PROFIL

monerl

  • 88
  • Rezensionen
  • 347
  • Mal wurden Ihre Rezensionen als "hilfreich" bewertet
  • 187
  • Bewertungen
  • Guten Morgen, Genosse Elefant

  • Autor: Christopher Wilson
  • Sprecher: Matthias Koeberlin
  • Spieldauer: 5 Std. und 43 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 18
  • Sprecher
    5 out of 5 stars 18
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 18

"Mein Name ist Juri Zipit. Ich bin zwölfeinhalb Jahre alt und lebe in einer Personalwohnung im Hauptstadtzoo gleich gegenüber vom Seelöwenteich hinter der Bisonweide, direkt neben dem Elefantengehege. Mein Papa ist Doktor Roman Alexandrowitsch Zipit, Professor für Veterinärmedizin, Fachgebiet Neurologie der Großhirnrinde, also ein Spezialist für alles, was im Kopf der Tiere schiefgehen kann. Als ich sechseinviertel Jahre alt war, passierte mir das größte Pech. Ein Milchwagen ist von hinten in mich reingerumst."

  • 4 out of 5 stars
  • Prächtig!

  • Von toddi Am hilfreichsten 20.09.2018

Wundervoll skurril und außergewöhnlich

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 26.10.2018

Handlung 4
interessant, leicht übertrieben, mit Tiefgang, enthält Gewalt
Sprache 5
satirisch, bissig, Thema entsprechend
Charaktere 5
vielseitig, skurril, fiktive und historische
Ende 5
passend, rund, überraschend
Hörbuch 5
toller Sprecher, empfehlenswert

Gesamtwertung
4,8 / 5


Fazit:
Ein sehr interessantes Buch, das auf eine ganz eigene und spezielle Art und Weise mit dem Thema Kommunismus umgeht. Der Autor bedient sich eines lädierten und sehr naiven 12jährigen Jungen namens Juri, der als Vorkoster Stalins ins Zentrum der Macht gerät und somit unsere Brille auf die letzten Tage Stalins wird. Durch ihn erfahren wir von den Machenschaften der Politiker und des Scheiters des Kommunismus. Juri sieht aber versteht nicht alles. Was wiederum sein großes Glück ist, denn der Autor schreckt auch nicht vor Kindesmisshandlungen zurück. Der Kunstgriff durch die kühle und distanzierte Sprache, der Anwendung des satirischen Stilmittels, lässt für diese Misshandlungen kaum Emotionen zu. Dafür bin ich dem Autor sehr dankbar.

Als Satire ist dieses Buch sehr gelungen! Ich konnte lachen und doch ist mir das Lachen zum Ende hin auch im Halse stecken geblieben. Je mehr Juri erlebt und uns berichtet, desto mehr Tiefgang bekommt das Buch. Denn im Gegensatz zu Juri verstehen wir alles sehr wohl sehr gut.

Man kann die Eloquenz und Klugheit Juris kritisieren oder man sieht sie, so wie ich, als das überzogene Element, das es möglich macht, die Geschichte und ihren Inhalt auf diese spezielle Art und Weise erzählen zu können.

Ein überaus gelungenes Hörbuch mit einem tollen und passendem Sprecher! Ein Buch, das mich durch und durch überraschen und unterhalten konnte! Eine gelungene Geschichte, die Fiktion und historische Fakten wundervoll verbindet. Wo jedoch die Historie endet und die Fiktion beginnt, ist ohne Hintergrundwissen kaum auseinanderzuhalten und animiert den Leser deshalb zur weitere Recherche.

  • Die Frau des Zoodirektors

  • Eine Geschichte aus dem Krieg
  • Autor: Diane Ackerman
  • Sprecher: Bibiana Beglau
  • Spieldauer: 7 Std. und 35 Min.
  • Gekürztes
  • Gesamt
    4 out of 5 stars 17
  • Sprecher
    4 out of 5 stars 17
  • Geschichte
    4 out of 5 stars 16

Eine wahre und rührende Geschichte. Während der Zweite Weltkrieg tobt, wird der Warschauer Zoo Schauplatz einer dramatischen Rettungsaktion, die über 300 Juden vor dem sicheren Tod bewahrt. Jan und Antonina Zabinski, der Zoodirektor und seine Frau, schmuggeln Juden aus dem Warschauer Ghetto auf das brachliegende Zoogelände, wo sie die Todgeweihten in den leeren Tierkäfigen vor den Nazis verstecken und ihnen damit das Leben retten.

  • 5 out of 5 stars
  • Ein Sachbuch in Romanform

  • Von monerl Am hilfreichsten 28.06.2018

Ein Sachbuch in Romanform

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 28.06.2018

Meine Meinung
Es hat sehr, sehr lange gedauert, doch ich hab es geschafft, dieses Buch zu beenden. Meine Kritik diesmal gleich zu Beginn, da dieser Punkt mein eigentliches und einziges Problem mit dem Buch darstellt: Das Genre. Die Autorin konnte sich nicht so richtig entscheiden, ob sie einen Roman auf wahren Begebenheiten erzählen möchte, oder ob sie ein Sachbuch schreiben soll. Herausgekommen ist für mich ein Sachbuch in Romanform, das mir persönlich nicht so gut lag.

Der Schreibstil ist sehr sachlich, die meiste Zeit informativ aber auch sehr distanziert. Die Autorin nimmt Bezug auf viele Quellen und auch Tagebücher von Antonina Żabiński. Dabei schreibt Diane Ackerman sehr ausufernd. Am Anfang verliert sie sich m.M.n. in unnötigen Beschreibungen der Tieraufzucht. Seitenweise wird der*die Leser*in über den Zoo und seine Tiere aufgeklärt. Bis sie zum Kernpunkt der Geschichte kam, hatte ich das erste Mal schon die Lust auf das Buch verloren. Ich erwartete eine Leidensgeschichte einer Familie im 2. Weltkrieg, die unter schlilmmsten Umständen trotzdem den Mut hatte, sich gegen das Belagerungsregime der Nazis in Warschau / Polen zu stellen und Juden zu helfen. Das bekam ich auch, aber erst musste ich mich durch viele wissenschaftliche Beschreibungen und Erklärungen quälen.

