß keine Spannung entsteht. Bereits bei der (ziemlich in die Länge gezogenen) Aufstellung der Figuren ist so gut wie klar, welche Rolle wem bestimmt wurde.
Misslungene und sehr bemühte Fiktionalisierung: Gefühlte Hälfte, wenn nicht mehr, des Hörstoffs bestehet aus braven Beschreibungen des akademischen Alltags und der damit verbundenen Gegebenheiten (Cambridge etc.), trotz hörbaren Bemühungen der Sprecher, jeden banalen Satz als eine literarische Kostbarkeit auszuarbeiten, lullt das bloß ein. Fälschlicherweise wurde auf den „einfachen“ Stoff aufgebaut, der aber nur dann richtig lesefreundlich wirken kann, wenn er ganz locker und flott von der Feder geht und einen Bezug zu der Handlung oder zum Thema hat.
Gedrosseltes Tempo: Ich gehöre keinesfalls zu Action-Freaks, aber derart durch angeblichen inneren Monolog verquatschte Szene, als eine ermordete Figur am Sterben gefunden wird und dann auch stirb, wirkt einfach nicht überzeugend. Die ärgsten waren Szenen, in denen es ums Überraschende gehen sollte: Die Schilderungen waren so lang und wiedergekaut, dass die Luft fürs Überraschende dadurch völlig aus war.
Knackigkeit, Prägnanz und Pointieren sind – leider leider leider – durchgehend Fehlanzeige. Dafür werden fast alle, auch die banalsten, inneren Befindlichkeiten einmal verallgemeinernd benannt und gleich noch mit einem Dialog oder einem Vergleich Illustriert. Die Sätze wie „sie versuchte nicht an xyz zu denken/ nicht darüber nachzudenken“ wuchern vor sich hin.
Die Sprecher (warum eigentlich zwei? Damit der Text dynamischer wird?) waren mir zu überdeutlich, ich hätte zwar Interpunktionszeichen ziemlich genau setzen können, bin aber nicht in den (Handlungs-, Gedanken-) Fluss gekommen. (Weiter gehört habe ich bloß aus analytischen Gründen.) Die beiden Sprecher haben aber auf jeden Fall versucht, alles aus dem Text rauszuholen, was rauszuholen war.

4 von 7 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Die Hauptstadt

  • Autor: Robert Menasse
  • Sprecher: Christian Berkel
  • Spieldauer: 14 Std. und 18 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 960
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 893
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 893

Fenia Xenopoulou, Beamtin in der Generaldirektion Kultur in Brüssel, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Sie soll das Image der EU-Kommission aufpolieren. Aber wie? Sie beauftragt den Referenten Martin Susman, eine Idee zu entwickeln. Die Idee nimmt Gestalt an - die Gestalt eines Gespensts aus der Geschichte. David de Vriend dämmert in einem Altenheim seinem Tod entgegen. Als Kind ist er von einem Deportationszug gesprungen, der seine Eltern in den Tod führte.

