PROFIL

Asaviel

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Siebeck und Perplies - mein Lieblingsduo

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 28.01.2020

Viel zu lange hat dieses Hörbuch ungehört in meiner Bibliothek geschlummert. Erst jetzt nach dem Hören erinnere ich mich wieder, wie sehr ich die Kombination aus Perplies Geschichte und Siebecks Stimme liebe.
Der Autor entführt den Hörer/Leser in eine fremde, abenteuerliche Welt - voller Ideen und doch nicht so fremd, dass man sich nicht sofort hineinfühlen könnte.
Die Grundgeschichte ist nicht neu: Junger Mann zieht aus, um Abenteuer zu erleben. Auch die Liebesgeschichte, die dann einfließt überrascht wenig. Aber das Setting ist neu, macht Spaß und es werden innerhalb der Details Fragen und Spannung aufgebaut, sodass ich schon bald kaum noch aufhören konnte, der Geschichte zu folgen.

Schade, dass es den zweiten Teil bisher nicht als Hörbuch gibt.

Sofort gebannt

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.01.2020

Dieses Hörbuch schafft es schon in den ersten paar Minuten meine Aufmerksamkeit zu fesseln, sodass ich gerne direkt weiterhören möchte. Dies ist für mich ungewöhnlich. Meist brauche ich 30-120 Minuten bis mich eine Geschichte wirklich fesselt.
Das Setting, in desen Mittelpunkt recht schnell eine 3er-WG mit Mann, Frau, Maschine steht, ist ungewöhnlich und macht sofort neugierig.
Zunächst glaubte ich, dass sich alles um "Adam", also die Maschine, drehen würde. Dem ist aber weitem nicht so. Vielmehr geht es um die menschlichen Gefühlen (auch der Maschine), dem menschlichten Genie, aber auch der menschlichen Fehlbarkeit. All das eingebettet in ein fast alltägliches Setting, in dem Sinnfindung, Berufswahl, Abnabelung gegenüber den Eltern und auch Politik eine Rolle spielen. Ein sehr gelungenes Werk!

Auch dem Sprecher höre ich sehr gerne zu und konnte gut den verschiedenen Tonlagen der Figuren folgen. Nur die Stimme von Mirandas Vater und Adams Stimme ähneln sich sehr, sodass ich hier besonders gut zuhören musste.

Nicht einfach

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 04.01.2020

Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich durch diese Geschichte gequält habe und froh war, als es vorbei war und ich endlich etwas Neues beginnen konnte.
Dabei lässt sich gar nicht so einfach sagen, was das Problem war. Ich mag den Sprecher, ich mag auch die Art und Weise wie Zusak schreibt und die Geschichte hat Potenzial. Den Figuren zu folgen fällt aber gleichzeitig unheimlich schwer. Im Nachhinein habe ich überlegt, ob dies ein Buch ist, das man besser lesen sollte, um der Handlung angemessen folgen zu können.
Gleichzeitig war ich nicht bereit das Hörbuch abzubrechen, da ich wissen wollte, wie das Buch endet und wie die Jungs, um die es geht, zu dem geworden sind, was sie heute sind.
Weiterempfehlen kann ich das Buch in der Hörbuchversion aber leider nicht.

Krieg, so unverständlich

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 09.05.2019

Ich weiß nicht, wie sich Krieg anfühlt. Zum Glück weiß ich nicht, wie sich Krieg anfühlt.
Aber neben dem Gefühl sich ab und an mit den Klassikern der Literatur beschäftigen zu wollen, ist da auch das Gefühl des völligen Unverständnisses. Wie kann es sein, dass die Menschheit immer (noch) Krieg führt?

Eine Antwort auf diese Frage habe ich nicht gefunden, aber ich habe in diesem Buch erfahren, wie sich der Krieg anfühlt. Der Leser (bzw. Hörer des Hörbuchs) folgt Paul und er folgt ihm so nah, so dicht, dass er wirklich alles miterlebt und genauso wenig geschont wird wie Paul selbst. Natürlich in der Ich-Perspektive.
Granatensplitter, Schusswunden, die Gedärme von Pferden, Soldaten auf der Toilette, nackte Soldaten bei Französinnen, Heimaturlaub, Tod. Alles hautnah und alles intensiv. Und alles so selbstverständlich. So ist Krieg halt.