Jan Żabiński riskierte ständig sein Leben und schmuggelte Juden aus dem Warschauer Ghetto und brachte sie in den Zoo. Antonina, seine Frau, und auch sein Sohn kümmerten sich dann in der Villa um sie. Sie versteckten die Geflohenen und gaben ihnen eine Art Zuhause und Gemeinschaftsgefühl. Und das alles unter der Beobachtung und Besetzung des Zoos, über Jahre hinweg. Mit ihrem großen Einfallsreichtum gelang es ihnen auf diese Art und Weise ca. 300 Menschen das Leben zu retten!

“Retter schienen enscheidungsfreudig zu sein, konnten schnell denken, waren risikofreudig, unabhängig, abenteuerlustig, offenherzig, rebellisch und ungewöhnlich flexibel – imstande, Pläne schnell zu ändern, Gewohnheiten abzulegen und eingeschliffene Routinen von einem Moment zum anderen zu verändern. Sie neigen dazu, unangepasst zu sein, und obwohl viele Retter bereit waren, für ihre Prinzipien zu sterben, betrachteten sie sich nicht als heldenhaft.” (eBook, S. 351)

Es ist unglaublich, was diese Familie und ihre Helfer geleistet haben! Und ich ertappe mich bei dem Gedanken und dem Wunsch, falls es je wieder nötig wäre, Menschen vor der Regierung und anderen Menschen (be)schützen zu müssen, den Mut zu haben und es den Żabińskis nachmachen zu können.

“Die Frau des Zoodirektors” ist ein sehr lesenswertes Buch! Es zeigt einen Ausschnitt der Gräueltaten des Krieges, wie sie sich im Nachbarland Polen zugetragen haben. Oftmals liest man Bücher über den 2. WK, doch meistens spielen sie in Deutschland. Für mich war dieses Buch deshalb ein interessanter Perspektivenwechsel.

Zum Hörbuch
Da ich mit dem Buch eine sehr lange Zeit pausiert habe, suchte ich die Motivation, um weiter zu machen, im Hörbuch. Das Hörbuch ist gekürzt und von Bibiana Beglau eingesprochen. Ihre Stimme und Lesart brachte mir den Spaß am Buch zurück. Die Sanftheit, mit der die Sprecherin das Buch las, brachte mir den Romancharakter zurück. So hörte ich das Buch und las parallel mit. Immer, wenn Textpassagen im Hörbuch ausgelassen wurden, machte ich stopp und las diese erst und machte dann wieder weiter mit dem Hörbuch.

Dies ermöglicht mir nun auch sehr gut den Vergleich zwischen Buch und Hörbuch. Abschließend kann ich deshalb sagen, dass, wenn man sich lediglich auf den Kern der Geschichte konzentrieren möchte, das Hörbuch zu bevorzugen ist. Im Hörbuch sind die Längen und die Ausführungen, die mich nicht so sehr interessierten, gekonnt herausgekürzt worden.

Fazit
Ein sehr interessantes Buch über eine faszinierende Familie, die ihr Leben für hilfsbedürftige Menschen auf Spiel gesetzt hat und sich selbst und den eigenen Werten treu geblieben ist. Ein Buch, das ganz deutlich aufzeigt, dass so etwas nie mehr wieder passieren darf und was es bedeutet, wenn die Meschlichkeit verloren geht.

  • Kranichland

  • Autor: Anja Baumheier
  • Sprecher: Beate Rysopp
  • Spieldauer: 11 Std. und 45 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 124
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 119
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 118

Die Groen-Schwestern wachsen im Ost-Berlin der sechziger Jahre heran. Unterschiedlicher könnten die beiden Mädchen nicht sein: Charlotte, die ältere, brennt ebenso für den Sozialismus wie ihr Vater Johannes, der am Ministerium für Staatssicherheit Karriere macht. Die künstlerisch begabte Marlene hingegen eckt überall an und verliebt sich Hals über Kopf in Wieland, einen Pfarrerssohn, der die DDR kritisch hinterfragt. Mit jedem Tag wächst die Sehnsucht nach einem Leben in Freiheit.

  • 5 out of 5 stars
  • Tolle Familiensaga

  • Von monerl Am hilfreichsten 19.06.2018

Tolle Familiensaga

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 19.06.2018

Meine Meinung
Die Autorin erzählt eine spannende Familiensaga vor dem Hintergrund der Geschichte der DDR, die voller Geheimnisse ist und die nach und nach aufgedeckt und zusammengefügt werden. Dabei wird die Vergangenheit aufgewühlt und entblößt so manch hässliche und unerwartete Wahrheit, die alles, an was die Schwestern Charlotte und Theresa geglaubt haben, zum Einstürzen bringt.

Es gibt viele Personen und viele Verwicklungen, denen man als Leser folgen muss. Die beiden Handlungsstränge, Damals und Gegenwart, sind sehr schön aufeinander abgestimmt und geben immer, Stück für Stück, die Geheimnisse preis. Doch sobald man denkt, man wäre im Bilde, kommt wieder eine neue Entwicklung und ein neues Geheimnis. Das hat die Geschichte sehr spannend gemacht, sodass ich kaum aufhören wollte das Buch zu hören.

Die Charaktere reifen mit dem Fortgang der Geschichte. Am meisten fällt dies bei Charlotte auf. Als Lieblingstochter des Vaters, immer im Kampf um die Liebe und Aufmerksamkeit der Mutter, die scheinbar die jüngere Marlene bevorzugt, ist sie der Vorzeigebürger der DDR: Systemtreu, leichtgläubig, formbar und brennt für ihren Beruf als Staatsbürgerkundelehrerin. Nach dem Mauerfall braucht sie erstmal eine Weile, um sich der neuen Situation anzupassen und ihren Weg in der BRD samt der Freiheit, die sie nun genießt, zu finden. Und trotz vieler Beweise fällt es ihr sehr schwer zu glauben, was die DDR und das Regierungssystem den eigenen Bürgern damals angetan hat.

Anhand von Marlenes Schicksal ist es Anja Baumheier ebenso gelungen aufzuzeigen, wie Künstler und Freidenker in der DDR bestraft wurden und wie ihr Leben systematisch zerstört wurde. Ohne Rücksicht auf Verluste, familiäre Bände oder auch das Alter wurde gegen Personen vorgegangen, die sich kritisch äußerten oder auf andere Art und Weise auffielen und nicht ins System passten.

Die Autorin zeigt glaubhaft auf, mit welchen Emotionen alle Beteiligten zu kämpfen hatten. Es gibt nicht nur die Bösen und die Guten. Ein jeder hatte bestimmte Umstände, an die er sich anpassen und sein handeln danach ausrichten musste.

