PROFIL

Ingomar Krenn

wien
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  • Bewertungen

Die Fahrräder der Toten

Gesamt
2 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
1 out of 5 stars

Rezensiert am: 14.05.2018

Nehmen wir an, es gibt Gespenster. Nehmen wir ferner an, eines dieser Gespenster kommt auf die Idee, Fahrrad zu fahren: Ist dieses Fahrrad dann für die Lebenden sichtbar oder wechselt es, weil von einem Gespenst benützt, in die Dimension der Toten?
Damit zu Peter James: Was er kann, ist, spannend zu schreiben. Er suggeriert die gute alte Spukhausatmosphäre, die Fans der klassischen Gruselgeschichte (zu denen ich mich rückhaltlos bekenne) durchaus anspricht. Der Nachteil ist nur: Seine Geschichte verliert auf halber Strecke zwar nicht Atmosphäre und Spannung, aber die Logik - auch die für das Buch anzunehmende innere Logik. Kurz gesagt: Das kommt heraus, wenn ein Autor den Film "The Others" sieht, dessen Idee für interessant hält, aber etwas Eigenes daraus machen will.
Der Sprecher - nun ja, geht. Weder würde ich mir seinetwegen ein Hörbuch anhören, noch seinetwegen auf eines verzichten.

Agatha-Christie-Klassiker auf gemütlich

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
1 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 02.10.2017

Über den Roman braucht man nicht viele Worte zu verlieren: Ein Klassiker, den man auch dann noch genießen kann, wenn man aus vorangegangener Lektüre längst weiß, wer die Taten begangen hat. Das funktioniert, weil die Christie nicht einfach Krimis schreibt, sondern mittels der Krimihandlung die gehobene Gesellschaft eines Großbritanniens porträtiert, das fest im Viktorianismus und der Kolonialzeit steht. Die Übersetzung von Pieke Biermann ist fabelhaft - Agatha Christies Tonfall wirkt nun auch auf Deutsch nicht mehr betulich, sondern federleicht und poetisch.
Gerd Anthoff als Sprecher hingegen ist eine völlige Fehlbesetzung - und ich möchte anmerken, dass ich Anthoff sehr mag, er sogar der Grund für den Kauf dieses Hörbuchs war. Anthoff liest das in einer behäbigen Gemütlichkeit vor, die völlig im Gegensatz zur Sprache steht. Aber es kommt noch schlimmer: Er unternimmt nicht ansatzweise den Versuch, die Stimmen zu charakterisieren, im Gegenteil: Er ebnet alles ein, als würde er den Versuch machen, den Text als Wortkunstwerk zu objektivieren, so als wäre er nicht in der Geschichte, sondern als würde er quasi von außen auf sie draufschauen. Vielleicht ein interessanter Ansatz - nur Kopfkino entsteht so nicht. Selbst Poirot sticht nicht hervor, denn Anthoff verleiht ihm einen kaum wahrnehmbaren Pseudo-Akzent, mal etwas mehr, mal etwas weniger, und das auch mitten im Dialog, wodurch diese mitunter arg verwirrend werden: Wer spricht jetzt? Wer sagt was?
Schade, denn die Auswahl an ungekürzten Christie-Hörbüchern in Deutsch (und man sollte sie ungekürzt hören oder lesen, eben, weil sie mehr sind als nur Krimis) ist überschaubar. Eine vergebene Chance.

Unterbrechung unmöglich

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 05.11.2016

Hat dieses Hörbuch Sie emotional stark bewegt? Mussten Sie laut z.B. lachen, weinen, zweifeln, etc.?