Dem Autor gelingt es dabei mühelos zwischen schrecklicher Einfachheit und schrecklicher Poesie sprachlich zu variieren. Und dann kann man diese Männer, die einfache Soldaten sind, verstehen. Verstehen, dass sie gehorchen (müssen), verstehen, warum sie töten und verstehen, warum sie selbst nicht verstehen, dass es überhaupt Krieg gibt.
Paul ist kein Dummkopf. Er macht sich Gedanken, teils sogar philosophische Gedanken.
Und das Ende?
Das Ende ist notwendigerweise konsequent.

Fantasy, Gesellschaftskritik, so genial

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 09.05.2019

Lange Fantasy-Reihen zu beenden verschafft mir immer ein befriedigendes Gefühl. Ich habe so viele Reihen angefangen, die nach „weiterlesen“ oder „beenden“ rufen, dass es ein Wunder ist, wenn ich es tatsächlich mal schaffe.
Wenn man den Figuren aber über 5-6000 Seiten gefolgt ist, dann ist es auch wirklich ein Abschied, den man erst überwinden muss. So ist es vor allem auch hier. Ich habe die Hörbücher gehört. 6 an der Zahl. Ich glaube, sie alle waren jeweils über 24h lang. Die Charaktere sind mir ans Herz gewachsen und ich bin froh, dass Brandon Sanderson ein würdiges Ende für die Geschichte gefunden hat.
Ich finde es in Ordnung, sogar richtig, dass nicht jede einzelne Frage bis ins letzte Detail aufgelöst wurde. Ich finde der Autor hat eine ausgewogene Mischung zwischen Schlachtengetümmel, Taktikdiskussion und Innenleben der Figuren entworfen. Diese Mischung ist – meiner Leseerfahrung nach – gar nicht so einfach zu bewerkstelligen.
Wenn man genau liest, genau hinhört, dann formuliert Brandon Sanderson eine Gesellschaftskritik unserer heutigen westlichen Gesellschaft, die treffender kaum sein könnte. Die Völker, Länder von Roschar lassen sich mit unserer Welt vergleichen. Dabei wird nicht der Zeigefinger erhoben, man muss schon genau hinsehen, aber das macht für mich den besonderen Reiz dieser Geschichten aus. Sie gehen über die typischen Fantasyplots hinaus.
Ich bin gespannt, welche Welt uns als nächstes erwartet.

Leicht ja, zu leicht, zu langweilig

Gesamt
2 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
2 out of 5 stars

Rezensiert am: 12.06.2017


Es gibt ja tatsächlich Romane, bei denen ich mich fragen muss, ob sie eine Daseins-berechtigung haben und ja, dieser hier ist so einer.
Wie bin ich überhaupt auf diesen Roman gekommen? Es gibt ihn als gedrucktes Buch nicht mehr frisch aufgelegt. Also nur noch die Kindle-Version oder eben Audible. Audible hat Farago wohl relativ frisch entdeckt, denn in den letzten Monaten sind vier ihrer Romane, die alle im ähnlichen Setting spielen dort erschienen. Gesucht und gefunden wurde dieses Buch nun von mir, da Unterhaltungliteratur ohne großen Anspruch gesucht wurde.
Ja, die habe ich gefunden. Aber ehrlich gesagt bin ich dann auch erschrocken, wie wenig Anspruch ein Buch tatsächlich haben kann.
Die Charaktere sind so klischeebehaftet, dass es meiner Meinung nach jedem, der sich regelmäßig mit Geschichten in geschriebener oder gesprochener Form befasst, weh tun muss. Von Beginn an ist klar, wie sich jede einzelne Figur verhält und worauf das Ganze hinauslaufen muss.
Es war zwar leichte Lektüre gesucht, aber ich will mich doch auch nicht langweilen?!?
Die Sprache ist gleichzeitig ebenfalls wie erwartet einfach gehalten, historische Korrektheit wird nicht erwartet.
Ich habe mich durch das Hörbuch gequält - die Sprecherin macht ihre Sache übrigens gut -, immer in der Hoffnung, dass ich mich täusche, dass da doch noch etwas anderes kommt, aber nein. Es bleibt, wie es von Beginn an ist und ich kann das Buch wirklich nicht empfehlen.
Leichte Lektüre ja, zu leicht, zu langweilig - kein Buchtipp!