Durch einfache und dem Buch angepasste Sprache konnte mich Anja Baumheier mit ihrem Debüt fesseln.

Zum Hörbuch
Beate Rysopp liest einfühlsam und eindringlich. Sie konnte mich als Sprecherin überzeugen und für sich gewinnen. Ich freue mich schon auf das nächste Hörbuch mit ihrer Stimme.

Fazit
Eine Familiensaga, die ohne Kitsch auskommt und dennoch von großer Liebe mit vielen Höhen und Tiefen erzählt. Wer die Geschichte der DDR, nicht nur auf Fakten reduziert, erleben will, setzt sich am besten in einen gemütlichen Ohrensessel und lässt sich von Beate Rysopp in 80 Jahre verzwickte Familiengeschichte entführen.

8 von 8 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Die bittere Gabe

  • Autor: Ellen Marie Wiseman
  • Sprecher: Katrin Zimmermann
  • Spieldauer: 13 Std. und 58 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 152
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 143
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 143

Noch nie im Leben durfte die zehnjährige Lilly ihre Kammer auf Blackwood Manor verlassen. Die Menschen würden bei ihrem Anblick zu Tode erschrecken, so ihre Mutter. Umso erstaunter ist das Mädchen, als sie eines Tages mit in den Zirkus darf. Doch statt eine Vorstellung zu bestaunen, wird Lilly an die Freakshow verkauft und fortan als "Eisprinzessin" ausgestellt. Ihr Schicksal bessert sich erst, als sie entdeckt, wie gut sie mit den Elefanten umgehen kann. Aber erst zwanzig Jahre später wird ihr hartes Los gesühnt.

  • 3 out of 5 stars
  • Ein unglaublich trauriges Buch,

  • Von Seraphine Am hilfreichsten 03.06.2018

Sehr traurig aber oberflächlich

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 18.06.2018

Kurzmeinung

Genre: Roman

Handlung: Der Roman gliedert sich in zwei Handlungsstränge. Der erste handelt von Lilly, dem zehnjährigen Albinomädchen, das von ihrer christlich streng gläubigen Mutter als Schande empfunden und auf dem Dachboden versteckt wird. Um sich endlich von ihr zu befreien verkauft sie Lilly eines Tages an die Freakshow des gastierenden Zirkuses. Fortan ist der Zirkus Lillys Gefängnis. Julia erbt im zweiten Handlungsstrang das Anwesen ihrer Eltern, auf das sie nun zurückkehrt, nachdem sie Jahre zuvor von dort abgehauen ist. Nach und nach deckt sie Geheimnisse auf, die das Bild ihrer Eltern zerstören und sie alles in Frage stellen lässt, was sie als ihre Vergangenheit und ihre Wurzeln angesehen hat.

Charaktere: Alle Haupt- sowie Nebencharaktere bleiben leider streckenweise recht eindimensional. Lilly wird zwar an die Freakshow verkauft, doch so ein richtiger “Freak” ist sie eigentlich nicht. Die Autorin beschreibt Lilly eher als ein wunderschönes, zartes Mädchen, das durch seine weiße Haut und die hellen Haare wie eine Porzellan-Prinzessin wirkt. Sie kann wundervoll mit Tieren umgehen, ist feinfühlig, liebenswert und irgendwie sehr perfekt. Das, was ihre Mutter ihr angetan hat, ist furchtbar. Dies hat mich sehr berührt! Die Grausamkeit und Lieblosigkeit ihrer Tochter gegenüber, die einfach nur helle Haut hat und sonst keinerlei Behinderungen aufweist, weshalb man auf die Idee kommen kann, sein Kind dermaßen abzustoßen, ist für mich durch den Verlauf des Buches nicht nachvollziehbar geworden. Der Vater wird durchweg als Schwächling dargestellt. Zu keiner Zeit schafft er es für das einzustehen, was er denkt und was er als richtig empfindet. Auch hierfür bietet die Autorin keinerlei Erklärung. Julia bleibt lange Zeit ein Mysterium. Ich konnte sie nicht greifen. Den Zwist, den sie mit ihrer Mutter / ihren Eltern hatte und was genau die Gründe waren, dass sie von zu Hause abgehauen ist, fand ich nicht genug ausgearbeitet. Selbst den Figuren des Zirkuses fehlt es an Tiefe. Sie sind eben “Freaks“, die sich mit ihrer Situation angefreundet haben und versuchen das Beste aus ihrem Leben zu machen. Die Zirkusverantwortlichen wurden auch nur als eher böse dargstellt. Mir fehlte hier der Hintergrund, warum sie das machen, was sie machen und wieso sie eher schlechten als guten oder zumindest neutralen Charakters sind.

Spannung: Am Anfang ist nicht klar, was mit Lilly passiert und warum. Als Leser ahnt man zwar etwas, erwartet aber viel mehr als das, was einem die Autorin präsentiert. Wir begleiten Lilly und Julia im Wechsel und die Verbindung und das Geheimnis wird nach und nach aufgedeckt. Als mir klar war, worauf das hinauslaufen wird, gab es eigentlich kaum noch Überraschungen. Der Plot folgte meiner Vorstellung. Im letzten Drittel flacht somit die Spannung ziemlich ab.

Schreibstil: Die Autorin hat eine einfache und unspektakuläre Sprache gewählt. Über zwei Handlungsstränge, bestehend aus Vergangenheit und Gegenwart, spitzt sie den Roman zu. Ich hatte oftmals das Gefühl, dass viele verschiedene Momentaufnahme aneinadergereiht wurden. Mir fehlten oftmals ein länger beschreibender Abschnitt dazwischen, um der Geschichte mehr Tiefe zu verleihen. Es hat, thematisch gesehen, viel Potential gegeben, auf verschiedene Aspekte der Geschichte richtig einzugehen. Doch jeder Themenbereich wurde recht oberflächlich behandelt. Was der Autorin aber sehr gut gelungen ist, das ist die Beschreibung des schweren Schicksals von Lilly, und somit auch von Julia. Es hatte mich immer wieder sehr getroffen, was Lilly zu erleiden hatte. Eine tief-traurige Geschichte, die mir zu Herzen ging.

Ende: Ein nicht mehr ganz so überraschendes Ende, das leider einige Fragen offen und die Geschichte dadurch als etwas unrund erscheinen lässt. Als hätte es an Zeit und Ideen gefehlt.