"Bluternte" ist nicht einmal besonders gut geschrieben. Die Liebesszenen streifen den Romantik-Kitsch (ausgerechnet ein Reverend mit ausgerechnet einer Frau mit Behinderung), zu viele Cliffhanger, zu viele zu kurzatmige Kapitel, zu viel Hin- und Herspringen zwischen parallel laufenden Handlungen. Warum nur konnte ich dann nicht aufhören mit diesem Hörbuch? An Sprecher Achim Grauer (fulminant, nur in den Liebesszenen übertreibt er's mit den Gefühlsaufwallungen) allein kann es nicht gelegen sein.Ich habe eine Vermutung: Dieses Buch hat Stimmung und Geheimnis. Bei mir funktioniert das fast immer. Sharon Bolton fängt von Anfang an die Atmosphäre in dem Ort so ein, dass man ihn filmisch vor sich sieht. Was dann folgt, ist, ja, auch gute Charakterschilderung, spannender Handlungsaufbau, vor allem aber eine unglaubliche Verdichtung einer lastenden Schuld, die dem Zuhörer förmlich in die Knochen kriecht. Die Fehler des Buchs, die man denkend wohl wahrnimmt, spielen auf einmal keine Rolle mehr, weil man hineingesogen wird in diesen Alptraum. Der Schluß ist dann in seiner Bitterkeit der finale Hieb in die Magengrube. Womit Sharon Bolton einen der ganz wenigen Thriller geschrieben hat, die mir, nach Ende des Hörbuchs, tagelang im Kopf herumgegangen sind.

Reales Seefahrtsmysterium als Horrorgeschichte

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.01.2016

Würden Sie dieses Hörbuch einem Freund empfehlen? Wenn ja, was würden Sie ihm dazu sagen?

Wo beginnen?
Vor allem: Wie etwas über dieses Buch sagen, ohne die Spannung oder einen Überraschungseffekt zu rauben?
Dan Simmons wählt als Ausgangspunkt eine der größten Tragödien der britischen Seefahrt: Sir John Franklins Suche nach der Nordwestpassage. Zwei Schiffe, die "Erebus" und die "Terror", gingen mit der gesamten Besatzung, 129 Mann, verschollen. Das sind Tatsachen.
In jüngerer Zeit wurden Leichen von Besatzungsmitgliedern gefunden und die Erzählungen und Aussagen der Inuit neu bewertet. Dadurch können mögliche Szenarien für die Katastrophe entwickelt werden. (Das Wrack der "Erebus" wurde erst nach dem Erscheinen des Romans gefunden.)
Simmons nützt diese Erkenntnisse und baut daraus eine gewaltige Geschichte, in die nicht zuletzt Inuit-Mythen einfließen. Kurz zusammengefasst könnte man sagen, dass Simmons die Frage stellt, ob das wahre Grauen nicht von Teilen der Mannschaft selbst ausgeht, sobald sie mit etwas Unbegreiflichem konfrontiert ist.
Das Abweichen von den realen Vorgängen wirft man Simmons bisweilen vor, aber ich denke, ein Autor sollte das Recht haben, seine eigene Geschichte zu erzählen, selbst dann, wenn er sie aus Fragmenten eines historischen Vorgangs zusammensetzt und zu etwas gänzlich Anderem umformt.
Simmons ist ein Meister der Psychologie, der Schilderung von Individuen: Es gibt kein Gut und Böse, die Guten sind gebrochen, die Böse können sich zu dunkler Größe erheben. Die Schicksale lassen nicht kalt, man leidet mit den Menschen mit, beginnt zu lieben, zu hassen... Dass Simmons darüber hinaus ein Meister der Atmosphäre ist, ist keine Neuigkeit. Und er verfügt über eine Sprache, die in ihrer Geschmeidigkeit, Plastizität und, ja: auch Schönheit heute im Genre der unheimlichen Literatur die Ausnahme von der Regel ist.
Gerade dies ermöglicht es, dass das Eigentümliche an diesem Roman glückt: Er wächst über seinen Horror-Höhepunkt hinaus und führt weiter in einen dunkel-lyrischen Mythos, der den Schrecken in Gelassenheit verwandelt. (Vielleicht ist ja auch die Verwandlung das eigentliche Grundthema dieses Romans.)
Den Sprecher Detlef Bierstedt kann man gar nicht genug rühmen: Ohne Übertreibungen kommt er aus, macht das Stimmengewirr in den Dialogen deutlich, als verfüge er selbst über 129 (und mehr...) Stimmen, spricht den Erzähltext klar und natürlich, wodurch sich das Unheimliche extrem stark, gleichsam als geschilderte Realität, mitteilt.
Ein unbedingte und rückhaltlose Empfehlung!