Unterhaltungsliteratur mit existenziellen Fragen

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 10.06.2017


Suter gehörte bis dato nicht zu meinen regelmäßig konsumierten Autoren. Tatsächlich bin ich über die Bestsellerliste auf diese Buch gestoßen und konnte mich dem Gedanken an einen kleinen rosaroten Elefanten nicht entziehen. Wäre so ein kleines Tierchen nicht süß? So als Hunde-Ersatz, der dann fröhlich trötet, wenn man nach Hause kommt. Hach...
Ganz so süß, wie es nun bei mir wirkt, ist der Roman dann am Ende tatsächlich nicht. Denn all die Anmut und die Faszination, die das kleine Elefantenmädchen ausstrahlt, kann nicht über all die Problematik hinwegtäuschen, die so ein Tier mit sich bringt.
Die Geschichte läuft auf zwei Handlungsebenen und die Charaktere dieser Ebenen begegnen sich erst im weiteren Verlauf der Geschichte - nur der kleine Elefant ist recht früh das verbindende Element zwischen ihnen. Der Obdachlose, der den Elefanten zunächst findet, hat lange Zeit keine Ahnung, wie es dazu gekommen ist, dass es so ein Wesen überhaupt gibt und auch keine Ahnung, wieso es frei herumläuft. Diese Fragen bleiben auch für den Leser erst unbeantwortet und denken sich nach und nach auf.
Dieses Vorgehen erhöht natürlich den Spannungsgrad und ist dazu in der Lage, den Leser soweit zu fesseln, dass ich das Buch kaum noch weglegen wollte.
Und dann drängt sich immer mehr die Frage nach der Moral und dem Recht und vor allem der moralischen Verpflichtung auf: Darf man so etwas? Darf man rosa (im Dunkeln leuchtende) Mini-Elefanten züchten, indem man Gene manipuliert? Und wie wird sich das auf den kompletten Genpool und dann auch auf uns Menschen auswirken?
Darf man alles, was man kann?
Diese Frage ist keineswegs neu, aber in der heutigen Zeit umso brisanter - und bleibt unbeantwortet. Auch dieser Roman kann die Antwort nicht liefern. Es gelingt ihm aber gut die verschiedenen Positionen gegenüber zu stellen und ein gutes Ende zu finden, das dabei nicht die von mir gefürchtete "Friede-Freude-Eierkuchen"-Mentalität ausstrahlt.
Die Fragen bleiben und das ist das Wichtige: Martin Suter gelingt es mit spannender Unterhaltungslektüre, die auch ein breites Publikum anspricht, existenzielle Fragen aufzuwerfen, die nach einer Antwort verlangen.
Aber diese Antwort muss sich jeder selbst geben!