Hörbuch: Als Hörbuch sehr schön und passend von Katrin Zimmermann eingesprochen. Ich habe ihr die lange Zeit sehr gerne zugehört. Für Hörbuchliebhaber dem Buch zu bevorzugen.

Fazit: Eine Geschichte, die interessant dargestellt wurde und viele Möglichkeiten zur Vertiefung bot. Leider wurden diese nicht in dem Umfang ausgenutzt. Letzendlich bleibt ein Roman, der tief berührt und einen auch am Ende äußerst traurig stimmt, doch leider zu sehr an der Oberfläche bleibt. Was aber die “bittere Gabe”, mit der das Buch betitelt wurde, sein soll, hat sich mir nicht erschlossen.

4 von 4 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Ede und Unku

  • Autor: Alex Wedding
  • Sprecher: Heike Makatsch
  • Spieldauer: 3 Std. und 59 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 7
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 7
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 7

In der ehemaligen DDR gehörte der Kinder- und Jugendroman "Ede und Unku" zum Kanon der Schulliteratur, 1980 wurde der Roman unter der Regie von Helmut Dziuba mit dem Titel "Als Unku Edes Freundin war" verfilmt. Jetzt hat das Buch von Alex Wedding alias Grete Weiskopf eine prominente Stimme bekommen. Schauspielerin Heike Makatsch hat die Hörbuchfassung eingesprochen. Heike Makatsch, geboren 1971 in Düsseldorf, gehört zu den beliebtesten Schauspielerinnen Deutschlands. 1996 gelang ihr in Detlev Bucks Kultfilm "Männerpension" der filmische Durchbruch und sie wurde prompt mit dem Bayerischen Filmpreis ausgezeichnet.

  • 5 out of 5 stars
  • Der Arbeiterjunge Ede und das Sinti-Mädchen Unku

  • Von monerl Am hilfreichsten 14.06.2018

Der Arbeiterjunge Ede und das Sinti-Mädchen Unku

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 14.06.2018

Meine Meinung
Nachdem ich vor Kurzem “Ede und Unku – Die wahre Geschichte” von Janko Lauenberger gelesen habe, dem Ur-Großcousin von Unku, wollte ich im Nachgang auch die Geschichte von Ede & Unku kennen, in der Unku eine Rolle gespielt hat.

Wir lernen zu Beginn Ede Sperling und seine Familie kennen. Edes Vater ist Arbeiter und wird arbeitslos. Maschinen ersetzen seine Arbeitskraft. Das bedeutet, dass die Familie in naher Zukunft einige Entbehrungen erfahren wird. Ede will helfen und ergattert den Aushilfsjob Zeitungen auszutragen.

Er lernt Unku auf dem Jahrmarkt kennen. Unku ist ganz anders als andere Mädchen und Kinder. Sie ist lustig, frei und auch ein bisschen Vorlaut. Ihr Lachen ist ansteckend und Ede hat viel Spaß mit Unku und bei ihrer Familie. Denn Unku ist ein Sinti-Mädchen, das mit ihrer Familie im Wohnwagen lebt. Dort ist es zwar sehr eng, doch gehen die Familienmitglieder auch irgendwie anders damit und miteinander um, als Ede es gewohnt ist. Unku spricht auch eine andere Sprache, von der Ede sehr begeistert ist. Gerne merkt er sich den einen oder andern Ausdruck, den er mit großer Freude vor seinen Freunden verwendet.

Auch ein neues Fahrrad, darf Ede sein Eigentum nennen und eines Tages ist es weg. Wie soll Ede nun seine Zeitung ohne das Fahrrad, das zudem so teuer war, austragen? Und was hat es mit Max' Vater auf sich, der zu den Kommunisten gehörte? Und warum versteckt er sich im Schrank bei den Sperlings?

Die Autorin hat ein schönes Kinder- und Jugendbuch geschrieben, in dem es um Freundschaft und Mut geht und über all die Abenteuer, die Ede und Unku dabei erleben.

Die schönen Geschichten basieren auf wahren Erlebnissen, von denen Alex Wedding persönlich erfahren hatte, da sie mit Unku und ihrer Familie befreundet war. Bei vielen Besuchen konnte sie so die Geschichten sammeln und schrieb darüber dann dieses Buch.

Zum Hörbuch
Heike Makatsch trifft genau den richtigen und verschmitzten Ton, um der Geschichte einen besonderen Reiz zu geben. Ein wunderbares Hörbuch, das Spaß macht.

Fazit
Die Abenteuer von Unku und ihrem Freund Ede, als die Welt für Sinti und Roma noch einigermaßen in Ordnung war. Es tut gut zu wissen, dass die im KZ ermordete Erna Lauenburger, die unter ihrem Sinti-Namen Unku bekannt und die Vorlage für die Unku im Buch war, wenigsten eine schöne Kindheit hatte.

1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Was vom Tage übrig blieb

  • Autor: Kazuo Ishiguro
  • Sprecher: Gert Heidenreich
  • Spieldauer: 8 Std. und 51 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 1.326
  • Sprecher
    5 out of 5 stars 1.250
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 1.254

Ausgezeichnet mit dem Nobelpreis für Literatur 2017! Seit Jahrzehnten dient Stevens als Butler auf Darlington Hall. Er sorgt für einen tadellosen Haushalt und ist die Verschwiegenheit in Person: Er hat sein Leben voll und ganz in den Dienst seines Herrn gestellt, niemals würde er auch nur ein Wort über die merkwürdigen Vorgänge im Herrenhaus verlieren. Jetzt bricht er zum ersten Mal aus seiner gewohnten Welt aus, um seine ehemalige Kollegin, Miss Stenton, in Cornwall zu besuchen.