Rauhnacht Titelbild

Der Sprecher ruiniert alles

Gesamt
2 out of 5 stars
Sprecher
1 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.01.2016

Was genau hätte man an Rauhnacht noch verbessern können?

"Rauhnacht" ist eine interessante Geschichte, nicht in allen Facetten wirklich gelungen und befriedigend, aber ich mag es nun einmal, wenn Horrorgeschichten nicht aus Blut und Eingeweiden bestehen, wenn es nicht um die Erzeugung von Ekel geht, sondern um Unheimliches, und wenn es ein Autor obendrein schafft, das in einer lokalen Tradition zu verankern, hat er schon einen Pluspunkt. Max Pechmann also hat eine Geschichte geschrieben, die ich gut finde, die stellenweise wirklich unheimlich ist. Soweit - so gut.Aber dieser Sprecher....Lutz Gottschalk macht's besonders unheimlich dräuend. Schon dem Titel unterlegt ein dunkles Grummeln. Und dann beginnt er die Geschichte zu buchstabieren. Als würde er jedem Buchstaben einzeln das totale Grauen abringen wollen. Die Dialoge gibt Gottschalk glatt der Lächerlichkeit preis. Das permanente Outrieren zerstört indessen die Atmosphäre, weil gerade Schauergeschichten in sachlichem Tonfall vorgetragen werden müssen, um ihre Wirkung zu entfalten.Audible stellt die Frage, welcher Sprecher besser gewesen wäre. Jeder andere. Oder um einen Namen zu nennen: Zum Beispiel Detlef Bierstedt.

4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

Das Grauen in Österreich

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
3 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 11.01.2016

Welchen drei Worte würden für Sie Der Judas-Schrein treffend charakterisieren?

Der "Judas-Schrein" ist der Debüt-Roman des bis dahin als Autor unheimlicher Kurzgeschichten hervorgetretenen Österreichers Andreas Gruber. Will man das Buch mit drei Wörtern charakterisieren: Spannend, unheimlich, beklemmend. Gruber unterlaufen gewiss einige Schlampigkeitsfehler, auf die ein gutes Lektorat den Autor hingewiesen hätte. Doch das schmälert insgesamt nicht die Wirkung dieses Romans. Was als Krimi beginnt, wird allmählich zur Horrorgeschichte von lovecraft'schem Ausmaß.

Welche Figur hat Ihnen am besten gefallen? Warum?

Grubers Figuren sind gut gezeichnet; Anflüge von Klischeehaftigkeit gibt es eher bei den Hauptpersonen als bei den Nebenfiguren, fallen aber nicht wirklich störend ins Gewicht. Zumal es dem Autor in diesem Buch merklich nicht um ausgefeilte Psychologie und Personencharakteristik geht - das wäre ein anderes Genre.

Was wäre für andere Hörer sonst noch hilfreich zu wissen, um das Hörbuch richtig einschätzen zu können?

Ich kenne diesen Roman sowohl in selbstgelesener Papierform als auch als Hörbuch. Das Hörbuch leidet unter dem Sprecher Hans Jürgen Stockerl. Ihm gelingt es zwar, in den beschreibenden Passagen den richtigen Ton zu treffen, aber in den Dialogen sind seine Versuche, die unterschiedlichen Stimmen überdeutlich zu machen, immer wieder ärgerlich. Vor allem der infantile Tonfall, den er den beiden weiblichen Hauptrollen gibt, ist unpassend: Immerhin sind das keine verzickten Schülerinnen, sondern eine Psychologin und eine Gerichtsmedizinerin.