5. Teil - worauf will Brent Weeks hinaus?

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 25.05.2017


Die ist der 5. Teil einer sechsteiligen Saga, Spoiler für die vorhergehenden Teile sind möglich, ich versuche sie aber gering zu halten. Ursprünglich war diese Reihe als Trilogie geplant.
In diesem Teil stehen nun verschiedene Figuren im Mittelpunkt. Der Handlungsstrang hat sich langst aufgeteilt und springt zwischen ihnen, wobei Kip, Gavin, Kariss und Theia am meisten Zeit eingeräumt wird. Manche haben nur kurze Gastspiele, andere tauchen selten aber regelmäßiger auf. Dies empfinde ich persönlich als sehr angenehm, da die Figuren alle so gestrickt sind, dass sie Licht und Schatten in sich vereinen. Es gibt keinen Helden, dessen Seite der Leser nicht verlassen will, da man bei jedem entweder die Motive anzweifelt oder er sich auf andere Weise merkwürdig verhält.
Dieser Band erzählt ungefähr die Geschichte über das nächste Jahr - schließt also direkt an Band 4 und hat zum Glück eine kurze Zusammenfassung der vorangegangen Bände, sodass der Leser sich die Geschehnisse schnell wieder in Erinnerung rufen kann. Durch die verschiedenen Handlungsstränge ist diese Zeitablauf aber auch etwas verzwickt. Hat man bei Gavin oft das Gefühl, dass man als Leser nur wenige Stunden bei ihm verweilt, wird die Handlung bei Kip vorangetrieben und immer wieder auch ein Zeitsprung von mehreren Monaten gemacht. So entsteht das Gefühl, dass die Zeit je nach Ort unterschiedlich schnell verläuft. Das funktioniert natürlich aber nur so lange, bis die Handlungsstränge sich kreuzen, was in einem Fantasy-Roman nur eine Frage der Zeit ist.
Mein größter Kritikpunkt ist, dass Vieles einfach nicht erklärt wird. Woher hat Gavins Vater sein Wissen jeweils? Wie konnte dies oder jenes gestohlen werden? Was denkt Kip in dem Moment tatsächlich, wenn der Erzähler explizit auf seine verworrenen Gedanken hinweist, ohne sie offen zu legen? Der Leser ist gezwungen dies alles als gegeben hinzunehmen und kann es nicht hinterfragen, oder eher: sollte es nicht hinterfragen. Ich denke nicht, dass alle Fragen im letzten Band abschließend geklärt werden, da es dann nur eine langweilige Fragenbeantworterei sein würde. Also bleibt einem nichts anderes übrig als damit zu leben. Dies ist aber auch ein Punkt, an dem der Autor es sich leicht macht - zumindest empfinde ich es so: Es werden Logikfehler vermieden, indem die Fragen offen bleiben.
Hatte ich in Band 4 lange Zeit keine Ahnung, wohin das alles führen soll, wurde dies in Band 5 weitergeführt und erst am Ende beantwortet: Was ist das Ziel einiger Figuren? Dies wird nun tatsächlich im Laufe dieses Bandes beantwortet und bleibt bei keiner Figur weiter offen stehen. Das ist gut und macht das Warten auf Band 5 beinahe unerträglich.
Ich habe auch diesen Band erneut als Hörbuch gehört und bin erneut begeistert über die Fähigkeiten des Sprechers Bodo Primus. Ich kann jedem dieses Hörbuch aufgrund des Sprechers nur ans Herz legen!

Schmaler Grat zwischen Zuneigung und Abneigung!

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 14.04.2017

Dies ist eine Geschichte, an der man kaum vorbeikommt. Das liegt daran, dass sie auf jeder Bestsellerliste auftaucht. Und in jedem Social-Media-Kanal stolpert man früher oder später darüber. Insbesondere jetzt, da Band 2 bereits erschienen ist. Tatsächlich ist es aber so, dass in einem anderen Fall weder Titel, noch Cover mich in irgendeiner Weise angesprochen hätten. Ich wäre immer und immer wieder daran vorübergegangen. Selbst der Klappentext kann mich nicht reizen.

Trotzdem schreibe ich nun ein Buchtipp über dieses Werk, das ich als Hörbuch gehört habe und die Reihe werde ich auch weiter in diesem Medium verfolgen. Wie kommt es dazu? Tatsächlich stelle ich mir diese Frage selbst immer noch. Als ich begonnen habe, habe ich mich lange gefragt, was denn die anderen an dieser Geschichte finden und war versucht vorauszusagen, dass ich das Buch abbrechen würde. Aber jedes Buch sollte zunächst eine gebührende Chance bekommen und bald hat sich herausgestellt: Ich konnte nicht mehr aufhören.

Das liegt in aller erster Linie an Ferrantes Schreibstil. Wow. Eine Mischung aus ausschweifenden Erzählungen, Beschreibungen und detailreichen Auseinandersetzung mit den kleinsten Szenen - und andererseits ein rasantes Tempo, wenn es plötzlich um Gewalt, psychisch und physisch - geht. Man muss ganz genau zu hören und zwischen den Zeilen lesen, um die Nuancen zu verstehen, sie nicht zu verpassen, die sich auf jeder einzelnen Seite finden.

Desweiteren sind die Charakter in ihrer Alltäglichkeit außergewöhnlich. Zunächst haben gerade diese Charaktere mich abgeschreckt. Als Mädchen sind die beiden Freundinnen ja noch ganz interessant, besonders für jemanden, der mit Kindern arbeitet, aber dann wachsen sie so langsam zu jungen Frauen heran und verlieren ihr Kindliches. Sie sind so normal. Und dass ist es gerade, was es dann so spannend macht. Man hat schon so oft geschrieben, dass es diesem oder jenem Autor gelingt vielschichtige Charaktere zu zeichnen, nicht in Schwarz-Weiß-Schubladen zu schreiben - und doch ist es wohl kaum einem so gut gelungen wie dieser Autorin. Man erkennt sich selbst in jedem von ihnen wieder. Sie alle haben positive Seiten und teils so negative Abgründe, dass wir am liebsten jegliche Ähnlichkeit abstreiten würden.