  • 5 out of 5 stars
  • Die Tatsachen des Lebens

  • Von doktorFaustus Am hilfreichsten 19.12.2017

Schöne Sprache aber sehr zähe Geschichte

Gesamt
3 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
3 out of 5 stars

Rezensiert am: 12.06.2018

Kurzmeinung

Genre: Roman

Handlung: Die Handlung ist vielfältig. Zum einen geht es um den Butler Stevens, der sich voll und ganz seinem Beruf verschrieben hat. Diesen führt es voller Hingabe und absoluter Würde aus. Die Hierarchie wird nicht hinterfragt, genauso wenig die Vorgänge, die sich im Haus über viele Jahre abspielen. Große Politik wird gemacht und Geschichte geschrieben, doch Mr. Stevens erlaubt sich kein Urteil. Der Zweite Weltkrieg steht vor der Tür und Politiker und Diplomaten aus aller Welt finden in England in diesem Herrenhaus zusammen, tauschen sich aus und debattieren. So ein Herrenhaus benötigt neben einem herausragenden Butler ebenso eine herausragende Hauswirtschafterin. Miss Kenton ist für diese Rolle ebenso geschaffen wie Mr. Stevens für seine. Zwischen den beiden gibt es eine Art Zuneigung, die jedoch nie über das förmliche Verhalten hinausgeht. Zu persönlich und zu privat mag Mr. Stevens nämlich überhaupt nicht.

Charaktere: Zwei Protagonisten, die sich in nichts nachstehen. Mr. Stevens, der Butler, ist sehr gut porträtiert und sein charakterlicher roter Faden ist absolut durchgängig, ganz ohne Unterbrechungen. Er ist das Nonplusultra eines Butlers. Er dient mit ganzem Herzen, mit offenen Augen und verschlossenen Ohren. Denn es steht ihm nicht zu, sich eine Meinung über all die Gäste zu bilden, die im Herrenhaus ein- und ausgehen. Er besitzt eine kühle Distanz, die sogar so weit geht, dass er nicht in der Lage ist, seinem sterbenden Vater ein paar Minuten beizustehen. Er fühlt sich unwohl und nimmt seine Arbeit als Vorwand gehen zu müssen, da dies sein Vater, ebenso ein Butler vom alten Schlag, absolut verstehen kann und nicht dulden würde, wenn sein Sohn ein schlechtes Bild auf sich und den Berufsstand wirft. Miss Kenton erfüllt nur vordergründig die Anforderungen an ihren Berufsstand als Hauswirtschafterin. Sie erfüllt ihre Aufgabe mit Bravour, leistet sich aber immer wieder ein liebevolles Geplänkel mit Mr. Stevens. Vergeblich versucht sie ihm Emotionen zu entlocken und erkennt immer, wann er Zuspruch und ein gutes Wort braucht. Sie stärkte ihm den Rücken, nachdem sein Vater gestorben war. Diese beiden Figuren sind dem Autor hervorragend gelungen!

Spannung: Auf Spannung wartet man in diesem Roman vergeblich. Es kommt ein Interesse auf, wie das Aufeinandertreffen der beiden, nach so vielen Jahren, vonstatten gehen wird. Wird Mr. Stevens endlich etwas aus sich heraus gehen können und Miss Kenton gestehen, dass er sie all die Jahre vermisst hat? Wird sie mit ihm zurück ins Herrenhaus kommen und ihre alte Stelle wiederaufnehmen? Auf das Ende ist man somit wohl gespannt, doch diese Frage schwirrt dem Leser nicht permanent im Kopf herum.

Schreibstil: Keine Frage, Kazuo Ishiguro hat sprachlich gesehen mit diesem Roman etwas Besonderes geschaffen. Sehr ruhig schreitet das Geschehen voran. Und unter der hochgehobenen und -geborenen Gesellschaft entspannen sich Gespräche, die man nicht alltäglich nennen kann. Erfrischend waren für mich auch die Dialoge von Mr. Stevens und den Bürgern der Ortschaften, in denen er auf seiner Reise gewollt als auch ungewollt Halt macht. Hervorragend auch die innere Reise von Mr. Stevens. Wie man anhand von seinen Aussagen merkt, dass er angefangen hat sich mit sich und seiner Vergangenheit zu beschäftigen und analysiert, ob er manchmal nicht hätte anders handeln müssen.

Ende: Ein Ende, das sich für mich so abgezeichnet hat. Deswegen aber nicht minder gut. Dem Autor ist es gelungen der Geschichte treu zu bleiben. Das gefällt mir sehr.

Hörbuch: Wunderbar gelesen und interpretiert von Gert Heidenreich, meinem liebsten Sprecher für Hörbücher. Keiner schafft es auf so ganz besondere Weise Figuren und ihre Charaktere so wiederzugeben, dass es vom Anfang bis zum Ende ein reiner Hörgenuss ist.

Fazit: Ein wirklich gutes Hörbuch! Doch trotz all dem Positiven, das ich hier erwähne und hervorhebe, kann selbst die schöne Sprache und der herausragende Sprecher die Eintönigkeit und auch in großen Teile die Langeweile der Geschichte nicht verschwinden lassen. Hätte ich das Buch gelesen, hätte ich sicherlich immer mal wieder Seiten überblättert oder quergelesen. Mir persönlich reichte das leider nicht, um das gesamte Buch als herausragend bezeichnen zu können. Ich fühlte mich nicht mitgerissen. Mich konnte auch diese bittersüße und unerfüllte Liebe nicht so richtig rühren.

1 von 1 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Als wir unsterblich waren

  • Autor: Charlotte Roth
  • Sprecher: Elisabeth Günther
  • Spieldauer: 18 Std. und 41 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 340
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 326
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 326

November 1989. "Willkommen in Westberlin", dröhnt es aus einem Lautsprecher, als die Ostberliner Studentin Alexandra von der Menschenmenge in die Arme eines jungen Mannes gedrängt wird. Liebe auf den ersten Blick! Berlin vor dem Ersten Weltkrieg. Die junge und mutige Paula setzt sich leidenschaftlich für Frauen- und Arbeiterrechte ein. Ihre Träume von einer neuen, gerechteren Welt teilt sie mit dem charismatischen Studentenführer Clemens, mit dem sie Seite an Seite kämpft.

  • 4 out of 5 stars
  • Deutsche Geschichte von 1912 - 1933

  • Von monerl Am hilfreichsten 06.06.2018

Deutsche Geschichte von 1912 - 1933

Gesamt
4 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
4 out of 5 stars

Rezensiert am: 06.06.2018

Meine Meinung
Das Debüt von Charlotte Roth nimmt uns mit ins Deutsche Kaisserreich, den 1. Weltkrieg von 1914 – 1918, den Deutschland verloren hatte und kurz darauf in die Weimarer Republik, die am 09. November 1918 ausgerufen wird. Das ist die erste Wende, die Paula miterlebt.

Sie glüht für den höher geborenen Clemens und für die SPD Partei, die Arbeiterpartei, der Clemens sein Leben gewidmet hat.

