Das vorliegende Sachbuch beschreibt in ungemein kenntnisreicher, fesselnder und gelegentlich auch trocken-humorvoller Weise, wie sich seit der Antike diverse Erkrankungen einzelner Persönlichkeiten, aber auch ganzer Bevölkerungsgruppen auf den Verlauf der Geschichte ausgewirkt haben. Bei diesen Betrachtungen hält sich der Autor in den Kapiteln nicht strikt an die chronologische Reihenfolge. So widmet er sich zunächst der Frage, ob die Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts anders verlaufen wäre, wenn der kriegstreibende Kaiser Wilhelm II nicht so jung auf den Thron gelangt wäre, nachdem sein Vater Friedrich III nur 99 Tage nach seinem Amtsantritt als König von Preußen und deutscher Kaiser dem Kehlkopfkrebs erlag. Anschließend begibt Ronald Gerste sich zurück in die Antike, das Mittelalter, die frühe Neuzeit, um sich dann ausführlich mit Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts zu befassen. Bei den „geschichtsbeeinflussenden“ Krankheiten handelt es sich sowohl um Seuchen wie die Pest und weitere pandemische Erscheinungen wie die Syphilis, die Pocken, die Cholera, die Tuberkulose und die Spanische Grippe als auch um individuelle Krankheiten wie Krebs und Gefäßerkrankungen mit ihren verheerenden Folgen (Schlaganfällen).
Der Autor, der sowohl Historiker als auch Mediziner ist, beschreibt die Pathobiografie mächtiger und einflussreicher Persönlichkeiten und trifft dabei die Feststellung, dass in Bezug auf schwere, eigentlich mit Amtsunfähigkeit einhergehende Erkrankungen von Staatschefs quasi sowohl eine „Lügenpresse“ als auch eine „Lückenpresse“ evident wird. Die Bevölkerung diverser Länder wurde/ wird in vielen Fällen nicht oder bewusst falsch über den - oft sehr kritischen – gesundheitlichen Zustand amtierender oder zukünftiger Staatschefs informiert.
In den Anmerkungen am Ende des Buchs findet der interessierte Leser Quellenangaben, die zur Lektüre weiterer themenverwandter Sachbücher inspirieren können.
„Wie Krankheiten Geschichte machen“ ist ein sehr flüssig und anschaulich geschriebenes Sachbuch, das eine gelungene Mischung von Geschichte und Medizingeschichte ebenso unterhaltsam wie informativ darbietet. Für (medizin)historisch Interessierte unbedingt lesenswert!