Man verfolgt den Lebensweg der beiden Mädchen von früher Kindheit bis zu einem Alter von 16 Jahren. Der Schnitt, der dann gemacht wird, ist einleuchtend, aber mit einem großen Cliffhanger - klar. Es erzählt das Leben einer oder zweier Mädchen, da sind nicht alle Fragen nach dem ersten Band geklärt. Jede Höhe, jede Tiefe durchlebt der Leser mit den Italienern und tatsächlich hat man nach kurzer Zeit das Gefühl, dabei zu sein, dazu zugehören. Man ärgert sich gemeinsam mit Elena, man fürchtet sich mit Lila, man leidet mit den jungen Männern.

Denn auch die Nebencharaktere - die jungen Männern, die Eltern und Großeltern, Lehrer und Bewohner des Viertels - sind so scharf gezeichnet, dass man sie vor sich sieht und man fest davon überzeugt ist, sie auf der Straße erkennen zu können.

Zusammenfassend sage ich, dass ich bisher das Gefühl habe, dass es eine Geschichte ist, die in ihrem Ablauf wenig aufweist, was einem nicht schon mal irgendwo begegnet ist. Aber die Art und Weise der Begegnung wird hier durch die Autorin, durch ihren Stil zu etwas ganz Besonderem und ja - Auch mich hat das "FerranteFieber" gepackt. Ich werde weiter hören!

Kartenspiele, Fantasy, History, - der neue Heitz

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 06.04.2017

Ich frage mich ja schon seit Jahren, woher der werte Markus Heitz seine Ideen nimmt. Jährlich erscheinen einige Bücher von ihm, die aber niemals alle in dieselbe Kerbe schlagen. Bei den meisten Autoren ist es ja so "Kennste eins, kennste alle (Bücher)." Das ist hier eindeutig nicht der Fall.
"Des Teufels Gebetbuch" läuft so auf einer Ebene mit "Totenblick" und "Oneiros" - also was das Setting betrifft. Wir befinden uns in der Gegenwart in Deutschland - mit klarem Fantasyeinfluss, was schnell deutlich wird, aber nicht die Strukturen, die wir aus unserem Alltag kennen über den Haufen wirft. Die Karten sind besonders, sie können Besonderes, aber davon weiß nicht jeder.

Mir gefällt auch an diesem Roman sehr gut, dass es keine Helden im klassischen Sinn gibt. Denn Heitz' Figuren sind selten perfekt, was sie menschlich macht und so fiebert der Leser besonders gerne mit. Unser Protagonist in diesem Roman ist nicht nur "trockener" Spielsüchtiger, auch Drogen und ein gestörtes Verhältnis zu seiner Familie spielen eine Rolle.

Es gibt immer mal wieder Rückblicke in die Zeit Johann Wolfgang von Goethes, der in diesen Rückblicken auch mitspielt, aber dabei keine Hauptrolle einnimmt. Es gibt Anspielungen auf den "Faust". Von anderen Lesern des Gebetbuches habe ich schon gehört, dass ihr Interesse an diesem Klassiker soweit gestiegen ist, dass sie diesen nun lesen wollen. Wir müssen aber so ehrlich sein, dass die inhaltliche Verwebung gering ist. Nicht jedem, dem "Des Teufels Gebetbuch" gefällt, wird auch "Faust" gefallen. Wobei es schon eine Lektüre wert ist.

Obwohl Heitz' Sprache meist klar und schnörkellos ist, beweist er hier gerade auch in den Rückblicken, dass er mit der Sprache spielen kann und auch so formulieren kann, dass man zumindest das gefühlt hat, man befände sich Ende des 18. Jahrhunderts, wenn die Figuren miteinander reden.

Da ich das Hörbuch gehört habe, noch einige Worte zum Sprecher:
Ich bin immer wieder schwer beeindruckt, wie es den Sprechern gelingt, so vorzulesen, dass in jedem Moment klar ist, welche Figur gerade redet, ohne dass es lächerlich wirkt. Daumen hoch! Uve Teschner liest einfach grandios.

Alles in allem kann ich auch Heitz' neuestes Werk uneingeschränkt empfehlen.
Kleine Längen im Mittelteil des Romans sind so schnell überwunden, dass sie kaum ins Gewicht fallen.