  • 5 out of 5 stars
  • Babylonisches Konfetti in Momentaufnahmen

  • Von Kristina Am hilfreichsten 22.09.2017

Babylonisches Konfetti in Momentaufnahmen

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 22.09.2017

Dieser Roman gehört auf jeden Fall zu den Büchern, die man, nachdem einmal gelesen, gerne gleich wieder aufschlägt, um die einzelnen Details im ganzen Gemälde, das die Lektüre zusammenfügen ließ, nochmals zu bewundern.
Zugegeben: Ausrichten eines Jubiläums von einer Behörde könnte, trotz der Parallele mit dem Musils Lebenswerk, nicht gerade viel Aufregendes bieten. Spannend sind vor allem die sehr verschiedenen Beteiligten und andere direkt oder anderweitig mit ihnen Verbundenen, ihre Charaktere und Flashbacks, daher ist es schön, dass in der „Hauptstadt“ mehrere Protagonisten agieren. Quasi der Bau des Babylons unter literarischer Lupe. Auch wenn es keine neue Erkenntnis ist, dass unsere vermeintlich große Welt allzu oft einem kleinen Dorf ähnelt, vor allem – in Babyl…, pardon, Brüssel, erzeugt die Erwartung, in welchen Situationen und Konstellationen die Figuren sich begegnen oder miteinander verbunden würden, eine besondere innere Spannung. Robert Menase hat eine großartige Gabe, die Figuren, ihre Temperamente, Beweggründe und Widersprüche eigentlich mit sehr sparsamen Strichen, aber keinesfalls lieblos oder gar karikaturistisch herbeizuführen. Ob Ehrgeiz, Schmerz, Frust, Idealismus, Depression, Eitelkeit oder Genugtuung – alles lässt sich mit einigen nicht abgedroschenen, farbigen und plastischen Details schildern. Festgehaltene Konfetti eben. Und: Auch Eurobürokraten sind vor allem Menschen.
Gerade das Individuelle macht die Figuren prägnant und lässt sie gut auseinanderhalten, trotz mehreren, zunächst ziemlich losen Handlungssträngen. Diese bringen wiederum sehr bildhaft das politisch und gesellschaftlich Relevante, die historischen Reflexionen und ihre dialektischen Spannungen zur Geltung. Da stören auch die paar Plädoyers nicht, denn diese sind leidenschaftlich und einfach von meisterhaften Rhetorik. Dabei lässt sich (von Talentierten!) alles Menschliche ganz konkret schildern: auch wenn es sich dabei um nicht leicht durschaubare und sehr widersprüchliche Mechanismen, die allerdings unser Leben bestimmen, handelt, um den Interessen-, Generationenkampf oder die sich widerlegenden Auslegungen. Beobachtungsgabe allein würde dabei nicht ausreichen, Robert Menasse geht aber so souverän mit Leitmotiven - Pointen, Einsichten, Gleichungen, Zuspitzungen – um, dass man auch die Themen schluckt, die mittlerweile so ziemlich unter der Verdrossenheit leiden.
Der Roman verlangt schon eine gewisse Fertigkeit des aufmerksamen Lesens bzw. Zuhörens (was ebenfalls ein Vergnügen sein kann). Daher ist eine Hörlektüre sogar vom Vorteil, besonders mit dem kongenialen Vorleser Christian Berkel. Ein echter Meister, der beim Einstudieren so viel Abwechslungsreiches entdecken und dieser „Spielwiese“ so viele Möglichkeiten abgewinnen kann! Der Hörer wird nicht etwa vom ruhigen, gemütlichen Erzählfluss gewogen, sondern immer wieder von knackigen Rubati überrascht – nicht nur vom Tempowechsel, sondern auch von der (sehr nachvollziehbar eingesetzten) wechselnden Dynamik. Allein dadurch, ohne Stimmennachahnung oder -verstellung gelingt es ihm, alle Dialoge und Monologe sehr organisch und überzeugend widerzugeben. Das „babelisch Internationale“ vermag er auch sehr schön und adäquat zur Geltung zu bringen, egal, ob es sich ums Französische, Wienerische oder Polnische handelt. Sehr gerne würde ich auch mehr Sterne für diese Sprecherleistung vergeben.
Eine durchaus zeitgenössische, ansprechende, dynamische, anregende und weise Hörlektüre!

67 von 83 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Der zweite Reiter (August Emmerich 1)

  • Autor: Alex Beer
  • Sprecher: Cornelius Obonya
  • Spieldauer: 6 Std. und 34 Min.
  • Gekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 151
  • Sprecher
    5 out of 5 stars 147
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 146

Wien kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs: Der Glanz der ehemaligen Weltmetropole ist Vergangenheit, die Stadt versinkt in Hunger und Elend. Polizeiagent August Emmerich, den ein Granatsplitter zum Invaliden gemacht hat, entdeckt die Leiche eines angeblichen Selbstmörders. Als erfahrener Ermittler traut er der Sache nicht über den Weg. Da er keine Beweise vorlegen kann und sein Vorgesetzter nicht an einen Mord glaubt, stellen er und sein junger Assistent selbst Nachforschungen an.

  • 5 out of 5 stars
  • First Class

  • Von Renate S. Am hilfreichsten 25.05.2017

Der dritte Mann mit durchdringendem Schmäh

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 08.08.2017

Alex Beer scheint die Tradition des „Dritten Mannes“ fortzusetzen, die Handlung verschiebt sich zwar in frühere Zeit, nach dem Ersten Weltkrieg, das Wienerische aber und auch "film noir" kommen richtig zur Geltung. Sie schreibt sehr atmosphärisch und steuert ganz unauffällig die Spannung. Das richtig Schöne dabei ist, dass weder einzelne Charaktere, noch die literarische Qualität im Großen und Ganzen unter den Genregesetzen leiden, die Darstellung von Stimmungen und Befindlichkeiten bleibt stets schön plastisch, das Personal, ihre Handlugen, Entscheidungen und Vorgeschichten sind differenziert und wirken sehr glaubhaft.
Der Sprecher Cornelius Obonya war für mich genauso eine (ausgesprochen positive!) Entdeckung wie die Autorin. Richtig dosierter österreichischer Zungenschlag in mehreren Schattierungen und wechselnde passend gewählte Tempi machen das Buch richtig eindringlich. Ich nahm ihm sogar Frauenstimmen ab (da er dabei die unnatürlich hohe Stimmlage zu vermeiden weiß).
Der einzige Vermouth-Tropfen bei dieser durchaus faszinierenden Hörlektüre ist die Entscheidung, gekürzte Fassung als Hörbuch zu bringen. Ich kann den Eindruck nicht loswerden, dass fast immer die falschen Bücher gekürzt werden, gerade diejenigen, die mehr als aneinander gereihte Handlungen und Dialoge „aus Massenhaltung“ bieten. Diesmal sind dabei wohl fast alle Anspielungen auf den Titel des Buches draußen geblieben.
Eine vielversprechende Bekanntschaft mit August Emmerich!