Die 93-jährige Paula erlebt mit ihrer Enkelin Alex 1989 die zweite Wende. Die Mauer zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR ist gefallen, die Grenzen sind offen und Alex findet an diesem historischen Tag die große Liebe, eine Liebe auf den ersten Blick.

Doch Paula erkennt in dem Namen des jungen Mannes eine längst vergessene und verdrängte Vergangenheit wieder und erleidet einen Herzinfarkt. Nun ist es an Alex ihre Wurzeln zu suchen. Bevor sie stirbt, muss Paula ihr ihre Geschichte erzählen.

Und dies vollzieht die Autorin ganz wunderbar, indem sie Vergangenheit und Gegenwart mit ein dem gleichen Satz enden und anfangen lässt. Eine sehr schöne Art die beiden Handlungsstränge zu verbinden.

Dabei kommen viele Geheimnisse ans Licht. Viele Verletzungen, körperliche wie seelische, die bis in die Gegenwart nicht geheilt werden konnten. Zwei große Kriege, die das Schlimmste im Menschen herausgeholt haben und mit dessen Folgen es sich nicht mehr unbeschwert und unbedart leben lässt. Gräueltaten können nicht ausradiert werden.

Paulas Leben füllen zahlreiche Menschen, die die ganze Geschichte sehr lebhaft machen. Gerne habe ich ihre Schicksale verfolgt und dabei viel über die politische Struktur von damals gelernt. Habe mitgefiebert, wie die SPD an die Macht kam, wie sie sich zerstritt und wie langsam aber bestimmt Hitler und seine Schergen die Führung übernahmen.

Da es kein Leben ohne Liebe gibt, begegnen wir ihr auch hier mehrfach und in allen Facetten. Doch manchmal war es mir hierbei zu viel. Ein zuviel an hin und her und Verletzungen der Herzen.

Obwohl Paula und viele andere Figuren sehr gut charakterisiert worden sind, wir viel über sie erfahren und viele Hochs und Tiefs miterleben, konnten sie mich nicht so mitreißen, wie ich es sonst von den Figuren Charlotte Roths gewohnt bin. Eine gewisse Distanz war nicht zu überwinden. Und Alex bleibt leider ziemlich eindimensional und fad. Ihr Handlungsstrang ist nur der Aufähänger, um den geschichtlichen Rahmen einzuleiten. Gerne hätte ich auch mehr über sie und über die spannende Zeit von 1989 erfahren.

Das Ende ist wie immer gelungen und rund und sorgt für die eine oder andere Überraschung.


Zum Hörbuch
Elisabeth Günther ist eine sehr gute Sprecherin und ausgezeichnet für dieses Hörbuch ausgewählt. Sie ließ die Geschichte lebendig werden und ich fühlte mich mitten drin. Es gelang ihr durch die Sprechart die Figuren zu charakterisieren und ihnen einen Erkennungswert zu geben. Absolut top und deshalb sehr höhrenswert.


Fazit
Ein großartiges Debüt, das Deutsche Geschichte verständlich macht. Mitreißend, informativ und lebendig! Für alle, die sich vor Liebesgeschichten nicht scheuen und gerne Bücher mit intensiven Dialogen zu schätzen wissen. Eine klare Leseempfehlung für das Buch sowie das Hörbuch.

3 von 3 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Eine Handvoll Senfkörner

  • Autor: Laila Ibrahim
  • Sprecher: Yara Blümel
  • Spieldauer: 9 Std. und 29 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 201
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 188
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 187

Ohio, 1868: Lisbeths Vater liegt im Sterben. Um ihn noch einmal zu sehen, reist die junge Frau zur Plantage Fair Oaks, wo sie einst aufgewachsen ist. Doch in Virginia scheint die Zeit stehengeblieben. Ihre Familie glaubt immer noch an die Ideale der Südstaaten und kann ihr nicht verzeihen, dass sie sich den Werten des freien Nordens verschrieben hat. Auch die entflohene Sklavin Mattie Freedman, einst Lisbeths geliebtes Kindermädchen, ist auf dem Weg nach Fair Oaks. Sie will eine Verwandte in den sicheren Norden bringen. Mattie reist nicht allein.

  • 5 out of 5 stars
  • Eine schöne Fortsetzung

  • Von monerl Am hilfreichsten 28.05.2018

Eine schöne Fortsetzung

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
4 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 28.05.2018

Meine Meinung
Der Amerikanische Bürgerkrieg ist vorbei und 1865 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft. Lisbeth sowie Mattie leben 1968 mit ihren Familien im Norden, im Bundesstaat Ohio, in dem die schwarze Bevölkerung schon länger frei ist, einigermaßen gleichwertig behandelt wird, studieren und auch akademische Berufe ausüben darf. So ist Jordan Lehrerin geworden und Samuel Rechtsanwalt. Mattie sorgt sich um ihre Nichte Sarah und möchte endlich ihr damaliges Versprechen einlösen und Sarah zu sich nach Ohio bringen. Sie ist realistisch genug um zu wissen, dass nach dem verlorenen Bürgerkrieg, alle ehemaligen Sklaven in den Südstaaten gewiss nicht frei sind und ganz bestimmt nicht gut und angemessen behandelt werden.

Gegen Mattie erscheint Lisbeth recht naiv. Erst durch ihre Ankunft bei ihrer Familie erkennt sie, dass Freiheit für ehemalige Sklaven nur ein Wort auf dem Papier ist. In den Südstaaten werden sie immer noch ausgebeutet, nicht für ihre Arbeit bezahlt und weiterhin als Leibeigene angesehen.

Der Autorin gelingt es sehr gut die damalige Stimmung im Land einzufangen und zu transportieren. Lisbeths Unwissenheit und dann die Erkenntnis, dass sich eigentlich nichts geändert hat als auch Matties und Samuels Angst, sobald sie wieder im Süden angelangt sind, ist sehr greifbar. Sie nimmt den Leser mit in die beiden Geschichten, die sich erst parallel abspielen und dann zum Ende hin zu einer werden.

Lisbeths Bruder Jack, der unter Lisbeths Heirat mit Matthew sehr zu leiden und all sein familiäres Ansehen verloren hatte, wird zum Richter über Matties Leben und das ihrer Kinder. Laila Ibrahim schafft es an diesem Punkt, dass man nicht mehr aufhören möchte das Buch zu lesen bzw. zu hören. Die Spannung steigert sich bis zum Schluss. Eine Verstrickung aller Beteiligten wird zum Höhepunkt getrieben und sehr schön und auch authentisch aufgelöst.

Als sehr gelungen empfand ich die Charaktere insgesamt. Ich konnte sie mir vorstellen und mit ihnen mitfiebern. Sie erfahren eine Entwicklung, die die gesamte Geschichte vorantreibt. Aus den naiven Lisbeth und Jordan werden Kämpferinnen für das Gute. Sie nehmen sich zurück, weil sie sich dafür entscheiden das Richtige zu tun und geben damit aber die eigene Bequemlichkeit auf.

Es war auch interessant mitzuerleben, wie Lisbeths Kindern bewusst wird, dass das Leben, das sie kennen und schätzen, nicht überall gelebt wird. Dass sogar die eigene Familie, hier in Form von Großmutter und Onkel, ganz entgegengesetzte Vorstellungen von Menschlichkeit, Großzügigkeit und Gleichberechtigung haben können.

Sehr gut gefallen hat mir auch der Bezug zum Titel. Im Laufe des Buches werden einige Male diese Senfkörner und ihre Bedeutung erwähnt, die ich mir gerne erlesen habe.


Zum Hörbuch
In diesem Hörbuch war ich nicht so ganz zufrieden mit der Sprecherin. Was Yara Blümel in “Gelber Krokus” noch souverän gelungen war, konnte sie in diesem Teil nicht fortsetzen. Insgesamt fand ich ihre Stimme zu jammerhaft. Dieses “leidige” in der Stimme zog sich leider durch das gesamte Buch und passte nicht zu jeder Figur. Hier hätte mehr Stärke und Entschlossenheit transportiert werden müssen. Lediglich die Passagen, in denen Mattie sich unterwürfig geben musste, waren somit authentisch und nachvollziehbar wiedergegeben worden.


Fazit
Insgesamt eine gelungene Fortsetzung, die die damalige Zerrisenheit der amerikanischen Nation sehr gut aufzeigt. Ein toller Nachfolgeband, der eigenständig gelesen werden kann, atmosphärisch jedoch nicht ganz an “Gelber Krokus” herankommt. Dennoch eine Lese- bzw. Hörempfehlung mit 4 von 5 Sternen.

11 von 11 Hörern fanden diese Rezension hilfreich

  • Hirngespenster

  • Autor: Ivonne Keller
  • Sprecher: Vera Teltz
  • Spieldauer: 11 Std. und 36 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 1.986
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 1.869
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 1.872

Als Silvie nach einem Unfall erwacht, ist die einst so lebenslustige Frau gefangen in ihrem eigenen Körper. Ihre Schwester Anna, die seit Jahren kurz vor einem Zusammenbruch stand, scheint verschwunden - und die Frau, die sie so liebevoll pflegt, hat Silvie über Jahre als gefährliche Rivalin gesehen.

  • 5 out of 5 stars
  • Spannend aufgebaut, toll erzählt, geniales Ende

  • Von Ute Am hilfreichsten 19.08.2017

Grandios!

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 30.04.2018

Durch dieses Hörbuch bin ich regelrecht geflogen! Ich bin darauf durch eine Reduzierungsaktion von Audible darauf aufmerksam geworden, denn das Buch hat nicht nur viele Rezensionen, es hat auch grandios viele positive. Der Klappentext ist kurz aber spannend und hat mein Interesse geweckt.

Zu meiner großen Freude spielt das Buch genau in dem Umkreis, in dem ich wohne. Silvie, ihre Schwester Anna wohnen mit ihrer Familie in Frankfurt und Umgebung. Viele der im Buch genannten Ortschaften kenne ich und das steigerte meine Lesefreude umso mehr!

Silvie und Anna, zwei Schwestern, die jedoch unterschiedlicher nicht sein könnten. Die ältere Anna ist fleißig und sparsam und bereitet, sich so gut es geht, finanziell sowie mental auf ein späteres Familienleben mit Mann, Kindern und eigenem Haus vor. Silvie dagegen sprüht vor Lebens- und Reiselust. Sie studiert und möchte das Leben, so weit wie es geht, genießen. Alles kommt irgendwann wie es soll, lautet ihr Motto.

Irgendwann finden beide den Partner fürs Leben, gründen eine Familie und erkennen, dass ihr Leben sich nun ganz anders entwickelt hat, als sie es sich vor einiger Zeit vorgestellt haben. Annas Ehe- und Familienleben treibt sie in eine medikamentöse Abhängigkeit und Depression.
Silvie erkennt, dass sie sich von ihrem Mann emotional sehr weit entfernt hat. Unter anderem spielt da auch die körperliche Ablehnung eine Rolle, die sie durch Johannes während ihren Schwangerschaften erfahren musste. Und so nimmt alles nun seinen Lauf...

Ivonne Keller hat wirklich eine grandios spannende Geschichte geschrieben, die ihren Spannungsbogen bis zum letztendlichen Schluss aufrechthalten und sogar steigern kann. Die seltsame Situation, auf die in der Buchbeschreibung eingegangen wird, löst sich erst ganz am Ende. All meine Vorstellungen und Spekulationen wurde am Ende absolut übertroffen und ich war positiv überrascht, dass die Autorin es geschafft hat, der wunderbaren Story, einen absoluten Paukenschlag als Auflösung zu geben! Selten wurde ich für das Lesen eines Buches mit einem so unverhofften, speziellen und besonderen Ende belohnt wie hier.

Die Figuren sind sehr vielschichtig und menschlich, haben Fehler und Schwächen und genau deshalb folgt man ihrem Weg mit großer Freude.

Ivonne Kellers Sprache ist klar, direkt und voll von schöner Satire und Sarkasmus. Es gelingt ihr ganz besonders, die unterschiedlichen Figuren sprachlich abzugrenzen und ihnen einen eigenen Charakter zu geben. Das kommt im Hörbuch ausgezeichnet zur Geltung. Die Kapitel eröffnen verschiedene Blickwinkel, wobei Silvies Teil in der Ich-Form geschrieben wurde. Sie ist die Protagonistin und erzählt. Die einzelnen Kapitel greifen wunderbar ineinander über und man bekommt die Geschichte jeweils aus einer anderen Perspektive erzählt, die die Geschichte stetig nach vorne bringt und Stück für Stück immer mehr Fragen beantwortet.

Zum Hörbuch:
Vera Telz hat einige bekannte Bücher eingesprochen und ist für diesen Titel hier genau die richtige Besetzung. Ich folgte sehr gespannt ihrer Erzählung und freute mich, wie toll sie den einzelnen Charakteren eine eigene Stimme geben konnte.

Fazit:
Ein fantastisches und mega spannendes Buch, das alles hält, was der Klappentext verspricht! Man hat schon fast das Gefühl, als würde man einen Psychothriller lesen, so sehr schafft es Ivonne Keller einen ins Buch zu ziehen. Als Leser ist man einem Rätsel auf der Spur und wird fürs Durchhalten mit einem herausragenden Finale belohnt. Ivonne Keller war mir als Autorin bisher kein Begriff, aber ich bin sicher, dass ich mehr von ihr lesen oder hören will. Wer Lust auf eine außergewöhnliche und spannende Geschichte hat, sollte sich dieses Buch hier nicht entgehen lassen! Von mir gibt's eine ganz klare Lese- und Hörempfehlung!

  • Ab heute heiße ich Margo

  • Autor: Cora Stephan
  • Sprecher: Tanja Fornaro
  • Spieldauer: 18 Std. und 8 Min.
  • Ungekürztes
  • Gesamt
    4.5 out of 5 stars 1.635
  • Sprecher
    4.5 out of 5 stars 1.539
  • Geschichte
    4.5 out of 5 stars 1.539

Margo weiß, was sie will: eine anspruchsvolle Arbeit und Verantwortung. Als sie Helene bei Photo-Werner trifft, hat diese schon viel riskiert. Sie ist im Spanischen Bürgerkrieg zwischen die Fronten geraten. Mit ihr taucht Alard von Sedlitz in Stendal auf, ein charismatischer junger Schlesier, in den sich beide verlieben. Sie werden durch Krieg und Verfolgung getrennt. Margo verliert auf der Flucht 1945 ihr Kind und beinahe ihr Leben. Mit Henri, dem der Krieg alle Illusionen geraubt hat, baut sie sich eine neue Existenz in Westdeutschland auf. Helene, die Buchenwald überlebt hat, wird in Ostberlin von der Stasi zur "Botschafterin des Friedens" ausgebildet.

  • 2 out of 5 stars
  • NS-Zeit und geteiltes Deutschland, etwas platt

  • Von laudine Am hilfreichsten 11.07.2016

Schöne Geschichte mit toller Sprecherin!

Gesamt
5 out of 5 stars
Sprecher
5 out of 5 stars
Geschichte
5 out of 5 stars

Rezensiert am: 28.04.2018

Auf dieses Hörbuch bin ich bei Audible aufmerksam geworden, da es eine zeit lang reduziert war. Die Beschreibung ist sehr umfangreich und zeigt auf, dass man hier eine Geschichte erhält, die viele interessante Punkte enthält, wie den 2. Weltkrieg, Gründung DDR, Mauerbau und Auflösung der DDR und dazwischen der Kalte Krieg mit der Spionage von Ost- und Westdeutschland, Nachkriegszeit und Wiederaufbau.

Dabei stehen drei Personen im Vordergrund. Insbesondere die beiden Protagonistinnen und "Gegenspielerinnen" Margo und Helene und als wichtigste Nebenfigur Alard von Sedlitz.

Margarete Hegewald entscheidet, dass ihre Kindheit nun vorbei ist und streift damit auch ihren Namen ab. "Ab heute heiße ich Margo" bestimmt sie, nachdem Alard von Sedlitz ihr diesen wunderschönen Kosenamen gab und sie sich in ihn verliebt hat. Margo ist keine Frau, die an Heirat, Kinder und ein eigenes Heim denkt. Sie will was leisten, sie will arbeiten und Geld verdienen. Sie sucht Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt.

Ebenso geht es Helene. Sie suchte das Abenteuer und die Unabhängigkeit und landete ganz unbedarft im Spanischen Bürgerkrieg, der ihr gezeigt hat, dass es keine gute Seite gibt. Als Fotografin hat sie das Schlimmste festgehalten, das Menschen anderen Menschen antun können. Doch Ruhe gibt es keine, denn es ist Ende der 30er Jahre und die Kriegsmaschinerie wird in Gang gesetzt, die Margo und Helene auf unterschiedliche Seiten bringt. Und dies bleibt bis ins hohe Alter so. Zwei starke Frauen, denen das Schicksal übel mitspielt und beide nicht aus seinen Fängen lässt.

Mit viel Spannung und sehr abwechslungsreichem Plot begleiten wir Margo und Helene viele Jahrzehnte lang, in denen sich Cora Stephan viele überraschende Wendepunkte ausgedacht hat. Gut recherchiert und sprachlich gelungen wird hier eine Art Familiensaga erzählt, die historisch die BRD und die DDR in mehreren Facetten gegenüberstellt. Die Autorin wählte Blickwinkel, die ich so und in dieser Kombination noch nicht gesehen habe. Liebe, Freundschaft, Geburt und Tod und alles, was das Leben noch zu bieten hat, wird hier authentisch erzählt.

Cora Stephan schafft Tiefe und ihre Charaktere sind greifbar. Wie auch im echten Leben gibt es Gut und Böse, aber nicht nur gegenübergestellt, nein, sondern vereint in jedem Einzelnen. Dieses ist der Autorin ausnahmslos gut gelungen. Mal mochte ich die eine, mal die andere und entscheiden konnte ich mich dennoch für keine, welcher meine Sympathie gelten sollte.

Im letzten Drittel werden die zeitlichen Sprünge etwas größer, doch dies konnte ich gut überwinden.

Auch das Ende hatte mir insgesamt gut gefallen, obwohl es weniger harmonisch hätte sein dürfen.

Zum Hörbuch:
Tanja Fornaro als Sprecherin kannte ich bisher noch nicht. Ihre angenehme und klare Stimme hat mich jedoch sehr begeistert. Sie erzählt die Geschichte auf eine wundervolle Art und hat das Hörbuch zu einem wahren Hörgenuss für mich gemacht.

Fazit:
Ein historisches Jahrhundertbuch deutscher Zeitgeschichte, ein Spionagethriller, ein bisschen Krimi, Familiensaga und noch viel mehr, alles vereint in einem Roman. Nüchtern erzählt mit starken Charakteren, die den Leser und Hörer begeistern können. Von mir gibt's eine Lese- und Hörempfehlung!

1 von 2 Hörern fanden diese Rezension hilfreich