4 von 5 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Der Club

  • Autor: Takis Würger
  • Sprecher: Matthias Koeberlin, Anna Maria Mühe, Frauke Poolman, und andere
  • Spieldauer: 5 Std. und 42 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 294
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 279
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 275

Hans Stichler stammt aus einfachen Verhältnissen. Er bekommt ein Stipendium für die Universität in Cambridge - als Gegenleistung soll er dort ein Verbrechen aufklären. Er geht nach England, wird Mitglied im elitären Pitt Club und verliebt sich in Charlotte, die ihn in die Bräuche der Snobs einweiht. Bald merkt er, hinter den alten Mauern der britischen Oberschicht lauern Geheimnisse, über die keiner spricht. Was ist Hans bereit zu geben, um dazuzugehören?

  • 5 out of 5 stars
  • Banalität des Bösen

  • Von Kristina Am hilfreichsten 26.04.2017

Banalität des Bösen

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 26.04.2017

Das Böse kann auch Maßgeschneidertes tragen und Bio essen. Und eigentlich sich bloß gut gehen lassen wollen. Anderseits verheilt eine seelische Wunde doch nicht ganz. Ich könnte auch einen weiteren Untertitel liefern: Funny Games (ein film von Michael Haneke) lassen grüßen.
Ohne in die Handlung einzugehen: Der Autor kann schildern – detailreich und doch überhaupt nicht kitschig, er kommt mit wenigen aussagenkräftigen Tupfen aus, vermag die Situationen aus mehreren Blickpunkten darstellen. Bei Befindlichkeiten reichen ihm ebenfalls wenige Andeutungen, die Gefahr in Seelenkitsch abzudriften, besteht also auch nicht.
Mich hat die Geschichte gepackt, trotz der eigentlich einfachen Handlung und obwohl ich fürs Bocen gar nicht zu haben bin. Nicht voyeuristisch, aber auch nicht betont psychoanalytisch, flott geschrieben, tolle Dynamik wegen mehrerer Stimmen: Jede Figur hat ihre eigene, anders timbrierte, alle Darsteller lasen vorzüglich und sehr suggestiv, ohne zu übertreiben.
Gehobene Unterhaltung, die nicht zum Bespassen, sondern zum Reinschauen und Nachdenken da ist.

12 von 13 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Ein diskreter Held

  • Autor: Mario Vargas Llosa
  • Sprecher: Gert Heidenreich
  • Spieldauer: 10 Std.
  • Gekürztes
  • Gesamt
    4 out of 5 stars 64
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 59
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 60

Felícito denkt überhaupt nicht daran, auf die Schutzgeldforderungen einzugehen. Vielmehr beherzigt er den Rat seines Vaters und bietet der peruanischen Mafia offen die Stirn. Doch als man seinen Laden niederbrennt und ihm das Einzige zu nehmen droht, woran er wirklich hängt, stellt sich Ratlosigkeit ein.

  • 3 out of 5 stars
  • Müssen denn auch Meister wegen der Quote liefern?

  • Von Kristina Am hilfreichsten 02.04.2017

Müssen denn auch Meister wegen der Quote liefern?

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 02.04.2017

Der Roman ist eigentlich reine Unterhaltungslektüre im negativen Sinne – damit meine fehlende interessante bzw. prägnante Charakter, die etwas anbiedernde Art, Figuren zu präsentieren, zahlreiche Schwarz-Weiß-Muster, jede Menge andere bedienten Clichés sowie Erotik, Genuss-, gar Aktion-Episoden, die lediglich sich selber wegen (oder weil „der Leser es so mag“) im Text stehen… Richtige Entwicklung oder Spannung ist Fehlanzeige, trotz des Plots mit dem Erpressungsbrief. Irgendwie erinnert mich das Ganze an einen Fernsehfilm zur Prime-Time, ohne in die Materie einzutauchen, gar mit einem Happy End. Vom großen Erzähler habe ich, ehrlich gesagt, gerade das keinesfalls erwartet.
Bis zum Ende gehört habe ich nur wegen der spannenden Details und Rückblicke, die glücklicherweise nicht fehlen und von faszinierenden Hintergründen deuten. Und weil Gert Heidenreich einfach ein begnadeter Sprecher ist!

1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Der Lärm der Zeit

  • Autor: Julian Barnes
  • Sprecher: Frank Arnold
  • Spieldauer: 6 Std. und 7 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 243
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 224
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 226

Der sowjetische Starkomponist Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch gehört zu den renommiertesten Komponisten seines Landes, als Stalin eines Abends der Aufführung einer seiner Opern beiwohnt und schon in der Pause den Saal verlässt. Schostakowitsch wartet ab diesem Abend Nacht für Nacht angezogen, auf seinen gepackten Koffern sitzend neben dem Aufzug seiner Wohnung, dass er verhaftet wird. Doch niemand kommt. Stattdessen feiert er Erfolge mit seiner Fünften Symphonie und wird wieder Liebling der Massen. Aber nun muss er sich ungewollter Privilegien erwehren, die mit der Vereinnahmung durch die Partei einhergehen.

  • 5 out of 5 stars
  • Grenzen der Ironie in drei Sätzen

  • Von Kristina Am hilfreichsten 25.02.2017

Grenzen der Ironie in drei Sätzen

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.02.2017

Es ist schon faszinierend, wie ergreifend der einigermaßen bekannte Stoff rüberkommen kann: von Schostakowitsch und seinem Schicksal wusste ich bereits eine Menge, von dem begnadeten Erzähler Julian Barnes erwartete ich vor allem die menschliche Dimension. Die Erfüllung war sogar größer, als erwartet.
Der sehr suggestiv erzählte innere Monolog des Komponisten hat drei chronologische Stützpunkte, mit sehr plastischen Ausschweifungen in die Vergangenheit. Es geht weniger um die Musik und das Schöpferische, sondern vor allem um das, was das Einschüchtern und die Feigheit mit sich bringen. Julian Barnes war schon immer ein Experte fürs Menschliche: feinfühlig, bildstark und, vor allem, sehr universell.
Im dritten Satz weichen die Bilder ziemlich dem Sinnieren aus, aber wir haben mit einem weisem Autor und mit einem außerordentlichen Protagonisten zu tun, also erklingen die nachdenklichen Zeilen sehr organisch, zumal auch die Untertöne einer Zusammenfassung des Lebens zu vernehmen sind. Es geht um die Grenzen der Ironie und des Menschlichen überhaupt, um das Befinden in der Falle, wo nur das Schlimmste („trinken wir darauf, dass es nicht besser wird“) zu erwarten ist…
Dennoch: die Erzählung ist beinahe leichtfüßig, trotz des hämmernden Wahnsinns im Hintergrund, meisterhaft mit Zuspitzungen und witzigen Gleichnissen gespickt.
Ich denke, Musikkenner werde auch gewisse Ähnlichkeit des Romans mit der Schostakowitsch‘s Musik entdecken könne, wo das Dramatische und das Höhnische, das Tragische und das Heitere, das Eitle und das Innige durchwachsen sind. Die beretis vorgeführten Motive oder Anspielungen an sie werden immer wieder sehr gekonnt eingesetzt.
Eine großartige Hörlektüre! Eine großartige Leistung von Frank Arnold!

23 von 24 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Die Liebesgeschichtenerzählerin

  • Autor: Friedrich Christian Delius
  • Sprecher: Doris Wolters
  • Spieldauer: 4 Std. und 47 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 5
  • Sprecher
    4 out of 5 stars 5
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 5

Eine Frau, für ein paar Tage frei von Pflichten, Mann und Kindern, fährt im Januar 1969 von Den Haag über Amsterdam nach Frankfurt. Drei Liebesgeschichten aus den Zeiten der Kriege und Niederlagen gehen ihr durch den Kopf.

  • 5 out of 5 stars
  • Leise, atmosphärisch, suggestiv

  • Von Kristina Am hilfreichsten 07.11.2016

Leise, atmosphärisch, suggestiv

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 07.11.2016

Eine Familiensaga als Kammerspiel. Eine unspektakuläre Fahrt aus Frankfurt nach Amsterdam 1979 wird jahrhunderteübergreifend. Als ob ohne großes Kino, ohne Riesenleinwand mit Szenerien, Kostümen und unzähligen Komparsen, nur mit ein paar Erinnerungs- und Gedankentupfen wird Geschichte greifbar und spürbar gemacht, weil sie persönlich, ja fast intim erlebt und reflektiert daherkommt. Kein Blockbuster, dafür ein gelungener Autorenfilm für die Ohren. Die Sprecherin und ihre Lesart passten perfekt.

3 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich